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"Intensiv" - ein Notruf aus der Krankenpflege

Von dpa
Aktualisiert am 23.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Der Intensivpfleger Ricardo Lange berichtet ├╝ber seinen Alltag im Krankenhaus.
Der Intensivpfleger Ricardo Lange berichtet ├╝ber seinen Alltag im Krankenhaus. (Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Klatschende Menschen auf Balkonen und an Fenstern - es sind Bilder, die zu Pandemiebeginn im Fr├╝hjahr 2020 durch die Nachrichten gingen. Doch was als Zeichen der Dankbarkeit f├╝r ├ärzte, ├ärztinnen und Pflegekr├Ąfte im Corona-Dauereinsatz gedacht war, hat bei vielen Angesprochenen auch f├╝r Frust gesorgt.

"Ich wei├č, dass viele Menschen von Herzen geklatscht haben", sagt der Intensivkrankenpfleger Ricardo Lange fast zwei Jahre sp├Ąter im Gespr├Ąch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Aber f├╝r uns hat sich dadurch wenig ge├Ąndert." Corona wirke wie ein Brennglas f├╝r den schon lange gravierenden Pflegenotstand in Deutschland, der tiefe Gr├Ąben im Gesundheitssystem hinterlasse. So tief, dass Lange das Buch "Intensiv - Wenn der Ausnahmezustand Alltag ist. Ein Notruf" geschrieben hat.

Der 40-j├Ąhrige Brandenburger Lange, der am Rand von Berlin lebt, ist in der Pandemie f├╝r viele so etwas wie ein Gesicht der prek├Ąren Arbeitsbedingungen in der Pflege geworden. Deutschlandweite Ber├╝hmtheit erlangte er ├╝ber Social Media, eine Kolumne und als er im vergangenen Jahr vom damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Bundespressekonferenz eingeladen wurde, um dort ├╝ber den Krankenhausalltag zu sprechen. In seinem Buch schreibt er nun dar├╝ber, was ihn seit Corona umtreibt, wie er die Situation der Pflege seit Jahren erlebt und was sich ├Ąndern muss.

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Zeitmangel und weniger Personal

Es ist eine einfache Rechnung: Wenn nicht genug Personal zur Verf├╝gung steht, muss jede und jeder mehr stemmen als eigentlich zumutbar. F├╝r die Intensivpflege, so schreibt Lange, bedeute der zunehmende Personalmangel, dass eine Fachkraft nicht mehr wie vorgesehen zwei Patienten gleichzeitig versorgen m├╝sse, sondern eher drei, nicht selten sogar noch mehr. Die Folgen: permanente ├ťberanstrengung und eine wachsende Diskrepanz zwischen dem Anspruch an die Patientenbetreuung und der von Zeitmangel gepr├Ągten Realit├Ąt. Hinzu k├Ąmen unzul├Ąngliche Bezahlung und mangelnde Wertsch├Ątzung.

Lange, der nach seiner Schilderung seit einigen Jahren f├╝r eine Zeitarbeitsfirma eingesetzt ist, beschreibt in "Intensiv" Erfahrungen aus etwa zw├Âlf Jahren Klinikalltag. ├ťbermannende Ersch├Âpfung bis zum Einnicken an der Ampel auf dem Heimweg, die Angst, Fehler zu machen, die ├╝ber Leben und Tod entscheiden k├Ânnten. Nachvollziehbar erscheint die Panik, die der ausgebildete Intensivpfleger einmal empfunden habe, als er wegen Unterbesetzung auf einer Kinderstation eingeteilt worden sei und eine fachfremde Verantwortung habe schultern m├╝ssen, der er sich nicht gewachsen f├╝hlte.

