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Coronavirus: So bereiten sich Deutschlands Krankenhäuser vor

Belastung an Kliniken  

Wie gut ist Deutschland auf den Notstand vorbereitet?

26.03.2020, 12:08 Uhr
Coronavirus: So bereiten sich Deutschlands Krankenhäuser vor . Intensivstation: Hat Deutschland ausreichend Betten und Personal, um die Coronakrise zu stemmen? (Quelle: imago images/Lichtgut)

Intensivstation: Hat Deutschland ausreichend Betten und Personal, um die Coronakrise zu stemmen? (Quelle: Lichtgut/imago images)

Der Blick nach Italien bereitet vielen Sorgen: Ist Deutschland gut genug auf das Coronavirus vorbereitet? Wie viele Intensivbetten gibt es? Und wie viele Pfleger, Ärzte und Krankenschwestern können sich um Erkrankte kümmern?

"Wir haben genügend Betten, aber nicht genügend Personal", sagte Gesundheits- und Krankenpfleger Alexander Jorde Mitte März im Interview mit t-online.de in Bezug auf das deutsche Gesundheitssystem und das Coronavirus. Doch wie gut ist Deutschland wirklich vorbereitet? Wie viele Betten gibt es, wie viele Beatmungsgeräte stehen zur Verfügung, wie viele Pfleger, Ärzte und Krankenschwestern stehen bereit?

Coronavirus: Zahlen der Krankenhäuser

"Das Corona-Virus und seine Auswirkungen auf die Versorgung stellen für die deutschen Krankenhäuser eine große Herausforderung dar. Die Kliniken sind aber bestmöglich aufgestellt und bereiten sich intensiv auf steigende Infektions- und Patientenzahlen vor", erklärte kürzlich der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum. 

In Deutschland gebe es aktuell (März 2020) bundesweit 28.000 Intensivbetten, davon 20.000 mit Beatmungsmöglichkeit. Diese sind durchschnittlich mit einer Quote von 70 bis 80 Prozent belegt. Das heißt, es gibt im Moment ausreichend Kapazitäten für die schwerkranken Corona-Patienten. Hinzu kommen 497.000 Krankenhausbetten und circa 50 Unterdruck-Zimmer zur Isolation sowie 1.200 Intensivstationen. 

Das statistische Bundesamt hat für 2018 rund 1,175 Millionen Angestellte im Gesundheitswesen der Krankenhäuser gezählt. Hinzu kommen etwa 716.000 Menschen in der stationären oder teilstationären Pflege und 700.000 Personen, die in Arztpraxen arbeiten. 

In den deutschen Kliniken werden nach Angaben der DKG derzeit (Stand: 25. März 2020) rund 1.000 Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt. Insgesamt betreuten die Häuser aktuell bis zu 4.000 Corona-Patienten, sagt DKG-Präsident Gerald Gaß den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die DKG erwartet demnach in den nächsten Tagen eine deutliche Steigerung der Infektionszahlen: "Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende dieser Woche mit etwa 70.000 registrierten Infektionen rechnen müssen", sagt Gaß.

Übersicht über Behandlungskapazitäten in Intensivregister

Die Intensiv- und Notfallmediziner der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmediziner (DIVI) haben unterdessen ein Register geschaffen, in dem Kliniken ihre Verfügbarkeiten eintragen können. Die rund 630 (Stand: 25. März 2020) bisher teilnehmenden Kliniken geben beispielsweise fast 5.000 Intensivbetten an, die innerhalb von 24 Stunden bereitgestellt werden könnten. An dem Register sind bereits die Hälfte aller Intensivstationen in Deutschland beteiligt, die Zahl der tatsächlich verfügbaren Betten liegt demnach aber noch deutlich höher, täglich tragen sich zudem mehr Kliniken ein. 

"Das DIVI Intensivregister ist bereits nach wenigen Tagen ein großer Erfolg", freuen sich sie Entwickler Dr. Linus Grabenhenrich vom Robert Koch-Institut in Berlin und Dr. Mario Menk, Intensivmediziner an der Charité Berlin. "Die Bereitschaft der Kliniken ist wirklich toll! Und stündlich kommen neue oder aktualisierte Datensätze hinzu." 


Service für Feuerwehr und Rettungsdienste 

Durch das Register können auch Feuerwehr und Rettungsdienste, Patientenberatungen und die in Stadthallen, Schulen oder Hotels zentral eingerichteten Corona-Kliniken, schnell freie Bettenkapazitäten finden. Ein einfaches Ampelsystem signalisiert mit Rot, Gelb oder Grün die Verfügbarkeiten der jeweiligen Klinik. 

"Die Zahlen verfügbarer Intensivbetten und Beatmungsplätze machen Mut", sagen die DIVI-Sektionssprecher Karagiannidis und Weber-Carstens in einer Mitteilung. "Hier zeigt sich die hohe Bereitschaft vieler Kliniken, sich der Krise für die Bevölkerung entgegenzustemmen. Wir sind bereit!"

Vorbereitungen der Krankenhäuser

Deutschland befinde sich zwar noch einige Wochen vor den Verhältnissen in Italien, insbesondere in der Lombardei, wie Reinhard Busse, Gesundheitsökonom an der Technischen Universität Berlin, im Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur sagte. "Aber wir müssen uns ganz klar darauf vorbereiten."

Was Intensiv- und Beatmungsbetten betreffe, so stehe Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern besser da, erklärte der Ökonom in dem Interview: "Wir haben etwa zweieinhalb Mal so viele Beatmungsbetten pro Kopf der Bevölkerung wie Italien." Zudem würden Beatmungsmaschinen aus den OP-Sälen, in denen jetzt weniger operiert werde, auf Intensivstationen verschoben. Auch der Bund habe Beatmungsgeräte gekauft.  

