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Dennis Aogo bei "Markus Lanz": "Inhaltlich bin ich bei Herrn Palmer"

"Markus Lanz"  

Aogo: "Inhaltlich bin ich bei Herrn Palmer"

Eine TV-Kritik von Nina Jerzy

14.05.2021, 10:48 Uhr
Dennis Aogo bei "Markus Lanz": "Inhaltlich bin ich bei Herrn Palmer". Dennis Aogo (Archivbild): In der jüngsten "Markus Lanz"-Sendung hat der Ex-Fußballer über die vergangenen Wochen gesprochen. (Quelle: imago images)

Dennis Aogo (Archivbild): In der jüngsten "Markus Lanz"-Sendung hat der Ex-Fußballer über die vergangenen Wochen gesprochen. (Quelle: imago images)

Dennis Aogo verteidigt bei "Markus Lanz" Boris Palmer – ein wenig. Dessen Kritik an einer "Cancel Culture" teilt der Ex-Fußballprofi. Er meint aber: Für die Sprache muss sich der Grüne verantworten.

Die Gäste

  • Dennis Aogo, Ex-Fußballprofi

  • Ferdinand von Schirach, Schriftsteller

  • Eva Hummers, Mitglied der Ständigen Impfkommission

  • Diana Kinnert, CDU-Politikerin


"Quotenschwarzer", "trainieren bis zum Vergasen", "hat Frauen seinen (N-Wort plus männliches Körperteil) angeboten" (ironisch gemeint!): bei "Markus Lanz" ging es am Vatertag um sprachliche Entgleisungen und darum, was man eigentlich noch sagen darf – oder muss. Boris Palmer droht bei den Grünen wegen eines Facebook-Kommentars zu Dennis Aogo der Rauswurf. Der Ex-Fußballnationalspieler stärkte dem Tübinger Oberbürgermeister in der ZDF-Talkshow ein Stück weit den Rücken. Palmer habe sich in dem eigentlichen Post über dem umstrittenen Kommentar gegen "Cancel Culture" ausgesprochen. "Inhaltlich bin ich bei Herrn Palmer", sagte Aogo. Allerdings seien Satire und Politik grundsätzlich eine schwierige Kombination. Palmer hatte den Kommentar, in dem er Aogo zudem als "schlimmen Rassisten" bezeichnet hatte, als Satire gerechtfertigt. "Die Sprache ist hier glaube ich das Problem, wofür er sich auch verantworten muss", meinte der Ex-Fußallprofi. "Die Sprache geht halt nicht."

Mit Blick auf die vergangenen Tage meinte Aogo: "Das war ein Wechselbad der Gefühle." Der Sky-Experte hatte zunächst eine versehentlich an ihn geschickte Nachricht von Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann öffentlich gemacht, in der er als "Quotenschwarzer" bei dem Sender bezeichnet wurde. Er nehme Lehmann ab, dass er kein Rassist ist, unterstrich Aogo bei Lanz ("das will ich ihm nicht unterstellen"). Lehmann habe ihm mehrmals um Verzeihung gebeten und er habe die Entschuldigung akzeptiert. "Wer bin ich, dass ich sage: 'Nein, das nehme ich nicht an?'" Lehmann hatte wegen der Äußerung seinen Posten als Aufsichtsrat bei Hertha BSC verloren.

Aogo: "Das war nicht mehr aufzuhalten"

Zwei Tage später war es an Aogo, sich öffentlich für seine Wortwahl zu entschuldigen. Er hatte in einer Live-Sendung von "trainieren bis zum Vergasen" gesprochen. Die Reaktionen überrumpelten den Ex-Profi. "Ich habe mich entschuldigt für etwas, was ich nicht wollte, und trotzdem ging es immer weiter", sagte er. Immer mehr Leute seien auf den Zug aufgesprungen, er habe Hassnachrichten und Morddrohungen bekommen: "Das war nicht mehr aufzuhalten."

