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Darum sind Online-Casinos nur in Schleswig-Holstein erlaubt

Von t-online, str

Aktualisiert am 28.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Pokerchips und Geld liegen neben dem Wappen von Schleswig-Holstein: Online-Casinos sind nur in einem Bundesland erlaubt ÔÇô sehr zum ├ärger der anderen Landesregierungen.
Pokerchips und Geld liegen neben dem Wappen von Schleswig-Holstein: Online-Casinos sind nur in einem Bundesland erlaubt ÔÇô sehr zum ├ärger der anderen Landesregierungen. (Quelle: Christian Ohde/imago-images-bilder)
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Eigentlich sind Online-Casinos in Deutschland verboten. Die Anbieter werben trotzdem bundesweit im Fernsehen. Grund ist eine Sonderregelung aus Schleswig-Holstein, die schon wiederholt für Ärger gesorgt hat.

Hinweis: Zu diesem Thema gibt es ein Update. Die L├Ąnder haben eine Reform des Gl├╝cksspielstaatsvertrags vereinbart, der noch dieses Jahr in Kraft treten soll. Damit werden Online-Casinos bundesweit legalisiert. Mehr dazu hier.

Gl├╝cksspiel kann s├╝chtig machen und Menschen in den Ruin treiben. Deshalb wird die Branche vom Staat reguliert. Im Gl├╝cksspielstaatsvertrag haben sich die Bundesl├Ąnder auf gemeinsame Regeln geeinigt. Nur Schleswig-Holstein geht schon seit 2011 einen Sonderweg ÔÇô sehr zum ├ärger der anderen Landesregierungen.

Besonders auff├Ąllig ist das bei Online-Casinos und Gl├╝cksspiel-Apps. Auf manchen Fernsehkan├Ąlen vergeht kaum eine Werbepause ohne einen Spot von Anbietern wie "Wunderino", "Dr├╝ckgl├╝ck", "Hyperino", "Vera and John" oder "Onlinecasino.de". Sie locken mit Einstiegsguthaben, weisen aber darauf hin, dass das Angebot nur f├╝r Nutzer mit Wohnsitz oder h├Ąufigem Aufenthalt in Schleswig-Holstein gelte. Im Rest der Republik ist diese Art von Gl├╝cksspiel schlie├člich nicht erlaubt.

Interessierte Kunden werden auf illegale Seiten weitergeleitet

Trotzdem werden interessierte Neukunden aus anderen Bundesl├Ąndern von den Online-Casinos nicht abgewiesen, sondern einfach weitergeleitet. Nach NDR-Recherchen betreiben die Anbieter dazu teilweise illegale Klone ihrer Webseiten, auf denen sich auch Nutzer aus anderen Bundesl├Ąndern problemlos anmelden k├Ânnen. Diese Seiten werden aus dem Ausland betrieben, zum Beispiel auf Malta, und berufen sich auf weniger strenge EU-Regeln.

Die Landesregierung im Nachbarland Hamburg w├╝rde die Werbespots deshalb am liebsten aus dem Fernsehen verbannen lassen, wie der NDR berichtet. Das zust├Ąndige Innenministerium in Schleswig-Holstein solle wenigstens daf├╝r Sorge tragen, dass sich die Gl├╝cksspielanbieter in ihrer Werbung auf das Gebiet beschr├Ąnken, f├╝r das sie eine Lizenz haben.

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Laut der Landesregierung in Schleswig-Holstein verf├╝gen derzeit zw├Âlf verschiedene Anbieter von Online-Casinos ├╝ber eine Genehmigung. Die oben genannten, aus der TV-Werbung bekannten Namen sind alle darunter. Erst im Juni hatte die Landesregierung die Lizenzen per Gesetz verl├Ąngert, nachdem sie im Januar 2019 ausgelaufen waren ÔÇô eine umstrittene Entscheidung.

