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Verbaut Tesla eine Todes-Software?

Von dpa-afx, t-online, mab

Aktualisiert am 10.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Tesla-Unfall: In vielen Fällen war dabei der "Autopilot" aktiviert. Den Zusammenhang untersucht nun eine Behörde.
Tesla-Unfall: In vielen Fällen war dabei der "Autopilot" aktiviert. Den Zusammenhang untersucht nun eine Behörde. (Quelle: onw-images/imago-images-bilder)
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Ein Tesla rauscht in einen Truck, ein anderer in einen Fahrbahnteiler auf der Autobahn. Beide Fahrer tot. Und beide Male war eine Software beteiligt. Nach mehr als 100 Unfällen werden nun Ermittlungen ausgeweitet.

Die US-Verkehrsbehörde hat ihre Untersuchung von Teslas Fahrassistenzsystem "Autopilot" nach einer Reihe von Auffahrunfällen ausgeweitet. Seit Aufnahme der Ermittlungen im August stellte sie sechs weitere Zwischenfälle fest, bei denen Teslas mit eingeschaltetem "Autopilot"-System auf am Straßenrand parkende Einsatzfahrzeuge auffuhren. Ursprünglich ging es um elf solcher Unfälle. Der jüngste Crash passierte im Januar.

Erhöht Software die Fehlergefahr?

Die Ermittlungen sollen nun unter anderem mit der Auswertung zusätzlicher Daten ausgedehnt werden, wie die Verkehrsbehörde NHTSA mitteilt. Sie schaut sich auch gut 100 "Autopilot"-Unfälle an, an denen keine Einsatzfahrzeuge beteiligt waren. Dabei solle auch untersucht werden, inwieweit das System des Elektroauto-Herstellers das Risiko menschlicher Fehler verschärfe. Die NHTSA sieht Anzeichen dafür, dass in rund 50 der untersuchten Unfälle die Fahrer unzureichend auf die Verkehrssituation reagiert hätten.

Tesla weist die Kunden selbst darauf hin, dass "Autopilot" nur ein Assistenzsystem sei und deshalb der Mensch im Fahrersitz jederzeit die Hände am Lenkrad behalten müsse. Auch solle er stets bereit sein, die Kontrolle zu übernehmen. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Fahrer sich komplett auf das "Autopilot"-System verlassen. Tesla verschärfte vor einigen Jahren die Sicherheitsmaßnahmen: Die Software merke, wenn der Fahrer die Hände nicht am Steuer hat und gibt nach kurzer Zeit Warntöne ab.

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Ein Bericht von Consumer Reports widerspricht dieser Aussage. Das einflussreiche US-Verbrauchermagazin hat im April 2021 nach eigenen Angaben gefährliche Mängel beim "Autopilot" festgestellt. Auf einer Teststrecke sei es Ingenieuren beim Model Y gelungen, das Programm trotz leeren Fahrersitzes anzuwenden. Dabei habe das System keinerlei Warnungen oder Hinweise abgegeben. Auf öffentlichen Straßen würde ein solches Szenario eine "extreme Gefahr" darstellen, schrieb das Blatt damals.

Schon 2016 erstmals untersucht

Die NHTSA hatte das "Autopilot"-System bereits nach einem tödlichen Unfall 2016 untersucht. Damals starb ein Fahrer, nachdem sein Tesla unter den Anhänger eines Sattelschleppers raste, der die Straße überquerte. Die NHTSA kam zu dem Schluss, das System habe im Rahmen seiner Fähigkeiten korrekt funktioniert, aber der Mensch am Steuer habe sich zu sehr darauf verlassen. Das "Autopilot"-System hatte den Anhänger mit seiner weißen Seitenfront nicht erkannt und nicht gebremst. Auch der Fahrer hatte nicht reagiert.

Elon Musk: Laut des Tesla-Chefs helfe die umstrittene Software dabei, Unfälle zu vermeiden.
Elon Musk: Laut des Tesla-Chefs helfe die umstrittene Software dabei, Unfälle zu vermeiden. (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)

Bei der aktuellen "Autopilot"-Untersuchung geht es der NHTSA zufolge um schätzungsweise 830.000 Fahrzeuge aller vier aktuellen Modellreihen aus den Jahren 2014 bis 2022. Die NHTSA weist darauf hin, dass bei allen Auffahrunfällen die Feuerwehr- und Ambulanzfahrzeuge unter anderem dank eingeschaltetem Blinklicht klar ausgewiesen gewesen seien. Tesla veröffentlichte im September vergangenen Jahres ein Software-Update, dank dem der "Autopilot" die Fahrzeuge mit ihren markanten Blinklichtern auch bei schwierigen Lichtverhältnissen erkennen soll. Die NHTSA hinterfragte danach, warum das Update nicht als Rückrufaktion deklariert wurde.

Tesla-Chef Elon Musk betonte stets, dass "Autopilot" das Fahren sicherer mache und Unfälle zu vermeiden helfe. Das Unternehmen lässt seit einigen Monaten die nächste Version der Software mit mehr Funktionen für den Stadtverkehr von ausgewählten Beta-Testern ausprobieren. Im Netz kursieren viele Videos, auf denen die Software Fehler macht. Die NHTSA forderte bereits Informationen zu dem Test auf öffentlichen Straßen an.

Seit Februar prüft die NHTSA Tesla auch wegen Berichten über unvermitteltes Bremsen. Auslöser seien 354 Beschwerden binnen neun Monaten gewesen, weil das "Autopilot"-System plötzlich und unerwartet die Bremsen aktiviert habe. Die Behörde forderte auch bei anderen Autoherstellern Informationen zu deren Assistenzsystemen an.

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Von Christopher Clausen
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