Interview
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Der Gespr├Ąchspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschlie├čend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Es gibt einige Bereiche, in denen ich an mir arbeiten muss"

  • Maria Bode
Von Maria Bode

Aktualisiert am 03.05.2021Lesedauer: 5 Min.
Barbara Meier: Das Model legt viel Wert auf Nachhaltigkeit, durch die Geburt ihrer Tochter im vergangenen Jahr noch mehr.
Barbara Meier: Das Model legt viel Wert auf Nachhaltigkeit, durch die Geburt ihrer Tochter im vergangenen Jahr noch mehr. (Quelle: Buda Mendes/Getty Images)
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Barbara Meier setzt sich seit Jahren f├╝r Nachhaltigkeit und Fairness in der Modebranche ein. Im Gespr├Ąch mit t-online berichtet sie, wo diesbez├╝glich noch viel Arbeit zu tun ist.

Im Interview mit t-online erz├Ąhlt die fr├╝here GNTM-Gewinnerin Barbara Meier, wie umweltbewusst sie privat ist und wo sie in Sachen Nachhaltigkeit ÔÇô insbesondere mit kleinem Baby ÔÇô noch deutlichen Verbesserungsbedarf sieht und wo sie pers├Ânlich an ihre Grenzen kommt.

Barbara Meier ist Botschafterin des Gr├╝nen Knopfes, dem 2019 gelaunchten Textilsiegel des Bundesentwicklungsministeriums, und bringt im Mai eine eigene Mutter-Baby-Kollektion mit Lidl raus, die wiederum mit diesem ausgezeichnet ist.

t-online: Hand aufs Herz, Frau Meier, wie umweltbewusst sind Sie privat?

Barbara Meier: Ich gebe jeden Tag mein Bestes und versuche mich st├Ąndig zu verbessern und einen weiteren Schritt Richtung noch mehr Umweltschutz zu gehen. Perfekt bin ich aber nicht. Es gibt noch einige Bereiche, in denen ich noch an mir arbeiten muss. Ich pers├Ânlich finde allerdings das Wichtigste, sich auf den Weg zu machen. Wenn jeder von uns sich immer um einen kleinen Schritt verbessert, k├Ânnen wir gemeinsam ganz viel erreichen.


Sie sagten mal: "Wir sollten nie untersch├Ątzen, welche Macht wir als Konsumenten haben. Am Ende des Tages richtet sich eine ganze Branche auch nach unseren W├╝nschen und Bed├╝rfnissen." Wie nutzen Sie diese Macht?

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Ich spreche bei Jobs zum Beispiel sehr viel mit Marken und Markenvertretern, Designern, Stylisten etc. ├╝ber Nachhaltigkeit und versuche sie dazu zu bringen, sich in ihrer Arbeit ein wenig mehr in Richtung Fair Fashion zu bewegen. Ich konnte schon vielen Leuten gute Tipps und Inspirationen geben.

Und im Privaten?

Wenn ich selbst einkaufe, achte ich sehr auf Siegel. Vor allem bei der Kleidung f├╝r meine kleine Tochter. Es kommt auch ├Âfter vor, dass ich Marken darauf anspreche, dass es zum Beispiel nicht n├Âtig ist, Kleidung in zwei Plastikt├╝ten zu verpacken. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass wir den Marken auch immer wieder Feedback geben und ihnen mitteilen, was wir uns w├╝nschen. Viele Dinge kaufe ich auch einfach nicht, wenn ich wei├č, dass sie unter den falschen Bedingungen hergestellt wurden.

Sind Sie gegen├╝ber Freunden und Familie manchmal belehrend oder halten Sie sich eher zur├╝ck?

Belehrend gar nicht. Zum einen weil ich auch nicht perfekt bin und immer neue Punkte finde, die ich noch an mir verbessern kann. Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass man jemanden durch Belehrung von etwas begeistern kann. Ich zeige Freunden und Familie allerdings schon, was mich gerade interessiert und wie spannend ich neue nachhaltige Produkte finde. Wenn sie dann Lust haben, das auch auszuprobieren, freue ich mich. Wenn nicht, bin ich aber auch nicht b├Âse.

