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Oscar-Gewinnerin Chloé Zhao: Das ist die Frau, die heute Geschichte schrieb

Chloé Zhao räumt ab  

Das ist die Frau, die heute Oscar-Geschichte schrieb

26.04.2021, 14:41 Uhr | JaH, t-online, dpa

 (Quelle: teleschau)
Gewann Oscar für "besten Film": Hier sehen Sie den Trailer zu "Nomadland"

Frances McDormand als moderne Nomadin: Das ist der Trailer zum Oscar-Gewinner in der Kategorie bester Film "Nomadland”. (Quelle: teleschau)

Ausgezeichnet in der Kategorie "Bester Film": Hier sehen Sie den Trailer zu "Nomadland". (Quelle: teleschau)


Eine junge, in Peking geborene Filmemacherin ist die große Gewinnerin der Oscar-Verleihung. Sie steht für ein sich langsam wandelndes Hollywood. Aber wer genau ist Chloé Zhao?

Es wurde eine Oscarnacht wie keine andere. Nicht nur, dass die Corona-Pandemie die Organisation auf den Kopf stellte und die Stars in diesem Jahr an mehreren Orten weltweit mitfieberten. Auch bei den Auszeichnungen gab es so manche Überraschung. Vor allem die in China geborene Regisseurin Chloé Zhao schrieb Oscar-Geschichte. Ihr Drama "Nomadland" wurde zum Abräumer des Abends.

Die 39-Jährige selbst wurde erst als zweite Frau für die beste Regie geehrt. Außerdem gewann ihr Werk den wichtigsten Preis für den besten Film. Das schaffte bisher nur ein anderer Film einer Regisseurin: "Tödliches Kommando – The Hurt Locker" von Kathryn Bigelow. Auch in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" ist es Frances McDormand, die für ihre Darbietung in "Nomadland" ausgezeichnet wurde. Drei Oscars also für das Werk von Zhao. 

Profiteure der Industrialisierung Chinas 

Und wer ist Chloé Zhao? Über sie als Person ist wesentlich weniger bekannt als über sie als Regisseurin. Sie wurde als Tochter einer Krankenhausmitarbeiterin und eines Fabrikangestellten geboren. Die Karriere ihres Vaters entwickelte sich rasant. Zhao Yuji arbeitete sich im Zuge der Industrialisierung Chinas hoch und wurde zum Topmanager bei einem der größten Stahlunternehmen des Landes.

Später spezialisierte er sich auf  Immobilienentwicklung und Aktieninvestitionen. Ihre Mutter war in einer Performance-Truppe der Volksbefreiungsarmee. Durch die steile Karriere des Vaters konnten sich die Eltern eine besondere Ausbildung für ihre Tochter leisten. Sie schickten sie auf das Brighton College, ein privates Internat in England. Zuvor sprach Zhao kaum Englisch, war eigenen Aussagen zufolge faul in der Schule und liebte Mangas.

Chloe Zhao: Sie ist die Regisseurin des Oscar-Erfolgsfilms "Nomadland". (Quelle: Reuters/Chris Pizzello/Pool via REUTERS)Chloe Zhao: Sie ist die Regisseurin des Oscar-Erfolgsfilms "Nomadland". (Quelle: Chris Pizzello/Pool via REUTERS/Reuters)

China löscht Einträge über Zhao 

2000 zog Zhao nach Los Angeles. Manchmal vergesse sie, dass sie Asiatin sei, sagt sie gelegentlich in Interviews, meine dies allerdings nicht als politisches Statement. Ihre Heimat China steht der berühmten Landestochter allerdings nicht unvoreingenommen gegenüber. In den Onlinenetzwerken wurden offenbar Einträge über die gebürtige Pekingerin gelöscht. Alle aktuellen Mitteilungen, die Zhaos Namen oder ihren preisgekrönten Film "Nomadland" enthielten, verschwanden am Montag auf ungeklärte Weise aus dem Onlinedienst Weibo. Auch in den staatlichen Medien fand sich kein Hinweis auf Zhaos Oscar-Gewinn.

Dabei war sie noch im März zunächst für ihren Erfolg bei den Golden Globes von den chinesischen Medien gefeiert worden. Als Internetnutzer jedoch alte Interviews verbreiteten, in denen sie ihr Geburtsland anscheinend kritisierte, stoppten zahlreiche chinesische Kinos den geplanten Kinostart ihres Films. 

