Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus >

Alkohol und Corona-Krise: Wie viel Konsum ist schädlich?

Warnsignale erkennen  

Alkoholkonsum in der Corona-Zeit: Wie viel ist zu viel?

Von Melanie Weiner

17.05.2020, 13:13 Uhr
Alkohol und Corona-Krise: Wie viel Konsum ist schädlich?. Rotwein: In Zeiten von Kontaktbeschränkungen trinken viele Menschen vermehrt zu Hause Alkohol. (Quelle: Getty Images/Ridofranz)

Rotwein: In Zeiten von Kontaktbeschränkungen trinken viele Menschen vermehrt zu Hause Alkohol. (Quelle: Ridofranz/Getty Images)

Kneipen und Bars sind geschlossen – Alkohol wird dennoch getrunken. Bei vielen Menschen steigt der Konsum sogar seit Beginn der Corona-Krise. Ist das vermehrte Trinken in Ordnung? Ab wann wird es zum Problem?

Wein, Sekt und Bier: Seit Beginn der Corona-Pandemie kaufen die Deutschen deutlich mehr Alkohol. Von Ende Februar bis Ende März gingen gut ein Drittel mehr Weinflaschen über die Ladentheken als im gleichen Zeitraum 2019, berichtete der Marktforscher GfK. Auch bei klaren Spirituosen wie Gin oder Korn betrage die Steigerung 31,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Warum die Suchtgefahr in der Corona-Krise steigt

Die Menschen kaufen nicht nur, sie trinken auch zu Hause mehr Alkohol als zuvor, meinen einige. Doch verlässliche Zahlen liegen dazu noch nicht vor. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte bereits zu Beginn der Corona-Krise vor einem erhöhten Alkoholkonsum, der in der sozialen Isolation drohen könnte.

"Alkohol wird häufig als vermeintlicher Sorgenlöser genutzt, und es ist auch verständlich, dass angesichts der derzeitigen Lage Entspannung gesucht wird – in welcher Form auch immer", erklärte Christina Rummel von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) dem "Handelsblatt". "Die Gefahr ist, dass man sich an den Konsum gewöhnt und der regelmäßige Konsum zu einer Suchtproblematik führen kann."

Dass die Corona-Krise die Einstellung der Menschen zu Alkohol tatsächlich beeinflusst, zeigt auch eine Veröffentlichung im Fachblatt "JAMA". Die Autoren fanden heraus, dass die Pandemie und die damit verbundenen Regeln und Maßnahmen eine erhebliche Zunahme von unter anderem Angstzuständen, Depressionen und Medikamenten- und Drogenmissbräuchen zur Folge haben. Dazu zählt auch Alkohol. Vor allem psychisch kranke und labile Menschen seien gefährdet.

Wichtig: Die Behauptung, Alkohol zu trinken könne helfen, Coronaviren im Körper abzutöten, ist falsch. Denn der Alkohol gelangt über die Speiseröhre in den Magen-Darm-Trakt. Dort kann er gegen das Virus nichts ausrichten, da dieses in der Lunge und in den Atemwegen sitzt. Grundsätzlich kann reiner Alkohol nur dazu dienen, beispielsweise Flächen von Viren zu befreien, im Körper wirkt er nicht desinfizierend.

Alkohol kann Risiko für schweren Covid-19-Verlauf steigern

Erhöhter Alkoholkonsum schadet so gut wie jedem Organ im Körper. Vor allem die Leber als Entgiftungsorgan kann durch übermäßiges Trinken langfristig geschädigt werden. Die Folge: Das Risiko für Krebserkrankungen wie Mund-, Speiseröhren-, Leber-, Brust- und Darmkrebs kann durch hohen Alkoholkonsum steigen.

Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge ist Alkohol ein Zellgift, das auch das Immunsystem schwächt. Damit könne die Fähigkeit des Körpers, mit Infektionen umzugehen, verringert werden. Außerdem erhöhe starker Alkoholkonsum das Risiko eines akuten Atemnotsyndroms. Dieses ist eine der schwerwiegendsten Komplikationen von Covid-19.

