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Rentenfonds: Was ist das? – Chancen, Risiken & Kosten

Anleihen-Investition  

So legen Sie Ihr Geld sicher mit einem Rentenfonds an

29.07.2020, 15:17 Uhr
Rentenfonds: Was ist das? – Chancen, Risiken & Kosten. Rentenfonds-Kurse (Symbolbild): So investieren Sie mit Rentenfonds in Anleihen. (Quelle: imago images/Schöning)

Rentenfonds-Kurse (Symbolbild): So investieren Sie mit Rentenfonds in Anleihen. (Quelle: Schöning/imago images)

Rentenfonds haben nichts mit Ihrer Rente zu tun. Vielmehr handelt es sich um eine risikoarme Form der Geldanlage. Alles, was Sie darüber wissen sollten, erfahren Sie hier.

Wer die Nachrichten verfolgt, stößt immer wieder auf den Begriff "Anleihen". Mal ist von Staatsanleihen die Rede, die die Europäische Zentralbank (EZB) kauft, manchmal auch von Unternehmen, die Anleihen ausgeben, um sich frisches Geld zu besorgen.

Gemeint sind damit Kredite, die Investoren oder Privatpersonen Firmen oder Staaten geben – und dafür Zinsen erhalten. Für Sie als Anleger sind diese Wertpapiere spannend, da auch Sie von den Zinsen profitieren können, indem Sie in Anleihen investieren – sie also kaufen.

Am einfachsten funktioniert das mit einem so genannten Rentenfonds. Was genau das ist, wie er funktioniert und warum er zunächst nichts mit Ihrer Rente im Alter zu tun hat, erfahren Sie in unserem Überblick.

Das Wichtigste im Überblick
- Rentenfonds investieren in sogenannte Staats- oder Unternehmensanleihen
- Rentenfonds gelten als sehr sichere Anlageform – sofern die Staaten oder Unternehmen eine hohe Bonität aufweisen
- Die Rendite bei diesen Fonds ist aber sehr gering
- Sie sollten es sich deshalb gut überlegen, wie hoch der Anteil von Rentenfonds in Ihrem Depot wirklich sein müssen
- Das Risiko können Sie auch mit breit gestreuten Indexfonds, ETFs genannt, kleinhalten – und die Rendite hierbei ist dennoch ordentlich

Was ist ein Rentenfonds?

Um zu klären, was ein Rentenfonds ist, sollten Sie zunächst verstehen, wie ein Fonds funktioniert – und was eine Rente in diesem Zusammenhang ist.

Rente: Auch es wenn der Name vermuten lässt, haben Renten im Falle der Geldanlage nichts mit Ihren Bezügen im Alter zu tun. Renten oder Rentenpapiere sind einfach nur ein anderes Wort für sogenannte Anleihen. Es kommt ursprünglich aus dem Altfranzösischen vom Wort "Rendre", was so viel wie "Ertrag" meint.

Anleihen oder Renten sind Kredite von Privatpersonen und Investoren an Firmen oder den Staat. Kaufen Sie etwa eine Unternehmensanleihe, erhalten Sie dafür ein Wertpapier. Das Unternehmen, das die Anleihe ausgegeben hat, erhält im Gegenzug Ihr Geld und zahlt Ihnen einen festen Zins.

Der Vorteil für das Unternehmen: Es muss sich den Kredit nicht bei einer Bank besorgen, sondern bekommt Geld direkt an den Finanzmärkten – ganz ähnlich wie beim Ausgeben von Aktien. Der Unterschied zu Aktien: Als Anleger werden Sie nicht zum Miteigentümer an dem Unternehmen und werden nicht wie die Aktionäre über die Dividendenausschüttung am Gewinn der Firma beteiligt.

Eine Anleihe kann auch ein Staat ausgeben. In diesem Fall spricht man von Staatsanleihen. In diese können Sie ebenfalls investieren.

Fonds: Einen Investmentfonds können Sie sich als Art Korb vorstellen, in den Sie Geld einzahlen. Dieses Geld wird dann angelegt, in Aktien, Rohstoffe wie Gold oder eben in Anleihen.

In diesem Fall spricht man von einem Rentenfonds. Das heißt: Ihr Geld wird Firmen oder Staaten für einen vereinbarten Zeitraum geliehen und Sie bekommen dafür einen Zins gezahlt.

Diese Arten von Rentenfonds gibt es

Die Anleihen heißen also Staats- oder Unternehmensanleihen. Neben dieser Unterscheidung kann man Rentenfonds auch nach Ländern oder Regionen einteilen: So gibt es weltweite Rentenfonds, aber auch etwa Fonds, die in US-Staatsanleihen investieren.

