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Wandelanleihen: Das sind Chancen und Risiken für Anleger

Anleihe in Aktien tauschen  

Was sind Wandelanleihen und für wen eignen sie sich?

13.11.2020, 18:34 Uhr
Wandelanleihen: Das sind Chancen und Risiken für Anleger. Eine Frau vor einer Grafik mit steigenden Kursen (Symbolbild): Um mit Wandelanleihen Gewinn zu erzielen, müssen Sie die Aktienkurse im Blick behalten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/ ismagilov)

Eine Frau vor einer Grafik mit steigenden Kursen (Symbolbild): Um mit Wandelanleihen Gewinn zu erzielen, müssen Sie die Aktienkurse im Blick behalten. (Quelle: ismagilov/Thinkstock by Getty-Images)

An der Börse gibt es nicht nur Aktien und Anleihen, sondern auch Anleihen, die sie in Aktien umtauschen können. Wir erklären Ihnen, wie diese Wandelanleihen funktionieren und ob sie sich lohnen.

Ihr Geld können Sie auf viele verschiedene Arten anlegen: Ganz einfach Monat für Monat in einen Fonds, riskanter in einzelne Aktien – oder Sie greifen zu komplexeren Produkten, die erst Anleihen sind und später zu Aktien werden können. Diese spezielle Form des Investments nennt sich Wandelanleihe. 

Doch was ist der Vorteil an dieser Umtauschmöglichkeit? Und welchen Risiken setze ich mich aus? Wir zeigen Ihnen, wie Wandelanleihen funktionieren, warum Unternehmen sie herausgeben und ob sich das Produkt für jeden eignet.

Was sind Wandelanleihen?

Wandelanleihen sind Anleihen, die Ihnen das Recht einräumen, sie innerhalb eines vorab vereinbarten Zeitraums und in einem vorher festgelegten Verhältnis in Aktien zu tauschen. Und zwar in Aktien des Unternehmens, das auch die Wandelanleihe herausgegeben hat.

Ganz generell geben Sie Unternehmen mit Anleihen zunächst einen Kredit. Rechtlich gesehen sind Wandelanleihen daher Schuldverschreibungen. Gelegentlich hört man deshalb auch den Begriff Wandelschuldverschreibungen.

Von dem Umtauschrecht, im Fachjargon Wandlungsrecht oder Option genannt, können Sie Gebrauch machen, müssen aber nicht. Es sei denn, Sie besitzen eine Pflichtwandelanleihe – dann kommen Sie um einen Tausch nicht herum.

Wandelanleihen haben einen festen Zins und eine begrenzte Laufzeit. Der Zins ist allerdings geringer als bei klassischen Anleihen – das ist der Preis für die Umtausch-Option. Endet die Laufzeit und Sie haben sich entschieden, die Wandelanleihe nicht in Aktien zu tauschen, erhalten Sie die jährliche Verzinsung und den sogenannten Nennwert der Anleihe als Rückzahlung.

Wie funktionieren Wandelanleihen?

Wandelanleihen kaufen Sie, weil Sie hoffen, dadurch günstiger an Aktien des herausgebenden Unternehmens zu kommen. Ob das gelingt, hängt vom sogenannten Wandlungspreis ab, also dem Preis, den Sie pro Aktie zahlen müssen, wenn Sie Ihr Wandlungsrecht ausüben. Und natürlich davon, wie sich der Aktienkurs entwickeln. Die Differenz zwischen Wandel- und Marktpreis nennt sich Wandelprämie.

  • Ein Beispiel: Liegt der Wandlungspreis einer Wandelanleihe bei 90 Euro, lohnt sich ein Umtausch frühestens dann, wenn die Aktie an der Börse auch für 90 Euro gehandelt wird. Liegt der Aktienkurs tiefer, gibt es das Wertpapier an der Börse billiger. Ist der Preis am Markt höher, machen Sie ein Schnäppchen.

Allerdings kann es für Sie besser sein, die Wandelanleihe zu halten, selbst wenn der Aktienkurs über dem Wandlungspreis liegt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Sie mit der Anleihe eine deutlich höhere Rendite erzielen als Ihnen die Dividende der Aktie bringen würde. Die Ersparnis, die Ihnen der Umtausch im Vergleich zum direkten Aktienkauf gebracht hat, könnte die fehlende Rendite dann womöglich nicht aufwiegen.

