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Wenn Schmerzmittel selbst Schmerzen auslösen

t-online, Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 10.10.2021Lesedauer: 3 Min.
Frau fasst sich an den Kopf
Schmerzen: Häufig helfen Medikamente nicht mehr gegen Schmerzen – viele Patienten nehmen dann eine höhere Dosis ein. (Quelle: KatarzynaBialasiewicz/getty-images-bilder)
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Kopfschmerzen, Rückenprobleme, Gelenkbeschwerden: Frei verkäufliche Schmerzmittel erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch Ibuprofen, ASS, Paracetamol, Diclofenac und Naproxen helfen nicht immer – und bergen manchmal gesundheitliche Risiken.

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für die Einnahme von Schmerzmitteln. Auslöser der Schmerzen ist meist eine Verspannung der Rückenmuskulatur aufgrund von Fehlbelastungen und Bewegungsmangel. Schmerzmittel sind dann nur bedingt wirksam. Zwar hemmen sie die Signalübertragung des Schmerzes, bekämpfen aber nicht die Ursache.

Bei muskulären Rückenschmerzen besser Sport statt Schmerzmittel

"Statt über einen langen Zeitraum Schmerzmittel zu schlucken, ist es in einem solchen Fall ratsamer, die Rückenmuskulatur gezielt zu stärken und Verspannungen mit Hilfe von Bewegung zu lösen", erklärt Dr. Astrid Gendolla, Ärztin für spezielle Schmerztherapie am Regionalen Schmerzzentrum Essen.

Der Expertin zufolge sind Schmerzmittel bei einem verspannten Rücken vor allem zu Beginn sinnvoll. Denn wer muskuläre Rückenschmerzen hat, neigt meist dazu, sich zu schonen. Doch das ist falsch. "Wer sich nicht bewegt, läuft Gefahr, dass die Schmerzen chronisch werden. Schmerzmittel sind bei Rückenbeschwerden oft notwendig, um die nötige Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Sie sind aber keine dauerhafte Lösung. Wichtig ist, die Ursache anzugehen. Schmerz ist immer ein Zeichen, dass im Körper etwas nicht stimmt. Das muss abgeklärt werden – im Rücken genauso wie an anderen Körperstellen."

Schmerzmittel nur kurze Zeit in Eigenregie einnehmen

Im Akutfall könne man Schmerzmittel durchaus auch mal mehrere Tage am Stück einnehmen, ohne das es kritisch werde – sofern der Patient die Einnahmeempfehlungen beachte. Bessern sich die Beschwerden nicht, gilt: Untersuchung beim Arzt. "Schmerzgeplagte sollten ihre Beschwerden immer abklären lassen – und mit ihrem Arzt die notwendige Dosierung und Einnahmedauer besprechen", sagt Gendolla. "Die Schmerzmittelregel lautet: So viel wie nötig, so wenig wie möglich."

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Welches Mittel bei welchen Beschwerden hilft

Laut der Schmerzexpertin helfen bei Migräne und Rückenschmerzen vor allem Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS). Bei Nasennebenhöhlenentzündungen, wie sie bei Erkältungsinfekten oft auftreten, kann ASS helfen, da der Wirkstoff antientzündlich wirkt.

Menstruationsbeschwerden kann die Einnahme von Naproxen zwei Tage vor Beginn der Periode lindern. Paracetamol findet bei Fieber häufig Anwendung.

Bei Spannungskopfschmerzen zuerst ein Glas Wasser trinken

"Schmerzmittel sind wichtig und können bei vielen Leiden helfen. Aus gesundheitlichen Gründen ist es aber wichtig zu schauen, ob es auch ohne den Einsatz der Mittel geht", rät Gendolla. Bei Menstruationsbeschwerden etwa sind Wärmflasche und Ruhe oftmals ebenso gut wie Tabletten. Bei Spannungskopfschmerzen lindern häufig ein großes Glas Wasser und Entspannung die Beschwerden. Und: "Bei den meisten Rückenschmerzpatienten hat sich Bewegung als deutlich effektiver erwiesen als die Einnahme von Schmerzmitteln, wie Studien zeigen konnten."

Wann Schmerzmittel selbst Schmerzen verursachen

Die Einnahme von Schmerzmitteln ist nie ohne Risiken: Ibuprofen ist vor allem für die Nieren kritisch. Paracetamol kann die Leber angreifen. ASS ist für den Magen eine Belastung und kann unter anderem zu inneren Blutungen führen. Es ist sogar möglich, dass die Schmerzmittel selbst zu Schmerzen führen: chronischen Dauerkopfschmerzen. Mediziner sprechen dann von sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerzen, kurz MÜK, oder schmerzmittelbedingten Kopfschmerzen.

Zu den Kopfschmerzen kommt es durch Veränderungen in dem Teil des Nervensystems, welches die Schmerzreize verarbeitet. Wer gegen den Schmerz weitere Tabletten einnimmt, läuft Gefahr, dass sich der Körper an die Substanzen gewöhnt. Ein Teufelskreis entsteht, der sich nur mit einer Medikamentenpause durchbrechen lässt. Um Nebenwirkungen vorzubeugen, sind regelmäßige Arztbesuche laut der Expertin unerlässlich. So könnten Wirkstoffe und Dosierungen angepasst und wenn nötig zusätzliche Medikamente, beispielsweise Magenschoner, verschrieben werden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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