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Apple-Designer über neue Watch: "Das war eine ziemliche Herausforderung"


"Das war eine ziemliche Herausforderung"


Aktualisiert am 29.10.2021Lesedauer: 6 Min.
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Die neu angepassten Watchfaces der Apple Watch Series 7: Sie nutzen das größere Display voll aus.Vergrößern des Bildes
Die neu angepassten Watchfaces der Apple Watch Series 7: Sie nutzen das größere Display voll aus. (Quelle: Apple)

Die neue Apple Watch Series 7 zeigte nicht das erwartete Redesign. Im Gespräch mit t-online verraten zwei Apple-Manager, warum sie das neue Modell dennoch grundlegend umgestalten mussten.

Die Präsentation der neuen Apple Watch Series 7 war für viele Apple-Fans und Insider eine große Überraschung: Denn noch bis kurz vor der Enthüllung hatten verschiedene, meist verlässliche Quellen berichtet, die neue Smartwatch werde ganz anders aussehen: flacher, eckiger – eben ganz neu.

Doch das, was Apples COO Jeff Williams dann auf dem Event am 14. September zeigte, war so gar nicht das, was alle erwartet hatten: Die Leaker waren blamiert, denn die Apple Watch Series 7 sah auf den ersten Blick wie ihr Vorgänger aus. Erst, wenn sie die richtigen Inhalte zeigt, bemerkt man, dass das Display substanziell größer geworden ist, und ein wenig rundlicher.

Tatsächlich ist es ein reichlich unspektakuläres Redesign – und wenn man den Vorgänger Series 6 und die neue Series 7 mit ausgeschaltetem Display nebeneinander legt, muss man schon sehr genau hinschauen, um Unterschiede zu erkennen. Bei aktiviertem Display – und passenden Inhalten – ist das anders: Hier sieht man klar, dass die Displayfläche größer und der schwarze Rahmen deutlich kleiner geworden sind. Insgesamt also nur ein kleines Hardware-Update?

Die Änderungen gehen tiefer als man zunächst denkt

Stan Ng und Alan Dye würden dieser Aussage entschieden widersprechen. Sie gehören dem Führungszirkel von Apple an und sind – Ng als Vice President (VP) of Product Marketing und Dye als VP of Human Interface Design – seit dem ersten Modell der Apple Watch maßgeblich an der Entwicklung beteiligt. Im Videotelefonat berichten sie t-online von den Herausforderungen und den neuen Möglichkeiten, die das neue Design der Series 7 mit sich gebracht hat.

Schon allein um die Displayfläche um 20 Prozent zu vergrößern und dabei den schwarzen Rahmen signifikant zu verkleinern, sei äußerst kompliziert gewesen: "Das erforderte eine komplette Neugestaltung des Displays, des Uhrglases, der Innereien der Uhr und der internen Einfassung des Displays. Im Ergebnis schrumpfte der Rahmen von den drei Millimetern bei der Series 6 auf die nun 1,7 Millimenter bei der Series 7". Gleichzeitig blieb das Gehäuse nahezu gleich groß.

Um den Effekt eines fast rahmenlosen Displaybilds noch zu verstärken, passte Apple auch die Wölbung des Uhrglases und damit auch die Rundungen in den Ecken des Displays an. Auch das hatte umfangreiche Folgen, erzählt Dye: "Diese neue Form, so dezent die Änderung auch sein mag – erforderte eine Umgestaltung der Benutzeroberfläche (UI), damit diese auch dazu passte."

In der Folge mussten die Schaltflächen erneuert werden, damit etwa ihre abgerundeten Ecken im Radius zu den neuen Ecken des Displays passen (im Bild oben mittlere und rechte Skizze).

Größer und auch alltagsrelevanter seien aber Veränderungen, die das Display im Hinblick auf Text ermögliche. Das Thema Lesbarkeit ist seit der ersten Stunde der Apple Watch ein sehr zentrales für die Designer, erklärt Alan Dye. Was viele Nutzer nicht wissen: Die Systemschriftart San Francisco, die mittlerweile auf allen Apple-Geräten verwendet wird, wurde ursprünglich dezidiert für die Apple Watch entworfen. Hier war die Maßgabe, dass sie auch auf sehr kleinen Displays möglichst gut lesbar ist.

Die spezielle Variante San Francisco Compact wird auf allen Apple Watches verwendet. Sogar für die Komplikationen auf der Apple Watch – so heißen bei Uhren die kleinen Zusatzinformationen auf dem Zifferblatt – entwickelten Dye und sein Team eine eigene Font-Variante: San Francisco Rounded.

Das Besondere an San Francisco ist: Verschiedene Details passen sich je nach Schriftgröße individuell für bessere Lesbarkeit an. Wird das Font größer gesetzt, werden die einzelnen Zeichen dichter zueinander gestellt und sind insgesamt etwas kompakter gestaltet – so wird die Schrifttype insgesamt dichter und kann mehr Informationen auf einem kleinen Display anzeigen.

In kleiner gewählten Größen stehen die einzelnen Zeichen in größerem Abstand zueinander, Zeichen wie 'a' und 'e' haben proportional größere Öffnungen, damit sie besser lesbar sind. Auch die Satzzeichen fallen aus diesem Grund dann größer aus.

