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EM 2021: Unfairer Wettbewerb – Wie Deutschland vom absurden Modus profitiert


MEINUNGUnfairer Wettbewerb  

Wie Deutschland vom absurden EM-Modus profitiert

EM 2021: Unfairer Wettbewerb – Wie Deutschland vom absurden Modus profitiert. Die Nationalmannschaft weiß: ein Punkt gegen Ungarn reicht fürs Weiterkommen.  (Quelle: imago images/Laci Perenyi)

Die Nationalmannschaft weiß: Ein Punkt gegen Ungarn reicht fürs Weiterkommen. (Quelle: Laci Perenyi/imago images)

Die besten vier Gruppendritten qualifizieren sich für das Achtelfinale der EM. Das sorgt für Unsicherheit bei diversen Mannschaften – und ermöglicht unsportliche Absprachen. Ein Unding. 

Aufatmen bei den Eidgenossen. Das 3:1 gegen die Türkei am Sonntagabend markierte für die Mannschaft von Vladimir Petković den ersten Turniersieg. Der Ex-Münchner Xherdan Shaqiri, Spitzname "Alpen-Messi", avancierte mit seinen zwei Toren zum Matchwinner. 

Dennoch war der Sieg gegen die bei diesem Turnier desolaten Türken (null Punkte, eins zu acht Tore) nicht nur ein Grund zur Freude. Denn: Die Schweiz musste ums Weiterkommen zittern – und wusste 24 Stunden lang nicht, was dieser Sieg wert ist. Der Grund? Der kuriose wie ungerechte Turniermodus. 

Aufblähung sorgt für mehr Spiele – und Ungerechtigkeiten

Aufgrund der Aufblähung des Wettbewerbs von 16 auf 24 Teams erreichen vier der sechs besten Gruppendritten das Achtelfinale. Ob die Shaqiri-Elf nun die nächste Runde erreichte, hing vom Abschneiden der anderen Gruppendritten ab. Erst durch die Ergebnisse in Gruppe B und C vom Montagabend war klar: Die Schweiz steht im Achtelfinale.

Doch nun sind es die Finnen (Dritter in Gruppe B) und die Ukrainer (Dritter in Gruppe C), die um das Weiterkommen bangen müssen, während die Mannschaften in den Gruppen D bis F wissen: Drei Punkte und ein neutrales Torverhältnis würden schon zum Weiterkommen reichen – gesetzt den Fall, man wird mindestens Dritter. So oder so: Ein klarer Vorteil für die Mannschaften, die ihre Spiele zum Ende der Gruppenphase absolvieren. Und in Summe eine Ungerechtigkeit. 

Die Schweiz um MatDie Schweiz um Matchwinner Xherdan Shaqiri jubelt über den Sieg gegen die Türkei – wusste aber 24 Stunden lang nicht, was dieser Wert sein sollte. chwinner Xherdan Shaqiri jubelt über den Sieg gegen die Türkei. Doch kann sie sich auch über das Weiterkommen freuen? (Quelle: imago images/ Just Pictures)Die Schweiz um Matchwinner Xherdan Shaqiri jubelt über den Sieg gegen die Türkei – wusste aber 24 Stunden lang nicht, was dieser Wert sein sollte. (Quelle: Just Pictures/imago images)

Die Mannschaften aus den Gruppen D bis F konnten in Ruhe die Partien der Konkurrenz angucken, um dann zu schauen, welches Ergebnis ihnen zum Weiterkommen genügt.

Möglichkeit für Absprachen 

Und diese Teams haben einen weiteren Vorteil. Sie können ihre Spielweise an die bereits erzielten Ergebnisse der Konkurrenz anpassen und sich ihren Achtelfinalgegner gewissermaßen aussuchen – das ist unfair und bietet zudem die Möglichkeit für Absprachen. 

Mannschaften können so gezielt versuchen, bestimmten Gegnern aus dem Weg zu gehen – und gleichzeitig die für sie möglicherweise angenehmere Turnierhälfte ins Visier zu nehmen. 

So hat beispielsweise die deutsche Mannschaft mit die komfortabelste Position. Die Teams der Gruppe F absolvieren die letzten Spiele der Gruppenphase und wissen zu Anpfiff ganz genau, was sie brauchen, um die nächste Runde zu erreichen – und auf wen sie treffen würden.

So könnte der deutschen Mannschaft schon eine knappe Niederlage gegen Ungarn für den Einzug in die K-o-Runde genügen – sollte Frankreich Portugal schlagen. Seit Montagabend ist ebenfalls klar: Ein Unentschieden reicht dem Löw-Team sicher zum Weiterkommen.

Dieses Wissen, auf die Ergebnisse der vorangegangenen Spiele zurückgreifen zu können – im Gegensatz zur Schweiz, den Finnen oder den Ukrainern, widerspricht dem Geist der Regeln und der Fairness. 

Wie könnte man diesen Irrsinn ändern?

Option 1: Das Turnier wird, wie von 1996 bis 2012 praktiziert, auf 16 Mannschaften zurückgestuft. Ein Modell, das die Uefa aufgrund geringerer Einnahmen ablehnt. Also ein unrealistisches Szenario. 

Option 2: Das Turnier wird auf 32 Mannschaften aufgestockt. Solch ein Vorgang würde jedoch die Qualifikation obsolet machen – und das Niveau des Wettbewerbs verwässern. Ein unwahrscheinliches Szenario.

Die Uefa hat bislang keinerlei Anstalten gemacht, den Turniermodus für die kommende EM 2024 in Deutschland zu verändern. Der Irrsinn geht also weiter. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Spiele bei der Europameisterschaft
  • Turniermodus der EM 2021
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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