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In Frankreich gibt es eine Impfpflicht – in Deutschland nicht. Und das hat Folgen.

Aufregung ums Impfen  

In Frankreich Pflicht, in Deutschland nicht – und das hat Folgen

22.01.2018, 14:15 Uhr | Larissa Koch, t-online.de

In Frankreich gibt es eine Impfpflicht – in Deutschland nicht. Und das hat Folgen.. Impfstoff in Ampulle (Quelle: Getty Images/Andrew Brookes)

Impfstoff: Fluch oder Segen? Befürworter von Impfungen sind dankbar. Gegner sind in hoher Aufregung. (Quelle: Andrew Brookes/Getty Images)

Impfen ist in Deutschland weitverbreitete Praxis, aber es gibt keine Pflicht, wie etwa in Frankreich oder Italien. Ein aktueller Masernfall entfacht die Debatte jetzt neu. Ein Austauschschüler aus Guatemala hatte sich in Lübeck mit Masern infiziert und die Krankheit in seine Heimat geschleppt. Dort war sie zuvor erfolgreich ausgerottet worden. 

In Deutschland lassen die meisten Eltern ihre Kinder impfen. Aber einige Impfgegner machen es möglich, dass bestimmte Infektionskrankheiten nicht von der Landkarte verschwinden. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren etwa Ausbrüche von Masern. Der Erreger kann tödliche Folgen haben, weil er Lungen- und Hirnhautentzündungen auslösen kann. Manchmal mit tödlichen Folgen.

Impfgegner sehen hingegen mehr gesundheitliche Nachteile und hohe Risiken durch Impfungen. Eine Impfpflicht, wie sie in einigen Ländern Europas besteht, kritisieren sie scharf. Die Gegner fürchten folgenreiche Nebenwirkungen. Außerdem sind die Argumente der Impfbefürworter aus ihrer Sicht nicht immer haltbar.

Argumente der Impfgegner

Es gibt unzählige Plattformen im Internet, auf denen Impfgegner ihre Argumente gegen Schutzimpfungen veröffentlichen. Dazu gehört etwa die Annahme, dass durch die Injektionen schwere Krankheiten ausgelöst werden können:

  • Impfungen könnten Multiple Sklerose (MS) auslösen oder verschlimmern.
  • Quecksilberbestandteile und Aluminium in Impfstoffen schadeten dem Organismus.
  • Manche Impfungen könnten Autismus verursachen.
  • Einige Impfungen könnten Diabetes Mellitus Typ 1 auslösen.
  • Die Zusatzstoffe in Impfungen könnten zahlreiche schädliche Reaktionen auslösen und bergen vor allem für Allergiker Gefahren.

Außerdem monieren Impfgegner Misstände im Gesundheitssystem. Dazu gehören aus ihrer Sicht unter anderem: 

  • Behörden würden Erkrankungsrisiken von Infektionen systematisch aufbauschen, um die Notwendigkeit von Impfungen zu begründen.
  • Alternativen zum Schutz vor Infektionen würden verschwiegen.
  • Die gesundheitlichen Vorteile, die das natürliche Durchleben einer Infektion mit sich brächten, würden nicht erwähnt.
  • Bei der Zulassung von Impfstoffen würden keine Wirknachweise verlangt, die belegen, dass eine Erkrankung durch Impfung nicht zu erwarten ist. Es würden nur unzuverlässige Blutwerte als Beleg herangezogen.
  • Es würden vergleichende Studien zur Impfstoffsicherheit fehlen.
  • Das Meldesystem für Impfkomplikationen sei unzureichend, die Dunkelziffer der unerwünschten Nebenwirkungen nicht abschätzbar.

Was sagen die Impfbefürworter?

Schwerwiegende Erkrankungen, Epidemien und Pandemien würden durch Impfungen verhindert. Nebenwirkungen seien in den allermeisten Fällen nur sehr gering und von kurzer Dauer. Impfstoffe seien sicher und es gebe keinen Zusammenhang zwischen Schutzimpfungen und der Entstehung der oben genannten Krankheiten und weiterer, etwa durch Qucksilberbestandteile oder Aluminium. Die Mengen dieser Zusatzstoffe seien zu gering und bewegten sich unterhalb der Grenzwerte, heißt es. Die Vorteile von Schutzimpfungen überwiegen demnach die Nachteile weit. Dies belegten zahlreiche wissenschaftliche Studien.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (das sind u. a. Antibotika) und bezieht ausführlich auf seiner Internetseite Stellung zum Thema Nebenwirkungen von Impfstoffen und verweist auf entsprechende Untersuchungen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Reihe von Impfungen als Standard. Die Mehrheit der Länder orientiert sich daran und gibt eigene landesspezifische Empfehlungen für ihre Bevölkerung heraus. In Deutschland ist dafür die Ständige Impfkommission (STIKO) mit Sitz am Robert-Koch-Institut (RKI) zuständig. Die Behörde empfiehlt derzeit 14 Schutzimpfungen für Kinder in ihrem Impfkalender, den sie jährlich herausgibt.

Werden Impfungen nur von einem Teil der Bevölkerung durchgeführt, fehlt der Schutz und Infektionskrankheiten können sich weiterverbreiten. Um beispielsweise Masernviren effektiv zu stoppen, ist eine Impfrate von 95 Prozent der Bevölkerung erforderlich. Nur so kann eine sogenannte Herdenimmunität entstehen. 

Herdenimmunität – Definition Robert-Koch-Institut:

Wenn eine Person sich impfen lässt, schützt das nicht nur diese Person selbst, sondern die erworbene Immunität ist auch für den Rest der Population wertvoll, da eine geimpfte Person die Krankheit nicht mehr verbreiten kann. Mit einer Impfung schützt man also auch andere Personen, die sich noch nicht oder gar nicht impfen lassen können, zum Beispiel Babys oder immungeschwächte Menschen. Wenn genügend Menschen geimpft sind, führt der Gemeinschaftsschutz dazu, dass eine Krankheit ausgerottet wird. Meistens wird in Aufklärungsmaterialien eher der individuelle Nutzen von Impfungen betont. Der Gemeinschaftsnutzen von Impfungen wird jedoch selten ausreichend erklärt.

In folgenden Ländern Europas herrscht eine Impfpflicht für verschiedene Infektionskrankheiten: Belgien (nur Kinderlähmung) Frankreich (elf Erreger), Italien (fünf Erreger), Lettland (zehn Erreger), Kroatien (zehn Erreger), Ungarn (zehn Erreger), Tschechische Republik (neun Erreger).

Quellen und weiterführende Informationen:

- Informationen des Robert-Koch-Instituts zur Sicherheit von Impfungen 

- Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – Antworten auf kritische Fragen zum Thema Impfungen und ImpfstoffeInformationen zu Impfnebenwirkungen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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