Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus >

Corona: Dieses Symptom betrifft etwa die Hälfte der Covid-Patienten | Studie

Studie zu neurologischen Folgen  

Schweres Symptom betrifft etwa die Hälfte der Covid-Patienten

11.05.2021, 17:24 Uhr
Corona: Dieses Symptom betrifft etwa die Hälfte der Covid-Patienten | Studie. Müdigkeit: Viele Corona-Patienten klagen auch Wochen nach der Infektion über Symptome. (Symbolbild) (Quelle: Getty Images/Tinpixels)

Müdigkeit: Viele Corona-Patienten klagen auch Wochen nach der Infektion über Symptome. (Symbolbild) (Quelle: Tinpixels/Getty Images)

Das Virus ist aus dem Körper, doch die Symptome dauern an – in manchen Fällen Wochen oder sogar Monate. Eine Studie zeigt, von welchen neurologischen Beschwerden Corona-Patienten am häufigsten betroffen sind.

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie wurde bekannt, dass die Krankheit Covid-19 nicht nur die Atemwege betrifft, sondern auch eine große Bandbreite neurologischer Symptome und Begleiterscheinungen hervorrufen kann.

Zahlreiche Fallberichte und Studien belegen, dass im Verlauf der Erkrankung häufig neurologische Beschwerden wie Geruchs- und Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und das sogenannte Fatigue-Syndrom (dauerhafte Erschöpfung und Abgeschlagenheit) auftreten.

Darüber hinaus kommen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) gerade bei schweren Verläufen auch sogenannte Enzephalopathien (Bewusstseinsstörungen und Störungen der Hirnfunktionen) häufig vor. Ein Delir sei vor allem bei älteren Personen ein Symptom von Covid-19, so die DGN. Und auch lebensbedrohliche neurologische Komplikationen könnten während oder direkt nach einer Covid-19-Erkrankung auftreten – darunter Schlaganfälle oder das Guillain-Barré-Syndrom.

Neue US-Studie zu neurologischen Symptomen bei Covid-19

Eine aktuelle Untersuchung von Forschern der Universität Pittsburgh (USA) zeigt: Acht von zehn Personen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten, entwickelten neurologische Probleme. Sie haben der im englischsprachigen Fachblatt "JAMA Network Open" veröffentlichten Studie zufolge auch ein sechsmal höheres Risiko zu sterben als Patienten ohne diese neurologischen Komplikationen.

"Schon sehr früh in der Pandemie wurde deutlich, dass eine große Anzahl von Menschen, die krank genug waren, um ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, auch neurologische Probleme entwickelten", sagte die Studienautorin Sherry Chou, Professorin für Intensivmedizin, Neurologie und Neurochirurgie an der University of Pittsburgh School of Medicine.

"Ein Jahr später kämpfen wir immer noch gegen einen unbekannten unsichtbaren Feind, und wie in jeder Schlacht brauchen wir Informationen – wir müssen so viel wie möglich über die neurologischen Auswirkungen von Covid-19 bei aktiv erkrankten Patienten und bei Überlebenden lernen."

Akute Enzephalopathie als häufigstes Symptom

Die Forscher untersuchten schwere Covid-Fälle auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Von einer Gruppe von 3.744 hospitalisierten erwachsenen Covid-19-Patienten hatten demnach 82 Prozent neurologische Symptome:

  • Etwa vier von zehn Patienten gaben an, Kopfschmerzen zu haben,
  • etwa drei von zehn klagten über einen verlorenen Geruchs- oder Geschmackssinn,
  • fast die Hälfte der Patienten zeigte eine akute Enzephalopathie (Funktionsstörungen des Gehirns),
  • 17 Prozent erlitten ein Koma und
  • sechs Prozent einen Schlaganfall.

"Die akute Enzephalopathie ist bei Weitem das häufigste Symptom, das wir in der Klinik sehen", sagte Chou. "Diese Patienten können sich in einem veränderten sensorischen Zustand befinden oder ein beeinträchtigtes Bewusstsein haben, oder sie fühlen sich nicht wie sie selbst und verhalten sich verwirrt, delirant oder unruhig."

Trotz anfänglicher Befürchtungen, dass das Coronavirus das Gehirn direkt angreifen und Hirnschwellungen und -entzündungen verursachen könnte, waren diese Ereignisse laut den Forschern sehr selten. Sie traten bei weniger als einem Prozent der hospitalisierten Covid-19-Patienten auf.

Neurologische Spätfolgen müssen weiter untersucht werden

Die DGN sieht aufgrund der Häufigkeit und Schwere der neurologischen Symptome einen großen Forschungsbedarf. "Neurologische Langzeitfolgen betreffen einen hohen Anteil der Covid-19-Patienten und wir müssen diese Menschen neurologisch nachbetreuen. Bei vielen Betroffenen verbessern sich die neurologischen Symptome zwar im Laufe der Zeit, aber wir haben auch Patienten, die bereits in der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr 2020 erkrankten und bis heute nicht beschwerdefrei sind", erklärt Professor Peter Berlit, DGN-Generalsekretär.

Da es sich bei Covid-19 um eine neuartige Krankheit handle, müssen die Ursachen der Symptome und Spätfolgen geklärt werden, um gezielt etwas gegen die neurologischen Beschwerden unternehmen zu können, so Berlit.

Um die Langzeitfolgen zu erforschen, wurde eine Arbeitsgruppe mit dem Namen "Neurologie im Nationalen Pandemie Kohorten Netz" (NAPKON) etabliert. Besonders wichtig sei dabei die Frage, ob die Viruserkrankung womöglich auch langfristig die Kognition beeinträchtigen oder sogar die Entstehung neurodegenerativer Folgeerkrankungen – wie zum Beispiel Alzheimer – im Alter begünstigen kann. Wirklich gesicherte Antworten auf diese Fragen werde es allerdings erst in einigen Jahren – oder sogar Jahrzehnten – geben.

Verwendete Quellen:
  • JAMA Network Open
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: