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Rücktritt von Mesut Özil: "Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland"


Reaktionen auf DFB-Rücktritt  

"Berge von Respektlosigkeit, Vorurteilen und Rassismus"

23.07.2018, 12:27 Uhr | t-online.de, dpa

Rücktritt von Mesut Özil: "Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland". Aiman A. Mazyek: Der Zentralratsvorsitzende kritisiert den Umgang der Öffentlichkeit mit Özil mit deutlichen Worten. (Quelle: dpa/Sebastian Kahnert)

Aiman A. Mazyek: Der Zentralratsvorsitzende kritisiert den Umgang der Öffentlichkeit mit Özil mit deutlichen Worten. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa)

Mit deutlichen Worten kritisiert der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Mazyek, den öffentlichen Umgang mit Mesut Özil. Doch es gibt auch ganz andere Meinungen aus Politik und Sport zu dem Fall.

Das hat gesessen! Ganz Deutschland spricht über die schweren Vorwürfe von Mesut Özil gegen Medien, den Deutschen Fußball-Bund und im Speziellen DFB-Präsident Reinhard Grindel. Im Zuge seines Rücktritts aus der deutschen Nationalmannschaft hatte Özil dem 56-Jährigen und einem Teil der deutschen Öffentlichkeit Rassismus vorgeworfen und damit seinen Abschied begründet.

Statement auf sozialen Kanälen: Mesut Özil hat sich erstmals öffentlich zur Erdogan-Affäre geäußert. (Quelle: Imago)

Scharfe Kritik an dem öffentlichen Umgang mit Özil äußerte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek. "Man kann das mit dem Foto kritisch bewerten, habe ich übrigens auch – seinen nachträglichen Umgang damit ebenso", sagte Mazyek t-online.de in Anspielung auf das Foto, das Özil vor der Fußball-Weltmeisterschaft mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gezeigt hatte. "Aber was sich an Bergen von Respektlosigkeit, Vorurteilen und Rassismus danach über den Weltmeister und einen der Besten unserer Mannschaft ergoss, ist beispiellos, niederschmetternd und niederträchtig."

Zuvor hatte Mazyek schon auf Twitter den "Imageschaden im In- und Ausland" und das "Vor-den-Kopf-Stoßen Abertausender junger Nachwuchs-Özils" beklagt.

Viel Unterstützung für seine Aussagen bekam Özil aus der Türkei. Sportminister Mehmet Kasapoglu schrieb auf Twitter: "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen."


Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten wieder treffen würde. Weiter schrieb er: "Aber stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war. Wo sind Höflichkeit, Toleranz, Pluralismus geblieben ...?!"

Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte Özil, weil dieser mit seinem Rücktritt das "schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen" habe.

Im Netz steht aber auch Grindel im Mittelpunkt – für den DFB-Boss könnte es nun wirklich eng werden. 

Bundesjustizministerin Katarina Barley ist erschüttert über Özils Ausführungen:

Auch die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli zeigt sich bestürzt über die Erklärung des Arsenal-Stars:

Grünen-Politiker Cem Özdemir findet sowohl Kritik als auch Lob für Özil:

Der politisch engagierte Star-Komiker Trevor Noah ("Daily Show") reagierte mit einem gebrochenen Herzen:

...und Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg feiert Özil für seine Verdienste um die DFB-Elf:


Auch scharfe Kritik an Özil

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, will Özil nicht komplett aus der Verantwortung für sein Verhalten entlassen. 


NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU), die selbst türkische Wurzeln hat, sagte der "Bild", Verbundenheit mit dem Heimatland der Eltern und Kritik an der Regierung würden sich nicht ausschließen. "Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben." Diesen Punkt scheine Özil aber "nicht verstanden zu haben". "Die Einladung eines Autokraten auszuschlagen wäre nicht respektlos gewesen. Es hätte Haltung gezeigt", sagte sie mit Blick auf das Treffen mit Erdogan. Özils Rechtfertigung zeige, "wie nötig eine echte Wertedebatte ist".

Paul Ziemiak (CDU), Vorsitzender der Jungen Union, warf Özil vor allem politische Naivität vor. "Niemand Vernünftiges will, dass Mesut Özil seine Herkunft verleugnet. Aber zu behaupten, dass ein Foto mit Erdogan – mitten im türkischen Wahlkampf – ohne politische Absichten entstanden sei, ist naiv", sagte er der Zeitung.

Andere loben Özil für die klaren Worte – und sehen DFB-Präsident Grindel in der Pflicht:


Özil hatte seine Fotos mit Erdogan, die der Auslöser des Streits waren, am Sonntag verteidigt. In drei Statements übte er scharfe Kritik am DFB sowie an Sponsoren und Medien – und verkündete seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Verwendete Quellen:
  • Twitter
  • Nachrichtenagentur dpa, afp

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