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Hedgefonds einfach erklärt: Eine sinnvolle Geldanlage?

Investmentfonds der Superreichen  

Hedgefonds: Böse "Heuschrecken" oder sinnvolle Geldanlage?

27.08.2020, 13:25 Uhr
Hedgefonds einfach erklärt: Eine sinnvolle Geldanlage?. Manager im Finanzsektor (Symbolbild): Hedgefonds versprechen enorme Renditen – zu einem hohen Preis. (Quelle: Getty Images/ andresr)

Manager im Finanzsektor (Symbolbild): Hedgefonds versprechen enorme Renditen – zu einem hohen Preis. (Quelle: andresr/Getty Images)

Ihr Ruf ist schlecht, trotzdem spekulieren Hedgefonds mit immer größeren Summen an den Finanzmärkten. Warum setzen Anleger auf dieses riskante Investment? Und kann ich auch als Privatanleger einsteigen?

Hedgefonds – für viele Laien sind sie der Inbegriff des bösen Spekulanten. Nur auf den eigenen Vorteil bedacht, ohne Skrupel und völlig intransparent. Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering beschimpfte sie 2005 als "Heuschrecken", die über Unternehmen herfallen wie Insekten über ein Kornfeld.

Was ist dran an diesem schlechten Ruf? Wie funktionieren Hedgefonds eigentlich genau? Und kann man auch als Privatanleger von den Investmentfonds der Superreichen profitieren? Unser Überblick liefert die Antworten.

Was sind Hedgefonds?

Hedgefonds (engl. Hedge Funds) zählen zu den alternativen Investmentfonds. Im Gegensatz zu Aktien und Anleihen werden sie nicht an der Börse gehandelt und sind – anders als herkömmliche Investmentfonds – nicht jedem zugänglich, sehr riskant und kaum reguliert. So dürfen sie auch sogenannte Leerverkäufe tätigen, also auf fallende Kurse setzen (mehr dazu in der Infobox unten). Um das in möglichst großem Umfang tun zu können, dürfen Hedgefonds zusätzlich zum Eigenkapital sogar noch Fremdkapital aufnehmen. Das erhöht das Risiko weiter.

Ursprünglich wurden Hedgefonds für institutionelle Anleger geschaffen, etwa Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen, aber auch vermögende Privatleute können in sie investieren. Vermögend heißt in der Regel: Wer einsteigen will, muss oft mindestens 500.000 Euro anlegen.

Hedgefonds sind aktive Geldanlagen. Ein Fondsmanager kümmert sich also um die Verwaltung. Sein Ziel ist es, den größtmöglichen Ertrag, genannt Rendite, zu erzielen. Dafür entwickelt er eine Anlagestrategie und wählt die dazu passenden Wertpapiere aus.

Es gibt Single-Manager-Hedgefonds mit nur einem Fondsmanager und Multi-Manager-Hedgefonds. Bei Letzteren geht man davon aus, dass das Risiko, Verluste zu machen, geringer wird, weil der Ertrag nicht nur von der Expertise und Strategie einer Person abhängt, sondern von mehreren.

Großer Einfluss:
Hedgefonds verwalteten zum Jahresende 2018 ein Volumen von rund 3,1 Billionen US-Dollar. Sie können also erheblichen Einfluss nehmen auf Staaten, Unternehmen und das gesamte Wirtschaftssystem. Seit der Finanzkrise 2018 ist die Zahl der Hedgefonds zwar rückläufig, das verwaltete Volumen stieg allerdings. Größter Hedgefonds-Markt sind die USA.

Wie funktionieren Hedgefonds?

Wie bei klassischen aktiven Investmentfonds bestücken Hedgefondsmanager ihre Fonds mit den aus ihrer Sicht vielversprechendsten Wertpapieren. Dafür analysieren sie zum Beispiel die Kurse von Aktien und Anleihen und nutzen finanzmathematische Methoden, um ihre Anlagestrategien zu bilden. Anschließend stellen sie dazu passend das Portfolio zusammen, also die Gesamtheit der Vermögenswerte, in die investiert werden soll. Die Anleger kaufen dann Fondsanteile.

Für Hedgefonds gibt es keine Beschränkung der Anlageklassen. Sie dürfen also sowohl Investitionen in Aktien und Anleihen tätigen als auch in Rohstoffe, Edelmetalle und Währungen. Präziser: Sie dürfen darauf spekulieren. Denn eine Besonderheit bei Hedgefonds ist, dass sie – anders als klassische Investmentfonds – sogenannte Leerverkäufe tätigen dürfen, also auf fallende oder steigende Kurse setzen können.

