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Doping-Forscher Perikles Simon prophezeit: "In Sotschi wird in allen Sportarten gedopt"


"In Sotschi wird in allen Sportarten gedopt"

Von t-online
Aktualisiert am 04.02.2014Lesedauer: 3 Min.
Perikles Simon prophezeit dopingverseuchte Olympische Winterspiele in Sotschi.VergrĂ¶ĂŸern des BildesPerikles Simon prophezeit dopingverseuchte Olympische Winterspiele in Sotschi. (Quelle: dpa-bilder)
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Von Johann Schicklinski

Lange war es im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi verdĂ€chtig ruhig um das Thema Doping. Den kompletten Winter ĂŒber wurden keine grĂ¶ĂŸeren VerstĂ¶ĂŸe bekannt, bis kurz vor Beginn der Spiele drei russische Biathlon-Sportler entlarvt wurden, was fĂŒr einige Aufmerksamkeit sorgte. Geht es nach dem Mainzer Dopingforscher Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, sind die nun bekannt gewordenen FĂ€lle allerdings nur die Spitze des Eisbergs. "Nun wurden zwar drei Biathleten ĂŒberfĂŒhrt, aber wir bewegen uns damit beim Prozentsatz der erwischten DopingsĂŒnder weiter im Promille-Bereich", sagt Simon im GesprĂ€ch mit t-online.de.

"Warum es den ganzen Olympia-Winter ĂŒber so ruhig um das Thema war, kann ich mir auch nicht erklĂ€ren", so der Mediziner weiter. "Das ist ein PhĂ€nomen, das ich von vergangenen Sportgroßereignissen so nicht kenne."

"Bis zu 60 Prozent der Teilnehmer werden gedopt sein"

Simon geht davon aus, dass die Spiele in Sotschi dopingverseucht sein werden – und nennt eine erschreckende GrĂ¶ĂŸenordnung. "Bis zu 60 Prozent aller Olympia-Teilnehmer werden gedopt sein, quer durch alle Sportarten", prophezeit der Forscher. Dabei wĂŒrden selbst in Fun- oder Trendsportarten Teile der Athleten ihrer Leistung auf verbotene Art und Weise auf die SprĂŒnge helfen: "Es wĂ€re verrĂŒckt anzunehmen, dass zum Beispiel im Curling oder im Freestyle nicht gedopt wird. Mit modernen pharmakologischen Möglichkeiten kann ich in allen Sportarten einen leistungssteigernden Effekt erzielen."

"In Sotschi wird in allen Sportarten gedopt werden"

Simon kĂŒndigt somit schlechte Zeiten fĂŒr all jene Sportfans an, die fĂŒr die Winterspiele auf ehrliche WettkĂ€mpfe hoffen: "Wir gehen heutzutage davon aus, dass nahezu jede Sportart anfĂ€llig fĂŒr Doping ist. Deshalb denke ich, dass in Sotschi in allen Sportarten der Leistung auf unerlaubte Art und Weise nachgeholfen wird."

Brisante Schlussfolgerung

Die Formkurve der deutschen Starter in Ausdauersportarten wie Biathlon, Eisschnelllauf oder der Nordischen Kombination, die in den letzten Wochen vor Beginn der Winterspiele in den Weltcups fĂŒr Furore sorgten, betrachtet Simon mit Argwohn. "Ich will keinem etwas unterstellen, aber eine derartige Leistungsexplosion widerspricht eigentlich der Trainingslehre und auch der sportlichen Praxis des gehobenen Jugend- und Juniorenelitebereichs. Diese noch nicht voll ausgereizten Sportler schaffen komischerweise nicht solche LeistungssprĂŒnge", analysiert Simon und zieht eine brisante Schlussfolgerung. "Es scheint mir so, als wĂŒrden die Profis in den ersten WettkĂ€mpfen LeistungsschwĂ€che vortĂ€uschen."

In die Rekordzahl an Doping-Kontrollen, die rund um die Winterspiele geplant sind, legt Simon indes nicht viel Hoffnung. Rund 2500 Tests sollen laut einer AnkĂŒndigung des IOC bis zum Schlusstag durchgefĂŒhrt worden sein. Eine Zahl, die IOC-PrĂ€sident Dr. Thomas Bach mit Stolz erfĂŒllt. "Wir werden im Kampf gegen Doping klĂŒger und hartnĂ€ckiger sein, als jemals bei Winterspielen zuvor", hatte der FunktionĂ€r angekĂŒndigt.

"Wir brauchen eine Rekord an Effizienz"

Simon ist da kontrĂ€rer Meinung: "Das ist ein ehrenwerter Ansatz, der aber mit Leben gefĂŒllt werden muss. Schließlich werden auch die Doper klĂŒger und hartnĂ€ckiger agieren als jemals zuvor." Ohnehin sei die reine Zahl wenig aussagekrĂ€ftig, so der 40-JĂ€hrige weiter: "Rekordtests sind nichts Neues, bei allen Olympischen Spielen wurden die Zahlen gesteigert. Was wir brauchen, ist ein Rekord an Effizienz, so dass die Doper auch ĂŒberfĂŒhrt werden."

Falls die Kontroll-Offensive tatsĂ€chlich zu einem Erfolg fĂŒhrt und in Sotschi ein prominenter DopingsĂŒnder erwischt werden wĂŒrde, wĂ€re dies fĂŒr Simon nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: "Ich weiß nicht, ob ich mich dann sonderlich freuen könnte. Denn im Umkehrschluss wĂŒrde das bedeuten, dass den Dopingfahndern viele andere gedopte Sportler durch das Raster gerutscht sind."

Doch der Sportmediziner rechnet ohnehin nicht damit, dass es soweit kommt: "Es wird in Sotschi nicht viele DopingfÀlle geben. Ich rechne mit ein oder zwei FÀllen, mehr nicht."

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