Interview
Unsere Interview-Regel

Der Gespr├Ąchspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschlie├čend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

Bei den schwarzen Haaren helfen Sie nach, oder?

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 23.02.2021Lesedauer: 6 Min.
F├╝hlt sich noch immer jung: Alice Cooper.
F├╝hlt sich noch immer jung: Alice Cooper. (Quelle: Jenny Risher)
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53 Jahre Musikkarriere, 45 Jahre Ehe: Alice Cooper gibt nicht schnell auf. Im Interview mit t-online spricht er ├╝ber seine Corona-Infektion, seine Fitness und verr├Ąt das simple Geheimnis seiner langj├Ąhrigen Ehe.

"No More Mr. Nice Guy", "I'm Eighteen", "School's Out", "Poison", "Bed of Nails". Die Liste der zeitlosen Klassiker von Alice Cooper ist lang. Das Urgestein des US-Rocks hat trotz ├╝ber 50 Jahren Showgesch├Ąft noch lange nicht genug. Und damit das noch lange so bleibt, hat er sich gegen Corona impfen lassen, wie er l├Ąssig im Telefonat mit t-online erz├Ąhlt.


Die Legenden der Rockmusik

Ray Charles: Er war das Allround-Genie, das es verstand, Perfektion mit Seele zu verbinden.
Ike & Tina Turner: Das Paar war in den Sechzigern und fr├╝hen Siebzigern als Duo erfolgreich. Ende der Siebziger verlie├č Tina Turner ihren Mann, der ihr gewaltt├Ątig war. 1978 wurde die Ehe geschieden. Die S├Ąngerin feierte sp├Ąter als Solok├╝nstlerin riesige Erfolge. Ike Turner starb 2007.
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t-online: Sie haben just Ihre erste Corona-Impfung bekommen. Wie war das?

Alice Cooper: Das war nichts, wirklich! Das war einfach ein Pieks und dann war es schon vorbei. Am 2. M├Ąrz kriege ich meine zweite. Ich denke, wenn jeder sich impfen lassen w├╝rde, dann m├╝ssten wir uns wegen Corona nicht mehr so sorgen. Jeder, den ich kenne, l├Ąsst sich impfen. Ich lebe in Phoenix, Arizona. Hier kann man mittlerweile in Drogerien und Apotheken gehen und sich impfen lassen.

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Sie mussten also nicht lange warten? In Deutschland scheint das ein langwieriger Prozess zu sein, um eine Spritze zu bekommen.

Oh, Sie in Europa sind wohl etwas langsamer als wir in Amerika. Man kann hier sogar ins Football- oder Baseballstadion gehen und sich ohne Termin impfen lassen. Die Leute fahren einfach hin. Da wo ich wohne werden am Tag f├╝nf bis 10.000 Menschen geimpft. Das ist schon sehr effizient.

Sie sind gerade 73 Jahre alt geworden. Theoretisch z├Ąhlen Sie damit zur Risikogruppe. Hatten Sie Angst vor Corona?

Ich hatte sogar schon Corona! Ich war etwa drei Wochen krank, hatte aber zum Gl├╝ck keine heftigen Symptome. Stattdessen f├╝hlte ich mich die ganze Zeit sehr schlapp. Es hat mich sehr ausgelaugt. Es hat eh' jeder einen anderen Verlauf. Ich kenne Leute, die hatten damit nur drei Tage zu k├Ąmpfen, f├╝r andere sieht es leider anders aus. Ich habe es hinter mir.

Manche Leute haben Angst vor der Impfung oder misstrauen dem Impfstoff. Hatten Sie auch Bedenken?

Nie! Ich kenne viele Menschen, die sich haben impfen lassen und die absolut keine Nebenwirkungen hatten.

Es gibt viele Verschw├Ârungstheorien rund um die Pandemie und die Impfung. K├Ânnen Sie nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die an so etwas glauben?

Ja, die Menschen sind durch die Auswirkungen der Pandemie recht isoliert. Das kann einem schon auf das Gem├╝t schlagen. Aber wir haben jetzt einen Impfstoff, der wirkt und der wenig bis keine Nebenwirkungen hat. Trotzdem schenken einige Leute Ger├╝chten und Verschw├Ârungstheorien Glauben. Das ist schade. Und teilweise sind diese Geschichten absolut l├Ącherlich. (lacht)

Wie haben Sie denn Ihren Lockdown verbracht?

Das Gute als Musiker ist, dass man zumindest noch Songs schreiben kann. Klar, Touren geht nicht, aber man kann Musik machen und aufnehmen. Ich habe viel Zeit in meinem Studio verbracht.

War es f├╝r Ihre Familie ungewohnt, Sie so lange am St├╝ck zu Hause zu haben?

Ich bin zwei Drittel das Jahres auf Tour. Meine Frau ist Teil der Show, also ist sie auch mit mir unterwegs. Die Kinder sind gro├č und haben ihr eigenes Leben. Im Lockdown hatte ich eine andere Routine. Ich stand morgens auf und spielte Golf, dann habe ich Musik gemacht oder Interviews gegeben. In Phoenix ist alles offen, man kann also halbwegs normal leben. Meine j├╝ngste Tochter und ihr Mann waren bei uns. Sie haben gerade ihr erstes Kind bekommen.

Sie hatten also Zeit der Opa zu sein?

Die beiden haben ein kleines M├Ądchen bekommen, was jetzt sechs Monate alt ist. Es ist mein viertes Enkelkind. Es macht mir viel Spa├č mit der Kleinen Zeit zu verbringen.

