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Elon Musk will Twitter kaufen

Von dpa
Aktualisiert am 14.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Elon Musk hÀlt momentan einen Anteil von gut neun Prozent an Twitter.
Elon Musk hÀlt momentan einen Anteil von gut neun Prozent an Twitter. (Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB./dpa)
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San Francisco (dpa) - Tech-MilliardĂ€r Elon Musk hat selbst Zweifel, das sein Versuch einer feindlichen Übernahme von Twitter Erfolg haben wird.

"Ich bin nicht sicher, dass ich tatsĂ€chlich in der Lage sein werde, es zu kaufen", rĂ€umte der Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla bei einem Konferenzauftritt ein. Er habe aber die nötigen Mittel, um den ĂŒber 40 Milliarden Dollar schweren Deal durchzuziehen, betonte der 50-JĂ€hrige.

Er wolle Twitter nach einer Übernahme von der Börse nehmen, weil der Dienst nur so das Potenzial als Plattform fĂŒr Redefreiheit ausschöpfen könne, argumentierte der 50-JĂ€hrige.

Musk hÀlt bisher gut neun Prozent an Twitter. Er bietet nun allen AktionÀren 54,20 Dollar pro Aktie, wie aus einer Mitteilung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Das Papier schloss am Mittwoch bei knapp 46 Dollar. Die Offerte enthÀlt somit keinen besonders hohen Aufpreis. Allerdings verweist Musk darauf, dass der vorgeschlagene Preis einen Aufschlag von mehr als 38 Prozent auf den letzten Preis vor Bekanntwerden seines Einstiegs bei Twitter bedeute.

Ein Deal von rund 43 Milliarden Dollar

Die Erfolgsaussichten von Musks Übernahmeattacke sind unklar. Twitter war zuletzt gut 36 Milliarden Dollar wert, zu Musks Gebot wĂ€re ein Deal rund 43 Milliarden Dollar schwer. FĂŒr den reichsten Mann der Welt, dessen Vermögen auf rund 260 Milliarden Dollar geschĂ€tzt wird, wĂ€re das problemlos zu stemmen. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob genug heutige AktionĂ€re zu diesem Preis an Musk verkaufen wollen, um ihm die Kontrolle zu geben.

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Twitter hat neben dem Streubesitz mehrere Finanzinvestoren als große Anteilseigner, die jeweils zwischen zwei bis acht Prozent der Anteile halten. Es wĂŒrde also nicht reichen, nur wenige GroßaktionĂ€re vom Verkauf zu ĂŒberzeugen. Anleger zeigten sich skeptisch ĂŒber Musks Erfolgsaussichten: Die Twitter-Aktie gab zur Tagesmitte in New York anfĂ€ngliche Kursgewinne wieder ab und rutschte zeitweise unter den Vortageskurs.

Zugleich ist Twitter nicht so gut gegen feindliche Übernahmen geschĂŒtzt wie etwa Facebook, Amazon oder Google, wo GrĂŒnder Aktien mit mehr Stimmrechten bekamen. Das erlaubt ihnen, die Kontrolle ĂŒber das Unternehmen zu behalten, auch wenn sie nicht mehr die Mehrheit der Aktien halten.

Aber auch wenn Musk bei Twitter theoretisch allein schon mit der Aktienmehrheit ans Ziel kommen könnte - der Dienst hat viele Wege, sich zu verteidigen. Zu den sogenannten "Poison Pills" (Giftpillen), mit denen Unternehmen sich gegen feindliche Übernahmen Wehr setzen, gehört zum Beispiel die Ausgabe neuer gĂŒnstigerer Aktien an andere AktionĂ€re. Das verwĂ€ssert den Anteil eines Angreifers wie Musk. Twitter teilte lediglich mit, man prĂŒfe das Angebot, um im besten Interesse des Unternehmens und der AktionĂ€re zu handeln.

Sein letztes Angebot

Musk schrieb, dass der Preis sein letztes Angebot sein. Scheitere er mit dem Übernahmeversuch, mĂŒsse er sein Engagement bei Twitter ĂŒberdenken. "Das ist keine Drohung, es ist einfach keine gute Investition ohne die Änderungen, die gemacht werden mĂŒssen", schrieb Musk dazu. Drohung oder nicht - auf jeden Fall kann man dies als ziemlich durchsichtige Erinnerung an die AktionĂ€re sehen, dass der Kurs auch ganz schnell wieder sinken könne.

Dass Musk eine Übernahmeattacke starten könnte, wurde von Beobachtern bereits vermutet, nachdem er am Wochenende einen Sitz im Verwaltungsrat des Unternehmens ausgeschlagen hatte. GemĂ€ĂŸ einer Vereinbarung mit Twitter hĂ€tte er sich damit nĂ€mlich verpflichtet, seinen Anteil nicht ĂŒber 14,9 Prozent zu erhöhen. Der Verzicht auf die Mitgliedschaft in dem Aufsichtsgremium machte Musk den Weg frei, mehr Anteile zu kaufen.

Musk: Werde Potenzial "freisetzen"

Der Tesla-Chef hat mehr als 80 Millionen Follower bei Twitter und zĂ€hlt damit zu den populĂ€rsten Nutzern. Er sei bei dem Dienst eingestiegen, weil er an das Potenzial von Twitter "als Plattform fĂŒr freie Rede rund um die Welt" glaube - und das sei entscheidend fĂŒr eine funktionierende Demokratie, schrieb er.

Inzwischen sei er aber zu der Einsicht gekommen, dass die Firma in ihrer heutigen Form weder dieser Rolle gerecht werden noch finanziell prosperieren könne. "Twitter hat außerordentliches Potenzial. Ich werde es freisetzen", schrieb Musk.

Wie genau Musk Twitter verĂ€ndern will, bleibt weitgehend offen - zum Beispiel, wo er die Defizite bei der Redefreiheit sieht. In den vergangenen Jahren waren es in den USA vor allem die Konservativen und allen voran die AnhĂ€nger von Ex-PrĂ€sident Donald Trump, die Twitter "Zensur" vorwarfen. Dabei ging es meist um Maßnahmen gegen die Verbreitung falscher Informationen ĂŒber das Coronavirus sowie Trumps Behauptungen, dass ihm der Sieg bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gestohlen worden sei.

Trump wurde bei Twitter verbannt nach seinem Zuspruch fĂŒr die AnhĂ€nger, die am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington stĂŒrmten - und das Management betonte bisher, dass es fĂŒr den Ex-PrĂ€sidenten keinen Weg zurĂŒck auf die Plattform gebe.

Musk hatte in der Anfangszeit der Pandemie selbst die Gefahren durch das Virus heruntergespielt und Corona-EinschrÀnkungen in Kalifornien als "faschistisch" kritisiert.

In einem Tweet am Wochenende ließ Musk durchblicken, dass er das aktuelle GeschĂ€ftsmodell von Twitter mit Werbung als zentrale Einnahmequelle gern durch Abo-Einnahmen ersetzen wĂŒrde. Auf Anzeigenerlöse angewiesen zu sein, gebe großen Konzernen zu viel Macht, schrieb er.

Musks Vermögen besteht hauptsĂ€chlich aus Beteiligungen am Elektroauto-Hersteller Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX. Es könnte also sein, dass er weitere Anteile an den Unternehmen verkaufen muss, um genug Geld fĂŒr die Twitter-AktionĂ€re zu haben.

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