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Wie China zweimal zu Gold disqualifiziert wurde

Von t-online, sid, flv

Aktualisiert am 09.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Verbitterter Kampf um Shorttrack-Gold: Ren Ziwei (r.) drückt seinen ungarischen Widersacher Shaolin Sandor Liu kurz vor dem Überqueren der Ziellinie zu Boden. Bestraft wird aber nur der Ungar, weil der angeblich zuerst geschoben hatte. China gewinnt Gold.
Verbitterter Kampf um Shorttrack-Gold: Ren Ziwei (r.) drückt seinen ungarischen Widersacher Shaolin Sandor Liu kurz vor dem Überqueren der Ziellinie zu Boden. Bestraft wird aber nur der Ungar, weil der angeblich zuerst geschoben hatte. China gewinnt Gold. (Quelle: SNA/imago-images-bilder)
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Im Shorttrack profitiert China zweimal von Disqualifikationen und holt jeweils Gold. Ging dabei alles mit rechten Dingen zu? Die Entscheidungen der Jury sorgen jedenfalls für heftige Diskussionen.

Olympia 2022 und die Disqualifikationen. Am Montag waren die Ausschlüsse von fünf Skispringerinnen wegen angeblich zu großer Ski-Anzüge im Mixed-Team-Wettbewerb der große Aufreger. Auch Deutschland war in Person von Katharina Althaus betroffen. Aber nicht nur beim Skispringen waren in den ersten Tagen der Spiele in Peking neben der sportlichen Leistung noch andere unerwünschte Faktoren ausschlaggebend bei der Medaillenvergabe.

In der Mixed-Teamstaffel im Shorttrack verpasste Olympia-Gastgeber China am Samstag den Finallauf. Beim Herren-Rennen über 1.000 Meter am Montag überquerte ein Läufer aus Ungarn im Finale als erster Athlet die Ziellinie. Die Goldmedaillen in beiden Rennen gingen an: China.

Russland und USA werden bestraft – China nicht

Im ersten Fall erreichte China noch den Endlauf, weil mit Russland und den USA zwei der drei Halbfinalkonkurrenten wegen angeblicher Fouls im Rennen nachträglich disqualifiziert wurden. Während die Bestrafung der Russen vertretbar erschien, wurde über die Disqualifikation der USA reichlich diskutiert. Sie sollen China entscheidend beim Abklatschen vom einen zum anderen Läufers blockiert haben. Dass China dann aber gar nicht zum Abklatschen kam und das Staffelrennen damit gar nicht beendet haben kann, wurde nicht geahndet. Die Chinesen nutzten den unverhofften Finaleinzug und holten Gold.

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Läufer Kwak Yoon-gy aus der Shorttrack-Hochburg Südkorea äußert seine Bedenken an der Jury-Entscheidung, die per Videobeweis fiel: "Wäre es ein anderes Land als China in dieser Situation gewesen, hätte ich mich gefragt, ob die Mannschaft trotzdem das Finale hätte erreichen dürfen."

Ungarischer Protest wird nicht zugelassen

Auch der zweite Fall erweckt nicht den Eindruck, dass für alle das gleiche Strafmaß zur Anwendung kommt. Als am Montag der Chinese Ziwei Ren und der Ungar Liu Shaolin Sandor im wahrsten Sinne um Gold kämpfen, sich kurz vor dem Ziel gegenseitig ziehen, zerren und blocken, wird lediglich der Ungar, der sich als Erster über die Ziellinie wirft, bestraft.

Und zwar für gleich zwei Vergehen. Nämlich, dass der Arm des Ungarn zuerst und gleich zweimal in Richtung seines Gegners ausschlug. Dass der Chinese seinen Gegner anschließend klar zu Boden reißt – kein Grund für eine Sanktion durch die Jury. Auch, dass der Chinese zuerst den Arm des Gegners leicht einklemmt, bleibt ungeahndet. Der Protest der Ungarn wurde jedenfalls von der International Skating Union (ISU) nicht zugelassen. Alles zugunsten der Gastgeber.

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Auch bei den 500 Metern der Frauen kam es zu einem Ärgernis. Die Chinesin Fan Kexing berührte im Viertelfinale eine Streckenmarkierung so, dass der Gegenstand gegen den Schuh der kanadischen Konkurrentin Alyson Charles rutschte und für einen Sturz sorgte. Zuschauer beschuldigten Kexing im Internet, dies absichtlich getan zu haben. Eine Strafe gab es jedoch nicht.

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Fakt ist: Für Erfolge des in Asien äußerst populären Shorttracks tätigte China große Investitionen. Internationales Fachpersonal sollte die Lücke zur Shorttrack-Supermacht Südkorea verkleinern. "Sie haben super viele Trainer aufgekauft", sagte Anna Seidel. "Teils", so die einzige deutsche Shorttrackerin in Peking, hätten sich "fünf Trainer gegenseitig im Weg" gestanden: "Hauptsache, die anderen hatten die Trainer nicht mehr."

Chinas Staatsführung will Erfolge sehen

Die chinesischen Athleten stehen seitens der kommunistischen Partei unter immensem Druck. Sie wollen Erfolge sehen, um sie für die eigene Propaganda nutzen zu können. Vor dem Start der Winterspiele hatte Staatschef Xi Jinping im nationalen Trainingszentrum von Peking den versammelten Sportlern und Sportlerinnen doch eindrücklich ins Gewissen geredet. "Nur jene, welche der klirrenden Kälte standhalten", rezitierte Xi ein Gedicht, "dürfen sich später am Duft der Pflaumenblüte erfreuen".

Am Mittwoch findet die nächste Medaillenvergabe im Shorttrack statt. Dann über die 1.500 Meter bei den Männern. Man sollte genauer hinschauen.

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