Am Text habe man bei der neuen Apple Watch Series 7 noch weiter gefeilt, erzählt Dye: "Mit dem größeren Display waren wir nun in der Lage, noch zwei weitere Schriftgrößen am oberen Ende unseres grafischen TypeKit-Systems einzurichten. Das bietet jetzt auch eine noch bessere Zugänglichkeit für unsere Nutzer."

Erstmals gibt es eine Bildschirmtastatur – keine leichte Aufgabe

Überraschender ist allerdings eine andere Neuerung, die man auf der Series 7 findet: Eine komplette Bildschirmtastatur für die Eingabe. "Seit der ersten Apple Watch war Texteingabe absolut wichtig und eine riesige Herausforderung. Wir wollten schon immer eine Tastatur im QWERTY-Stil haben – und das neue Display ermöglicht das."

Nur, wie macht man das – eine Tastatur mit 26 Buchstaben gut bedienbar auf der Fläche einer großen Briefmarke unterzubringen? "Ja, das war tatsächlich eine ziemliche Herausforderung", gibt Dye zu. Geholfen habe Design – und Technologie.

"Eine Sache, die wir gemacht haben: Wir haben die kleinen Umrisse der einzelnen Tasten weggelassen, um dabei zu helfen, dass es sich etwas weniger vollgestopft anfühlt. Außerdem soll es signalisieren, dass Präzision bei der Bedienung nicht so wichtig ist, weil man sich auf die Intelligenz hinter der Tastatur verlassen kann."

Und auf die ist man bei der Bedienung der winzigen Tastatur auch angewiesen – denn selbst dem talentiertesten Designer sind hier natürliche Grenzen gesetzt, gibt Dye zu: "Man kann schlicht das Buchstaben-Set nicht weiter reduzieren, als wir es bereits getan haben. Da gibt es einfach keine Elemente mehr, die man noch weglassen könnte."

Letztlich muss Apple hier darauf vertrauen, dass die Nutzer die Tastatur einfach ausprobieren – auch wenn viele auf den ersten Blick denken werden: 'Wie soll das gehen?' Der Test zeigt: Es geht tatsächlich viel besser, als man es glauben mag – die Tastatur lässt sich erheblich effektiver nutzen als das Zeichenfeld, mit dem einzelne Buchstaben gemalt werden mussten.

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Noch ist die Tastatur allerdings nicht auf Deutsch erhältlich. Da sie maßgeblich auf Worterkennung setzt, ist das englische Layout tatsächlich auch überhaupt nicht für deutsche Worte geeignet. Apple will eine lokalisierte Fassung aber bald nachreichen.

Die Tastatur ist aber ein schönes Beispiel dafür, wie sehr Apple bei seiner Watch mit technischen und bedienungsrelevanten Grenzen ringt, um sie noch ein Stück weiter zu verschieben. Es ist auch ein Ringen mit den eigenen Prinzipien: Dieser Ansatz passt nämlich eigentlich gar nicht so recht zur Apple-Design-Philosophie, wo sich die gewünschte Nutzung meist zwingend aus dem bis in den Millimeterbruchteil perfektionierten Interface-Design ableitet.

Doch die rigiden Beschränkungen, die der äußerst limitierte Formfaktor eines Smart-Watch-Displays mit sich bringt, ringen offenbar selbst den führenden Apple-Designern kleine Zugeständnisse ab. In diesem Fall ist diese Flexibilität ein Gewinn für den Nutzer. Denn es führt dazu, dass man nun viel besser auf Text eingeben kann als zuvor.

Wichtige Design-Entscheidungen im Sinne des Nutzers

Auch im Sinne des Nutzers fällte Apple eine andere Entscheidung: Denn theoretisch hätte man sich das Leben dadurch erleichtern können, indem man die neue Apple Watch einfach etwas größer baut – und damit auch deutlich mehr Displayfläche geschaffen hätte – man tat es dennoch nicht, so Dye: "Das war eine Design-Entscheidung. Ich glaube alle hatten das Gefühl, dass wir die Hardware noch etwas größer hätten bauen können. Aber wir wollten eine Sache nicht gefährden, die ein fundamentales Prinzip der Watch ist: das System der austauschbaren Armbänder."

Trotz leicht gewachsenem Gehäuse können Nutzer also nach wie vor auch Armbänder älterer Watches an dem neuesten Modell anbringen, selbst die vom allerersten Modell. Tatsächlich hat sich die Apple Watch seit dem ersten Modell, das erst vor gut sechs Jahren auf den Markt kam, erheblich verändert, Alan Dye kann das offenbar noch immer nicht ganz fassen:

"Ich erinnere mich daran, wie ich wirklich eng mit Stan an der ersten Apple Watch und dessen Display zusammengearbeitet habe. Das Display, das wir designt haben, war damals ein unglaubliches, fast undenkbares Ergebnis – in diesem Maßstab, mit diesem schmalen Rahmen, noch oben drauf auf all der Technologie, die bereits in die Uhr eingebaut war." Wie weit man mittlerweile mit Series 7 gekommen ist, könne er noch immer kaum glauben. "Wenn man über den Grad von Miniaturisierung und Komplexität nachdenkt, die da in solch einem kleinen Raum untergebracht wird – wir hätten uns nicht im Traum vorstellen können, dass wir diesen Punkt so schnell erreichen würden."

Verwendete Quellen
  • Gespräch via Videocall mit Stan Ng und Alan Dye
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