Analog lassen sich Rentenfonds nach der Währung ihrer Anleihen einordnen: etwa US-Dollar, Euro, Britisches Pfund oder Schweizer Franken.

Wie hoch ist die Rendite bei Rentenfonds?

Grundsätzlich gilt bei Anleihen: Wenn Sie diese bis zum Ende halten, bekommen Sie eine Zahlung anhand eines fest vereinbarten Rückzahlungskurses.

Das aber ist eher unrealistisch, gerade wenn Sie in Rentenfonds investieren. Denn dieser Fonds legt das Geld in viele Anleihen an, die unterschiedliche Laufzeiten haben. In diesem Fall hängt die Rendite maßgeblich von der Zinsentwicklung am Markt ab – und so letztlich auch vom Zinsniveau, das die Europäische Zentralbank vorgibt (siehe unten).

Da das Zinsniveau jedoch seit Jahren auf geringem Niveau ist, werfen auch Rentenfonds auf mittlere Sicht keine zufriedenstellende Rendite ab. Früher war dies anders: Das Zinsniveau war vergleichsweise hoch, sodass Ihre Zinserträge ebenfalls höher lagen.

Sie sollten sich deshalb überlegen, wie groß der Anteil an Rentenfonds in Ihrem Depot wirklich sein muss. Mit Aktienfonds oder ETFs können Sie Ihr Risiko breit streuen und fahren eine deutlich höhere Rendite ein als mit Anleihen.

Welches Risiko birgt ein Investment in Rentenfonds?

Rentenfonds gelten in der Regel als sehr sichere, stabile Form der Geldanlage, die ohne große Kursschwankungen auskommt. Deshalb mischen viele Anleger ihrem Wertpapierdepot noch einige Anteile an Rentenfonds bei, um auf diese Weise das Verlustrisiko breiter zu streuen. Allerdings werfen Rentenfonds kaum noch Rendite ab, das sollten Sie bei einem Investment beachten (siehe oben).

Bei Rentenfonds gilt jedoch: Nicht jede Anleihe, in die ein Fonds investiert, ist gleich risikoarm. Das liegt an der so genannten Bonität, also der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder eines Staates.

Diese wird von sogenannten Rating-Agenturen regelmäßig und unabhängig überprüft. Firmen (und auch Staaten), die finanziell gut aufgestellt sind und wenig Schulden haben, erhalten eine gute Note.

Ratings sind wie Schulnoten

Die bestmögliche Note ist eine "AAA", die schlechtmöglichste ein "D". Daneben gibt es noch verschiedene Abstufungen, unter anderem wie bei Schulnoten "Plus" oder "Minus".

Von Investments in Anleihen oder Rentenfonds von Unternehmen oder Staaten mit einer Bewertung ab der Bewertung "BB+" ist dringend abzuraten. Denn diese gelten als sehr spekulativ: Es ist gut möglich, dass eine Firma pleite geht und ihre Verpflichtungen, also das geliehene Geld, nicht mehr zurückzahlen kann. Dann ist es wahrscheinlich, dass Sie Ihr Geld verlieren.

Auch Länder – beispielsweise Schwellenländer – können einen hohen Schuldenberg sowie eine stagnierende Wirtschaft aufweisen. Dann kann es sein, dass ihre Bonität heruntergestuft wird. In dem Fall steigt auch das Risiko für Sie als Anleger, Ihr Geld zu verlieren.

Rentenfonds bei steigenden oder fallenden Zinsen kaufen?

Sie sollten Rentenfonds bei fallenden Zinsen kaufen. Was erst einmal paradox klingt, folgt der Preislogik von Anleihen: Wenn die Zinsen bei den Banken sinken, versuchen viele Anleger eine bessere Verzinsung zu bekommen – und kaufen "alte" Anleihen von Unternehmen oder Staaten, weil diese höhere Zinserträge versprechen als die Bank. Oft liegen diese alten Anleihen auch in Rentenfonds. Die Folge: Der Preis dieser Anleihen steigt – und damit auch der Wert des Rentenfonds.

Wenn die Zinsen steigen, ist das Phänomen umgekehrt: Weil es bei der Bank mehr Zinsen gibt, müssen auch die Unternehmen oder Staaten mehr Zinsen auf ihre neuen Anleihen versprechen. Anleger verkaufen in einem solchen Moment vergleichsweise "alte" Anleihen mit niedrigeren Zinsen, um sich die neuen mit höheren Zinsen zu sichern. Solange die Zinsen noch auf einem niedrigen Niveau liegen, lohnt es sich also wenig, in einen Rentenfonds zu investieren (siehe oben).