Beispiel für einen Leerverkauf:
Der Hedgefondsmanager geht davon aus, dass eine bestimmte Aktie bald im Kurs sinken könnte. Um auf einen fallenden Kurs zu wetten, kauft er die Aktie nicht, sondern leiht sie sich für einen bestimmten Zeitraum von einem anderen Investor. Beispielhaft nehmen wir an, dass der Hedgefondsmanager auf diesem Wege 100.000 Aktien bekommt, die zum Zeitpunkt des Ausleihens je Stück 100 Euro wert sind. Obwohl sie ihm nicht gehören, verkauft der Hedgefondsmanager die Aktien nun an der Börse direkt weiter – und erhält so 10 Millionen Euro. Damit der Manager Gewinn macht, muss nun die Wette aufgehen: Bis zu dem Zeitpunkt, den er mit dem Investor für die Rückgabe der geliehen Aktien vereinbart hat, muss die Aktie tatsächlich im Wert fallen. Nehmen wir an, das ist der Fall: Die Aktie verliert an Wert, und ist kurz vor Ende des Ausleihens nur noch 90 Euro wert. Der Hedgefondsmanager kauft dann an der Börse die 100.000 Aktien für nun nur noch 9 Millionen Euro und gibt sie dem Investor zurück – zieht also 1 Million Euro Gewinn aus dem Verkauf. Davon abziehen muss er anschließend lediglich die Zinsen, die er für das Ausleihen der Aktien pro Tag an den Investoren zahlen muss. Die Differenz zwischen Verkaufserlös und Rückkaufpreis minus der Zinsen streicht sich der Hedgefonds also als Gewinn ein.

Der Fondsmanager erhält in der Regel eine Gebühr von bis zu 20 Prozent des Ertrags. Der Anleger zahlt zudem eine Verwaltungsgebühr von in der Regel zwischen 2 und 5 Prozent im Jahr sowie gegebenenfalls Depotgebühren. Macht ein Hedgefonds Verlust, kann der Fondsmanager ihn einfach schließen und einen neuen Fonds eröffnen. Alles, was er dafür braucht, sind neue Anleger, die an seine Strategie glauben.

Eine weitere Besonderheit von Hedgefonds ist, dass sie auch Fremdkapital, also Kredite, aufnehmen dürfen. Die Idee dahinter ist, dass sie dadurch höhere Gewinne erwirtschaften, weil sie vom sogenannten Hebeleffekt profitieren, auch Hebelwirkung genannt. Das funktioniert dann, wenn die Zinsen, die ein Hedgefonds für das Fremdkapital zahlen muss, niedriger sind als die Zinsen des Eigenkapitals. Bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital kann die Rendite so um ein Vielfaches steigen – allerdings nimmt der Hedgefonds dafür auch ein höheres Risiko in Kauf. 

Die größten Hedgefonds (Stand: 30. Juni 2019):

  • Bridgewater Associates (USA): 132,050 Mrd. US-Dollar
  • Renaissance Technologies (USA): 68,000 Mrd. US-Dollar
  • Man Group (GBR): 62,000 Mrd. US-Dollar

Warum haben Hedgefonds einen schlechten Ruf?

Das liegt vor allem an der Kombination aus ihrem großem Spielraum bei Investitionen und den riesigen Summen, die sie verwalten. So ist es ihnen möglich, moralisch fragwürdig zu agieren, während sie gleichzeitig erheblichen Einfluss auf das gesamte Wirtschaftssystem nehmen können.

Vor allem die Leerverkäufe sehen viele Menschen kritisch, weil sie ein Überangebot bestimmter Wertpapiere vorgaukeln, das es in Wahrheit gar nicht gibt. Leerverkäufe können in Krisen also dazu führen, dass sich der Kursverfall beschleunigt – und der Hedgefonds verdient auch noch daran, weil er die leer verkauften Aktien später zu den dann niedrigeren Preisen einkauft.

Zusätzlich spekulieren viele Hedgefonds auf Pump. Wenn alles gut geht, vervielfacht ein Hedgefonds so zwar seinen Gewinn – geht die Wette aber verloren, droht dem Hedgefonds das komplette Aus, weil er über wenig Eigenkapital verfügt. Kritiker bemängeln, dass ein solcher Zusammenbruch ein großes Risiko für die Stabilität des gesamten Finanzmarktes sei.

Wie unterscheiden sich Hedgefonds von klassischen Investmentfonds?

