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Fehlender Senioren-TÜV: "Frage der Zeit, bis Enkelin angefahren wird"

MEINUNGTest der Fahrtauglichkeit  

"Senioren sollten aller zwei Jahre eine Prüfung ablegen"

25.10.2021, 12:13 Uhr | Mario Thieme, Mth, t-online

Fehlender Senioren-TÜV: "Frage der Zeit, bis Enkelin angefahren wird". Fahrer-TÜV: Viele befürworten eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit für Senioren. (Quelle: IMAGO / agefotostock)

Fahrer-TÜV: Viele befürworten eine regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit für Senioren. (Quelle: IMAGO / agefotostock)

Das Auto muss regelmäßig zum TÜV, doch der Fahrer braucht sich nur einmal prüfen lassen. Ist das richtig so? Die t-online-Leser reagieren gespalten.

Einer AutoScout24-Umfrage zufolge befürworten satte 86 Prozent, dass die Fahrtauglichkeit von älteren Menschen hin und wieder überprüft werden müsste – ein erstaunlich eindeutiges Ergebnis. Über 65-Jährige wurden dabei allerdings nicht befragt.

t-online wollte daraufhin von seiner Leserschaft wissen, was sie von einem regelmäßigen Fahrer-TÜV im Seniorenalter hält. Viele der uns erreichten Zuschriften stammen von Menschen, die sich jenseits der 65 befinden. Ein größerer Teil, ob jung oder alt, spricht sich auch in unserem Leseraufruf für eine Überprüfung aus. Viele befürworten aber auch einen Beibehalt des Status quo. Eine Auswahl von Leserstimmen:

"Viele meiner Bekannten halten sich für die Größten"

t-online-Leserin Ulla Pelzer meint: "Ich bin selbst Seniorin, 72 Jahre alt, und bin absolut dafür, dass Senioren ab 65 alle zwei Jahre eine Fahrtauglichkeitsprüfung ablegen sollten. Viele meiner Bekannten halten sich für die Größten im Straßenverkehr, aber ich kann über ihr Fahrverhalten nur noch den Kopf schütteln. Sie fahren nach dem Motto 'Mir passiert schon nichts'. Was sie anderen unter Umständen damit antun, erkennen sie nicht (mehr)." Grundsätzlich glaubt sie aber, dass es 20- oder 30-Jährige gibt, die nicht Auto fahren können, "und es gibt welche, die mit 90 noch den Führerscheintest bestehen würden".

"Man sollte die Kirche im Dorf lassen"

t-online-Leser Rainer Wittmann sieht das anders. Er schreibt: "Ich bin Pilot und habe mit 63 noch eine aktive Lizenz. Man sollte beim Autofahren doch die Kirche im Dorf lassen. Als Pilot müssen wir alle zwei Jahre zum Fliegerarzt. Das könnte man sich meiner Meinung nach beim Auto sparen, da beim Autofahren in einer medizinischen Krisensituation die Möglichkeit besteht, das Auto einfach anzuhalten. Das geht beim Flugzeug nicht, das muss einfach professionell gelandet werden."

Einen Sehtest im Fünf-Jahres-Abstand fände er okay. "Ebenso könnte man beim Autofahren alle fünf Jahre eine Fahrt mit einem Fahrlehrer anordnen. Keine Prüfung, sondern der Fahrlehrer sollte beurteilen, ob ein Fahrer sein Auto noch verkehrssicher lenken kann. Sollten hier Zweifel bestehen, kann man ihn dann durch eine Prüfung schicken. Aber bitte keine Theorieprüfung mehr, sondern nur eine praktische Prüfung durch einen zugelassenen Prüfer. Das ganz kann man dann ab dem siebzigsten Lebensjahr starten", schlägt Rainer Wittmann vor.

