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Was tun, wenn die Corona-Warn-App dauernd rot sieht

Von dpa
Aktualisiert am 19.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Die Omikron-Welle stellt das Konzept der Corona-Warn-App auf den Pr├╝fstand.
Rote Warnung in der CWA: Die Omikron-Welle stellt das Konzept der Corona-Warn-App auf den Pr├╝fstand. (Quelle: Bernd Wei├čbrod/dpa./dpa)
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Nach holprigem Start ist die Corona-Warn-App mittlerweile sehr erfolgreich. Doch aufgrund der extrem hohen Inzidenzzahlen bekommen viele Nutzer aktuell dauernd eine rote Warnung angezeigt. Experten sehen dennoch einen gro├čen Nutzen.

Mit ├╝ber 40 Millionen Downloads geh├Ârt die offizielle Corona-Warn-App des Bundes zu den erfolgreichsten digitalen Tools weltweit, um die Corona-Pandemie einzud├Ąmmen. Knapp 1,3 Millionen Infizierte in Deutschland haben ├╝ber die App vor risikoreichen Begegnungen gewarnt. Etwa mit rechtzeitigem Testen f├╝r Betroffene wird darauf abgezielt, eine weitere Virus-Ausbreitung zu unterbinden.

Doch trotz dieser Erfolgsgeschichte rei├čt die Kritik am Konzept und an der konkreten Umsetzung nicht ab. Im Sommer 2020 zur Einf├╝hrung ging es noch um die Frage, warum die App so sp├Ąt kommt und warum die Konzerne SAP und Deutsche Telekom Millionen f├╝r Entwicklung und Betrieb kassieren d├╝rfen. Inzwischen geht es aber vor allem um die Frage, ob die App ihren eigentlichen Zweck erf├╝llen kann, n├Ąmlich einen nennenswerten Beitrag zur Eind├Ąmmung der Pandemie zu leisten.

Bereits vor gut einem Jahr r├╝hrten sich Zweifel an der Warnfunktion. Die Macher hatten im Dezember 2020 den Algorithmus der Kontaktberechnungen ver├Ąndert, um pr├Ąziser zu ermitteln, welche Begegnungen gez├Ąhlt werden sollen. Als Folge der ├änderung verschwand die Anzeige von vielen Begegnungen mit niedrigem Risiko, weil diese f├╝r die Eind├Ąmmung der Infektionsketten keine Rolle spielten. Etliche Anwender zogen daraus aber den Schluss, dass die App ihre W├Ąchterfunktion eingestellt hat, und deinstallierten die scheinbar nutzlose Anwendung wieder.

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Erst zu wenig, dann zu viel

Die aktuelle Omikron-Welle l├Âst nun den gegenteiligen Effekt aus. Viele Anwenderinnen und Anwender bekommen nun st├Ąndig die rote Kachel mit dem Warnhinweis "Erh├Âhtes Risiko" angezeigt, weil sich Tag f├╝r Tag Zehntausende neu mit dem Virus infizieren und das positive Testergebnis auch in die App eintragen. Auf dem Twitterkanal der App wurden Nutzer k├╝rzlich bereits dazu aufgerufen, die Risikoermittlung im Testcenter kurz auszuschalten: Das verhindere viele unn├Âtige Warnungen an dem Tag, hie├č es.

Folgt man den Empfehlungen der Bundesregierung, m├╝ssten Nutzer mit einer roten Warnmeldung sich beim Hausarzt beziehungsweise dem ├Ârtlichen Gesundheitsamt melden. "Diese entscheiden anhand m├Âglicher Krankheitssymptome, wie verfahren wird." Bei einer Warnung ├╝ber ein erh├Âhtes Risiko bestehe Anspruch auf einen kostenlosen Test (PCR-Test oder Antigentest). Das gelte auch f├╝r vollst├Ąndig Geimpfte.

Aber auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ahnt, wie schwierig es in diesen Tagen und Wochen sein wird, diese offizielle Empfehlung komplett umzusetzen, weil zumindest die Gesundheits├Ąmter und PCR-Testzentren hoffnungslos ├╝berlastet sind. Der studierte Mediziner gibt sich immerhin mit einfacheren Ma├čnahmen zufrieden:

"Wenn hier ein Test veranlasst wird, ein Antigentest, oder man macht ihn zumindest selbst, dann kann man damit das Pandemiegeschehen wesentlich entschleunigen", sagte er am Dienstag. "Gerade wenn es sehr viele Warnungen gibt, die dann zu Testungen f├╝hren, dann ist das ein ganz wichtiger Baustein zur Entschleunigung der galoppierenden Pandemie."

App tut ihren Dienst

Der Minister stellt deshalb auch die App nicht infrage: "Die Corona-Warn-App tut jetzt ihren Dienst", sagte er. Dies gelte auch, wenn sie wegen Omikron oft anschlage.

