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Handball-EM: Deutschland vs. Kroatien – Golla kann die Kroaten stoppen


Vor Kroatien-Kracher  

Warum der "Frühreife" die Kroaten stoppen kann

Von Cian Hartung

18.01.2020, 12:12 Uhr
Video-Analyse zur Handball-EM: So hat Deutschland gegen Kroatien eine Chance

Am Samstag wartet auf die deutschen Handballer ein wegweisendes Spiel gegen Kroatien. Der Gegner hat mehrere Weltklassespieler in seinen Reihen, doch aber auch zwei spezielle Schwachpunkte. (Quelle: t-online.de)

Video-Analyse zur Handball-EM: Dank zweier Schwachpunkte hat Deutschland gegen Kroatien eine Chance. (Quelle: t-online.de)


Gegen Kroatien könnte die Abwehrleistung des jungen Johannes Golla dem DHB-Team zum Sieg verhelfen. Seine Stärke ist das Ergebnis von "blindem" Verständnis und einem frühen Vereinswechsel.

„Überragend“, nannte DHB-Abwehrchef Patrick Wiencek den Einstand von Kreisläufer Johannes Golla gegen Weißrussland. Das Verteidigen hätte „blind geklappt“, so Wiencek im Mannschaftshotel auf der Pressekonferenz vor dem Kroatien-Spiel, obwohl die beiden im Training gar nicht so oft miteinander verteidigt hätten. „Aber Verteidigen ist halt Herzenssache“, fand Wiencek die Erklärung und musste schmunzeln. Sogar dem so ernst in den Raum guckenden Bundestrainer Christian Prokop neben ihm huschte dabei ein flüchtiges Lächeln über das Gesicht.

Golla, der im Weißrussland-Spiel den vom Platzverweis bedrohten Hendrik Pekeler im Abwehrblock ersetzte, machte neben Wiencek vor allem in der zweiten Hälfte eine gute Figur: Er verteidigte körperlich robust, machte gute Sperren gegen die Gegenspieler und nahm Weißrusslands Star-Kreisläufer Karalek das letzte Fünkchen Lust am Spiel. In dieser Form ist er für die DHB-Auswahl eine echte Verstärkung – und seine Nachnominierung ein kluger Schachzug vom Bundestrainer.

"Das kann uns nicht auseinanderbringen"

In lediglich einer Partie zeigte Golla deutlich mehr Reife für das Turnier als sein gleichaltriger Teamkollege Marian Michalczik. Dieser war in den Vorbereitungsspielen und bei seinem einzigen Einsatz in der Vorrunde gegen die Niederlande vor allem durch Fehler und Unkonzentriertheit aufgefallen.

Gemeinsam im Gespräch am spielfreien Tag im Teamhotel der Deutschen: t-online.de-Reporter Cian Hartung und DHB-Kreisläufer Johannes Golla. (Quelle: Privat)Gemeinsam im Gespräch am spielfreien Tag im Teamhotel der Deutschen: t-online.de-Reporter Cian Hartung und DHB-Kreisläufer Johannes Golla. (Quelle: Privat)

Ob sich die beiden Kumpels, die sich in Wien sogar ein Hotelzimmer teilen, nach dem Personalwechsel im Kader überhaupt noch in die Augen schauen können? „Natürlich können wir das“, sagte Golla am spielfreien Tag in der Hotellobby über seinen Kollegen, mit dem er 2016 bei der U-20-Europameisterschaft die Silbermedaille gewann. „Wir sind gut befreundet, das kann uns nicht auseinander bringen. Wir haben nach wie vor ein super Verhältnis.“

In der Hansestadt früh erwachsen geworden

Doch Gollas Reife gegenüber Michalczik ist vor allem seiner ambitionierten und mutigen Karriereplanung zu verdanken. Mit nur 20 Jahren machte der Kreisläufer den Schritt von seinem Jugendverein, dem MT Melsungen in Nordhessen, zum mehrmaligen Meister SG Flensburg-Handewitt in den hohen Norden.

