Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Der Soundtrack der Woche (23. April)

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 22.04.2021Lesedauer: 5 Min.
Yoko Ono und John Lennon 1971 mit dem Cover ihres gemeinsamen Albums.
Yoko Ono und John Lennon 1971 mit dem Cover ihres gemeinsamen Albums. (Quelle: IMAGO / Leemage)
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t-online hat offene Ohren f├╝r die wichtigsten Alben der Woche und gibt Ihnen Musiktipps. Diesmal mit John Lennon samt Yoko Ono, Tom Jones, Sarah Lombardi und einem alten Mot├Ârhead-Konzert aus der Hauptstadt.

Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Ver├Âffentlichungen der Woche zu h├Âren, stimmt t-online Sie mit der w├Âchentlichen Rubrik "Schon geh├Ârt?" ein.

John Lennon ÔÇô John Lennon/Plastic Ono Band: The Ultimate Collection

Klar, "Imagine" kennt jeder. Doch dabei ist das erste "echte" Solo-Album (z├Ąhlt man die drei mit Yoko Ono nicht mit) vom fr├╝heren Beatles-Musiker John Lennon wohl mindestens genauso wichtig. Die Beatles sind seit 1970 Pop-Geschichte. Paul McCartney startete solo langsam durch und sollte erst 1971 Wings gr├╝nden, George Harrison war eh schon seit '68 solo aktiv. Und Ringo Starr? Der machte auch schon 1970 Musik ohne die Beatles, konnte aber erst ab 1973 richtig gro├če Erfolge feiern.

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Zur├╝ck zu Lennon. Zusammen mit seiner Frau Yoko Ono nahm er vor etwas ├╝ber 50 Jahren sein ersten Soloalbum "John Lennon/Plastic Ono Band" auf. Und das vereinte sozialkritische Texte, Singer/Songwriter-Folk und zur├╝ckhaltende Pop-Melodien. "Mother", der Opener, war vielleicht etwas roh, aber das l├Ąssige "Hold On", die Hymne "Working Class Hero" oder die fetzige Rock'n'Roll-Nummer "I Found Out" ÔÇô Lennon tobte sich mit seiner Frau musikalisch ordentlich aus.

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Und das kann man jetzt in diversen Neuauflagen noch einmal nachvollziehen. Entweder im ├╝ppigen acht CD starken Boxset oder der etwas abgespeckten Doppel-LP. Was gibt's Neues? Demos, Outtakes, neue Mixe, Live-Material und Jams. Die CDs sind echt proppenvoll mit Bonussongs, die dem beinharten Lennon-Fan gefallen werden. Die 2LP-Variante hingegen kommt neben dem sch├Ân gemixten Hauptalbum auf dem ersten Vinyl noch mit einigen Outtakes aus.

Sarah Lombardi ÔÇô Ein Augenblick

Seit Monaten hat Sarah Lombardi nun schon Singles an den Fan gebracht, jetzt ver├Âffentlicht die "DSDS"-Zweite von 2012 endlich auch ein vollwertiges Album. Elf Songs und eine Akustikversion der Single "Ich" gibt es auf die Ohren.

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Genau wie die Vorabsongs "Te Amo Mi Amor" oder "Zoom" pr├Ąsentiert Sarah hier deutschsprachigen Pop mit viel Gef├╝hl und erstaunlich nachdenklichen Texten. "Fl├╝gel in Gedanken" oder "Roter Faden" sind daf├╝r klangvolle Beispiele. Ebenfalls horcht man bei "Love Is Love" auf, welches den 90er Hit "What is Love?" im Refrain sampelt. Das kommt so richtig unerwartet, macht aber Spa├č. Mit "Ein Augenblick" liefert die Ex-Frau von Pietro Lombardi handwerklich gut gemachten Deutsch-Pop der auf der H├Âhe der Zeit ist und sich auch nicht unbedingt vor j├╝ngeren K├╝nstlerinnen wie Lea oder Elif verstecken muss.

While She Sleeps ÔÇô Sleeps Society

Sie z├Ąhlen zu den aufstrebenden Bands im Metalcore der letzten Jahre. Besonders mit den letzten Alben "You Are We" und "So What?" konnte man kreativ wie kommerziell einiges zulegen. "Sleeps Society", das mittlerweile f├╝nfte Album von While She Sleeps, setzt da noch einen drauf.

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Zwar ist der Opener "Enlightenment (?)" nicht der Knaller wie das darauffolgende "You Are All I Need" oder das irgendwie an Static-X erinnernde "Systematic", dennoch h├Ârt man sich die Platte mit viel Aufmerksamkeit an. Der Metalcore r├╝ckt immer mehr in den Hintergrund. Klar, hier und da gibt es noch Breakdowns, aber Nu Metal, Electronic und weitere stilfremde Einfl├╝sse nehmen immer mehr ├╝berhand. Und das ist auch gut so, denn mit Metalcore gewinnt man 2021 auch keinen Blumentopf mehr. Dass die einst so starren Genregrenzen aufgebrochen werden, ist nicht nur sch├Ân, sondern eigentlich ein Muss. Das hat man ja auch schon bei Bring Me The Horizon, Architects oder The Devil Wears Prada in den letzten Jahren gemerkt. Einzig die vom Klavier getragene Danksagung an die Fans, "DN3 3HT", am Ende der Platte h├Ątte nicht sein m├╝ssen.

