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Deutsche Nationalmannschaft: Hansi Flick und sein mühsamer Weg

Flicks mühsamer Einstand  

Schlafwagen-Kick statt Powerfußball: Wie das DFB-Team verzweifelte

03.09.2021, 10:11 Uhr
Deutsche Nationalmannschaft: Hansi Flick und sein mühsamer Weg. Hansi Flick: Der Bundestrainer konnte mit seiner Mannschaft in seinem ersten Spiel als Trainer noch nicht zufrieden sein.  (Quelle: imago images/ Schüler)

Hansi Flick: Der Bundestrainer konnte mit seiner Mannschaft in seinem ersten Spiel als Trainer noch nicht zufrieden sein. (Quelle: Schüler/imago images)

Hansi Flick ist bei seinem Debüt als DFB-Trainer nur ein knapper Sieg gegen Underdog Liechtenstein gelungen. Auf ihn wartet viel Arbeit – und der erste richtige Prüfstein kommt erst noch. 

"Der Hansi weiß ja, wie die Mannschaft tickt. Ich hatte vor der Partie nicht einen Moment Zweifel, dass das heute schief gehen könnte – im Gegenteil. Angesichts des Gegners war ein Sieg heute scho au erwartbar. Es war nicht alles gut, aber ich bin mir sicher, dass die Mannschaft saggemermal au in Stuttgart noch besser und erfolgreich spielen wird." 

So in etwa hätte sie lauten können. Die Analyse des geschiedenen Ex-Bundestrainers Joachim Löw zum Debüt seines Nachfolgers und Weltmeister-Assistenten Hansi Flick.

Doch Löw war nicht zugegen im Kybunpark von St. Gallen, wo die Nationalmannschaft beim zähen 2:0 (1:0) gegen Liechtenstein ihrem neuen Übungsleiter einen anstrengenden, aber vom Ergebnis und den drei Punkten her gelungenen Einstand bescherte. 

Kein "Powerfußball", keine Begeisterung

Auch sonst ist nicht überliefert, wo Löw, der immerhin 15 Jahre das höchste Amt im deutschen Fußball ausübte, die Partie verfolgte. Gewiss ist nur: Löw konnte sich ein Bild davon machen, wie viel Arbeit vor seinem Nachfolger liegt. Oder negativ ausgedrückt: was er Flick an Arbeit hinterlassen hat.  

Es bedarf keiner Raketenwissenschaft, um zu bilanzieren, dass auch die unter Joachim Löw im EM-Achtelfinale gescheiterte Mannschaft die Hürde Liechtenstein übersprungen hätte. Dennoch ist die aktuelle Truppe weit davon entfernt, bei der WM in Katar um den Titel mitspielen zu können, das hat das Flick-Debüt gezeigt. 

"Die Mannschaft zerreißt sich hier für Deutschland. Das ist das A und O. Deswegen sind wir sehr überzeugt von der Mannschaft", hatte Flick vor der Partie auf der Abschlusskonferenz verlauten lassen. Doch von dem, was Flick angekündigt hatte, der versprochene "Powerfußball", der für Begeisterung sorgen sollte, davon war über 90 Minuten wenig bis gar nichts zu sehen. 

Deutschland behäbig und ideenlos

"Das Land guckt auf uns. Es wird wichtig sein, dass wir einen deutlichen Sieg einfahren und die Art und Weise stimmt", hatte Joshua Kimmich angekündigt, der für den wegen Sprunggelenksproblemen nicht im Kader stehenden Manuel Neuer das Kapitänsamt übernahm. Doch statt eines deutlichen Sieges mühte sich das DFB-Team gegen die tief stehende Mannschaft aus dem Fürstentum ab. Eine Mannschaft wohlgemerkt, die noch im Juni mit 1:5 gegen die Färöer verlor. 

Doch zurück zum behäbigen Spiel der Deutschen. Kimmichs Platz ist fortan wieder in der Zentrale, das hatte Flick unmissverständlich klargemacht. In dieser Rolle dirigierte der Aushilfskapitän seine Nebenleute – das allein half jedoch nur wenig. Die offensiven Mannschaftsteile um Kai Havertz, Leroy Sané, Jamal Musiala und Timo Werner agierten über weite Strecken ideenlos und behäbig, sodass das mit Spannung erwartete Flick-Debüt zu einem handballesken Schlafwagen-Kick verkam. 