Arbeiten auch zusammen: Alice Cooper und seine Frau Sheryl bei einem Konzert des Musikers.
Arbeiten auch zusammen: Alice Cooper und seine Frau Sheryl bei einem Konzert des Musikers. (Quelle: IMAGO / Bj├Ârn Trotzki)

Das klingt so, als w├Ąre bei Ihnen alles recht harmonisch. Mit Ihrer Frau Sheryl sind Sie seit ├╝ber 45 Jahren verheiratet. Sie arbeiten zusammen, leben zusammen im Tourbus und teilen auch den Alltag. Was ist Ihr Ehegeheimnis?

Es ist eigentlich nicht kompliziert: Meine Frau und ich sind beste Freunde und sie ist diejenige, mit der ich zusammen sein will.

Eigentlich recht simpel.

Ja. Wir haben keine Meinungsverschiedenheiten. Wir streiten nicht. Stattdessen finden wir Sachen, die wir beide gerne haben oder zusammen machen wollen. Ich habe das Gef├╝hl, dass viele Ehem├Ąnner Abstand von ihren Frauen wollen. Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Frau. Mit jemandem verheiratet zu sein, den man nicht mag, w├Ąre hart. (lacht) Aber wenn man jemanden geheiratet hat, den man mag, dann ist man automatisch gerne mit der Person zusammen.

So leicht kann's gehen. Was Ihnen scheinbar auch einfach f├Ąllt, ist die Musik. Mit "Detroit Stories" bringen Sie ein neues Album auf den Markt. Sie sagten, dass Sie den Lockdown auch gerne mal im Studio verbracht haben.

Wir haben die Platte eigentlich vor der Pandemie aufgenommen. Doch durch Covid-19 haben wir die Ver├Âffentlichung verschoben. Ich sa├č jetzt so lange auf dem Album rum und konnte es nicht promoten, weil die Plattenfirma geschlossen war und auch die Produktionsst├Ątten f├╝r die Tontr├Ąger waren dicht. Jetzt ist es aber an der Zeit, diese Songs zu ver├Âffentlichen.

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Mit Detroit verbindet Sie auch viel Ihrer Geschichte. Ihre Band zog vor den Aufnahmen Ihres dritten Albums "Love It to Death" von 1971 dorthin.

Ja, es ist ein Tribut an diese Stadt, die den amerikanischen Hard Rock so gepr├Ągt hat. Los Angeles hatte eher soften Rock, San Francisco war psychedelischer, New York war etwas k├╝nstlerischer. Aber Detroit ist die Hauptstadt von aggressiver Rockmusik. Iggy & the Stooges, MC5, Bob Seger, Ted Nugent oder eben Alice Cooper. Alles kommt aus der Ecke.

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Was macht diese Stadt denn so pr├Ądestiniert f├╝r diese Bands?

Es ist die Mitte Amerikas. Die Leute dort m├Âgen ihre Gitarren und Drums laut. Die Bands sind aggressiv, so richtig "in your face". Viele Einwohner der Stadt haben in Fabriken gearbeitet und waren von lauten Maschinen umgeben. Die Musik sollte das widerspiegeln.

Sie agieren auf dem Album ziemlich klassisch, klingen wie zu Beginn Ihrer Karriere. Sie sind gerade 73 geworden, ver├Âffentlichen eine neue LP, sind st├Ąndig auf Tour, haben mit Johnny Depp Ihr Nebenprojekt Hollywood Vampires. Woher nehmen Sie noch diesen Elan?

Mit 73 bin ich in besserer Form als mit 30. Mit 30 habe ich gesoffen, Drogen genommen und den Rockstar-Lifestyle ausgekostet. Ich habe seit 38 Jahren nichts mehr getrunken. Physisch bin ich auf dem Stand von 40 w├╝rde ich mal behaupten. Ich kann jeden Abend auf die B├╝hne gehen, eine Zwei-Stunden-Show geben und habe damit kein Problem. Das k├Ânnen viele Kollegen in meinem Alter nicht mehr. Wenn eine Alice-Cooper-Tour vorbei ist, gehe ich mit den Vampires wieder auf Reisen. Andere K├╝nstler g├Ânnen sich da lieber eine Pause. Ich habe mich fr├╝h im Leben f├╝r Rock'n'Roll entschieden und bis heute h├Ąlt mich das fit.

Alice Cooper: Mit Sheryl Goddard ist der Rockstar seit 1976 verheiratet.
Alice Cooper: Mit Sheryl Goddard ist der Rockstar seit 1976 verheiratet. (Quelle: IMAGO / POP-EYE)

Wie halten Sie sich denn sonst noch in Form?

Viele in meinem Alter haben geraucht. Ich habe nie geraucht und dadurch habe ich noch eine gute Lunge. Als ich j├╝nger war, war ich ein L├Ąufer. Ich wiege noch immer so viel wie in der High School. Ich laufe auch heute noch gerne und oft. Au├čerdem lasse ich mich nicht stressen. Ich bin gl├╝cklich verheiratet, muss mir finanziell keine Sorgen machen, ich liebe meine beiden Bands und meine Konzerte. Die sind ja mehr Theater als Rockshow.

Also ist das Karriereende noch nicht in Sicht?

Ich habe mal gesagt, dass ich aufh├Âre, wenn niemand mehr zu meinen Konzerten kommt. Bisher kommen noch ein paar Leute zu meinen Auftritten. (lacht)

Aber mal ehrlich: Bei den schwarzen Haaren helfen Sie nach, oder?

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Ja, einige Kollegen haben die Farbe rauswachsen lassen. Schauen Sie sich meinen Kumpel Jimmy Page von Led Zeppelin an. Seine M├Ąhne ist wei├č. Aber meine Haare w├Ąren wohl eher grau-schwarz. In diesem Business f├Ąrbt jeder in meinem Alter seine Haare.

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