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Weshalb Elektroautos künstlich lauter werden

Von dpa, t-online, mab

Aktualisiert am 23.06.2019Lesedauer: 3 Min.
Elektroauto in der Innenstadt: Fußgänger können Stromer besonders bei niedrigen Geschwindigkeiten leicht überhören. Das soll sich ändern.
Elektroauto in der Innenstadt: Fußgänger können Stromer besonders bei niedrigen Geschwindigkeiten leicht überhören. Das soll sich ändern. (Quelle: Daimler)
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Elektroautos, die man nicht hören kann, gehören der Vergangenheit an. In Zukunft kann man sogar am Hören erkennen, welcher Hersteller das E-Auto gebaut hat. Hier erfahren Sie, wie es dazu kommt.

Einer der Vorzüge des E-Autos ist gleichzeitig einer seiner Nachteile. Es fährt nämlich nahezu geräuschlos. Erst ab rund 20 bis 30 km/h sind E-Autos wegen der dann vorherrschenden Reifenabrollgeräusche so laut wie ein Auto mit Verbrenner. Weil Fußgänger und Radfahrer das E-Auto bei geringerem Tempo nicht hören können, steigt das Unfallrisiko.

Die Europäische Union leitete schon vor Jahren in die Wege, dass sich daran etwas ändert. 2014 wurde eine Verordnung über den "Geräuschpegel von Kraftfahrzeugen" erlassen. Demnach müssen die Hersteller in der EU ab 1. Juli 2019 alle neuen Elektroautotypen mit einem Warnton ausrüsten, ein sogenanntes AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System).

Mehr Geräusch für mehr Sicherheit

Der nächste Schritt wird dann zwei Jahre später folgen: "Bis spätestens 1. Juli 2021 bauen die Hersteller in allen neuen Hybridelektro- und reinen Elektrofahrzeugen ein AVAS ein", lautet die EU-Vorgabe.

Ab dann muss also jedes E-Auto, das neu auf die Straße gebracht wird, dieses System enthalten – womit auch Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenautos sowie elektrifizierte Busse und Nutzfahrzeuge gemeint sind.

Akustische Warnsignale im E-Auto bieten Hersteller wie etwa BMW, Nissan, Renault oder Volkswagen bereits zum Teil seit Jahren an.

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Bei VW betont man den Sicherheitsaspekt. Es sei nötig, durch den Sound das Fahrzeug besser erkennbar beziehungsweise wahrnehmbar zu machen, sagt Sprecher Tim Fronzek.

Und BMW-Sprecher Martin Tholund sagt: "Wir haben bereits zu einem frühen Zeitpunkt Versuche mit dem bayrischen Blindenverband durchgeführt, um maximale Wahrnehmbarkeit bei minimaler Schallemission zu erreichen."

Was ist der richtige Ton?

Die angepeilte Balance zwischen Wahrnehmbarkeit und Lautstärke deutet es an: Den richtigen Ton zu finden, das ist keine einfache Sache. Die Verordnung gibt ein Dauerschallzeichen (also ein Geräusch) vor, das bis zu einem Tempo "von etwa 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren" automatisch erzeugt werden muss.

Das Geräusch soll erkennen lassen, wie sich das Auto gerade bewegt – ob es etwa beschleunigt oder bremst und wie schnell es ist. Die meisten Hersteller übererfüllen die rechtlichen Vorgaben bei der Geschwindigkeit.

Arbeit mit Synthesizer und Drumcomputer

Sie lassen den E-Sound bis Tempo 30 erklingen. Ab dann ist in jedem Fall gesichert, dass Reifenabroll- und Windgeräusche für normales Hörvermögen wahrnehmbar sind.

Für BMW-Sounddesigner Renzo Vitale ist der Weg zum richtigen Sound wie eine Schatzsuche – allerdings mit Hilfe von Synthesizern, Drumcomputern und sogar einem Geigenbogen. BMW-Sprecher Tholund über die Arbeit: "Er experimentiert mit neuen Sounds, indem er sie aufnimmt und in ihre Bestandteile zerlegt. Am Ende bleiben einzelne Fragmente übrig, aus denen wieder etwas völlig Neues entstehen kann."

Klangbild mit Charakter

"Ziel in der Entwicklung war es, die wichtige Warnfunktion zu erfüllen, ohne Passanten zu stören", sagt Tholund.

Für Mercedes ist es wichtig, die positive Eigenschaft des Leisegleitens weitestgehend zu bewahren, sagt E-Mobility-Sprecherin Madeleine Herdlitschka: "Denn der niedrige E-Geräuschpegel wirkt sich nicht nur positiv auf den Fahrer, sondern auch auf den Verkehrslärm in Ballungsgebieten aus."

Wichtig sei dennoch ein charakteristisches Klangbild, das "durch sein Klangmuster zu verstehen gibt, dass sich ein Elektroauto nähert."

VW will wie ein klassischer Motor klingen

Zugleich ist den Autobauern die Markenidentität wichtig: "Unser E-Sound folgt den gleichen Grundsätzen wie unsere Designsprache und hat somit den perfekten Fit zu unseren Produkten", sagt VW-Sprecher Fronzek.

VW nutzt als Warnton an einen Motor erinnernde Geräusche. Bei BMW spricht man von einem "eigenen, unverwechselbaren Klang". Auch Renault arbeitet an einer Audio-DNA, legt aber auch Wert darauf, dass ein kleines E-Fahrzeug nicht die gleiche Stimme hat wie ein großes.


In der Regel befindet sich die notwendige Hardware in Form kleiner Lautsprecher unsichtbar hinter den Stoßfängern oder – wie bei VW – im Motorraum. Dabei ist der erzeugte Sound auch im Innenraum hörbar, wenn auch leiser und dezenter.

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