Tom Jones ÔÇô Surrounded by Time

Er ist zwar 80 Jahre alt, doch noch immer hat Tom Jones gro├če Freude am musizieren. Auf seinem neuen Album "Surrounded by Time" singt er bis auf eine Nummer Coverversionen von Bob Dylan, Cat Stevens oder Todd Snider.

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Und trotz seines Alters klingt der zum Ritter geschlagene Tiger erstaunlich gut. Seine Stimme ist noch immer angenehm tief, hat das bekannte Vibrieren. Dass es sich hier um Songs anderer K├╝nstler handelt, mag man gar nicht meinen. Alles wirkt so, als habe Tom Jones diese Nummern f├╝r Tom Jones geschrieben. Er verleibt sich selbst eine im Original etwas strange Nummer wie "Pop Star" von Cat Stevens ein und l├Ąsst diese fast schon elegant wirken. "Elegant" ist eh ein Schlagwort, welches das Sp├Ątwerk von Jones beschreibt. Er muss keinem mehr irgendetwas beweisen, muss keine LPs aus finanziellen Gr├╝nden aufnehmen, sondern hat einfach Spa├č an der Musik. Und genau das h├Ârt man "Surrounded by Time" auch an.

Greta Van Fleet ÔÇô The Battle at Garden's Gate

Als Greta Van Fleet 2018 ihr Deb├╝t "Anthem of the Peaceful Army" ver├Âffentlichten, warfen einige ihnen vor, dass sie zu sehr nach Led Zeppelin klingen. Die anderen lobten sie daf├╝r, dass sie eine Art neue Led Zeppelin w├Ąren. In der Tat zelebrierte man Blues-getr├Ąnkten 70er Hard Rock, der enorm an Led Zep erinnerte.

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Und daran hat sich mit dem Nachfolger "The Battle at Garden's Gate" nichts ge├Ąndert. Man hat allerdings den Stil verfeinert und geht ├Ąhnlich ambitioniert vor, wie Led Zeppelin auf dem grandiosen "Houses of the Holy". Das hei├čt: Greta Van Fleet hauen nicht nur Riffs raus, sondern versuchen auch verschiedene, teilweise melancholische Stimmungen einzufangen. Dabei bedienen sie sich etwas mehr Pomp, wie in etwas ausufernden Songs wie "Age of Machine" oder "The Weight of Dreams". Und das steht den Amerikanern um S├Ąnger und Robert-Plant-Imitator Joshua Kiszka extrem gut zu Gesicht.

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Die Qualit├Ąt von "The Battle at Garden's Gate" legt nahe, dass diese Rocker den Hype um ihr erfolgreiches Deb├╝t ├╝berleben sollten. Ob das referenzieren von den besten Led-Zeppelin-Momenten reicht, um vom "n├Ąchsten gro├čen Ding" zum echten Stadion-Act aufzusteigen, wage ich dennoch vorsichtig zu bezweifeln.

Mot├Ârhead ÔÇô Louder than Noise... Live in Berlin

Ach, Mot├Ârhead. Diese Band war ein Garant. Ein Garant f├╝r Musik ohne gro├če Experimente und ein Garant f├╝r explosive Liveauftritte. Doch mit dem Tod von S├Ąnger Lemmy Kilmister l├Âste sich die Band auf. Was bleibt sind Klassiker wie "Ace of Spades", "Overkill" und ein erstaunlich starkes Sp├Ątwerk mit Knaller-LPs wie "Inferno" oder "Kiss of Death". Und nat├╝rlich diverse Livealben, die posthum auf den Markt gesp├╝lt werden. Mit "Louder than Noise... Live in Berlin" gibt es wieder einen neuen Konzertmitschnitt, der auf die Headbanger losgelassen wird. Doch was taugt dieser Berlin-Gig?

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Aufgenommen wurden die Nummern 2012. Neben unsterblichen Klassikern wie "Damage Case", "Doctor Rock" und nat├╝rlich dem Schlussdoppel bestehend aus "Ace of Spades" und "Overkill", gibt es auch aktuelleres Material wie "I Know How to Die". Der Sound ist super, die Setlist ein Kracher und die Spielfreude von Mot├Ârhead war bis zum Ende ungebrochen. Tats├Ąchlich z├Ąhlt der Berlin-Tontr├Ąger zu den besseren Outputs der letzten Jahre.

Fury in the Slaughterhouse ÔÇô Now

13 Jahre ist das letzte Studioalbum her. Mit "Now" melden sich Fury in the Slaughterhouse im Hier und Jetzt zur├╝ck. Die deutschen Alternative Rocker, die besonders in den 90er Jahren gro├če Erfolge feiern konnten, haben zw├Âlf neue Songs zusammengeschustert.

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Etwa "1995", was teilweise wie eine Mischung aus Becks-Bierwerbespot und neueren U2 klingt. Oder "Letters to Me". Das sind zwei mehr als gelungene Songs, die sich auf dem Comebackalbum zum 30. Bandgeburtstag tummeln. Jetzt muss man aber auch sagen, dass diese Band schon Anfang der 90er etwas zu sehr bei den Vorbildern aus dem UK und den USA abgeschaut hat. Auch "Now" tut das phasenweise. Immerhin macht die Band aus Hannover das souver├Ąn und mit viel Einsatz.

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Alle Alben sind am 16. April erschienen oder erscheinen morgen, den 23. April, in physischer und digitaler Form. Wir h├Âren uns wieder!

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