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Berufsunfähigkeitsversicherung: Ist sie überhaupt sinnvoll?


Monatliche Rente  

Wie sinnvoll ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

31.10.2021, 09:00 Uhr
Berufsunfähigkeitsversicherung: Ist sie überhaupt sinnvoll?. Eine Frau arbeitet von zu Hause (Symbolbild): Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, sollte das möglichst früh tun. (Quelle: dpa/tmn/Christin Klose)

Eine Frau arbeitet von zu Hause (Symbolbild): Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, sollte das möglichst früh tun. (Quelle: Christin Klose/dpa/tmn)

Wer seinen Job aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, gerät schnell in Existenznot. Schutz vor diesem Risiko bietet eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch es gibt ein Problem.

Es ist ein Szenario, das sich niemand gerne vorstellt: Sie erkranken schwer, haben einen Unfall oder sind so sehr am Ende ihrer Kräfte, dass Sie Ihrem Beruf nicht länger nachgehen können. Die Folge: gravierend weniger Einkommen. Womöglich ist sogar Ihre Existenz in Gefahr.

Dieses Risiko abzusichern, ist Aufgabe der Berufsunfähigkeitsversicherung. Wir erklären, wie sie funktioniert, für wen sie sich lohnt und was berufsunfähig von arbeitsunfähig unterscheidet.

Wie funktioniert eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung, kurz BU, springt ein, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen Ihren Beruf zu mindestens 50 Prozent langfristig nicht mehr ausüben können. Sie ersetzt dann den Ausfall des Einkommens, indem Sie eine vereinbarte Monatsrente erhalten. Anders gesagt: Eine BU sichert Ihren Lebensunterhalt, wenn Sie Ihre Arbeitskraft einbüßen.

Häufig werden die Begriffe Berufsunfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit synonym verwendet. Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied: Wer arbeitsunfähig ist, kann in der Regel nach einiger Zeit wieder in seinen Job zurückkehren, es handelt sich nicht um einen Dauerzustand. Mehr zum Unterschied zwischen arbeits- und berufsunfähig lesen Sie hier.

Erst wenn Sie gesundheitlich so stark beeinträchtigt sind, dass eine Behandlung Ihren Zustand nicht ausreichend verbessern würde, um zurückzukehren, gelten Sie als berufsunfähig. Und erst dann erhalten Sie auch die Rente aus der Versicherung. Eine Entscheidung darüber fällt Ihre Versicherung anhand verschiedener Unterlagen – etwa Arztberichten und einer Tätigkeitsbeschreibung.

Gut zu wissen: Wenn Ihre Versicherung einmal entschieden hat, dass sie berufsunfähig sind, bedeutet das nicht, dass das für immer so bleibt. Hat sie sich verschätzt und es geht Ihnen irgendwann besser, kann sie die Rente stoppen. Das Geld, das Sie bis dahin bekommen haben, brauchen Sie aber nicht zurückzuzahlen.

Die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit sind inzwischen psychische Erkrankungen. Unfälle liegen hingegen nur einem geringen Teil der bewilligten Anträge zugrunde.


Was und wann zahlt die BU?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt Ihnen eine monatliche Rente. Die Höhe ist in der Versicherungspolice vereinbart und richtet sich nach Ihrem Einkommen zum Zeitpunkt des Abschlusses und den Vorgaben des Versicherers. Oft ist es möglich, bis zu 70 Prozent des Bruttogehalts als Rente zu erhalten.

Um sie zu bekommen, müssen Sie einen Leistungsantrag stellen. Anschließend folgt die Leistungsprüfung – egal, ob Sie die Rente wegen Krankheit, Unfall oder körperlichem Verschleiß beantragen. Ob Sie tatsächlich berufsunfähig oder "nur" arbeitsunfähig sind, hängt von der medizinischen Prognose ab.

Kann sich Ihr Zustand noch bessern, etwa indem Sie eine Reha machen, gelten Sie noch nicht als berufsunfähig. Folglich erhalten Sie keine Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung, sondern Krankengeld – zunächst sechs Wochen lang vom Arbeitgeber, anschließend von der Krankenkasse. Gesetzlich Versicherte haben darauf höchstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren Anspruch. Das Krankengeld beträgt maximal 70 Prozent Ihres Bruttolohns.

Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) werden 80 Prozent aller Anträge auf Berufsunfähigkeitsrente bewilligt. Häufigster Streitpunkt bei den abgelehnten Fällen ist die Frage, ob Sie wirklich zu mindestens 50 Prozent Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Weitere 14 Prozent hatten die Gesundheitsfragen bei Vertragsabschluss nicht der Wahrheit entsprechend beantwortet und damit die sogenannte vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt.

Tipp: Sind Sie der Meinung, Ihre BU müsste eigentlich doch zahlen, können Sie Klage einreichen. Haben Sie zusätzlich eine Rechtsschutzversicherung, ist die Aussicht auf Erfolg größer, wenn sie die beiden Versicherungen bei unterschiedlichen Anbietern abgeschlossen haben. Nach GDV-Angaben landeten 2020 aber nur 2,3 Prozent der Streitfälle vor Gericht.

Es gibt auch Berufsunfähigkeitspolicen, die bestimmte Leistungen ausschließen. Haben Sie zum Beispiel bereits eine starke Sehschwäche, könnte die Versicherungen die Augen ausschließen – und müsste dann im Fall einer Erblindung nicht einspringen.

Achten Sie bei der Wahl des Tarifs zudem darauf, dass Sie die Höhe der Rente bei Bedarf ändern können. Das funktioniert zum Beispiel mit einer sogenannten Nachversicherungsgarantie. Dann erhöht sich die Rente automatisch bei bestimmten Anlässen wie Heirat, Geburt, Gehaltserhöhung oder Start in die Selbstständigkeit.

Vereinbaren Sie eine Leistungsdynamik, steigt Ihre Rente von Jahr zu Jahr, nachdem Sie berufsunfähig geworden sind. Sollte das gesetzliche Renteneintrittsalter im Laufe Ihrer Versicherungszeit steigen, ist das kein Problem für Sie, sofern Ihr Vertrag eine Anhebung der Regelaltersgrenze vorsieht. Dann verlängert sich die Versicherung entsprechend.

Achtung: Achten Sie darauf, ob in Ihrem Vertrag sogenannte Verweisungen aufgeführt sind. Vor allem die abstrakte Verweisung ist von Nachteil für Sie. Denn das bedeutet, dass Sie keine BU-Rente erhalten, solange Sie noch irgendeine andere Tätigkeit ausüben können, die Ihrer Ausbildung, Ihren Fähigkeiten und Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Bei der konkreten Verweisung entfällt die Rente erst dann, wenn Sie selbstbestimmt einen anderen, gleichwertigen Job annehmen.

Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist grundsätzlich für jeden sinnvoll, der auf sein Arbeitseinkommen angewiesen ist. Denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente vom Staat reicht meist nicht zum Leben. 2020 gab es laut Deutscher Rentenversicherung im Schnitt 882 Euro. Wie viel für Sie derzeit herumkommen würde, können Sie Ihrer jährlichen Renteninformation entnehmen.

Eine volle Erwerbsminderungsrente erhalten Sie zudem nur, wenn Sie in den vergangenen fünf Jahren mindestens 36 Monate in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben und wenn Sie in keinem Beruf länger als drei Stunden arbeiten können. Sind Sie noch in der Lage, drei bis sechs Stunden pro Tag zu arbeiten – egal in welchem Job, haben Sie nur auf die halbe Erwerbsminderungsrente Anspruch.

Sparen können Sie sich eine BU hingegen, wenn Sie bereits über ausreichend Vermögen verfügen oder über Ihre Familie abgesichert sind. Ist das nicht der Fall, lohnt sich die Versicherung immer. Das Problem ist allerdings: Viele können sich die BU nicht leisten oder bekommen sie erst gar nicht (mehr dazu unten).

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

So sinnvoll eine Berufsunfähigkeitsversicherung auch ist, günstig ist sie nicht. Die Höhe Ihrer Beiträge hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Höhe der vereinbarten BU-Rente
  • Risikogruppe Ihres Berufs
  • Ihr Alter bei Vertragsabschluss
  • Alter, bis zu dem die Rente gezahlt werden soll
  • Risikoprüfung und Ihr Gesundheitszustand
  • Vereinbarung einer Karenzzeit, in der der Versicherer noch nicht zahlen muss

Berufsunfähigkeitsversicherungen unterscheiden zwischen zwei Beitragsarten: dem Netto- und dem Bruttobeitrag. In manchen Verträgen ist auch von Zahl- und Tarifbeitrag die Rede. Der Unterschied ist Folgender: Den Netto- oder Zahlbeitrag zahlen Sie ab dem Start der BU-Versicherung. Er kann aber bis zur Höhe des Brutto- oder Tarifbeitrags steigen, falls Ihr Anbieter nicht gut kalkuliert hat. Das heißt: Je größer die Spanne zwischen den Beiträgen, desto höher das Risiko, dass Sie später deutlich mehr pro Monat zahlen müssen.