Wie nachhaltig ist Ihr Kleiderschrank?

Mein Ziel war es immer 20 Prozent Fair Fashion im Kleiderschrank zu haben und diesen Prozentsatz dann schrittweise zu erh├Âhen. Dem ersten Ziel von 20 Prozent n├Ąhere ich mich langsam. Letztens habe ich auch tolle Secondhandteile gekauft.

Barbara Meier mit einem kleinen Model: Sie freut sich ├╝ber den baldigen Launch ihrer Mutter-Kind-Kollektion.
Barbara Meier mit einem kleinen Model: Sie freut sich ├╝ber den baldigen Launch ihrer Mutter-Kind-Kollektion. (Quelle: Lidl)

Durch meine eigene Kollektion mit Lidl wurde mein Kleiderschrank und auch der meines Babys zus├Ątzlich viel nachhaltiger. Ich habe jetzt tolle Sommerkleider, die dann genau auf das Outfit meiner kleinen Maus abgestimmt sein werden und die zus├Ątzlich nachhaltig und mit dem Gr├╝nen Knopf ausgezeichnet sind. Das ist das Beste, was ich mir momentan von einem Kleidungsst├╝ck w├╝nschen kann. Ich ziehe mich jetzt schon gern im Partnerlook mit meiner Tochter an. Ab 3. Mai bin ich dann im perfekten Mini-Me-Look mit ihr.

Bundesentwicklungsministerium zur Kritik am Gr├╝nen Knopf
Es gibt auch Kritik am Gr├╝nen Knopf hinsichtlich der tats├Ąchlichen Nachhaltigkeit des Siegels. Ein Sprecher des Bundesentwicklungsministeriums entgegnet diesbez├╝glich auf Nachfrage von t-online: "Das ist ja h├Ąufig die Kritik an Textilunternehmen, dass sie eine Vorzeigekollektion nach hohem Standard produzieren, sich aber als Unternehmen insgesamt nicht verantwortlich f├╝r Mensch und Natur verhalten. Das Besondere am Gr├╝nen Knopf ist aber, dass das ganze Unternehmen gepr├╝ft wird, nicht nur eine Produktlinie. Es wird unabh├Ąngig gepr├╝ft, ob das Unternehmen insgesamt seiner Sorgfaltspflicht f├╝r Mensch und Natur nachkommt und dann erst, ob Produkte mit anspruchsvollen Siegeln, wie GOTS, den Gr├╝nen Knopf tragen d├╝rfen. Der Gr├╝ne Knopf leistet da Pionierarbeit. Es gibt bestimmt noch Kriterien, die verbessert werden m├╝ssen, aber daran wird aktuell gearbeitet." Auf eine weitere Frage, welche Produktionsschritte inzwischen von Gutachtern des Gr├╝nen Knopfes abgedeckt werden, hei├čt es aus dem Bundesentwicklungsministerium: "Aktuell deckt der Gr├╝ne Knopf die Produktion und die Nassprozesse, also das F├Ąrben oder Bleichen, ab. Das sind in der Textillieferkette Schritte mit besonders gravierenden Umweltproblemen, z.B. die Verwendung von giftigen Chemikalien, oder gro├čen sozialen Herausforderungen wie fehlender Arbeitsschutz. Das Bundesentwicklungsministerium, dem der Gr├╝ne Knopf geh├Ârt, hat bei der Einf├╝hrung im September 2019 angek├╝ndigt, die Kriterien schrittweise zu erh├Âhen. Ende dieses Jahres soll diese ├╝berarbeitete Version des staatlichen Siegels eingef├╝hrt werden."

Wie gut funktioniert es allgemein f├╝r Sie mit einem Baby auf Nachhaltigkeit zu achten?

Auf der einen Seite sehr gut, weil es f├╝r Babys sehr viele nachhaltige Produkte gibt. Spielzeug aus Holz hat beispielsweise wieder ein Revival. Bei der Kleidung gibt es auch viele gute umweltfreundliche Produkte. Sie sind leider oft noch etwas teurer und nicht f├╝r jeden leistbar. Diese L├╝cke wollten wir mit der Kollektion schlie├čen und Fair Fashion f├╝r jeden erlebbar machen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Dinge, die auch auf dem Babymarkt noch verbessert werden m├╝ssen: Windeln, Feuchtt├╝cher, etc. Da w├╝rde ich mir noch mehr nachhaltige Produkte w├╝nschen.

Barbara Meier mit ihrer Tochter: Marie-Therese kam im vergangenen Jahr zur Welt:

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Zum Beruflichen: Wie geht Nachhaltigkeit mit Ihrem Job als Model ├╝berhaupt einher?

Beim Job muss ich ab und zu Kompromisse eingehen und es gibt sicherlich noch viele Punkte, die ich verbessern kann. Ich nehme mittlerweile oft den Zug oder fahre kurze Strecken mit dem Elektroauto. Ganz vermeiden l├Ąsst sich das Fliegen leider nicht. Aber hier gibt es ja durch Corona zum Gl├╝ck den Trend zu mehr Videokonferenzen und weniger Liveterminen. Das wird bis zu einem gewissen Punkt meiner Meinung nach auch nach der Pandemie noch bleiben. Aber das Fliegen ist tats├Ąchlich einer der Kompromisse, die ich eingehen muss. Andererseits habe ich gerade durch meinen Beruf allerdings auch die Chance, tolle nachhaltige Projekte zu realisieren. F├╝r diese M├Âglichkeit bin ich sehr dankbar. Ich versuche meinen Beitrag dazu zu leisten, dass unsere Branche ein wenig fairer wird. ├ťber die letzten Jahre konnte ich Nachhaltigkeit und meinen Job immer mehr verbinden.

Wonach suchen Sie Kooperationen aus, die Sie beispielsweise auf Instagram machen?

Ich habe Kooperationen schon immer danach ausgesucht, ob ich das Produkt selbst benutze oder benutzen w├╝rde. Ich spreche auch vorher mit den Firmen, ob Mikroplastik in Produkten enthalten ist und ob sie wirklich keine Tierversuche mehr machen. K├╝rzlich sollte ich Markenbotschafterin f├╝r ein Shampoo werden. Ich war ganz entsetzt zu h├Âren, dass eine so gro├če und prominente Marke Tierversuche noch immer nicht ausschlie├čt und habe das direkt abgesagt. Durch diese Einstellung habe ich schon seit Beginn meiner Karriere einige sehr lukrative Angebote nicht angenommen; einfach weil ich nicht hinter dem jeweiligen Produkt stehen konnte. In letzter Zeit wird mir bei den Kooperationen die Nachhaltigkeit aber auch immer wichtiger. Ich erwarte von meinen Partnern keine hundertprozentige Nachhaltigkeit, aber ich erwarte schon, dass sie sich verbessern m├Âchten und Impulse setzen, um ihr Unternehmen auf den richtigen Weg zu bringen.

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W├╝rde es f├╝r Sie denn infrage kommen, nur noch f├╝r faire Brands zu arbeiten?

Das w├Ąre nat├╝rlich mein Wunsch f├╝r die Zukunft. Bisher ist der Markt von super fairen Brands leider noch nicht so gro├č, dass ich so meinen Job aus├╝ben k├Ânnte. Aber zum Gl├╝ck gibt es einen gro├čen Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Und bis es so weit ist, dass die fairen Brands in der Mehrzahl sind, versuche ich weiter meinen Einfluss und meine Kontakte zu nutzen, um unsere Brache zu verbessern und ein wenig fairer zu machen.

W├╝rden Sie auch eine geringere Gage nehmen, um eine faire kleinere Marke zu unterst├╝tzen?

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Das kommt immer ganz auf die Marke an. Ich habe auf Instagram schon viele kleine Fair-Fashion-Marken unterst├╝tzt, ohne daf├╝r eine Gegenleistung zu erwarten. Wenn ich wirklich von einem Produkt ├╝berzeugt bin, zeige ich das auch gerne. Es geht bei mir auf Instagram nicht darum, m├Âglichst viele bezahlte Kooperationen zu machen, sondern meine Follower zu inspirieren und ihnen Sachen zu zeigen, die ich selbst gut finde.

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