Alkohol trinken: Ein 0,2-Liter-Glas Wein enthält etwa 19 Gramm Alkohol, ein herkömmliches Bierglas rund 20 Gramm. (Quelle: Getty Images/Instants)Alkohol trinken: Ein 0,2-Liter-Glas Wein enthält etwa 19 Gramm Alkohol, ein herkömmliches Bierglas rund 20 Gramm. (Quelle: Instants/Getty Images)

Wie viel Alkohol ist noch in Ordnung?

Für die Menge an Alkohol, die ein gesunder Erwachsener zu sich nehmen kann, ohne sich zu schaden, hat die DHS Grenzwerte ermittelt:

  • So sollten Männer täglich nicht mehr als 20 bis 24 Gramm des Stoffes zu sich nehmen, was in etwa einem halben Liter Bier oder einem Glas Wein entspricht.
  • Bei Frauen wird diese Höchstmarke noch tiefer angesetzt: Sie sollten täglich nicht mehr als 0,25 Liter Bier oder 0,12 Liter Wein trinken – das macht insgesamt 10 bis 12 Gramm Alkohol.

Doch auch diese Werte gelten laut DHS nur für einen risikoarmen, also keinen risikofreien Alkoholkonsum. Zwei Tage pro Woche sollten komplett alkoholfrei sein, damit sich keine Gewöhnung einstellt, die zur Abhängigkeit führen kann. Natürlich ist eine Alkoholabstinenz am gesündesten.

Ab wann spricht man von Alkoholabhängigkeit?

Alkoholabhängigkeit (Alkoholismus) ist eine Erkrankung, die sich meist schleichend entwickelt. Sie kann körperliche, psychische sowie soziale Symptome hervorrufen. Prinzipiell kann jeder Mensch, der alkoholische Getränke konsumiert, alkoholabhängig werden. In Deutschland sind rund drei Prozent der Erwachsenen davon betroffen.

Aus suchtmedizinischer Sicht ist die Unterscheidung zwischen normalem Alkoholkonsum und süchtigem Trinken oft schwierig. Laut WHO besteht eine behandlungsbedürftige Alkoholabhängigkeit, wenn mindestens drei der folgenden sechs Kriterien in den vergangenen zwölf Monaten erfüllt worden sind:

  1. Craving – ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken
  2. Kontrollverlust über den Alkoholkonsum bezüglich Beginn oder Menge
  3. Toleranzentwicklung gegenüber der Alkoholwirkung – das heißt, um den gewünschten Effekt zu erreichen, müssen zunehmend größere Mengen Alkohol getrunken werden
  4. Einengung auf das Alkoholtrinken und dadurch Vernachlässigung anderer Interessen
  5. Anhaltender Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen (körperlich, psychisch oder sozial)
  6. Körperliche Entzugserscheinungen wie Schwitzen oder Zittern bei Reduzierung der Alkoholmenge oder Abstinenz

Selbsttest: Sind Sie alkoholgefährdet?

Die DHS empfiehlt, den eigenen Alkoholkonsum – besonders in Zeiten der Corona-Krise – kritisch zu hinterfragen. Es gibt verschiedene Tests, die eine Selbsteinschätzung der Gefährdung durch Alkohol zulassen. Der CAGE-Fragebogen etwa besteht aus vier Fragen. Werden zwei davon mit "Ja" beantwortet, ist eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich:

  1. Haben Sie schon einmal daran gedacht, weniger zu trinken?
  2. Haben Sie sich jemals über die Kritik anderer Personen an Ihrem Trinkverhalten geärgert?
  3. Haben Sie sich wegen Ihres Trinkverhaltens schuldig gefühlt?
  4. Haben Sie morgens Alkohol getrunken, um wach zu werden oder sich konzentrieren zu können?

Beratungsstellen, Hilfsangebote und weitere Informationen finden Sie bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal