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Uschi Glas: "Wahnsinnig übertrieben mit dieser Debatte"


Uschi Glas
"Es ist diskriminierend"

InterviewVon Maria Bode

Aktualisiert am 03.03.2024Lesedauer: 6 Min.
Interview
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Zum journalistischen Leitbild von t-online.
Uschi Glas: Sie wird am 2. März 80 Jahre alt.Vergrößern des Bildes
Uschi Glas: Sie feiert am 2. März ihren 80. Geburtstag. (Quelle: Andreas Rentz/Getty Images)

Seit bald 60 Jahren steht Uschi Glas vor der Kamera. Im Gespräch mit t-online erzählt die Schauspielerin, von wem sie besonders viel gelernt hat und woran sie sich stört.

Sie startete ihre Karriere in den Sechzigerjahren und ist noch heute ein gefragter Filmstar: Uschi Glas. Anfang März feiert die Schauspielerin ihren 80. Geburtstag, kurz zuvor erscheint ihr neues Buch "Ein Schätzchen war ich nie". Dieses beginnt mit einem besonderen Zitat – von Glas' verstorbenem Kollegen und Freund Elmar Wepper.

Im Interview mit t-online spricht Uschi Glas nicht nur über den herben Verlust, den sein Tod im vergangenen Jahr mit sich brachte, sondern unter anderem auch über die unfaire Besetzung von älteren Frauen in Filmen, das Gendern, Vorbilder und Respekt.

t-online: Ihr neues Buch beginnt mit einem Zitat Ihres verstorbenen Freundes Elmar Wepper. War das schon vor seinem Tod am 31. Oktober 2023 geplant?

Uschi Glas: Als ich angefangen habe, das Buch zu schreiben, war er zum Glück noch unter uns. Das Buch mit Elmars Zitat über das Leben und die Liebe zu beginnen – damit möchte ich ihn würdigen. Ich hätte gern noch ein bisschen mit ihm gedreht. Mit keinem anderen Kollegen hatte ich so viele Drehtage.


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Entscheidend ist doch, was man aus seinem Leben macht. Und die Liebe, mein Freund, sie ist das Wichtigste.


Elmar-Wepper-Zitat in "Ein Schätzchen war ich nie"


Was haben Sie an ihm so geschätzt?

Elmar war nicht nur ein zuverlässiger Kollege, sondern auch ein guter Freund. Wir haben uns an seinem letzten Tag noch gesehen. Das war schicksalhaft. Er war ein hervorragender Schauspieler, der immer vorbereitet war. Er hatte eine große Achtung vor Menschen im Allgemeinen, im Besonderen vor Frauen. Es war immer sehr schön, mit ihm zu arbeiten.

Sie sagen, Sie haben Elmar Wepper auch wegen seiner "großen Achtung vor Frauen" so geschätzt. Fehlt diese in der Filmbranche noch immer häufig?

Leider ja. Mit dem Alter werden die Rollen beispielsweise weniger. Ich bin ja vergleichsweise gut beschäftigt. Aber es ist für Schauspielerinnen insgesamt schwieriger, in einem gewissen Alter besetzt zu werden. Bei Männern mit grauen Schläfen heißt es, er sieht besser aus als früher. Bei Frauen sind Falten hingegen nicht gern gesehen. Wieso soll ich als Frau mit Falten keine tolle Geschichte erzählen können? Ich kann auch jungen Menschen etwas erzählen. Ich kann eine Rolle spielen und meine Weisheiten, meine Erfahrungen, meine Erlebnisse einbringen.

Wo sehen Sie die Wurzel des Problems?

Bei Produktionen und Sendern geben nicht nur, aber großenteils immer noch Männer den Ton an. Gott sei Dank treten auch immer mehr Kolleginnen, unter anderem Jutta Speidel, Michaela May und Gisela Schneeberger, für ein anderes Frauenbild im Fernsehen ein, dafür, dass ältere Frauen besetzt werden und nicht nur die jungen bis 35-Jährigen. Danach hört es nämlich schon langsam auf.


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Macht euch nicht klein, sagt eure Meinung, auch wenn das den Männern nicht immer passt.


Uschi Glas zu t-online


Blicken wir in Film und Fernsehen zu sehr an der Lebensrealität vorbei?

Das kann man so sagen. Es ist diskriminierend, wenn man darüber nachdenkt. Ältere Frauen müssen keine traurigen Geschichten erzählen. Wir können sehr lustige Geschichten erzählen. Ich hoffe, dass sich da etwas tut. Mir machte zum Beispiel die Rolle der durchgeknallten Lehrerin Ingrid Leimbach-Knorr in der "Fack ju Göthe"-Reihe großen Spaß.

Wo müsste Ihrer Ansicht nach über die Grenzen der Filmbranche hinweg etwas in Sachen Gleichberechtigung passieren?

Gleichberechtigung bedeutet in meinen Augen, dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen. Das gilt auch für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen, und das meine ich generell, nicht nur auf meine Branche bezogen. Auf Augenhöhe sein – das ist ein zentrales Thema in meinem Buch, denn es war mir immer ein echtes Anliegen, niemals abhängig zu sein, weder von einem Sender noch von einem Mann. Ich appelliere an die Leserinnen, gerade an die jungen Frauen: Macht euch nicht klein, sagt eure Meinung, auch wenn das den Männern nicht immer passt.

Gleichberechtigung spielt auch beim Thema Sprache eine Rolle. Sie selbst wünschen sich einen sorgsameren Umgang mit der Sprache, erklären, dass sie vom Gendern nicht viel halten. Was haben Sie dagegen?

In meinen Augen wird dadurch der Sprachrhythmus unterbrochen. Bei "Zuschauer-Innen" erschrecke ich jedes Mal. Aber man hat es wie so oft in Deutschland wahnsinnig übertrieben mit dieser Debatte. Ich persönlich finde es einfach nicht gut.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte Ende 2023 ein Gender-Verbot in Schulen und Behörden des Freistaats an. In Sachsen und Sachsen-Anhalt gibt es das beispielsweise schon. Muss das sein?

Ich halte nichts von pauschalen Verboten. Ich denke aber, dass in der Grundschule wirklich nicht gegendert werden muss. Das Differenzieren ist für die Kinder sehr schwierig. Die Lehrkräfte sind froh, wenn die Kinder einigermaßen Deutsch sprechen. Da müssen Sprache und Bücher einfach sein und nicht mit Sternchen verwirren. Die Kinder müssen erst einmal verstehen können, was sie überhaupt lesen. Deswegen muss es pur gehalten werden. Älteren Menschen sollte man es aber offenhalten, ob sie Gendern oder nicht.

Wie blicken Sie auf das Superwahljahr 2024?

Ich hoffe, dass die Menschen nicht sagen, sie gehen nicht wählen, weil sie darin keinen Sinn sehen. Ich fordere jeden auf, der wählen darf, sich zu entscheiden. Es gibt keine Partei, die einem hundertprozentig passt. Aber man kann eine Partei finden, die am ehesten passt. Wählen gehen ist die große Chance, die wir in einer Demokratie haben. Da muss man mit Abstrichen seine Partei finden, aber unbedingt wählen.

Welche Werte sind Ihnen am wichtigsten, welche Werte geben Sie an Ihre Kinder und Enkel weiter?

Respekt und Toleranz gegenüber anderen Menschen ist ganz wichtig. Ich sage immer: Setz dich auf die andere Seite des Tisches und überlege, ob du so behandelt werden willst. Auch Dankbarkeit ist ein wichtiges Gut.

Merken Sie, dass insbesondere Respekt innerhalb der Gesellschaft fehlt?

Ja, insgesamt ist – vielleicht auch durch Corona – eine gewisse Grobheit in der Gesellschaft eingezogen. Das fängt im Alltäglichen an: Früher war es normal, dass man die Tür, durch die man geht, einfach lautlos für den Nächsten aufhält, heute fliegt die Tür einfach zu. Und das setzt sich in allen Lebensbereichen fort: Man hört nicht mehr zu, was der andere zu sagen hat. Hass im Internet, Bedrohungen von Journalisten. Man könnte eine lange Liste machen …

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In einer Stadt ist es nicht ungewöhnlich, dass man schweigend aneinander vorbeiläuft …

Mein Mann und ich grüßen immer, wenn wir laufen gehen. Als wir neu waren in der Gegend, haben wir die Menschen gegrüßt und in überraschte Gesichter geschaut. Im Laufe der Zeit ist es normal geworden und die Leute lächeln zurück. Freundlichkeit kostet nichts.

