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Aus für Olympia 2020 wegen Coronavirus-Krise: Die wichtigsten Fragen im Überblick


Aus für Spiele in Tokio 2020  

Das sind die Folgen der Olympia-Verschiebung

24.03.2020, 21:42 Uhr | dd, sid

Aus für Olympia 2020 wegen Coronavirus-Krise: Die wichtigsten Fragen im Überblick. Bleibt diesen Sommer leer: Das neue Nationalstadion in Tokio. (Quelle: imago images)

Bleibt diesen Sommer leer: Das neue Nationalstadion in Tokio. (Quelle: imago images)

Die Olympischen Spiele in Tokio finden im Zuge der Corona-Krise erst ein Jahr später statt. Doch was bedeutet die Entscheidung wirklich? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Nach wochenlangem Zögern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wurden die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) aufgrund der Coronavirus-Pandemie ins nächste Jahr verlegt. Vorausgegangen war ein Telefonat zwischen IOC-Präsident Thomas Bach und dem japanischen Premierminister Shinzo Abe. "Ich habe vorgeschlagen, die Spiele um ein Jahr zu verschieben, und Präsident Bach hat dem zu 100 Prozent zugestimmt", sagte Abe.

Betrifft das auch die Paralympics?

Ja. Die vom 25. August bis 6. September geplanten Paralympics werden ebenfalls erst 2021 stattfinden. Ein genauer Termin steht wie auch im Fall der Olympischen Spiele noch nicht fest.

Warum kam es nun doch überraschend schnell zu dieser Entscheidung?

Der Druck auf allen Ebenen wurde immer größer. Zuletzt hatten sich immer mehr Athleten, Funktionäre und Nationale Olympische Komitees gegen den Termin im Sommer ausgesprochen und das IOC teils scharf kritisiert. Einige Sportler und Nationen kündigten bereits ihren Boykott an. "Thomas Bach wurde das Heft des Handels längst aus den Händen genommen", sagte der frühere Sportfunktionär Clemens Prokop dem SID.

Ist die Entscheidung historisch?

Ja. Es ist die erste Verlegung oder Absage Olympischer Spiele in Friedenszeiten und die erste seit dem Zweiten Weltkrieg.

IOC-Präsident Thomas Bach: Das Komitee wurde für sein Zögern kritisiert. (Quelle: imago images)IOC-Präsident Thomas Bach: Das Komitee wurde für sein Zögern kritisiert. (Quelle: imago images)

Wie sind die Reaktionen der Athleten?

Gemischt. Die Sportler sind enttäuscht, dass ihr großer Traum nun erst einmal nicht in Erfüllung geht. Vier Jahre harte Vorbereitungszeit ist erst einmal dahin. Über 6000 Athleten hatten sich bereits qualifiziert. Doch angesichts der Situation hätten Sommerspiele Ende Juli/Anfang August keinen Sinn gemacht. Daher zeigen viele Athleten großes Verständnis für die Entscheidung.

"Diese Entscheidung war absolut alternativlos", sagte Turner Marcel Nguyen zu t-online.de. Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm meinte, "die Entscheidung ist notwendig gewesen, weil der Widerstand inzwischen so groß war, dass die japanischen Ausrichter und auch das IOC das nicht mehr ausgehalten haben." 

Die Reaktionen der Sportler finden Sie hier.

Was bedeutet die Absage für die Sportler?

Diskus-Olympiasieger Harting befürchtet im Gespräch mit t-online.de schwere finanzielle Einschnitte bei den Athleten: "Die Verschiebung der Fußball-EM und der Olympischen Spiele ist nicht zu vergleichen. Die Fußballer verdienen über eine ganze Saison lang fast gleichbleibend Geld, die Einzelsportler vor allem in der Zeit eines Großevents. Und das bricht durch die Olympia-Verschiebung jetzt fast komplett weg", sagte der 35-Jährige. "Das ist für Olympioniken eine Katastrophe".