In der Stadt an der Förde wurde der gebürtige Wiesbadener Golla schnell erwachsen. Innerhalb von nur eineinhalb Jahren entwickelte er sich vom Rohdiamanten zum Leistungsträger und Abwehrchef der SG. Mit Flensburg gewann er in der vergangenen Saison die deutsche Meisterschaft. Auch in dieser Saison zählt er zu den Besten seines Teams.

"Das hilft ungemein für die sportliche Entwicklung"

In der Handball-Bundesliga ist ein früher Wechsel wie ihn Golla damals vollzog, unüblich. Jüngere Spieler wechseln oft erst nach mehreren Jahren Bundesliga-Erfahrung zu den Branchengrößen nach Kiel, Flensburg oder Mannheim. So auch Zimmerkollege Michalczik, der ab dem kommenden Sommer für die Füchse Berlin das Spiel gestalten wird.

"In ein neues Umfeld zu kommen, bringt einen nicht nur sportlich, sondern auch als Persönlichkeit weiter", fasst der 22-Jährige Golla diesen Schritt nüchtern zusammen. In Flensburg habe er sich auch durch die Einsätze in der Handball-Champions-League stark verbessern können. "Woche für Woche auf höchstem internationalem Niveau zu spielen und sich mit den Besten zu messen, hilft ungemein für die sportliche Entwicklung", so der Kreisläufer.

Hat Erfahrung auf höchstem Niveau: Flensburgs Johannes Golla (mitte) gegen den Kieler DHB-Kollegen Patrick Wiencek (li.) und Kroatiens Superstar Domagoj Duvnjak (re.).  (Quelle: imago images/Eibner)Hat Erfahrung auf höchstem Niveau: Flensburgs Johannes Golla (mitte) gegen den Kieler DHB-Kollegen Patrick Wiencek (li.) und Kroatiens Superstar Domagoj Duvnjak (re.). (Quelle: Eibner/imago images)

Abwehrchef Wiencek vom Erzrivalen und Meisterschaftskonkurrenten THW Kiel zeigte sich durchaus beeindruckt von Gollas Entwicklung und gab ihm vor dem Topspiel ein Sonderlob. „Seine Arbeit, die er hier macht, ist einfach gut.“ Was er noch verbessern könne? „Kleinigkeiten“, seien das, so Wiencek, „aber das kann jeder Spieler“.

"Ich bin da, wenn ich gebraucht werde"

Im Spiel gegen Kroatien wird Golla die internationale Erfahrung aus Flensburg zu Gute kommen. Gegen Kroatiens "Topshooter" Luka Cindric (17 Treffer, FC Barcelona) und Luka Stepancic (16 Tore, MOL-Pick Szeged/Ungarn) spielte er bereits in der aktuellen Champions-League-Saison. Kroatiens Leitwolf Domagoj Duvnjak (15 Treffer, THW Kiel) kennt er ohnehin aus der Bundesliga.

Gegen die Kroaten siegte das DHB-Team in einem hart umkämpften Freundschaftsspiel im vergangenen Oktober knapp mit 24:23. Golla ist sich sicher, dass auch dieses Mal die Tagesform entscheiden werde. Zwar wird das Abwehr-Duo Pekeler/Wiencek beginnen, doch hat Golla gegen Weißrussland gezeigt, dass er für den Bundestrainer ein hervorragender Back-Up in der Abwehr sein kann.

Sollten Pekeler oder Wiencek eine Pause brauchen, kann Bundestrainer Prokop ohne Gewissensbisse und Qualitätsverlust den einsatzstarken Golla bringen. „Es fällt mir nicht schwer, alles zu geben“, zeigte sich Golla kampfesmutig vor dem Schlagabtausch und unterstrich: „Ich bin da, wenn ich gebraucht werde.“

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