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Wenn ein Affenbild Millionen wert ist

  • Tim Blumenstein
Von Tim Blumenstein, Steve Haak

Aktualisiert am 27.04.2022Lesedauer: 5 Min.
Aus 5.000 Einzelbildern: Seit 2007 postet KĂŒnstler Beeple tĂ€glich ein digitales Bild. Daraus hat er nun ein Gesamtkunstwerk gebildet – und eine Rekordsumme erzielt. (Quelle: t-online)
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Die Kryptowelt ist um einen Hype reicher: digitale Kunst, Musik, Immobilien oder Sammelkarten, die teils fĂŒr MillionenbetrĂ€ge verkauft werden. Möglich machen das sogenannte NFT. t-online erklĂ€rt, was dahintersteckt.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was sind NFT?
  • NFT und Blockchain
  • Vom Nischenthema in den Mainstream
  • Sind NFT das nĂ€chste große Ding?
  • Kritik an NFT

Justin Bieber gibt 1,3 Millionen US-Dollar fĂŒr einen "gelangweilten" Affen aus, Twitter-GrĂŒnder Jack Dorsey versteigert seinen ersten Tweet und die kanadische Musikerin Grimes digitale Kunstwerke. Mittlerweile werden Millionen mit digitalen Zertifikaten, sogenannten NFT, umgesetzt.

Was als Nischenthema fĂŒr Krypto- und Gaming-Fans begann, drĂ€ngt immer mehr in den Mainstream. Vor allem in der Kunstszene werden NFT immer beliebter. t-online erklĂ€rt, was hinter dem Krypto-Hype steckt.

Was sind NFT?

Die AbkĂŒrzung NFT steht fĂŒr non-fungible Token, auf Deutsch: nicht ersetzbarer Token. NFT sind Zertifikate fĂŒr einzigartige digitale Objekte. Sie bescheinigen den Besitz einer bestimmten Datei. Fungibel bedeutet an sich, dass ein Ding durch etwas Gleichwertiges ausgetauscht werden kann. Zum Beispiel ist es egal, ob man 20 Euro als einzelnen Schein, vier 5-Euro-Scheine oder 20 1-Euro-MĂŒnzen im Portemonnaie hat.

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Nicht fungibel sind hingegen Objekte, die durch bestimmte Eigenschaften einzigartig sind. Solche Objekte können entweder physisch oder digital existieren. Bei physischen Objekten, wie zum Beispiel einem GemĂ€lde oder Auto, ist es einfach, einen Wert festzulegen. Dieser bemisst sich an der Einzigartigkeit des Kunstwerks und daran, wie viele Menschen bereit sind, dafĂŒr zu bezahlen.

Bei digitalen Objekten ist das komplizierter. Schließlich lĂ€sst sich trotz Urheber- und Nutzungsrechten jedes Bild, jedes Lied und jedes Video per Mausklick kopieren und weiterverbreiten. Einen genauen Wert oder Besitzer einer Datei zu bestimmen, ist schwierig. Hier setzt die Idee von NFT an: Die digitalen Token enthalten Informationen zu einer bestimmten Datei, die sowohl einzigartig als auch prĂŒfbar sind. Um die Echtheit der Dateien zu verifizieren, wird die Technologie der Blockchain genutzt.

NFT und Blockchain

Die Blockchain ist wie eine Art Datenbank, in der Transaktionen von digitalen GĂŒtern, wie etwa KryptowĂ€hrungen, in Blöcken gespeichert und auf vielen Rechnern weltweit verteilt werden. Beispielsweise liegen Bitcoin auf einer Blockchain. Ihre Architektur macht die Blockchain fĂ€lschungssicher.

Anders als bei KryptowĂ€hrungen stehen NFT in einer Blockchain nicht fĂŒr einen austauschbaren Vermögenswert, der von einer zur nĂ€chsten Person ĂŒberwiesen wird, sondern fĂŒr einen konkreten Vermögensgegenstand – wie ein einzigartiges digitales Kunstwerk, das mit einem Besitzer und einem Wert verknĂŒpft wird. Einfach gesagt: Durch die Speicherung der NFT in der Blockchain werden digitale GĂŒter zu Dingen, die einem wirklich gehören.

Momentan ist die offene Ethereum-Blockchain am wichtigsten fĂŒr den NFT-Handel. KĂ€ufe von virtuellen GĂŒtern werden daher meistens in Ether abgewickelt, der nach dem Bitcoin am zweithöchsten dotierten KryptowĂ€hrung. Mehr zu Ethereum lesen Sie hier.

Vom Nischenthema in den Mainstream

Was als Nischenthema begann, hat mittlerweile auch außerhalb Szene großes Interesse geweckt. Allen voran in der Kunstwelt werden NFT hoch gehandelt. Die kanadische KĂŒnstlerin und SĂ€ngerin Grimes versteigerte im vergangenen Jahr auf der Plattform Nifty Gateway digitale Kunst und nahm damit innerhalb von 20 Minuten rund sechs Millionen Dollar ein.

Auch das renommierte britische Auktionshaus Christie's hat NFT als Kunst entdeckt. In Kooperation mit Markerspace, einer Verkaufsplattform fĂŒr Krypto-Kunst, versteigerte Christie's im vergangenen Jahr das erste rein digitale NFT-Werk des KĂŒnstlers Mike Winkelmann, alias Beeple, fĂŒr 69,3 Millionen US-Dollar.