Flick kryptisch: "Aller Anfang ist nicht immer ganz einfach" 

Dass dem DFB-Team im letzten Drittel die Dynamik fehlte, war sicher auch dem Gegner geschuldet: Einer Mischung aus wenigen Profis und Studenten, die weitaus mehr waren als nur Statisten, die brav Spalier standen. Die Mannschaft von Coach Martin Stocklasa war gar nicht so weit davon entfernt, dem "Hansi" sein Debüt zu verhageln. Aufopferungsvoll kämpfend standen sie nicht um, sondern im eigenen Sechzehner – was auch den deutschen Kapitän entnervte.

Hansi Flick: Der neue Bundestrainer erlebte ein durchwachsenes Debüt.  (Quelle: dpa/Sven Hoppe)Hansi Flick: Der neue Bundestrainer erlebte ein durchwachsenes Debüt. (Quelle: Sven Hoppe/dpa)

"Es war komisch, schwierig, der Gegner hat dermaßen tief verteidigt, das habe ich so fast noch nie erlebt. Nichts hat so wirklich funktioniert. Unter dem Strich nehmen wir den Sieg mit. Wir wollten Dynamik ausstrahlen, pressen. Es ist schwierig, dieses Spiel zu bewerten. Das war ja eigentlich kein Fußballspiel", so der 26-Jährige Kimmich nach Schlusspfiff. Sein Trainer pflichtete ihm bei. 

"Wir haben uns wirklich schwergetan. Es war ein komisches Spiel, ein schwieriges Spiel, weil der Gegner sehr, sehr tief verteidigt hat. Wir hatten ein paar Möglichkeiten, die ganz dicken Dinger sind aber ausgeblieben", so der neue Coach, der die 90 Minuten von St. Gallen meist stehend und mit den Händen in den Hosentaschen verfolgte. 

DFB-Team will und kann Tabellenführer werden

Nicht nur deswegen sollte der zähe Auftaktsieg zu denken geben – und mit großer Vorsicht genossen werden. Das weiß auch Flick, der schon den Fokus auf Sonntag legte. "Wir haben gewonnen, aller Anfang ist nicht immer ganz einfach. Armenien wollen wir jetzt anders bespielen. Man muss mehr Tore schießen. Es geht weiter, wir gehen unseren Weg. Und wir haben einen langen Weg vor uns", so Flick ein wenig kryptisch.

In Stuttgart geht es für das DFB-Team (neun Punkte) nun darum, die Tabellenführung von den bislang noch ungeschlagenen Armeniern (zehn Punkte) zu übernehmen (Sonntag, um 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online).

Die Mercedes-Benz-Arena, wo die Partie stattfinden wird, ist übrigens auch für Ex-Bundestrainer Joachim Löw eine besondere Spielstätte. In diesem Stadion erlebte Löw sein letztes Spiel als Co von Jürgen Klinsmann, ehe er selbst das Amt des Cheftrainers übernahm. 

"Das ist eine große Herausforderung für mich, den Weg so weiterzugehen. Nur so können wir dauerhaft in der Weltspitze bleiben", hatte Löw bei seinem Amtsantritt 2006 angekündigt und eine klare Zielsetzung formuliert: "Wir wollen junge Spieler heranführen, eine erfolgreiche Qualifikation spielen und 2008 Europameister werden."

Die Worte kommen einem bekannt vor, denkt man an die Antritts-PK Flicks zurück, der zu seinem Start ähnliche Worte wählte. Oder wie Löw es wohl sagen würde: "Scho au erwartbar". 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachungen vor Ort
  • DFB-Länderspiel bei RTL
  • Digitale Pressekonferenz nach dem Spiel
  • Stimmen der Nationalspieler nach der Partie
  • Blick Sport: "Wir werden nicht Spalier stehen" (Print, vom 2.9.2021)
  • dw.com: "Neuer Bundestrainer – Joachim Löw übernimmt"
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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