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Private Rentenversicherung: Lohnt sie sich noch?


Lohnt sich die private Rentenversicherung noch?

  • Christine Holthoff
Von Mauritius Kloft, Christine Holthoff

Aktualisiert am 19.01.2023Lesedauer: 6 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Älteres Paar geht im Wald spazieren: Eine private Rentenversicherung sollte man heutzutage nicht mehr abschließen.
Älteres Paar geht im Wald spazieren: Eine private Rentenversicherung sollte man heutzutage nicht mehr abschließen. (Quelle: Cavan Images/imago-images-bilder)
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Viele Menschen fürchten, im Alter zu verarmen. Privat vorzusorgen, ist deshalb wichtig. Eine private Rentenversicherung ist aber nicht der richtige Weg.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist die private Rentenversicherung?
  • Wie berechne ich meine private Rente?
  • Wie sinnvoll ist eine private Rentenversicherung noch?
  • Sollte ich meine private Rentenversicherung kündigen?
  • Welche Alternativen zur privaten Rentenversicherung gibt es?

"Rentenlücke": Dieses Wort löst bei vielen Menschen Angst aus. Angst, in der Rente, wenn man nicht mehr arbeiten muss und die Kinder erwachsen sind, kein Geld zu haben für Reisen – oder ein kleines Häuschen am See. Angst, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht für alltägliche Dinge. Angst, im Alter zu verarmen.

Deshalb sorgen zahlreiche Menschen zusätzlich zur gesetzlichen Rente vor: mit einer privaten Rentenversicherung. Was vor einigen Jahren noch Sinn ergeben hat, ist heute jedoch kaum mehr zu empfehlen. Denn: Die Zinsen sind seit Jahren niedrig, die Kosten einer solchen Versicherung dagegen hoch.

Doch was ist die private Rente genau? Warum lohnt sich diese heutzutage nicht mehr? Und welche Alternativen dazu habe ich?

Was ist die private Rentenversicherung?

Die private Altersvorsorge bildet eine der drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland – neben der gesetzlichen Rentenversicherung und der betrieblichen Vorsorge. Bei der privaten Altersvorsorge geht es – wie der Name vermuten lässt – darum, wie Sie sich privat, also zusätzlich, absichern.

Der Klassiker der privaten Altersvorsorge ist die private Rentenversicherung. Sie können jedoch auch ohne Versicherung, bei der Sie regelmäßig Geld an ein Versicherungsunternehmen überweisen, fürs Alter vorsorgen (siehe unten).

Bei einer privaten Rentenversicherung handelt es sich im Grunde um eine Lebensversicherung, die Sie als Versicherten "gegen" ein langes Leben absichert. Der Mechanismus ist einfach und ähnelt der gesetzlichen Rentenversicherung:

Während Ihres Arbeitslebens zahlen Sie regelmäßig einen bestimmten Betrag ein und erhalten dafür ab dem Eintritts ins Rentenalter bis zum Lebensende eine Rente von der Versicherung ausgezahlt. Mit dem Tod erlischt dieser Zahlungsanspruch. Anders als bei klassischen Lebensversicherungen erhalten Hinterbliebene in den meisten Fällen also kein Geld mehr aus der Rentenversicherung.

Sofortrente – oder besser aufgeschoben?

Es gibt zwei verschiedene Formen der privaten Rentenversicherung: Entweder die sogenannte aufgeschobene Rente – oder die Sofortrente.

  • Bei der aufgeschobenen Rente zahlt der Versicherte jahrelang Beiträge ein – und bekommt diesen gesparten Betrag plus Zinsen als monatliche Zahlungen zurück, wenn er in Rente geht.
  • Bei der Sofortrente zahlt er einmalig einen hohen Betrag ein – meist kurz vor Rentenbeginn. Dann erhält der Versicherte meist unmittelbar monatliche Zahlungen.

Private Rentenversicherungen bestehen aus zwei Komponenten: dem sogenannten Garantiezins sowie möglichen Überschüssen des Versicherungsunternehmens, die die Rente steigern können. Der Garantiezins ist der Zins, den die Versicherung für die Verzinsung Ihrer Beiträge verspricht. Damit sie dieses Versprechen auch halten kann, darf der Garantiezins bei Neuverträgen nicht höher als der sogenannte Höchstrechnungszins liegen.

Höchstrechnungszins
Dieser wird vom Gesetzgeber festgelegt und liegt seit 2022 nur noch bei 0,25 Prozent. Der Grund für diesen geringen Sparertrag: Die Europäischen Zentralbank (EZB) hielt die Zinsen jahrelang sehr niedrig. Das ändert sich zwar aktuell, doch eine Erhöhung des Höchstrechnungszinses ist nicht in Sicht. Häufig werden die Begriffe Garantie- und Höchstrechnungszins synonym verwendet.

"Klassische Rentenversicherung" vs. "neue Klassik"

Man unterscheidet bei privaten Rentenversicherungen zwischen der "klassischen" Versicherung und der sogenannten "neuen Klassik" bzw. "fondsgebundenen Versicherungen".

Doch der Reihe nach: Die "klassische" Rentenversicherung hat das Problem, dass Sie Ihnen als Versicherten einen festen monatlichen Auszahlungsbetrag im Rentenalter verspricht. Darüber hinaus können noch Überschüsse dazukommen.

Damit sie die garantierte Rente jedoch einhalten kann – und keine Verluste macht – stützen sich die Versicherungsfirmen maßgeblich auf sichere Anlagen. Diese aber bringen in der Regel nur geringe Erträge, genannt Renditen. Die effektive Rendite, also das, was letztlich vom Garantiezins übrig bleibt, wird umso kleiner, je höher die Kosten sind. Deshalb lohnt sich ein Neuabschluss heutzutage meistens nicht mehr (siehe unten).

Die "neue Klassik" setzt dagegen auf einen höheren Aktienanteil. Dafür sind die garantierten Rentenzahlungen jedoch deutlich geringer. Das führt zu dem Problem, dass sie vergleichsweise unsicher ist. Außerdem gibt es zahlreiche unterschiedliche, intransparente Verträge der "neuen Klassik", die teilweise für den Laien nur schwer verständlich und schwer zu vergleichen sind.

Mit der Versicherung in Fonds investieren

Die "fondsgebundene Rentenversicherung" setzt auf einen Sparplan in sogenannte Fonds. Das sind im Grunde Körbe, in denen Geld liegt, das in verschiedene Anlageklassen investiert wird – beispielsweise Aktien, Immobilien oder auch Gold. Auch hier besteht ein Risiko, dass Sie Verluste machen. Deshalb sollten Sie eine fondsgebundene Rentenversicherung möglichst früh abschließen, sodass Sie mögliche Kursstürze aussitzen können.

Das Problem bei der fondsgebundenen Versicherung: Viele Angebote sind vergleichsweise teuer. Doch das muss nicht sein, eigentlich benötigen Sie keine Versicherung (siehe unten).

Wie berechne ich meine private Rente?

Im Internet finden Sie eine Vielzahl von Rechnern, die Ihnen anzeigen, wie hoch Ihre monatliche Rente sein wird, wenn Sie diese jetzt abschließen würden. Dazu müssen Sie in der Regel mehrere Angaben machen:

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  • Berufsgruppe
  • Alter
  • Auszahlungsart
  • Auszahlungsbeginn
  • Monatlicher Einzahlungsbetrag

Doch Vorsicht: Häufig bieten auch private Versicherer selbst solche Kalkulationen an – mit teilweise verzerrenden Ergebnissen. Machen Sie sich deshalb bei der Nutzung stets bewusst, dass die Unternehmen ein Interesse daran haben, Ihnen eine Versicherungspolice zu verkaufen.

Wie sinnvoll ist eine private Rentenversicherung noch?

In der Regel nicht sehr sinnvoll – zumindest nicht für Neukunden. Zahlen Sie noch nicht in eine private Rentenversicherung ein, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie einen solchen Vertrag abschließen. Anders sieht es dagegen bei Altverträgen aus (siehe unten).

Gegen den Abschluss einer Rentenversicherung sprechen vor allem drei Gründe:

  1. Der Garantiezins, also der Zins, den Sie maximal bekommen, ist niedrig. Er liegt nur noch bei 0,25 Prozent. Das heißt: Das Geld, das Sie anlegen, erwirtschaftet bei einer Rentenversicherung nur sehr geringe Erträge, wird also kaum mehr.
  2. Die Überschüsse der Versicherungsfirmen können mager oder sogar vollständig ausfallen. Dann müssten Versicherte sehr alt werden, damit sie garantiert ins Plus kommen – in Extremfällen mehr als 100 Jahre.
  3. Die Kosten der Versicherung sind meist hoch. Denn der sogenannte Rechnungszins wird nicht für die gesamten eingezahlten Beträge garantiert. Die Kosten für den Abschluss, die Verwaltung, die Garantieabsicherung und eventuelle Zusatzleistungen werden von diesem abgezogen.

Für alle, die noch nicht eine private Rentenversicherung einzahlen, ist es deshalb empfehlenswert, lieber mit anderen Instrumenten privat fürs Alter vorzusorgen. Welche das sein können, erläutern wir weiter unten.

Sollte ich meine private Rentenversicherung kündigen?

Wenn Sie hingegen bereits eine private Rentenversicherung haben, sollten Sie gut abwägen, ob Sie diese kündigen. In den meisten Fällen lohnt es sich, diese zu behalten.

Der Grund: Altverträge bieten häufig noch einen höheren Garantiezins – und dementsprechend auch höhere Renditen, meist sogar von bis zu vier Prozent. Und eine Kündigung kann mitunter teuer werden.

Alternativ zum Kündigen können Sie eine Rentenversicherung beitragsfrei stellen, sodass Sie keine Beiträge mehr einzahlen müssen – und das gesparte Geld auf andere Investments verwenden können, die größere Erträge versprechen. Allerdings müssen Sie in diesem Fall beachten, dass Berufsunfähigkeitspolicen oder andere Versicherungen, die Sie möglicherweise mit der Rentenversicherung abgeschlossen haben, oft ebenfalls ausgesetzt werden.

Was häufig mehr Sinn ergibt, ist die private Rentenversicherung zu verkaufen. Dann übernimmt ein darauf spezialisierter Ankäufer Ihre Policen, also auch einen möglichen hohen Garantiezins, aber zahlt auch die Beiträge. Informieren Sie sich auf jeden Fall umfassend – und holen Sie auch verschiedene Angebote ein.

Welche Alternativen zur privaten Rentenversicherung gibt es?

Neben der privaten Rentenversicherung gibt es noch die sogenannte Riester-Rente. Bei dieser fördert der Staat, wenn Arbeitnehmer, Beamte und bestimmte Selbstständige privat vorsorgen. Doch häufig lohnt sich die Riester-Rente nur für Familien, die viel verdienen. Mehr zur Riester-Rente lesen Sie hier.

Eine Alternative für viele Selbstständigen und Freiberufler ist die sogenannte Rürup-Rente. Bei ihr fördert der Staat ebenfalls, dass Sie privat vorsorgen. Auch diese lohnt sich häufig nicht – oder nur unter bestimmten Voraussetzungen. Lesen Sie hier mehr dazu.

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So sorgen Sie privat ohne Versicherung vor

Doch Sie brauchen keine Versicherung, um privat vorzusorgen. Stattdessen können Sie mithilfe eines Sparplans selbstständig Geld anlegen. Das ist im Grunde nichts Anderes, als das, was Ihre Versicherung macht. Und da Sie es selbst in die Hand nehmen, sparen Sie hohe Kosten.

Ein Sparplan funktioniert so: Sie legen regelmäßig Geld in eine Anlageklasse an. Wenn der Wert dieser Anlageklasse steigt, profitieren Sie davon. Mögliche Anlageklassen können Fonds, Aktien oder ETFs sein. Gerade für Anfänger eignen sich ETFs, auch Indexfonds genannt.

Bei diesen bildet ein Computeralgorithmus einen Aktienindex wie den Dax nach. Sie investieren also praktisch in alle Unternehmen aus diesem Index. So bieten ETFs eine hohe Rendite – gleichzeitig streuen Sie Ihr Risiko breit.

Sparpläne sollten Sie jedoch möglichst langfristig, 20 Jahre oder mehr abschließen. Der Grund: Kursverluste können Sie so einfach aussitzen. Auf lange Frist zeigt die Kurve nur in eine Richtung: nach oben.

Rentenversicherung auf ETF-Basis

Eine weitere Alternative zur traditionellen Rentenversicherung bilden sogenannte ETF-gebundene Rentenversicherungen. Bei dieser neuen Form der Altersvorsorge, auch Nettoversicherung genannt, handelt es sich um eine Kombination aus ETF-Sparplan und Rentenversicherung.

Wie bei einem normalen ETF-Sparplan zahlen Sie dabei monatlich einen festen Betrag in ein breit gestreutes Portfolio verschiedener Indexfonds ein, sparen damit gegenüber herkömmlichen Fonds die Managergebühren. Ein weiterer Vorteil: Sie sparen beim Renteneintritt einen Teil der Kapitalertragssteuer, da der Staat die private Vorsorge fördern will.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Finanztip
  • test.de
  • rente.com
  • Verbraucherzentrale Hamburg
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff
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