Auch immer mehr Musiker und Influencer wittern in NFT die Chance. So kĂŒndigte die US-Band Kings of Leon an, ihr neues Album als limitierte NFT-Edition zu veröffentlichen. In Deutschland versteigerte der KĂŒnstler Fynn Kliemann 100 als NFT produzierte Jingels ĂŒber die Blockchain und nahm damit rund 250.000 Euro ein.

Das animierte Gif "Nyan Cat" gibt es auch als NFT.
Das animierte Gif "Nyan Cat" gibt es auch als NFT. (Quelle: Screenshot YouTube / Nyan Cat)

Unter Sammlern und Gamern sind NFT ebenfalls beliebt. Auf NFT-Plattformen wie Open Sea werden neben Krypto-Kunst auch Sammlerobjekte wie Memes oder Karten, sogenannte Collectibles, oder Inhalte von Computerspielen gehandelt.

Eine unbekannte Person zahlte 300 Ether (zum Kaufzeitpunkt umgerechnet knapp 600.000 US-Dollar) fĂŒr eine ĂŒberarbeitete Version des animierten Gifs der "Nyan Cat", die bereits seit fast einem Jahrzehnt durchs Internet geistert und zu den bekanntesten Gifs zĂ€hlt.

Ein anderes Beispiel ist die Fantasy-Football-Plattform Sorare, die wie eine Art digitales Panini-Album funktioniert. Fußballbegeisterte können dort limitierte Sammlerkarten ihrer Lieblingsspieler erwerben. Die teuerste bisher verkaufte Karte wechselte den Besitzer fĂŒr 57.000 US-Dollar.

Und Nutzer der Metaverse-Plattform "NextEarth" können im Internet virtuelle GrundstĂŒcke kaufen und darauf NFT-Kunst ausstellen.

Sind NFT das nĂ€chste große Ding?

Schaut man auf den Boom von NFT, stellen sich manche die Frage nach dem Sinn. Einerseits spielt – wie etwa in der Kunstwelt ĂŒblich – der ideelle Wert oft eine grĂ¶ĂŸere Rolle als der materielle. Durch das digitale Zertifikat, das die Echtheit garantiert und gleichzeitig Kopien limitiert, werden virtuelle Dinge außerdem zu Statussymbolen erhoben.

Andererseits sind NFT auch Anlage- und Spekulationsobjekte, die von Angebot und Nachfrage abhĂ€ngen. Denn die Krypto-Objekte lassen sich genauso kaufen und potenziell gewinnbringend weiterverkaufen wie klassische Kunst. Allerdings ist wie bei allen Investitionen in Krypto-Assets das Risiko groß, dass die Kurse fĂŒr NFT, genauso wie die der KryptowĂ€hrungen, stark schwanken.

FĂŒr die Erschaffer von Krypto-Kunst bieten NFT eine neue potenzielle Einnahmequelle. Denn anstatt ihre Werke klassisch im Internet zu verkaufen, locken sie mit der Verknappung auf wenige Kopien Sammler, Spekulanten und Fans an. Außerdem besteht die Möglichkeit fĂŒr KĂŒnstler, am Weiterverkauf von NFT beteiligt zu werden.

Der Musiker Fynn Kliemann etwa bekommt jeweils zehn Prozent vom Kaufpreis, sollten die ursprĂŒnglichen KĂ€ufer seiner Jingles diese weiterverĂ€ußern. Gerade KĂŒnstler, die es bisher auf dem traditionellen Markt schwer hatten, bekommen durch NFT eine neue Möglichkeit, ihre Arbeiten zu verkaufen.

Kritik an NFT

Doch es gibt auch Gegenwind – und das nicht nur wegen der großen Krypto-Kursschwankungen. Einer der Kritikpunkte betrifft mögliche Copyright-Verletzungen. Problematisch wird es etwa, wenn nicht nachgeprĂŒft wird, ob ein VerkĂ€ufer auf der Blockchain wirklich die Rechte besitzt.

Außerdem gehört dem Besitzer das Krypto-Objekt nur auf der Blockchain, auf der es erworben wurde. In den meisten FĂ€llen ist das die Ethereum-Blockchain. Theoretisch könnte aber jedes Objekt auf anderen Blockchains, die NFT unterstĂŒtzen, wieder angeboten werden.

Zudem sind NFT Energiefresser. Da eine einzelne Transaktion der Ethereum-Blockchain die Rechenleistung zahlreicher Computer benötigt, ist der Stromverbrauch sehr hoch. NFT bestehen aber nicht nur aus einer Transaktion, sondern aus einer Vielzahl davon, abhÀngig von der Zahl der Gebote bei einer Auktion. Dadurch steigt der Energiebedarf.

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Der DigitalkĂŒnstler Memo Akten hat auf der Website Crypto.wtf den Energieaufwand eines einzelnen NFT-Verkaufs analysiert. Sein Ergebnis: Im Schnitt verbraucht ein Verkauf 340 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Bei einer gewöhnlichen Ethereum-Transaktion fĂ€llt in etwa ein Zehntel davon an.

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