Bis zur Ersch├Âpfung um Leben k├Ąmpfen

Und dann ist da seit fast zwei Jahren die Pandemie, in der die Intensivstationen immer wieder mit Corona-Infizierten volllaufen, die keine Luft mehr bekommen. In der das Personal immer wieder bis zur k├Ârperlichen und seelischen Ersch├Âpfung um Leben k├Ąmpft, immer mit dem Risiko, sich selbst trotz sperriger Schutzkleidung zu infizieren. In der Pandemie sterben Menschen anders, schreibt Lange. Teils pl├Âtzlicher und immer einsamer. So viele Patientinnen und Patienten habe er sterben sehen, dass er sich nicht an alle erinnern k├Ânne. In dieser Zeit h├Ątten schon zu viele Pflegekr├Ąfte den Job verlassen.

Ihn selbst belaste seit Pandemiebeginn die zunehmende gesellschaftliche Spaltung, berichtet Lange. Wenn auf Stationen Desinfektionsmittel und Schutzmaterial geklaut w├╝rden und Gegner der Corona-Ma├čnahmen ihm menschenverachtende Nachrichten schickten, t├Ąten sich Abgr├╝nde auf. "Wir werden es aber nur alle zusammen aus dieser Pandemie schaffen", sagt er im Interview. Ungeimpfte und Geimpfte seien auf den Intensivstationen gleich viel wert. "Meine Aufgabe als Krankenpfleger ist es nicht zu urteilen. Wir d├╝rfen nicht anfangen, Menschen in Kategorien einzuteilen oder moralisch zu bewerten."

Manchmal d├╝rften Langes schlichte, recht schonungslose Darstellungen der Leserin und dem Leser von "Intensiv" ein beklemmendes Gef├╝hl bescheren. So schreibt er anr├╝hrend ├╝ber die ersten Tr├Ąnen im Job, die er nach dem Tod eines kleinen Patienten vergossen habe. Und ├╝ber seinen schlimmsten Tag in der Pandemie, als er aus empfundenem Arbeitsdruck einen treuen Freund vor seinem Tod allein gelassen habe. Im Nachhinein sagt er mit Bitterkeit: "Man hat keine Zeit zu trauern, man muss funktionieren. Und am Ende, da dankt es dir keiner."

Von der Politik entt├Ąuscht

Lange beantwortet im Buch viele Fragen - wie sehr ihn ein aus seiner Sicht noch immer fehlendes politisches Konzept zur Verbesserung der Pflegesituation entt├Ąuscht, warum das Ger├Ąusch beim Zuziehen eines Rei├čverschlusses ihm G├Ąnsehaut macht. Gleichzeitig wirft er Fragen auf, die er nicht beantworten kann: Die nach einem Patentrezept - und ob er auf lange Sicht noch in dem Job arbeiten will.

Der Intensivpfleger nimmt sich viel vor auf rund 190 Seiten und will auch L├Âsungswege aufzeigen. Mit einem Bonus oder mehreren f├╝r die Pflege sei es nicht getan, es brauche grundlegende strukturelle Ver├Ąnderungen, so Lange. Dazu sollen aus seiner Sicht etwa eine bessere Bezahlung, ein ├ťberlastungsausgleich durch zus├Ątzliche freie Zeit und Gesundheit als neues Schulfach geh├Âren, um die T├Ątigkeit f├╝r den Nachwuchs attraktiver zu machen. Die Forderungen sind im Kern nicht neu, und doch verleiht Lange ihnen entschlossen Nachdruck.

Am Ende bleibt neben dem Appell, endlich die Arbeitsbedingungen f├╝r Pflegekr├Ąfte nachhaltig zu verbessern, auch ein Pl├Ądoyer f├╝r einen Job, der f├╝r Lange "der vielseitigste ist, den ich kenne", wie er im Gespr├Ąch betont. Der ihn mehr erf├╝lle als jede andere T├Ątigkeit - den er aber nicht mehr um jeden Preis auszu├╝ben bereit sei.

- Ricardo Lange: Intensiv - Wenn der Ausnahmezustand Alltag ist. Ein Notruf. Mit Jan Mohnhaupt. dtv Verlagsgesellschaft, M├╝nchen, 192 Seiten, EUR 16,00, ISBN: 978-3-423-26329-0.

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