Um die Kapazitäten zu erweitern würden laut DKG nun auch Reha-Kliniken zunächst heruntergefahren. Mit der seit dem 16. März gültigen Vorgabe, planbare Operationen zu verschieben, werden zudem kurzfristig weitere Kapazitäten auch auf Intensivstationen frei gemacht. Zusätzlich laufen in allen Krankenhäusern Bestrebungen, mittelfristig weitere Beatmungsplätze zu schaffen und zusätzliche Beatmungsgeräte anzuschaffen.

"Wir glauben, dass die Intensivkapazitäten in den bestehenden Strukturen um 20 Prozent aufgestockt werden können", heißt es in einer Mitteilung der DKG. Zudem werde es weitere, mit zusätzlicher Medizintechnik und verfügbarem Personal ausgestattete Stationen geben, die intensivere Behandlungsmöglichkeiten ermöglichen, als dies üblicherweise auf Normalstationen der Fall ist. "Wir rüsten damit unsere Behandlungskapazitäten insgesamt so auf, dass wir deutlich mehr schwer kranke, auch beatmete, Patienten behandeln können." 

Als weitere, konkrete Vorbereitungsmaßnahmen nennt die DKG: 

  • Information und Schulung der Mitarbeiter
  • Prüfung von Beständen und Bevorratung mit persönlicher Schutzausrüstung, Arzneimitteln und viruszerstörenden Desinfektionsmitteln
  • Information von Patienten und Besuchern
  • Abtrennung von Isolationsbereichen
  • Einrichtung möglicher Zugangskontrollen

Vorbereitungen ehrenamtlicher Rettungsdienste

Nicht nur Ärzte und Pflegekräfte der Kliniken, auch ehren- und hauptamtliche Helfer der Rettungsdienste wie Malteser, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) oder Johanniter bereiten sich auf den Notstand durch die Corona-Krise vor und helfen bereits jetzt bei der Versorgung von Patienten und Risikogruppen.

Mehr als 3.000 Helferinnen und Helfer seien aktuell (Stand: 25. März 2020) im Bereich Katastrophenschutz tätig, sagte der Pressesprecher der Malteser, Klaus Walraf, auf Anfrage von t-online.de Ende März. "An 280 Standorten im Land sind sie bereits im Einsatz oder stehen bereit, weitere Tausende könnten folgen." Hinzu kommen laut Walraf rund 3.000 Ehrenamtliche, die an 140 Standorten beispielsweise Einkaufsservice, Telefonbesuchsdienste oder andere soziale Aufgaben rund um das Coronavirus erfüllen. 

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist deutschlandweit im Einsatz. "Die Aufgaben reichen von der Unterstützung bei den ersten vier repatrie und dem Betrieb der drei zentralen Einrichtungen in Germersheim, Köpenick und Kirchheim über die Unterstützung bei der Beprobung und dem Betrieb von Fieberambulanzen, über Fahrdienste und Notbetreuung in DRK Kindergärten, bis hin zur Nachbarschaftshilfe", teilt eine Sprecherin auf Anfrage von t-online.de mit. Auch bei Rettungsdiensten und in der Pflege seien Ehrenamtliche im Einsatz. "Viele Landes- und Kreisverbände rufen aktiv Freiwillige dazu auf, zu helfen, wie zum Beispiel der Landesverband Sachsen mit der Aktion ,Team Sachsen'. Dort haben sich binnen weniger Tage hunderte Freiwillige gemeldet", berichtet die Sprecherin. Zusätzlich gebe es einen Nothilfefonds, der Spenden für Hilfsprojekte zum Coronavirus sammle. 

Gibt es ausreichend Schutzausstattung?

Immer wieder spielt auch die mangelnde Ausstattung von Hausärzten, Kliniken und Pflegepersonal mit Schutzausrüstung eine große Rolle bei der Frage, wie gut Deutschland auf eine weitere Ausbreitung des Coronavirus vorbereitet ist. Erst kürzlich verschwand eine Lieferung an Schutzmasken


Auch das Bundesinnenministerium gibt an: "Der Krisenstab hat die außerordentliche Dringlichkeit für die Beschaffung medizinischer Schutzausrüstung sowie von intensivmedizinischen Kapazitäten festgestellt. Das BMG beschafft diese zentral für Arztpraxen, Krankenhäuser sowie für Bundesbehörden." 

Die DKG sieht vor allem ein Problem in der Globalisierung: "Die Globalisierung wirkt sich auch auf die Lieferketten im Arzneimittelbereich sowie der persönlichen Schutzausrüstung aus. Die zunehmend nach Asien verlagerte Wirkstoffproduktion und Medikamentenherstellung lässt bei einer länger anhaltenden Epidemie in China auch Lieferschwierigkeiten befürchten. Hier muss die Politik sicherstellen, dass eine europäische Wirkstoff- und Medikamentenproduktion wieder aufgebaut und gewährleistet werden kann."

Um dem Problem fehlender Ausrüstung wie Schutzmasken und Desinfektionsmitteln entgegen zu wirken, haben einige Firmen bereits ihre Produktion von alkoholischen Getränken auf Desinfektionsmittel oder von Kleidung auf Schutzmasken umgestellt. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft 
  • Statistisches Bundesamt 
  • Deutschlandfunk Kultur: Wie belastbar sind deutsche Kliniken?
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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