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Was bedeutet das Clarkson-Syndrom?

Von t-online, mra, sms, df

Aktualisiert am 10.04.2021Lesedauer: 5 Min.
Ein Mann wird in einem mobilen Impfzentrum geimpft: Die Nutzung des Astrazeneca-Impfstoffs wird in Deutschland erneut eingeschränkt.
Ein Mann wird in einem mobilen Impfzentrum geimpft: Die Nutzung des Astrazeneca-Impfstoffs wird in Deutschland erneut eingeschränkt. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-bilder)
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Nach dem Chaos um Thrombose-Fälle nach Astrazeneca-Impfungen sorgt das Vakzin jetzt erneut für Schlagzeilen. Das seltene Clarkson-Syndrom könnte im Zusammenhang mit der Impfung stehen.

Das Wichtigste im Überblick


Bereits Mitte März waren in Deutschland Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca mehrere Tage vorsorglich ausgesetzt worden. Nach einer Prüfung erklärte die Europäische Arzneimittelbehörde (Ema), das Präparat sei sicher. Dennoch schränkten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern die Nutzung erneut ein. Jetzt untersucht die Ema eine Verbindung zwischen dem Astrazeneca-Vakzin und dem sogenannten Clarkson-Syndrom. Wir klären die aktuell wichtigsten Fragen.


Einfach erklärt: Die Etappen bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs

Die Entwicklung eines Impfstoffs startet mit der Arbeit im Labor. Zuerst muss das Virus analysiert und verstanden werden, über welche Mechanismen der Erreger die Immunreaktionen des Körpers auslöst. Erst dann folgen die eigentlichen Etappen bis hin zur Zulassung. (Symbolbild)
Etappe 1 – Erprobung an Tieren: Zunächst wird getestet, wie wirksam und verträglich der Impfstoff ist. Neben Affen nutzen Forscher bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 auch Frettchen und genetisch veränderte Mäuse. (Symbolbild)
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Was bedeutet das Clarkson-Syndrom?

Die Europäische Arzneimittelagentur Ema untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff und fünf Fällen des Clarkson-Syndroms gibt.

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Beim Clarkson-Syndrom, das auch als Kapillarlecksyndrom bezeichnet wird, handelt es sich um ein sehr seltenes Phänomen. Dabei ist die Durchlässigkeit der Kapillargefäße zu hoch, sodass Plasma austritt und es zu Ödemen und einem Abfall des Blutdrucks kommen kann. In den meisten Fällen leiden die Betroffenen zunächst an Schmerzen im Bereich des Bauches und an Übelkeit. Es können aber auch ernsthafte Komplikationen wie ein Herz-Kreislauf-Kollaps oder eine Niereninsuffizienz folgen.

Das Clarkson-Syndrom ist sehr selten und wenig erforscht. Auch ist noch unklar, ob es eventuell eine genetische Ursache für die Krankheit gibt. Weltweit sind bis zum Jahr 2002 nur 57 Fälle weltweit dokumentiert. Betroffen sind sowohl Kinder als auch Männer und Frauen im Alter zwischen neun und 67 Jahren. Bislang gibt es noch keine Standardtherapie zur Behandlung des Syndroms.

Was gilt jetzt wo für den Astrazeneca-Impfstoff?

Die Gesundheitsminister beschlossen Ende März, dass das Mittel von Astrazeneca ohne Einschränkung nur noch bei über 60-Jährigen eingesetzt werden soll. Personen unter 60 Jahren sollen sich nur "nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung" weiterhin damit impfen lassen können, heißt es in dem Beschluss. Zuvor hatte die Ständige Impfkommission eine entsprechende Altersbeschränkung für Astrazeneca empfohlen. Einige Bundesländer, Kommunen und Kliniken hatten die Impfungen bereits im Laufe des Tages ausgesetzt.

Den Ländern soll es frei stehen, auch jetzt schon die 60- bis 69-Jährigen für das Astrazeneca-Mittel in ihre Impfkampagnen mit einzubeziehen. "Dies gibt die Möglichkeit, diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden dritten Welle nun schneller zu impfen", erläutern die Gesundheitsminister. Derzeit laufen generell Impfungen in den ersten beiden Prioritätsgruppen, zu denen Menschen ab 70 Jahren gehören. Wenn Menschen unter 60 sich gemeinsam mit einem impfenden Mediziner für Astrazeneca entscheiden, sollen diese Impfungen nicht in den Impfzentren, sondern in Arztpraxen geschehen.

Warum schränkt Deutschland die Impfungen ein?

Wie das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mitteilte, starben bis Ende März neun Menschen in Deutschland nach einer Astrazeneca-Impfung durch eine Sinusvenenthrombose. Es seien bis dahin 31 Fälle einer solchen Thrombose mit zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet worden. In 19 Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie festgestellt worden – das heißt, dass die Zahl der Thrombozyten, also Blutplättchen, bei den Betroffenen zu niedrig war.

Mit Ausnahme von zwei Fällen seien immer Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen gewesen, die beiden Männer seien 36 und 57 Jahre alt gewesen, erklärte das PEI. Die Fälle der Thrombosen seien nach der ersten Impfung aufgetreten. Bis Montagmittag wurden demnach rund 2,7 Millionen Erstdosen des Mittels verabreicht.