Die genauen Konditionen, zu denen Sie die Wandelanleihe tauschen können, ist in den sogenannten Konversionsbedingungen festgelegt. Diese finden Sie im Emissionsprospekt der Anleihe.

Wichtig: Der Zeitraum, in dem Sie Ihr Wandlungsrecht ausüben können, ist nicht gleichbedeutend mit der Laufzeit der Wandelanleihe. In der Regel endet diese Wandlungsfrist ein paar Tage vor Laufzeitende. 

Für die herausgebenden Unternehmen sind Wandelanleihen eine gute Möglichkeit, Schulden in Eigenkapital umzuwandeln. Der Kredit, den sie mithilfe der Anleihe beim Käufer aufgenommen haben, verwandelt sich sozusagen in herausgegebene Aktien und damit Anteile am Unternehmen. So haben sich für die Firma nicht nur die Zinszahlungen an den Besitzer der Anleihe erledigt, sondern sie muss noch nicht einmal die Kreditsumme zurückzahlen.

Was sind Chancen und Risiken?

Wandelanleihen kombinieren eine feste Verzinsung mit möglichen Kursgewinnen von Aktien. Im Idealfall kommen Sie also günstiger an Aktien, als es direkt an der Börse möglich wäre, und erzielen anschließend – wenn sich der Kurs entsprechend entwickelt – hohe Renditen. Gleichzeitig schaffen die regelmäßigen Zinszahlungen vorab ein Polster, mit dem Kursverluste abgefedert werden.

Aber: Für den Idealfall braucht es natürlich Glück. Auch ist es schwierig, den perfekten Punkt zum Tausch zu finden, weil viele Faktoren mit hineinspielen, die vor allem für Einsteiger kaum zu durchschauen sind. Aber auch als absoluter Profi sind Sie nicht vor Risiken gefeit. 

Besitzen Sie eine Pflichtwandelanleihe, kann es zu erheblichen Verlusten kommen, wenn Sie die Anleihe zu einem ungünstigen Zeitpunkt tauschen müssen. Und ganz generell besteht durch die Abhängigkeit vom Aktienkurs bei jeder Wandelanleihe auch ein Kursrisiko. Durch die Umwandlung der Anleihe in Aktien kann das Kapital einer Aktiengesellschaft zudem verwässern, was Ihre Renditechancen schmälert.

Da es sich bei Wandelanleihen um Schuldverschreibungen handelt, ist Ihr eingesetztes Kapital zudem nicht als Sondervermögen geschützt. Das bedeutet, dass Ihr Geld im Fall einer Insolvenz des Unternehmens sehr wahrscheinlich komplett verloren ist.

Eignen sich Wandelanleihen für alle Anleger?

Nein. Wandelanleihen sind komplexe Finanzprodukte, die geübten Anlegern vorbehalten sein sollten. Als Anfänger sollten Sie sich lieber zwischen den zwei möglichen Zielen der Geldanlage entscheiden: mehr Sicherheit zum Preis von weniger Renditeaussichten oder höhere Renditeaussichten zum Preis von weniger Sicherheit. 

Ist Ihnen Sicherheit wichtiger, sollten Sie auf klassische Anleihen setzen. Die bringen Ihnen außerdem sogar höhere Zinsen als Wandelanleihen. Sind Sie hingegen stärker auf Rendite aus, sollten Sie direkt in Aktien investieren oder – noch besser – in einen Aktienfonds.

Fonds haben den Vorteil, dass Sie damit nicht alles auf eine Karte setzen, Ihr Risiko also breiter streuen. Allerdings kommen bei Fonds noch Verwaltungsgebühren hinzu, die Ihre Rendite wieder schmälern. Günstiger und ähnlich bequem erzielen Sie gute Erträge mit sogenannten Indexfonds, kurz ETFs ("Exchange Traded Funds"). 

Das sind Aktienfonds, bei denen ein Computeralgorithmus einen Aktienindex wie zum Beispiel den Dax oder den MSCI World nachbildet. ETFs entwickeln sich also fast genauso wie der Index, den sie imitieren. Ein Fondsmanager ist dafür nicht nötig, was sich positiv auf die Erträge auswirkt, weil weniger Kosten anfallen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • finanztreff.de
  • Finanztip
  • financescout24.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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