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CDU: Generalsekretär unterläuft peinliche Panne bei Werbespot zu neuem Logo


Peinliche Panne oder geplanter Internethit?

  • Nicole Diekmann
Von Nicole Diekmann

20.09.2023Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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Screenshot aus dem CDU-Werbevideo: Zu sehen ist rechts der Präsidentenpalast in Georgien, nicht der Reichstag.Vergrößern des Bildes
Screenshot aus dem CDU-Werbevideo: Zu sehen ist rechts der Präsidentenpalast in Georgien, nicht der Reichstag. (Quelle: Screenshot CDU-Video)

Die CDU zieht gerade den Spott im Netz auf sich. In einem Spot zu ihrem neuen Logo findet sich ein peinlicher Fehler. Das kann aber auch ein Vorteil sein.

Kennen Sie den Präsidentenpalast von Georgien? Also, würden Sie ihn auf Anhieb erkennen? Nein? Müssen Sie sich nicht für schämen. Ganz offensichtlich wussten bis gestern auch mutmaßlich gut bezahlte Werber und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann nicht, wie er aussieht. Das ist nicht weiter schlimm. Georgien soll sehr schön sein. Die dortige Küche gilt als ausgezeichnet.

Ansonsten aber spielt Georgien in unserem Alltag ja nun eine eher untergeordnete Rolle. Das Weiße Haus nicht zu erkennen, das wäre peinlicher. Oder gar den Reichstag. Sie winken ab, weil den ja wohl jeder erkennt? Tjaha. Das glauben Sie. Die eben erwähnten Werber und Carsten Linnemann scheinen nur eine grobe Idee vom Sitz des Deutschen Bundestags zu haben – so grob jedenfalls, dass sie glatt den Präsidentenpalast von Georgien dafür hielten.

Gestern nämlich präsentierte Linnemann das neue CDU-Logo. Wenn Sie das verpasst haben, müssen Sie sich auch nicht in die Ecke stellen. Kaum jemand hat darüber berichtet. Natürlich nicht: kein Medium, kein Journalist, der einigermaßen etwas auf sich hält, berichtet ohne weiteren Anlass über das neue Logo einer Partei. Wir sind ja eben KEINE Werber.

Hat die CDU am falschen Ende gespart?

Die CDU aber, die hat gestern natürlich darüber berichtet. Im Netz, in den sozialen Netzwerken. Klar. Wäre sie ja schön blöd, hätte sie das nicht getan. Dann bräuchte sie kein neues Logo. Und hätte sich das mutmaßlich gute Geld sparen können. Vielleicht hätte sie aber auch noch mehr Geld ausgeben sollen – für bessere Werber zum Beispiel.

Die Fernsehjournalistin Nicole Diekmann kennt man als seriöse Politikberichterstatterin. Ganz anders, nämlich schlagfertig und lustig, erlebt man sie auf Twitter – wo sie über 120.000 Fans hat. Dort filetiert sie politische und gesellschaftliche Aufreger rund ums Internet. Ihr Buch "Die Shitstorm-Republik" ist überall erhältlich, ihr Blog findet man hier. Außerdem ist sie Co-Host des Podcasts "Gegen jede Überzeugung".

Denn woran im Netz gestern nicht gespart wurde: Spott. Zum Beispiel über den Namen der neuen Farbe im Logo. Die hat direkt einen eigenen Namen bekommen – und zwar den vom Lieblingsurlaubsort von Konrad Adenauer: Cadenabbia. Ich hätte die neue Farbe vermutlich einfach bodenständig 'Türkis' genannt – aber was weiß ich schon, ich bin ja keine Werberin.

Für Spott sorgte auch die liebevolle, schwer an Loriot erinnernde Erläuterung dieser neuen sowie einer Ergänzungsfarbe durch Linnemann. Unfreiwillig komisch mutet es an, wie der mächtige Mann im Adenauer-Haus sich in einer sichtlich ungewöhnlichen Rolle versucht.

Das ist vielleicht nicht peinlich, aber lustig

Linnemann ist üblicherweise mit Dingen beschäftigt wie den CDU-Chef Merz zum Kanzler zu machen oder sich selbst und die Partei halbwegs unfallfrei durch verminte Themenfelder wie AfD, Asylpolitik und Markus Söder zu lavieren. Gestern aber war es seine Aufgabe, fifty shades of Türkis zu erläutern, mit nachdenklichem Gesichtsausdruck und einem leicht künstlerischen Touch.

Das war jetzt nicht unbedingt peinlich. Aber ein bisschen lustig, das war es schon. Im Netz wurde es dankbar aufgenommen und engagiert diskutiert. Diese Minenfelder stressen ja uns alle. Entsprechend groß war die Dankbarkeit, sich mal bei hölzerner Farbenlehre à la CDU zu entspannen.

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Aber zurück zum Bundestag, oder na ja, halt gerade nicht. Denn vor diesem türkisfarbenen Hintergrund ist das, was im dazugehörigen Werbespot nun zutage tritt, ein Riesenkracher: Dort nämlich, wo im Bild der Reichstag zu sehen sein sollte, erblickt man stattdessen – genau: den Präsidentenpalast in Tiflis. Offenbar hat man sowohl in der Agentur als auch im Adenauer-Haus, wo der Spot doch garantiert begutachtet wurde, gepennt.

Panne oder gelungener Social-Media-Coup?

Das ist zumindest die wahrscheinlichste Theorie. Eine andere, vielleicht zu wilde, aber warum nicht auch mal wild: Womöglich ahnte man, dass dies die einzige Chance ist, dass dieser Spot wirklich viral geht, also die große Runde im Netz macht. Denn dieser Effekt ist nun eingetreten. Mit entsprechendem Hohn versehen, fragen Leute etwa in Anspielung auf Merz‘ umstrittene Aussage, Kreuzberg sei nicht Deutschland, ob denn Tiflis zu Deutschland gehöre. Die Kanzlerqualitäten von Merz werden infrage gestellt, die bisherige und tatsächlich nicht allzu kurze Liste seiner Pannen wird genüsslich ausgebreitet. Immer gespickt mit dem Video.

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Immerhin: Die CDU reagiert so, wie man sich das von einer den modernen Medien zugeneigten Partei wünscht: "Hey Community, großen Dank für Eure zahlreichen Hinweise! Wir hatten echt viele Kuppeln zur Auswahl und haben uns jetzt für die einzig richtige entschieden", schreibt sie. Und postet ein Bild, das unter anderem eine Käseglocke zeigt. Schnell reagiert, selbstironisch reagiert – es gibt noch Grund zur Hoffnung.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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