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Olympia 2021: Gold für Deutschland! Zverev schreibt Tennis-Geschichte


Triumph im Video  

"Diese Medaille gehört ganz Deutschland" – Zverev schreibt Geschichte

01.08.2021, 13:28 Uhr | dd, MEM, dpa

Olympia 2021: Gold für Deutschland! Zverev schreibt Tennis-Geschichte. Am Ziel: Alexander Zverev sinkt nach dem Sieg im Olympia-Finale überwältigt auf die Knie. (Quelle: Reuters/Mike Segar)

Am Ziel: Alexander Zverev sinkt nach dem Sieg im Olympia-Finale überwältigt auf die Knie. (Quelle: Mike Segar/Reuters)

Deutschlands bester Tennisspieler gewinnt das Finale von Tokio gegen Karen Chatschanow und holt die Goldmedaille. Das Endspiel auf dem Center Court verläuft schnell einseitig – und wird zur Gala des Hamburgers.

Tennis-Geschichte in Tokio! Alexander Zverev hat Olympisches Gold für Deutschland geholt. Im Finale gegen den Russen Karen Chatschanow gewann der Hamburger ohne Probleme mit 6:3, 6:1 und sicherte sich damit als erster deutscher Tennisspieler die Goldmedaille im Einzel. "So ein Gefühl hab ich noch nie in meinem Leben gehabt", sagte Zverev bei Eurosport. "Diese Medaille gehört ganz Deutschland, es war die beste Woche meines Lebens."

Für den Weltranglisten-25. war Zverev an diesem finalen Tag des olympischen Tennisturniers zu stark. Zum 2:1 und zum 6:3 nahm Zverev dem Überraschungsfinalisten im ersten Durchgang den Aufschlag ab und entschied nach 43 Minuten Satz eins für sich.

"Eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen ist ein unglaubliches Gefühl für mich. Weil du nicht nur für dich spielst, sondern auch für alle anderen", erklärte ein emotionaler Zverev nach der Partie. "Es gibt nichts besseres als das hier. Du spielst für alle, die involviert sind. Alle haben mich unterstützt. Die Olympischen Spiele sind das größte Sportevent der Welt. Die Gefühle, die ich habe, und in den kommenden Tagen haben werde, kann ich nicht mit allem anderen vergleichen." Und weiter: "Es gibt momentan wenige Menschen, die glücklicher sind als ich."

"Wir bringen Gold nach Hause. Was ein Match! Wahnsinn", sagte Zverevs älterer Bruder Mischa bei Eurosport. Der deutsche Fußballmeister aus München gratulierte mit einem Bild von Zverev im Bayern-Trikot. 33 Jahre nach dem Triumph der Sportikone Steffi Graf gab es für den Deutschen Tennis Bund wieder ein Einzel-Gold. Zverev packte die Chance, die nach dem Halbfinalerfolg gegen den serbischen Topstar Novak Djokovic zum Greifen nahe war.

Schneller Break-Ball von Zverev

Mit einer entschlossenen und eindrucksvollen Leistung vollbrachte Zverev das kleine Wunder von Tokio im Finale gegen den Russen Karen Chatschanow. Anders als nach dem sensationellen Erfolg über den Weltranglistenersten kamen Zverev nicht die Tränen. Er strahlte. Auf der Tribüne applaudierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann Beifall.

Um 17.17 Uhr Ortszeit hatte mit dem ersten Ballwechsel ein Stück deutsche Tennis-Geschichte seinen Lauf genommen. Der Centre Court lag an dem wieder einmal extrem heißen Tokio-Tag mittlerweile im Schatten, Zverev erwischte einen Start wie erhofft. Als Chatschanow zum zweiten Mal mit Aufschlag dran war, erarbeitete sich die deutsche Nummer eins einen Breakball. Er verwandelte diesen mit einem Schmetterball und legte damit früh vor.

Auch weiterhin spielte der Weltranglisten-Fünfte mutig und wuchtig. Und ließ sich auch von den Rufen von Olympia-Protesten, die zu Beginn von außen in die Arena schallten, nicht aus der Ruhe bringen. Der Aufschlag hatte ihn als gelegentliche Schwäche in den vergangenen Jahren immer mal um mögliche Siege gebracht. Doch auch an diesem wichtigsten Tag seines Japan-Aufenthalts half ihm der Aufschlag wie in den Matches zuvor – allerdings blieben die kniffligen Situationen bei seinem eigenem Service selten.

Zverev machte emotional weiter

Bei 5:3 entschied sich Zverev im richtigen Moment für die Challenge. Der Videobweis zeigte, dass der Ball von Chatschanow denkbar knapp neben der Linie aufgekommen war. Ein verschlagener Volley des Kontrahenten sicherte Zverev auch zur Freude der deutschen Delegation, darunter DOSB-Präsident Alfons Hörmann, den ersten Satz.

"Silber hast du sicher, jetzt hol Gold für Deutschland nach Hause!", hatte die deutsche Tennis-Legende Boris Becker dem Finalisten in einer Eurosport-Grußbotschaft mit auf den Weg gegeben. Becker wünschte Zverev etwas, was er selbst nicht geschafft hatte: Ihm war an der Seite von Michael Stich 1992 Olympia-Gold im Doppel gelungen.

Emotional machte Zverev weiter. Als er sich mit einer Rückhand die Linie entlang aus der Bedrängnis das 1:0 im zweiten Satz holte, schrie der 1,98 Meter große Rechtshänder die Anspannung raus. Als das schnelle Break folgte, zeigte Zverev die Faust – auch ganz so, als wolle er bekräftigen, dass er sich diese Chance nicht mehr entgehen lassen wolle. "Ich glaube, jetzt genießt er es. Wenn du Tennis jetzt nicht genießt, genießt du es nie", sagte Mischa Zverev bei Eurosport.

Erster Matchball nach 1:19 Stunden

Anders als bei seinem Wahnsinns-Sieg gegen Djokovic war Zverev diesmal der Favorit. Der 25-jährige Chatschanow belegt Weltranglistenplatz 25, steht also 20 Ränge schlechter da als Zverev. Auch zum 4:0 nahm der immer besser und befreiter aufspielende Zverev seinem Kontrahenten den Aufschlag ab. Nach 1:19 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball.

Im US-Open-Endspiel im vergangenen Jahr hatte Zverev trotz anfangs klarem Vorsprung und am Ende nur zwei Punkte vom Grand-Slam-Traum entfernt, dem Druck gegen den Österreicher Dominic Thiem nicht standgehalten. In diesem Match nur über zwei Gewinnsätze ließ er seinem Gegner diesmal keine Chance mehr.

21 Jahre ist es her, dass Tommy Haas Silber als letzter Deutscher im Herren-Einzel Silber mit nach Hause brachte. Angelique Kerber war vor fünf Jahren mit der Silbermedaille dekoriert aus Rio de Janeiro zurückgereist. Für Brasilien hatte Zverev aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Jetzt genoss er die Olympia-Atmosphäre – und krönte sich mit Gold!

Verwendete Quellen:
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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