Doch auch die Karriereplanung vieler Sportler würde nun durcheinandergewirbelt. Ringer-Star Frank Stäbler sagte zu t-online.de: "Realistisch gesehen verschlechtern sich meine Chancen selbstverständlich. Ich habe viereinhalb Monate mit voller Power trainiert, bin Europameister geworden und wollte jetzt die ganze Euphorie mit zu den Spielen nehmen. Sich jetzt noch einmal fast eineinhalb Jahre auf diesem Level zu bewegen, ist extrem schwierig", meinte der 30-Jährige.

Auch Harting sieht Folgen für ältere Athleten: "Es gibt Topsportler, die nach den Spielen 2020 in Tokio ihre Karriere beenden wollten. So wie mein Kollege Malachowski (polnischer Weltklasse-Diskuswerfer und langjähriger Harting-Rivale, Anm. d. Red.). Was macht Piotr jetzt? Er ist 36 Jahre alt, ob er 2021 noch diese Leistung bringen kann, ist unklar." 

Harting (li.) und Malachowski bei einem Wettkampf 2017: Der deutsche Olympiasieger sieht Folgen besonders für ältere Athleten. (Quelle: imago images)Harting (li.) und Malachowski bei einem Wettkampf 2017: Der deutsche Olympiasieger sieht Folgen besonders für ältere Athleten. (Quelle: imago images)

Was sagt der Deutsche Olympische Sportbund?

"Die nunmehr schnelle und klare Entscheidung zur Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele ist ein richtiger und enorm wichtiger Schritt für den internationalen Sport und die gesamte Weltgemeinschaft", erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Der DOSB hatte schon am Montag auf eine Verlegung gedrängt. "Es ist schön, dass die Verantwortlichen beim IOC ein Einsehen haben und sich nun auch solidarisch mit der Weltgemeinschaft zeigen", sagte DOSB-Athletensprecher Jonathan Koch dem SID.

Welche Probleme bereitet die Verschiebung?

Mehrere. Die Fußball-EM wurde ebenfalls auf 2021 verschoben (11. Juni bis 11. Juli). Zudem stehen bei den Leichtathleten (6. bis 15. August in Eugene/Oregon) und Schwimmern (26. Juli bis 1. August im japanischen Fukuoka) Weltmeisterschaften auf dem Programm. Im Falle der Leichtathletik-WM zeichnet sich eine Verschiebung bereits ab.

Die 43 Sportstätten in Tokio wurden teilweise nur für eine temporäre Nutzung gebaut. Diese könnten für eine spätere Nutzung 2021 nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch das Olympische Dort bereitet Sorge. Viele der begehrten Appartements in den 21 Hochhäusern wurden für die Nutzung nach den Spielen bereits verkauft oder vermietet.

Wie groß ist der finanzielle Schaden?

Sehr groß. Experten schätzen, dass auf den Gastgeber Japan und den Veranstalter IOC Kosten von 5,6 bis 5,9 Milliarden Euro zukommen werden.

Was ist mit dem Fackellauf?

Der wird ebenfalls verlegt. Die Flamme sollte am Donnerstag ihren langen Weg durch die 47 Präfekturen Japans antreten. Der symbolträchtige Start war in der Präfektur Fukushima geplant, die 2011 durch das Erdbeben und den folgenden Tsunami zerstört worden war. Die Olympische Flamme wird bis zur Austragung der Spiele aber in Japan bleiben. Sie soll in den aktuell schwierigen Zeiten als "Licht am Ende des Tunnels" dienen.

Erhalten die Spiele einen neuen Namen?

Nein. Nach Angaben des Gouverneurin der Präfektur Tokio, Yuriko Koike, sollen die Wettkämpfe in einem Jahr weiter als "Tokio 2020" bezeichnet werden.

Verwendete Quellen:
  • Mit Material der Nachrichtenagentur SID

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