Aogo gab zu bedenken, dass weniger gefestigte Menschen mit einer solchen Situation möglicherweise nicht umgehen können. "Was passiert denn mit diesen Menschen?", fragte der Experte, der vorerst nicht mehr bei Sky als Kommentator in Erscheinung treten wird. Aogo ist seit 6. Mai 2021 einer von drei neuen Geschäftsführern des FC Wacker Innsbruck. Er hatte wenige Wochen zuvor als Hospitant bei dem österreichischen Zweitligisten angefangen.

Aogo warf den Medien vor, Aussagen eines Fake-Accounts auf Facebook ungeprüft kolportiert zu haben, ohne bei ihm nachzufragen, ob was an der Sache dran sei. Auf die darin erhobenen Vorwürfe hatte sich Palmer in seinem Kommentar bezogen. "Am Ende werde ich damit konfrontiert, als ob das die Realität ist. Das ist Wahnsinn", kritisierte Aogo. Er habe wegen Rufschädigung gegen die noch unbekannte Person hinter dem Fake-Account strafrechtliche Schritte eingeleitet. Ferdinand von Schirach hatte eine andere Kritik an der Presse. Die habe derart unkonkret über die Vorwürfe berichtet, dass der Leser gar nicht genau wüsste, worum es bei der Aufregung überhaupt gehe und erst mal selbst 30 Minuten recherchieren müsste, um das Ganze zu verstehen.

Ganz so einfach wollte der Jurist Aogos "Vergasung"-Aussage nicht vom Tisch wischen. Zwar habe der Ausdruck seinen Ursprung in den Giftgasangriffen des Ersten Weltkriegs. Mit Blick auf die Verbrechen der Nationalsozialisten sagte von Schirach jedoch: "Ich könnte das überhaupt nicht sagen. Da läuft es mir kalt den Rücken herunter." Er plädierte aber dafür, bei Aussagen stets die jeweilige Person samt Bildungsstand und Intention zu berücksichtigen. "Da muss ein bisschen Maß einkehren", sagte der Autor angesichts von Empörungsreflexen, die Lanz als "Steinigung vom Sofa" bezeichnete.

Kritik an Palmer

Palmer hingegen hätte es laut Schirach besser wissen können und müssen. "Das gehört sich für einen Oberbürgermeister einfach nicht. Frau Merkel kann auch nichts Satirisches sagen. Wenn man das so anfasst, dann kommen wir in Teufels Küche." Außerdem sei es schlicht "unglaublich unhöflich", sich öffentlich über Geschlechtsteile einer Person zu äußern. "Das geht einfach nicht und ein Oberbürgermeister muss das wissen." Von Schirach war sich aber sicher: "Natürlich wird Boris Palmer jedes Parteiausschlussverfahren gewinnen."

CDU-Politikerin Diana Kinnert warnte davor, den Vorwurf "Cancel Culture" als Pauschalargument gegen gerechtfertigte Kritik zu verwenden. Es gebe auch eine "Call-out-Culture", eine Kultur des Anprangerns von Fehlverhalten. Die könne dazu beitragen, generell umsichtiger beim Gebrauch bestimmter Ausdrücke zu sein, die Menschen (ungewollt) verletzen könne. Gehe es aber nur um das reine Verurteilen, könne gar kein Lerneffekt einsetzen.

Auf einen gewissen Lerneffekt hofft auch Eva Hummers, Mitglied der Ständigen Impfkommission. Die Medizinerin bekommt im Impfzentrum schon mal zu hören: Ich will Biontech, bei Astrazeneca kommt die zweite Impfung zu spät für meinen Urlaub: "Dann bin ich versucht zu sagen: Ihnen ist schon klar, dass das jetzt gerade Ihrem Enkel wegnehmen?"

Hummers stellte die Frage in den Raum, warum sich junge Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr teilweise impfen lassen dürfen, Eltern kleiner Kinder aber keine Priorität genießen. Die Corona-Impfung kleiner Kinder sei hingegen "kein Selbstläufer", warnte die Expertin. Das werde man sich genau angucken müssen. "Die Gefahr eines Kindes, an Masern zu sterben ist sehr viel höher, als an Covid zu sterben. Das wird derzeit in der Diskussion nicht bedacht."

Verwendete Quellen:

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