Zwischen klassischen aktiven Investmentfonds und Hedgefonds gibt es deutliche Unterschiede. Die wichtigsten haben wir in der Tabelle zusammengefasst.

Welche Anlagestrategien verfolgen Hedgefonds?

Die Anlagestrategien von Hedgefonds sind vielfältig und abhängig vom Fondsmanager. Beliebte Anlagestrategien sind unter anderem:

  • Long Short Equity: Hier kauft der Fondsmanager Aktien, von denen er steigende Kurse erwartet, und verkauft Aktien, von denen er fallende Kurse erwartet. Meist setzen Manager von Hedgefonds allerdings auf fallende Kurse.
  • Arbitrage-Geschäfte: Fondsmanager nutzen hier Preis- und Kursunterschiede zwischen Währungen und Wertpapieren an unterschiedlichen Handelsplätzen aus.
  • Event-Driven: Der Fondsmanager spekuliert auf plötzlich auftretende Trendwenden im Umsatz eines Unternehmens, auf Fusionen, aber auch Insolvenzen – sowohl von Unternehmen als auch von Staaten.
  • Global-Macro: Hier schaut sich der Manager die historische und zukünftig vermutete Preisentwicklung verschiedener Anlageklassen an und trifft auf dieser Basis seine Auswahl für den Fonds.

Welche Chancen und Risiken gibt es?

Hedgefonds versprechen enorm hohe Gewinne. Gleichzeitig ist aber das Risiko, Geld zu verlieren, ebenfalls riesig. Auch Totalverluste sind keine Seltenheit. Ob ein Hedgefonds Erfolg hat, hängt von der Anlagestrategie und zu einem nicht unerheblichen Teil auch einfach nur vom Glück des Fondsmanagers ab. Zudem fehlt oft die Transparenz.

Sind Hedgefonds sinnvoll?

Für normale Privatanleger sind Hedgefonds allein schon wegen der hohen Einstiegshürden und Kosten nicht interessant. Aber selbst wenn Sie sich eine halbe Millionen Euro locker aus dem Ärmel schütteln können, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie das hohe Risiko in Kauf nehmen wollen.

In EU-Staaten ist es Ihnen als Privatanleger ohnehin verboten, Investitionen in Hedgefonds zu tätigen. Sie können allerdings einen Umweg über Dachhedgefonds gehen.

Das sind Fonds, die Anteile an mehreren Hedgefonds halten. Das Risiko, Verluste zu erleiden, soll so geringer sein, weil viele verschiedene Anlagestrategien sozusagen in einem Korb stecken. Wenn eine nicht aufgeht, gleicht eine andere den Verlust womöglich wieder aus. Auch sind Leerverkäufe für Dachfonds nur eingeschränkt möglich.

Allerdings: Bei Dachfonds fallen höhere Gebühren für Sie an. Denn Sie bezahlen nicht nur den Manager des Dachfonds, sondern auch alle einzelnen Manager der darin enthaltenen Hedgefonds.

Eine andere Möglichkeit, indirekt in Hedgefonds zu investieren, ist der Weg über Aktien der Fondsgesellschaften. In diesem Fall beteiligen Sie sich also an den Firmen, die Hedgefonds auflegen und verwalten, was auch ein Plus an Transparenz bedeutet.

EU-Regulierung von Hedgefonds:
Seit 2011 reguliert die EU Hedgefonds stärker. So brauchen Manager dieser Fonds inzwischen eine Zulassung. Um die zu bekommen, müssen sie ein Mindestmaß an Kapital vorhalten, das umso höher sein muss, je riskanter der Fonds vorgeht. Außerdem werden Hedgefondsmanager ständig beaufsichtigt. In Deutschland übernimmt das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Bafin schaut sich zum Beispiel an, wie stark ein Hedgefonds verschuldet ist, welche Anlagestrategie er verfolgt oder wie oft er Leerverkäufe tätigt.

Woher stammt der Name Hedgefonds?

Der Begriff lässt sich auf die Leerverkäufe zurückführen. Das englische Verb "to hedge" bedeutet auf Deutsch "sich absichern". Und genau dafür sind Leerverkäufe eigentlich gedacht.

Kauft ein Fondsmanager etwa Gold für seinen Fonds, kann er sich gegen einen möglichen Kurssturz absichern, indem er zusätzlich einen Leerverkauf auf Gold tätigt. Verliert das Investment in Gold an Wert, gleicht die Spekulation auf ebendiesen fallenden Kurs den Verlust wieder aus.

Verwendete Quellen:


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