"Nur eine Frage der Zeit, bis eigene Enkelin angefahren wird"

t-online-Leser Constantin Martin bringt anderen das Autofahren bei und vertritt folgende Meinung: "So sehr ich ältere Menschen wertschätze für alles, was wir von ihnen lernen können und an Fortschritt zu verdanken haben, kann ich als Fahrlehrer nicht nachvollziehen, dass – auch im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – bis heute immer noch keine Aussicht auf regelmäßige Fahrtauglichkeitstests für Senioren besteht."

Er führt aus: "Statistisch ist seit Jahrzehnten erwiesen, dass von den Senioren, die überhaupt noch aktiv Auto fahren, übermäßig viele in von ihnen verursachte Verkehrsunfälle verwickelt werden. Und schaut man sich die Autos mal an – insbesondere von Leuten, die zur Generation 80+ gehören –, finden sich darauf nicht selten zahlreiche Schrammen und Dellen von verschätzten oder übersehenen Hindernissen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis irgendwann keine Garagenwand, sondern etwa die eigene Enkelin angefahren wird. Derlei Meldungen gibt es ja unzählige."

"Politik möchte nicht auf 20 Mio. Wählerstimmen verzichten"

Faktisch spreche Constantin Martins Ansicht nach kein Sachargument gegen eine Testpflicht. "Es müsste ja auch gar kein Test im Sinne einer Fahrprüfung sein, aber wenigstens Grundwissen und ausreichende Verkehrsbeobachtung sollten mental wie körperlich vorhanden sein. Wer aber nicht mal mehr den Kopf drehen kann zum Schulterblick, darf eben auch am Lenkrad nicht mehr drehen. Und wer aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mal mehr notfalls ein Warndreieck in ausreichender Entfernung aufstellen kann, stellt schon allein dadurch für alle anderen Verkehrsteilnehmer eine abstrakte Gefahrenquelle dar, die sich früher oder später konkret leidvoll realisieren kann."

Unser Leser vermutet, dass auf höherer Ebene das Thema bewusst umgangen wird: "Die Politik möchte schlichtweg nicht auf 20 Millionen Wählerstimmen verzichten."

"Ich wäre bereit, einen Eignungstest zu machen"

"Ich werde kommenden Sonntag 70 Jahre alt und bin die Hälfte davon mit 40-Tonnern unfallfrei durch Europa gefahren", berichtet t-online-Leser Rainer Thoma. Er fühlt sich immer noch fit für den Straßenverkehr, aber: "Sollte ich merken, dass mir das Autofahren schwerfällt, setze ich mich nicht mehr ans Steuer. Eigentlich sollte jeder so viel 'Grips' haben, dann den 'Lappen' abzugeben. Ich persönlich wäre auch bereit, einen Eignungstest zu machen, wenn man es von mir verlangen würde. Man gefährdet schließlich nicht nur sich selbst", konstatiert er.

"In jungen Jahren ist viel Eitelkeit schuld, schlechtes Sehen zuzugeben"

Martin Hohlwegler ist Augenoptiker und sieht die Angelegenheit sprichwörtlich aus einer anderen Sicht: "Generell sollte ab dem 45. Lebensjahr aller drei bis vier Jahre ein Sehtest, Hörtest und Reaktionstest erfolgen, da durch Medikamente und Drogen diese Probleme entstehen, genauso wie ab 45 die Alterssichtigkeit beginnt. Es gibt kaum Personen, die in der Lage sind, selbst zu beurteilen, ob Sie genügend sehen. Dies ist alles nur über einen Test möglich", behauptet er. Martin Hohlwegler hat die Augen von Polizisten überprüft und zeigte sich erschrocken, wie schlecht es um deren Sehvermögen gestellt war. Außerdem meint er: "In jungen Jahren ist viel Eitelkeit schuld, schlechtes Sehen zuzugeben. Wer also diesen Test – egal wie alt – nicht besteht, muss korrigieren lassen oder den Führerschein abgeben", so sein Appell.

Verwendete Quellen:
  • Einsendungen von t-online-Lesern

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