Wie sieht Ihr Leben sonst fernab der Kameras aus?

Ich habe immer viel auf dem Plan. Mir ist nie langweilig. Allein in unserem Verein brotZeit gibt es immer neue Herausforderungen, weil wir größer werden. Ansonsten genieße ich einfach und bin froh, dass ich jeden Tag aufwachen und noch etwas bewegen darf, dass ich Rollenangebote habe und lernen kann. Ein großes Glück ist auch die Zeit mit meinen drei Enkelkindern. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das alles erleben darf.

Wie sorgen Sie bei all dem Stress für Ihr Wohlbefinden?

Ich mache jeden Tag mein Stretchingprogramm. Außerdem laufe ich so viel wie möglich. Ich nehme normalerweise keinen Lift, egal wie viele Treppen ich steigen muss. Das ist so meine Competition. Nichts tun, ist für mich keine Aufgabe. Ich habe gern eine Aufgabe. Manchmal nehme ich mir viel vor und frage mich, ob ich das alles schaffe. Aber wenn ich es schaffe, freue mich einfach darüber.

Sie haben oft die Nähe zu Kämpferinnen und Hoffnungsträgerinnen gesucht. Wer ist Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?

Mein erstes Vorbild war meine Mutter. Sie war so eine Kämpferin. Dann meine Nachbarin, die ihr eigenes Geschäft führte und eine so tolerante Frau war. Oder auch Aenne Burda. Sie war eine starke Frau, eine so emanzipierte Frau. Sie hat immer zu mir gesagt: Uschi, lass dir nix gefallen. Was sie auf die Beine gestellt hat, ist unglaublich, allein mit ihren Schnittmustern. Sie hat sich in Russland als Frau durchgesetzt, war immer am Kämpfen und ließ sich von niemandem etwas gefallen. Sie hat mir viele Tipps gegeben.

Aenne Burda
Aenne Burda (Quelle: IMAGO / teutopress)

Wer war Aenne Burda?

Aenne Burda hatte 1949 einen kleinen Verlag übernommen und diesen zum größten Fachverlag für Modepublikationen ausgebaut. Mit den bekannten Schnittmusterbögen regt sie dazu an, sich selbst die neueste Mode zu nähen. "Burda Moden" wurde zu einer Erfolgsgeschichte des deutschen Wirtschaftswunders. 2005 starb sie mit 96 Jahren.

Was ist der wichtigste Tipp, den Sie von Aenne Burda bekommen haben?

Sie sagte mir einst: Du musst gucken, dass du auf Augenhöhe bist mit einem Mann. Nicht von unten nach oben gucken und denken: "Oh, wie toll ist denn der?" Sie war eine Frau, die widersprochen hat, wenn ihr was nicht passte. Sie hat immer ihr Recht eingefordert. Widerspruch ist auch ein wichtiges Thema in meinem Buch. Ich beschreibe Situationen aus meinem Leben, schöne wie schwierige, um den Leserinnen und Lesern Mut zu machen, sich ihren Widerspruchsgeist zu erhalten.

Ist Ihnen das immer gelungen? Mit der Augenhöhe?

Ja, eigentlich schon. Und wenn es nicht gelingt, wenn jemand arrogant reagiert, ist die Sache auch erledigt. Dann macht er es so und ich mache es so und ich arbeite nicht mit ihm. Dass Frauen immer die Schwächeren sind und der Mann über ihnen steht, ist ja Gott sei Dank vorbei. Aber in meiner Jugend wurden aufmüpfige Frauen noch komisch angeschaut. Da musste ich schon Mut haben und viele Männer konnten damit nicht umgehen, was mich nicht abgehalten hat. Dann haben sie gemerkt: Die ist ja gar kein "Schätzchen".

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Uschi Glas
  • Glas, Uschi: "Ein Schätzchen war ich nie" (2024, Mosaik)
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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