Tipp: Vereinbaren Sie lieber einen etwas höheren Netto- oder Zahlbeitrag, wenn Sie im Gegenzug einen niedrigeren Brutto- oder Tarifbeitrag erhalten.

Die Stiftung Warentest hat sich zuletzt im Mai 2021 die verschiedenen Tarife angeschaut: Die Kosten für die acht Verträge mit den besten Bedingungen reichen bei den Zahlbeiträgen pro Jahr von 739 Euro bis 1.281 Euro für einen Controller (Endalter 67 Jahre, 2.000 Euro Rente), von 797 Euro bis 1.317 Euro für einen Industriemechaniker (Endalter 67 Jahre, 1.500 Euro Rente) und von 522 Euro bis 881 Euro für einen Arzthelfer (Endalter 67 Jahre, 1.000 Euro Rente).

Wenn Sie finanziell dazu in der Lage sind, sollten Sie bereits für Ihr Kind eine BU abschließen. Empfehlenswerten Schutz gibt es laut Stiftung Warentest schon ab 10 oder 15 Jahren. Die Versicherer stufen das Berufsrisiko eines Schülers in der Regel als niedrig oder mittel ein. Das senkt die Kosten für den Vertrag. Zudem stehen die Chancen auf guten Schutz in jüngeren Jahren besser, da Kinder meist weniger Krankenhausaufenthalte haben.

Wer bekommt überhaupt noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Je später Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, desto teurer wird sie. Doch selbst wenn Sie die Beiträge stemmen könnten, nehmen Anbieter nicht jeden potenziellen Kunden an. Manchmal gibt es ein Höchsteintrittsalter, das je nach Anbieter von 64 bis 55 Jahren reicht.

Manchmal sind aber auch die Konditionen derart schlecht, dass es sich für Sie schlicht nicht lohnen würde, das Angebot anzunehmen – etwa weil viele Leistungen ausgeschlossen werden. Je nach Vorerkrankung wird Ihnen zudem überhaupt kein Angebot gemacht. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie in psychotherapeutischer Behandlung sind oder waren. Auch viele Handwerker haben es oft schwer, eine gute BU zu bekommen.

Nichtsdestotrotz sollten Sie die Fragen zur Gesundheit unbedingt wahrheitsgemäß beantworten. Sonst stehen Sie am Ende womöglich ohne BU-Rente da, obwohl Sie jahrelang Beiträge gezahlt haben.

Tipp: Waren Sie in den vergangenen fünf Jahren ernst­haft krank oder sind Sie chro­nisch krank, sollten Sie eine anonyme Risiko­anfrage über einen unabhängigen Versicherungs­berater oder einen Versicherungs­makler stellen. Andernfalls kann es Ihre Ausgangslage verschlechtern, wenn Sie mehrere Anträge stellen und abgelehnt werden.

Was sind Alternativen zur BU?

Es gibt verschiedene andere Versicherungen, über die Sie nachdenken können, wenn Sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen oder bezahlen können. Allerdings bietet keine davon so umfangreichen Schutz wie eine BU. 

So zahlt zum Beispiel eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung erst, wenn Sie weniger als drei Stunden in irgendeinem Beruf arbeiten können. Ein Elektriker, der noch als Lkw-Fahrer arbeiten kann, könnte also keine Ansprüche geltend machen.

Eine weitere Alternative kann eine sogenannte Dread-Disease-Versicherung sein. Sie bekommen dann keine monatliche Rente, sondern einen vereinbarten Geldbetrag auf einen Schlag. Voraussetzung ist, dass ein Arzt eine schwere Krankheit wie etwa Krebs oder Schlaganfall bei Ihnen diagnostiziert, die im Vertrag genannt sein muss.

Verwendete Quellen:

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