Was ist eine Hirnvenenthrombose und wie häufig ist sie?

Bei einer Hirnvenenthrombose – in der Fachsprache auch Sinusvenenthrombose genannt – handelt es sich um Blutgerinnsel, die bestimmte Venen im Gehirn verschließen können. Zentrales Symptom der Erkrankung, die tödlich enden kann, sind Kopfschmerzen. Daneben können Erkrankte etwa epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen bekommen.

Diese Form der Thrombose ist in der Bevölkerung zwar selten, wird aber regelmäßig diagnostiziert. "Sinusvenenthrombosen treten etwa einmal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf, das heißt die jährliche Inzidenz liegt bei rund 1 auf 100.000", erklärte Neurologe Berlit. Ursachen dafür können unter anderem bakterielle oder virale Infektionen sowie bestimmte Medikamente sein. Mehr zu den Symptomen und Ursachen einer Hirnvenenthrombose lesen Sie hier.

Welche Rolle spielt die Altersgruppe?

Bei den Altersempfehlungen für Astrazeneca gab es inzwischen schon Änderungen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte das Mittel zuerst nur für Menschen unter 65 Jahre empfohlen, wegen mangelnder Studiendaten für Ältere. Etwas später wurde dies aber aufgehoben und die Impfung für alle ab 18 empfohlen. Nach dem Bekanntwerden der jüngsten Fälle beschloss das Gremium nun, das Mittel erst ab 60 zu empfehlen. Überhaupt geimpft wurden bisher Menschen aus zwei Gründen: wegen ihres Alters oder wegen ihres Berufs, etwa im Gesundheitswesen oder im Bildungswesen. Wegen der Stiko-Empfehlung bekamen Ältere eher Biontech/Pfizer, Jüngere eher Astrazeneca.

Was passiert jetzt mit bereits Geimpften?

Nach dem ersten Astrazeneca-Impfstopp hieß es: Alle Menschen, die kürzlich mit dem Präparat geimpft wurden, hätten keine Folgen mehr zu befürchten, wenn ihre Impfung mindestens 16 Tage zurückliege. Ansonsten sollten sie einen Arzt aufsuchen, wenn sie sich noch mehr als vier Tage nach der Impfung unwohl fühlen sollten. Zu den abzuklärenden Symptomen gehören etwa starke oder anhaltende Kopfschmerzen sowie punktförmige Hautblutungen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben eine Entscheidung über den Umgang mit Zweitimpfungen von Menschen, die bereits einmal mit dem Präparat von Astrazeneca geimpft wurden, vertagt. Es solle neue Beratungen unter Einbeziehung der Ständigen Impfkommission (Stiko) geben. Die Stiko hatte zuletzt empfohlen, auch bei einer bereits erfolgten Erstimpfung mit Astrazeneca bei Personen unter 60 Jahren für die Zweitimpfung auf die Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna auszuweichen.

Theoretisch ist es möglich, verschiedene Impfstoffe zu spritzen – jedoch liegen zu einer solchen Mischung nur wenige Studiendaten vor.

Wie gut ist man nach einer Impfdosis geschützt?

Menschen, die nach einer ersten Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff wegen des vorläufigen Stopps keine zweite Dosis erhalten, müssen sich nach Ansicht von Experten zunächst keine Sorgen um fehlenden Immunschutz machen. "Nach allem, was wir wissen, ist es nicht problematisch, die zweite Impfung aufzuschieben", sagte Stefan Kaufmann, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin bereits Mitte März. "Wir haben wenig Erfahrung, was die Dauer des Impfschutzes anbelangt, weil die Studien dazu ja gerade abgeschlossen sind. Mindestens sechs Monate sollte der nach der ersten Impfung aufgebaute Schutz aber halten."

Michael Lohoff von der Philipps Universität Marburg weist ebenfalls Mitte März auf den hohen Schutz vor schweren Verläufen hin, der nach der ersten Impfung aufgebaut werde. "30 Tage nach der ersten Impfung haben wir einen sehr guten Schutz vor schweren Verläufen. Das ist schon mal super." Grundsätzlich sei eine zweite Impfung allerdings besser, um das Immunsystem neu zu stimulieren.

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Dass bereits die erste Astrazeneca-Impfdosis einen guten Schutz vor schweren Verläufen vermittelt, geht unter anderem aus Daten aus Schottland hervor, die im Februar vorgestellt wurden. Demnach sank das Risiko einer Krankenhauseinweisung vier Wochen nach der ersten Dosis des Impfstoffes um bis zu 94 Prozent. Verglichen wurden bei dieser Analyse Menschen mit einer Impfung und Menschen ohne Impfung.

Wie bewertet die Ema den Impfstoff?

Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema gibt weiterhin grünes Licht für den Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca. Trotz sehr seltener Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen empfiehlt die Ema weiterhin uneingeschränkt die Anwendung des Impfstoffes. "Der Nutzen des Wirkstoffes bei der Bekämpfung von Covid-19 ist deutlich höher zu bewerten als die Risiken", sagte Ema-Chefin Emer Cooke.

Die Experten stellten zwar einen Zusammenhang zwischen Impfstoff und Thrombosen bei einer sehr geringen Zahl von Blutplättchen fest. Dies trete allerdings sehr selten auf. Die Behörde hält damit weiterhin an ihrer Bewertung des Präparates fest.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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