In ihrer Oscar-Rede schien Zhao auf diese Schwierigkeiten anzuspielen: "Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht, wie ich weitermache, wenn die Dinge schwierig werden", sagte sie. Sie zitierte auch eine Zeile aus einem chinesischen Gedicht: "Menschen sind bei Geburt grundsätzlich gut." Zahlreiche Nutzer feierten Zhao am Montagmorgen bei Weibo, bevor ihre Einträge aus dem Onlinenetzwerk verschwanden. 

Emotionale Geschichten in Verbindung mit starken Bildern 

2015 feierte Zhao ihr Filmdebüt und machte zugleich international auf sich aufmerksam. "Songs My Brothers Taught Me" wurde sowohl beim Sundance Film Festival als auch bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt und gefeiert. Zwei Jahre später erschien ihr zweites, ebenfalls viel gelobtes Werk "The Rider", ein moderner Western. Damit bewies sie ihr cineastisches Talent. Verband schon da berührende Geschichte mit atemberaubenden Bildern der weiten, amerikanischen Natur.

Ihr drittes Werk, "Nomadland", ist ihr bisher erfolgreichster Film und bedeutet wohl ihren endgültigen Durchbruch in Hollywood. Er zeigt die Kehrseite des amerikanischen Traums. Eine Witwe, gespielt von Frances McDormand, verliert ihr Zuhause, packt ihre Habseligkeiten in ein Auto und zieht als Nomadin und Hilfsarbeiterin durch die USA. Dabei trifft sie andere Menschen, die ebenfalls in ihren Autos leben und die im Film von realen Nomaden gespielt werden. Mehr zum Filminhalt lesen Sie hier. 

Ihnen dankte die 39-jährige Zhao auch, als sie den Preis für den besten Film annahm. Diese Menschen hätten ihr "die Kraft der Belastbarkeit und Hoffnung beigebracht". "Vielen Dank, dass ihr uns (...) daran erinnert habt, wie wahre Güte aussieht", sagte sie sichtlich aufgeregt, bevor sie kurz darauf auf der Bühne in Tränen ausbrach. 

"Das sind die vielen kleinen Dinge, die meine Filme betonen wollen" 

"Nomadland" behandelt ein Thema, das fast so alt ist wie die Menschen selbst. Er stellt die Gleichheit aller in den Mittelpunkt, ungeachtet ihrer Herkunft oder ihres Standes. In einem früheren "Frankfurter Allgemeine"-Interview sagte Zhao über die Dreharbeiten: "Ich war geradezu schockiert, als ich beim Dreh merkte, wie alle darüber diskutierten, wie genau man in einen Eimer macht. Egal ob arm oder reich, egal welche politische Überzeugung oder Hautfarbe, eine Diskussion über Toilettengänge im Van bringt uns alle zusammen. Das sind die vielen kleinen Dinge, die meine Filme betonen wollen."

Die vielen Preise für die Regisseurin spiegeln zugleich ein sich langsam wandelndes Hollywood. Fünf Jahre nach der heftigen Kritik an der US-Filmakademie, als fast alle Nominierten weiß waren und das Schlagwort #OscarsSoWhite die Runde machte, gingen nun gleich mehrere Preise an nicht-weiße Filmschaffende. So bekam die Südkoreanerin Yuh-Jung Youn den Oscar als beste Nebendarstellerin für das Familiendrama "Minari – Wo wir Wurzeln schlagen", und der schwarze Brite Daniel Kaluuya gewann mit seiner Rolle in der Filmbiografie "Judas and the Black Messiah" über die Ermordung eines schwarzen Bürgerrechtlers die Trophäe als bester Nebendarsteller. Zwei weitere Oscars (Make-up/Frisur sowie Kostümdesign) gab es unter anderem für das Musikdrama "Ma Rainey's Black Bottom" über die schwarze "Mutter des Blues".

Der ganz große Paukenschlag aber blieb aus. In den wichtigen Kategorien "Beste Hauptdarstellerin" und "Bester Hauptdarsteller" waren zwar auch nicht-weiße Amerikaner nominiert. Gerade dem "Black Panther"-Star Chadwick Boseman, der 2020 mit 43 Jahren starb, wurden gute Chancen ausgerechnet, posthum einen Oscar für "Ma Rainey's Black Bottom" zu gewinnen. Letztendlich wurde in dieser Sparte aber der 83-jährige Brite Anthony Hopkins ausgezeichnet, der in "The Father" einen dementen Vater spielt, sowie die 63-jährige Frances McDormand ("Fargo"), die mit "Nomadland" ihren dritten Oscar erhielt. 

Verwendete Quellen:


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