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Skype und Teams – Warnung vor Videokonferenzen: Microsoft mahnt Berlin ab

Skype und Teams  

Warnung vor Videokonferenzen: Microsoft mahnt Berlin ab

19.05.2020, 12:41 Uhr
Skype und Teams – Warnung vor Videokonferenzen: Microsoft mahnt Berlin ab. In der Videokonferenz: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in einer per Microsoft Teams abgehaltenen Gemeinderatssitzung. Warnung der Berliner Datenschutzbeauftragten haben Microsoft auf den Plan gerufen. (Quelle: imago images/Eibner-Pressefoto/Thomas Dinges)

In der Videokonferenz: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in einer per Microsoft Teams abgehaltenen Gemeinderatssitzung. Warnung der Berliner Datenschutzbeauftragten haben Microsoft auf den Plan gerufen. (Quelle: Eibner-Pressefoto/Thomas Dinges/imago images)

Microsoft will sich nicht gefallen lassen, wie die Behörde der Berliner Datenschutzbeauftragten vor der Nutzung von Microsofts Videokonferenz-Programmen warnt. Doch Berlin hatte zunächst nicht reagiert. 

Microsoft Deutschland hat die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit wegen Videokonferenz-Leitfäden mit Warnungen vor Microsoft-Produkten abgemahnt. Die Behörde wird in dem t-online.de vorliegenden Schreiben aufgefordert, "unrichtige Aussagen so schnell wie technisch möglich zu entfernen und zurückzunehmen". Microsoft sieht seinen Ruf erheblich und sich kommerziell geschädigt. Finanzielle Forderungen enthält das Schreiben nicht.

Der Brief trägt das Datum vom 5. Mai. Die fraglichen Texte waren aber auch am Samstag noch abrufbar. Es geht um Skype und Teams, Angebote von Microsoft für Videokonferenzen, die in Zeiten der Corona-Krise besonderen Stellenwert bekommen haben. Am Montag wurden die Texte von der Seite genommen.*

Andere Datenschützer schauen auf Berlin

In einer zweiseitigen "Checkliste für die Durchführung von Videokonferenzen während der Kontaktbeschränkungen" warnt Berlins Datenschutzbehörde vor dem Einsatz von verbreitet eingesetzten Programmen, die bestimmte Bedingungen nicht erfüllten. Genannt werden Microsoft, Skype und Zoom. Zoom hatte mit einigen Skandalen zu kämpfen, und stockt aktuell sein Entwicklerteam erheblich auf.

Nach Informationen von t-online.de ist der Berliner Fall auch bei anderen Datenschutzbehörden Thema. Demnach gab es zumindest von einigen Landesdatenschutzbeauftragten den Wunsch, dass Berlins oberste Datenschützerin Maja Smoltczyk gegenüber Microsoft nicht nachgibt. Anders als zunächst von uns berichtet ist aber nicht ein Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags Autor eines der beiden Papiere. Er ist lediglich als Autor eines verlinkten Beitrags angegeben und hatte keinerlei Warnung vor Microsoft-Produkten ausgesprochen.**

Microsoft zielt auf weitere Nutzer auch im Öffentlichen Dienst, eine derartige Produktwarnung ist da für den Konzern ein großes Hindernis. In Baden-Württemberg gibt es auch zwischen Datenschutzbeauftragtem und Bildungsministerium aktuell Uneinigkeit darüber, ob Microsoft 365 an Schulen eingesetzt werden kann. 

Microsoft: "Annahmen faktisch oder rechtlich unzutreffend"

Der Chefjurist in der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland wirft Berlin vor, mehrere Annahmen seien faktisch oder rechtlich unzutreffend. Die Veröffentlichungen suggerierten, dass die genannten Produkte nicht nur gegen die DSGVO verstoßen, sondern auch strafrechtlich bedenklich seien. Dafür gibt es bei den Microsoft-Produkten keine Hinweise.

Von der Datenschutzbehörde gibt es jedoch die Warnung, dass "Videokonferenzen das Risiko bergen, unbefugt, auch im Auftrag von Dritten, mitgehört und aufgezeichnet zu werden". Microsoft sieht sich zu Unrecht in Verbindung gebracht mit diesem Vorwurf.

Die Formulierung ist allgemein gehalten und dürfte auch nicht auf Microsoft gemünzt sein. Einige Absätze später, in denen weitere Risiken aufgezählt werden, heißt es aber, Microsoft Teams und Skype seien prominente Beispiele für oben beschriebene Risiken. Dabei ist nicht klar ersichtlich, welche Risiken gemeint sind.

Microsoft sieht deshalb alle Kritik auch auf sich bezogen. Das Unternehmen beklagt zudem, vor der Warnung nicht angehört worden zu sein. Bereits am 6. Mai hatte es eine Pressemitteilung verschickt,die aufgeführten „Risiken“ bestünden bei der Nutzung von Teams und Skype for Business Online nicht.

Daten an Microsoft: Es ist kompliziert

In der Aufzählung taucht auch ein strittiger Punkt auf, bei dem die Datenschützer selbst keine klare Linie vertreten: Es geht darum, wie problematisch die Art ist, ob und wie Microsoft Daten zu eigenen Zwecken nutzt. Dabei geht es um sogenannte Telemetrie- oder Diagnosedaten zur Verbesserung und zur Sicherheit seiner Dienste und die Zustimmung des Nutzers. Das sind Fehlermeldungen und weitere Informationen zur Nutzung. Für Profiling, Datenanalyse, Marktforschung oder Werbung werden diese Daten nicht genutzt, wie Microsoft explizit unterstreicht.

Teams und Skype lagen gerade auf Platz 1 und 2 in einem Test von Stiftung Warentest. Die Datensicherheit wurde dabei mit gut bewertet, "sehr deutliche Mängel" in der Datenschutzerklärung führten aber zu einer Abwertung. 

*Update, 19. Mai: Der Text wurde aktualisiert mit der Information, dass die Behörde die Texte vom Netz genommen hat.
**Diese Passage wurde nach Veröffentlichung des Textes korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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