Hohes Suchtpotenzial ist bekannt

Online-Casinos gelten als besonders gef├Ąhrlich, denn die virtuellen Spielautomaten verschleiern, dass es um echtes Geld geht. Spieler m├╝ssen keine echten Scheine oder M├╝nzen einwerfen. Stattdessen wird das Konto mit einem Druck oder Wisch belastet. Au├čerdem ist das Angebot auf dem Smartphone st├Ąndig verf├╝gbar, egal ob Zuhause oder unterwegs. Wie leicht Nutzer dadurch in eine Kostenfalle geraten k├Ânnen, zeigen auch die Diskussionen um Spiele mit In-App-K├Ąufen oder sogenannten Lootboxen bei Videospielen.

Die Probleme sind bekannt. Doch bei einer L├Âsung tun sich der Gesetzgeber und die Aufsichtsbeh├Ârden schwer. H├Ąufig berufen sich die Anbieter, die europa- oder sogar weltweit agieren, auf EU-Regeln und weisen auf Widerspr├╝che in der Gesetzgebung hin.

Das Gesch├Ąft mit Online-Casinos boomt

Bei manchen Apps kommt hinzu, dass die Inhalte zwar Gl├╝cksspielcharakter haben. Da die Spieler aber in der App nicht um Geldgewinne spielen und mit virtuellen W├Ąhrungen bezahlen, f├Ąllt das Angebot in eine rechtliche Grauzone. Eine entsprechende Reform des Gl├╝cksspielstaatsvertrags w├╝rde sich auch auf die boomende Computerspielebranche auswirken, die die Bundesregierung eigentlich f├Ârdern will. Das macht die Sache zus├Ątzlich kompliziert.

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F├╝r die Betreiber von Online-Casinos lohnt sich das Gesch├Ąft in der rechtlichen Grauzone nat├╝rlich. Laut eines Reports der Gl├╝cksspielaufsichten der L├Ąnder gab es 2017 bereits mehr als 730 Casino-Angebote im Netz, die 1,76 Milliarden Euro eingespielt haben, ein Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl Online-Gl├╝cksspiel laut Staatsvertrag eigentlich verboten ist.

Schleswig-Holstein jedenfalls will seinen Sonderweg weitergehen ÔÇô und zwar mindestens bis zum Auslaufen des derzeit g├╝ltigen Staatsvertrags im Juni 2021. Das hat die schwarz-gelb-gr├╝ne Landesregierung mit den Stimmen von AfD und dem W├Ąhlerverband SSW beschlossen. Nach dieser ├ťbergangsphase soll ein neuer Gl├╝cksspielstaatsvertrag ausverhandelt werden, der zu einer bundesweit einheitlichen L├Âsung f├╝hren k├Ânnte.

Staat hofft auf ein St├╝ck vom Gl├╝cksspielkuchen

Das Hauptargument der Bef├╝rworter eines liberalen Gl├╝cksspielmarktes: Ein bundesweites Verbot von Online-Casinos sei ohnehin wirkungslos, da die Angebote aus dem Ausland davon unber├╝hrt bleiben. Daher sei es kl├╝ger, die Plattformen im eigenen Land zuzulassen, wo man sie besser regulieren ÔÇô und besteuern ÔÇô k├Ânne. Allein Schleswig-Holstein versprach sich von einer liberalen Regelung im Umgang mit Online-Casinos Mehreinnahmen von 50 bis 60 Millionen Euro pro Jahr.


Mit solchen Argumenten k├Ânnte die norddeutsche Landesregierung die anderen Bundesl├Ąnder von ihrem Weg ├╝berzeugen. Allerdings zeigen die Zahlen der Aufsichtsbeh├Ârden auch, dass sich nur ein Bruchteil der Anbieter freiwillig lizenzieren l├Ąsst. Die gro├če Mehrheit operiert trotz des legalen Auswegs, den Schleswig-Holstein anbietet, lieber in der Grauzone.

Haben Sie ein Problem mit Gl├╝cksspiel? Auf der Seite spielsucht-therapie.de finden Sie Beratungsstellen in Ihrer Region.

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