"Die App funktioniert und wirkt ÔÇô vor allem in dieser Phase der Pandemie. Das sehen wir auch an den Download-Zahlen, die kontinuierlich steigen", teilte ein Sprecher der Corona-Warn-App auf Anfrage mit. Die App leiste einen wichtigen Beitrag beim Unterbrechen von Infektionsketten, ohne Gesundheits├Ąmter zu belasten.

Lobende Worte kommen auch von Nicolai Savaskan, dem Amtsarzt des Berliner Bezirks Neuk├Âlln, wo die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit mit ├╝ber 1500 bundesweit am h├Âchsten ist. "Im Vergleich zum Beginn der Pandemie gehen die Leute viel kompetenter mit den Warnungen um", findet er. Man erlebe trotz der hohen Anwenderquote keinen Ansturm wegen der App-Warnungen. Geht es um das Veranlassen eines Tests, seien die Umst├Ąnde des Risikokontakts ausschlaggebend.

Auch psychologischer Nutzen

Das Testen nach App-Warnung ist f├╝r Savaskan jedoch eher ein Randaspekt: einfacheres Nachverfolgen von Kontakten, Chancen f├╝r die Gesundheitskommunikation auch nach der Pandemie ÔÇô in diese Richtung denkt der Amtsarzt. F├╝r B├╝rger sieht er in der Pandemie auch einen Nutzen auf psychologischer Ebene: Sie k├Ânnten selbst etwas bewirken.

Es sei vor allem das "R├Ątselraten" nach einer Warnung, das die App kompliziert mache, findet die Infektiologin Jana Schroeder (Stiftung Mathias-Spital, Rheine): Wann genau mag ein Risikokontakt wohl stattgefunden haben? Trug man w├Ąhrenddessen eine Maske? K├Ânnte die Warnung wom├Âglich auch vom Nachbarn hinter der Zimmerwand kommen?

Wenn die Warnungen zwar technisch richtig, aber inhaltlich st├Âranf├Ąllig seien - etwa weil die sicher getragene Maske nicht ber├╝cksichtigt wird ÔÇô dann n├╝tzten sie auch weniger, meint Schroeder. Grunds├Ątzlich funktionierten auch andere Konzepte gegen Corona, wie das Pool-Testen an Schulen, nur gut bei niedriger Inzidenz.

Nach einer k├╝rzlich aufgeploppten Warnung hat Schroeder f├╝r sich den Schluss gezogen, in ├Âffentlichen Situationen immer eine dicht sitzende FFP2-Maske zu tragen, wie sie berichtet. K├╝nftige Warnungen seien dann noch f├╝r sie von Interesse, "aber es hat ansonsten keine Auswirkungen", weil sie sich mit der Maske gut gesch├╝tzt sieht.

Diese Entscheidung zeigt auch: Gerade das R├Ątselraten k├Ânnte dazu f├╝hren, dass das eigene Schutzverhalten eher ├╝berdacht wird. Auch das gef├╝hlte Risiko ver├Ąndert sich wom├Âglich. Vom Sprecher der App hie├č es, dass Auswertungen von 2021 nahelegten, dass eine Begegnung mit einem nachweislich Infizierten zu einer Verhaltens├Ąnderung f├╝hre.

App st├Â├čt in Hochphase von Omikron an ihre Grenzen

Der Frankfurter Epidemiologe Timo Ulrichs findet die App zwar momentan noch sinnvoll. "Wenn wir mehr und mehr in die Hochphase der Omikron-Welle gehen, st├Â├čt diese App an Grenzen", so der Forscher in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk. Die Ausbreitung werde dann so dicht sein, dass wenige M├Âglichkeiten blieben, ├ťbertragungswege zu unterbrechen.

Der Corona-Warn-App kommt mittlerweile zugute, dass sie nicht allein wegen ihrer Kernfunktion ÔÇô dem Ermitteln risikoreicher Begegnungen ÔÇô einen fest Platz auf unz├Ąhligen Smartphones gefunden hat. Sie hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren zu einem digitalen Schweizer Taschenmesser in der Pandemiebek├Ąmpfung entwickelt. Popul├Ąr ist vor allem die Funktion, die Impfzertifikate, Genesenennachweise oder Testergebnisse in der App zu speichern und bei Bedarf schnell vorzeigen zu k├Ânnen.

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Die j├╝ngste Version der App kann jetzt auch dabei helfen, g├╝ltige Impf- oder Genesenenzertifikate sowie einen digitalen Testnachweis in einem Rutsch anzuzeigen. Das soll es erleichtern, einen 2G-plus-Nachweis zu erbringen. Bei der Boosterimpfung hat die neue Funktion allerdings noch Probleme. Die Programmierer der SAP arbeiten allerdings schon daran, auch dieses Problem aus dem Weg zu r├Ąumen.

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  • Jan Moelleken
Von Jan M├Âlleken
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