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Hertha am Scheideweg: Magath hackt und Bobic warnt

Von dpa
Aktualisiert am 24.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Hertha-Manager Fredi Bobic sucht einen neuen Trainer.
Hertha-Manager Fredi Bobic sucht einen neuen Trainer. (Quelle: Christian Charisius/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Felix Magath hackt k├╝nftig Holz. Kevin-Prince Boateng will erstmal nur noch auf die Couch. Herthas Retter-Helden g├Ânnen sich jetzt ihr Privatvergn├╝gen. Und Pr├Ąsident Werner Gegenbauer erkl├Ąrt wenige Stunde nach einem Club-Dementi doch seinen von allen erwarteten R├╝cktritt.

Nur Fredi Bobic muss nach dem Klassenerhalt im Relegationskrimi gegen den Hamburger SV beim Berliner Fu├čball-Bundesligisten so richtig ran. Und ein Ende im Big-City-Drama ist noch lange nicht in Sicht.

Mit dem laut Berichten angeblich schon fixen, dann dementierten und am fr├╝hen Abend schlie├člich doch offiziell verk├╝ndeten R├╝cktritt von Club-Boss Gegenbauer sorgte die Hertha am Dienstag gleich nach der R├╝ckkehr in die Hauptstadt wieder f├╝r eine beachtliche Verwirrung, die zu dem konfusen Saisonverlauf passte.

F├╝hrungschaos droht

Bobic trat als gro├čer Mahner und letzter verbliebener Macher auf und gab mit eindringlichen Worten den von ihm gew├╝nschten Kurs f├╝r die kommenden Wochen vor: "Jetzt ist es ein Zeitpunkt und der letzte Wink f├╝r alle, nicht nur im Verein, sondern auch im Umfeld zu verstehen, was es hei├čt, durch schwere Zeiten zu gehen. Diese Relegation war die letzte Chance", sagte Bobic. Sonst k├Ânnte es wieder eng werden mit dem Klassenerhalt und wom├Âglich sogar ein Schicksal drohen wie dem HSV, der zur f├╝nften Runde in der Zweitklassigkeit antreten muss.

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Gro├č ist beim Gesch├Ąftsf├╝hrer die Sorge, dass die Hertha schon bei der Mitgliederversammlung am Sonntag durch eine Fan-Revolte oder zu forsche Forderungen von Millionen-Investor Lars Windhorst in ein Macht-Vakuum und letztlich ins F├╝hrungschaos st├╝rzen k├Ânnte. "Alle m├╝ssen sich jetzt committen", forderte Bobic. Und meinte ein uneingeschr├Ąnktes Bekenntnis zum Club in seinem Sinne.

Dass Gegenbauer ├╝ber die Versammlung hinaus noch Hertha-Boss sein konnte, hatte auch Bobic sicher nicht mehr geglaubt, auch wenn die Best├Ątigung da noch ausstand. Die Zeit des Patrons, der Bobic nach Berlin zur├╝ckholte, ist abgelaufen bei der Hertha. Wie auch f├╝r Finanzchef Ingo Schiller, der nur noch bis Oktober bleibt.

Das neue F├╝hrungspersonal darf bei der wohl Ende Juni, Anfang Juli f├Ąlligen Au├čerordentlichen Mitgliederversammlung nicht aus der Emotionalit├Ąt heraus ausgew├Ąhlt werden, warnt Bobic. Der Club wird vorerst von Vize-Chef Thorsten Manske gef├╝hrt. Die Macht liegt aber jetzt f├╝r kurze Zeit bei den Hertha-Mitgliedern als Stimmvolk.

Der neue Trainer soll schnell kommen

Bis ein neuer Pr├Ąsident da ist, muss Bobic aber schon die Weichen stellen. "Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, was wichtig ist. Wir m├╝ssen handlungsf├Ąhig bleiben, wir brauchen Kontinuit├Ąt", mahnte der Manager. Populismus brauche kein Mensch, F├╝rsorgepflicht f├╝r den Verein sei das Gebot, sonst war die beachtliche Leistungssteigerung beim 2:0 in Hamburg, die die Rettung doch noch m├Âglich machte, umsonst.

Bobic hat vorgearbeitet. Schnell will er einen neuen Trainer pr├Ąsentieren, f├╝r Magath, der sich nach seinem n├Ąchsten Rettungscoup zur handfesten Gartenarbeit mit der Axt verabschiedete. "Ich bin sehr, sehr weit mit den Gespr├Ąchen. Es wird sicher so sein, dass wir in den n├Ąchsten Tagen einen neuen Trainer pr├Ąsentieren k├Ânnen", sagte Bobic. Als Favorit gilt der fr├╝here Mainz-Trainer Sandro Schwarz, der zur Zeit bei Dynamo Moskau arbeitet.

Vom neuen Trainer erwartet Bobic eine attraktivere Spielweise. "Was er mitbringen muss, ist klar. Pers├Ânlichkeit und Feuer f├╝r die Hertha", sagte der Gesch├Ąftsf├╝hrer. "Ich m├Âchte einen aggressiven Fu├čball sehen, nach vorne gerichtet, nicht nach hinten. Unser Fu├čball war von Passivit├Ąt gezeichnet", bem├Ąngelte der 50-J├Ąhrige.

Als Grantler war Bobic schon in der Party-Nacht von Hamburg aufgefallen. "F├╝rchterliche Musik", presste er zwischen den Z├Ąhnen hervor, als er aus der Kabine kam. Und ├╝berhaupt, was g├Ąbe es zu feiern? Keinen Titel, keinen Pokal hatte Hertha BSC geholt, sondern nur die Relegation mit M├╝he und Not ├╝berstanden.

W├Ąhrend sich Magath als gro├čer Sieger mit einem ├╝ppigen Honorar und dem guten Gef├╝hl, ein Experte f├╝r Rettungstaten zu bleiben, bis zur n├Ąchsten Mission wo auch immer wieder von der Bundesliga-B├╝hne verabschiedet, beginnt f├╝r den 50-j├Ąhrigen Bobic in Berlin nun die wirkliche Arbeit. Die Hertha muss in ruhige Fahrwasser kommen.

Boateng will bleiben

"Wenn wir dar├╝ber reden, was wir alles falsch gemacht haben, dauert das zu lange", befand Routinier Kevin-Prince Boateng, der nach dem Urlaub gerne noch ein J├Ąhrchen f├╝r die Hertha spielen w├╝rde. Mit seinem zur Legendenbildung geeigneten Auftritt als Quasi-Co-Trainer, der Magath angeblich die siegbringende Aufstellung verriet, hat er sich gut inszeniert. Bobic schmunzelte und relativierte etwas: "Felix Magath entmachten? Das kann ich mir nicht vorstellen."

In grundlegenden Dingen wollte sich der zuletzt schmallippige Manager Bobic von der pl├Âtzlichen Berliner Euphorie auch nicht anstecken lassen. ├ľffentlich gepaffte Zigarren, wie noch bei Ex-Trainer Pal Dardai bei der letzten Klassenerhaltsparty vor einem Jahr, gab es diesmal nicht. Bobic muss auch in den kommenden Wochen genau kalkulieren. "Es geht nicht ums Totsparen, das ist nicht in meinem Interesse", sagte er. Dennoch m├╝sse ein Transfer├╝berschuss her. Es bleiben komplizierte Zeiten f├╝r Bobic und die Hertha.

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