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Cambridge Analytica: So wurden Klicks zu Wählerstimmen

Whistleblower Christopher Wylie  

Cambridge Analytica: So wurden aus Nutzerdaten Wählerstimmen

07.05.2018, 13:18 Uhr | avr, t-online.de

Cambridge Analytica: So wurden Klicks zu Wählerstimmen. Cambridge Analytica: Wie genau nutzte das Unternehmen die gesammelten Daten? (Quelle: dpa/Rob Pinney/London News Pictures via ZUMA)

Cambridge Analytica: Wie genau nutzte das Unternehmen die gesammelten Daten? (Quelle: Rob Pinney/London News Pictures via ZUMA/dpa)

Cambridge Analytica sammelte die Daten von Millionen Facebook-Nutzern und soll damit die US-Wahlen zugunsten Donald Trumps beeinflusst haben. Wie das genau funktionierte, erklärt Whistleblower Christopher Wylie jetzt dem britischen Guardian.

Der 29-jährige Christopher Wylie ist ehemaliger Mitarbeiter bei Cambridge Analytica und verriet Anfang 2018 das Vorgehen des Konzerns. Zuerst musste das System entsprechend trainiert werden, sagt Wylie. Dazu bildeten Programmierer so genannte Trainingseinheiten für das System, mit denen es lernen sollte, das gewünschte Ergebnis zu erstellen - im Fall von Cambridge Analytica personalisierte Werbung für den US-Wahlkampf.

Um das zu schaffen, brauchte das System die entsprechenden Daten. Cambridge Analytica entwickelte dazu einen 120 Fragen langen Fragebogen. Das Ergebnis dieser Fragebögen kombinierte das Programm mit anderen Daten - wie hier mit Facebook-Likes. Am Ende mussten die Programmierer noch einstellen, was die Software mit den Daten vorhersagen sollte: "In diesem Fall eben Persönlichkeitsmerkmale oder politische Orientierung", sagt Wiley.

Für ihren Fragebogen nutze Cambridge Analytica das sogenannte "Fünf-Faktoren-Modell". Dabei nutzen Psychologen fünf Faktoren, um die Persönlichkeit eines Menschen einzuordnen: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus (wie empfindlich jemand gegenüber negativen Emotionen, Gedanken und Einflüssen ist).

Gelangweilt, reich, weiße Frau

Je nach Zielgruppe bekamen Teilnehmer bis zu fünf Dollar. "Gruppen, die schwieriger zu bekommen waren, erhielten am meisten Geld", sagt Wylie. Dazu zählten beispielsweise afroamerikanische Männer. "Reiche weiße Frauen haben wir zu viel abgetastet", sagt Wylie dem Guardian. Der Grund: "Wenn man in den Hamptons wohnt und nachmittags nichts zu tun hat, füllt man eben Verbraucherumfragen aus."

Anfangs wurde für die Befragung bei Plattformen wie Amazons "Mechanik Turk" eingestellt. Doch erst mithilfe von Facebook kam Cambridge Analytica an den Millionen-Datensatz: Nutzer mussten eine Umfrage-App verwenden und ihr entsprechende Erlaubnisse erteilen. Die App griff dabei nicht nur ihr gesamtes Facebook-Profil ab (darunter Infos wie Klarnamen, Standort und Kontaktdetails), sondern auch das von deren Freunden.

"Schauen Sie nach, was Ehe bedeutet und kommen Sie dann wieder"

Die gewonnen Daten wurden zusammengefasst und verarbeitet. "Am Ende hatten wir 253 Algorithmen entwickelt", sagt Wylie. "Das heißt, es gab 253 Vorhersagen pro profilierten Datensatz." Auf diese Weise konnte die Software mithilfe von Facebook-Likes Vermutungen zur Persönlichkeit und politischen Zugehörigkeit von Nutzern machen.

Diese 253 Vorhersagen waren die "secret sauce", von der Cambridge Analytica immer sprach, sagt Wylie. Also das Alleinstellungsmerkmal, was es von der Konkurrenz abhob. So konnte das Unternehmen zielgruppengerichtete Werbeanzeigen schalten, die über das gewöhnliche Maß hinausgingen.

Bibel und Wörterbuch für konservative Nutzer

Wylie führt als Beispiel das politische Thema Arbeit an. "An sich ist es nichtssagend - jeder Kandidat ist für mehr Jobs." Mithilfe der Daten von Cambridge Analytica ließ sich aber einer Person mit einem gewissenhaften Persönlichkeitsprofil eine andere Anzeige schalten als einer Person mit einem eher offen Persönlichkeitsprofil.

Im Falle von konservativen Wählern nennt Wylie das Beispiel der gleichgeschlechtlichen Ehe: Ein Anzeige schrieb: "Schauen Sie nach, was Ehe bedeutet und kommen Sie dann wieder". Dazu zeigte es das Bild einer Bibel und eines Wörterbuchs.

Nutzerdaten bis 2017 gespeichert

Cambridge Analytica erwarb 2014 über 50 Millionen Datensätze von hauptsächlich US-amerikanischen Facebook-Nutzern - ohne deren Wissen. Diese hatten sie für eine Studie zu angeblich wissenschaftliche Zwecke bereit gestellt. Cambridge Analytica geriet dabei von Seiten der Politik so sehr unter Druck, dass es im Mai 2019 Insolvenz anmeldete.

Letztendlich ist nicht klar, welche Auswirkungen die Methoden derAnalyse-Firma auf den US-Wahlkampf hatten. Experten zufolge war die Methode zwar erfolgreich, der Effekt aber unbedeutend, wie das Tech-Magazin "The Verge" berichtet. Wie der britische Guardian schreibt, soll Cambridge Analytica die gesammelt Daten sogar nach dem Ende des US-Wahlkampfs weiterhin gespeichert haben. Facebook soll seit 2015 das Unternehmen gedrängt haben, die Daten zu löschen.

Verwendete Quellen:

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