Wie unterscheiden sich Rentenfonds von Renten-ETFs?

Herkömmliche Rentenfonds werden von einem Fondsmanager gesteuert. Das bedeutet, dass dieser über die Zusammensetzung der Anleihen, in die investiert wird, entscheidet. Bei ETFs ist das anders. ETFs werden als passiv bezeichnet. Denn hier bildet ein Computeralgorithmus einen Index nach. Meist ist die Rede von einem Aktienindex, dann würde man von einem Aktien-ETF sprechen.

Doch es gibt auch Anleihen-ETFs, auch Renten-ETFs genannt. In diesem Fall bildet der ETF einen Rentenindex nach. Ein bekannter Index ist der Bloomberg Barclays US Aggregate Bond Index, der die Wertentwicklung von Anleihen vieler US-Firmen abbildet. Mit einem Investment in einen ETF auf diesen Index streuen Sie Ihr Risiko sehr breit.

Der entscheidende Vorteil eines Renten-ETFs gegenüber einem klassischen Rentenfonds: Die Kosten von einem Investment in Renten-ETFs sind meist geringer, da Sie hier keinen Manager bezahlen müssen, der den Fonds steuert (siehe unten).

Was kostet mich das Investment in einen Rentenfonds?

Es kommen unterschiedliche Kosten auf Sie als Anleger zu, wenn Sie in einen Rentenfonds investieren möchten. Die wichtigsten sind die folgenden:

  • Depotkosten: Da Sie zunächst ein Depot eröffnen müssen, bevor Sie in einen Rentenfonds oder Renten-ETF investieren können, sollten Sie diese Gebühren im Blick behalten. Bei vielen Onlineanbietern und Direktbanken fallen für ein Depot keine Kosten an. Bei herkömmlichen Filialbanken und Sparkassen kann ein Depot mehr als 20 Euro im Jahr kosten.
  • Ausgabeaufschlag: Das ist der Betrag, den eine Fondsgesellschaft dafür bekommt, dass sie einen Fonds auflegt. Der Ausgabeaufschlag beträgt bis zu drei Prozent, häufig gewähren Online-Broker darauf jedoch einen Rabatt. Darauf sollten Sie unbedingt achten, denn ein hoher Ausgabeaufschlag kann Ihre Rendite auf Dauer beträchtlich mindern. Bei Anleihen-ETFs entfällt übrigens meist der Ausgabeaufschlag, hier fallen jedoch Ordergebühren an, die in der Regel aber deutlich geringer als der Ausgabeaufschlag sind.
  • Verwaltungsgebühren: Das sind die Kosten, die eine Fondsgesellschaft dafür erhebt, dass sie einen Fonds anbietet und ein Manager diesen Fonds steuert. Diese Kosten werden häufig in der Gesamtkostenquote ("Total Expense Ratio", kurz "TER") zusammengefasst. Bei Renten-ETFs ist diese Quote meist sehr viel niedriger.

Wie vergleiche ich Rentenfonds miteinander?

Um verschiedene Rentenfonds miteinander zu vergleichen, nutzen Sie am besten Portale im Internet. Dabei sollten Sie auf folgende Kriterien achten:

  • Emittent: Die Frage hier ist, welche Firmen die Anleihen ausgeben. In welcher Branche sind sie tätig? Wo haben sie ihren Sitz? Wie lange sind sie schon aktiv? Ebenso stellt sich die Frage bei Staatsanleihen, welche Länder die Anleihen ausgeben. Die Frage der möglichen Emittenten hängt eng mit der Bonität zusammen (siehe unten).
  • Bonität: Die Bonität, also die Kreditwürdigkeit der Firmen oder Staaten, die Anleihen ausgeben, ist sehr wichtig, um das Risiko richtig einzuschätzen (siehe oben). Sie sollten lieber auf etwas Rendite verzichten, als in spekulative Anleihen zu investieren.
  • Rendite: Mit dem Risiko steht und fällt auch die Rendite. Grundsätzlich gilt: Je mehr Rendite, desto höher das Risiko, Ihr Geld zu verlieren.
  • Kosten: Sie sollten auf jeden Fall die unterschiedlichen Kosten im Auge behalten (siehe oben). Besonders fällt die "TER" ins Gewicht. Denn diese jährlichen Gebühren können eine ohnehin geringe Rendite nahezu vollständig aufschmelzen.
Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Finanztip
  • Finanztest
  • de.bergfuerst.com
  • finanztreff.de
  • financescout24.de
  • dws.de
  • weltsparen.de
  • biallo.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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