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Coronavirus: Kann ich mich an Oberflächen mit Covid-19 infizieren?

Neue Erkenntnisse  

Kann ich mich an Oberflächen mit Corona infizieren?

05.05.2021, 14:54 Uhr | Von Christiane Braunsdorf

Coronavirus: Kann ich mich an Oberflächen mit Covid-19 infizieren?. Desinfektion gehört für uns längst zum Corona-Alltag: Doch ist das wirklich nötig? (Quelle: Getty Images/Halfpoint Images)

Desinfektion gehört für uns längst zum Corona-Alltag: Doch ist das wirklich nötig? (Quelle: Halfpoint Images/Getty Images)

Desinfizieren gilt als eines der Zauberworte im Kampf gegen Corona. Doch wie wahrscheinlich ist es, sich über eine sogenannte Kontaktinfektion – also über das Berühren von virusbelasteten Oberflächen – zu infizieren? Wissenschaftliche Erkenntnisse werden jetzt neu eingeordnet. 

Heute ist der Welttag der Handhygiene – und seit über einem Jahr haben wir gelernt: Händewaschen und das möglichst häufige Desinfizieren sind für den Kampf gegen die Corona-Pandemie besonders wichtig. Doch stimmt das wirklich?

Zahlreiche internationale Studien drehten sich im vergangenen Jahr um die Frage: Wie lange hält sich das Coronavirus auf Oberflächen und wie hoch ist das Risiko, sich beim Kontakt mit diesen anzustecken? So kam zum Beispiel die vor einem Jahr veröffentlichte Heinsberg-Studie von einem Team rund um den Bonner Virologen Hendrik Streeck zu der Erkenntnis: Selbst in dem damaligen Corona-Hotspot fand sich das Virus in den Proben, die von Oberflächen genommen wurden, nur in 3,36 Prozent – auf Türklinken, einer Fernbedienung und einer Kamin-Abdeckung. Und schnell stellte der Studienleiter klar: Es gelang in keinem Fall, aus diesen Proben ein aktives Virus anzuzüchten.

Andere Studien legten nahe, dass sich das Virus zwischen neun und sogar 28 Tagen auf Oberflächen halten könnte. Die Konsequenz: Fortan wurde überall fleißig desinfiziert. Nun scheinen die Experten zurückzurudern.

Neue Richtlinie der US-Seuchenschutzbehörde

Anfang April änderte die US-Seuchenschutzbehörde C.D.C. ihre entsprechenden Richtlinien. Demnach sei eine Desinfektion von Oberflächen nicht mehr in großem Umfang nötig. Wasser und Seife reichten zur Viruseindämmung aus. Oberflächen etwa in Bussen, Bahnen und Schulen müssten nur noch dann desinfiziert werden, wenn sich dort nachweislich ein Infizierter aufgehalten habe.

Diese Empfehlungen deuten auf eine Kehrtwende in der Beurteilung von Kontaktinfektionen hin. Wie die "New York Times" berichtet, gab die C.D.C-Direktorin, Rochelle Walensky, bei einem Briefing im Weißen Haus die Bewertung ab: Zwar bestehe die Möglichkeit zur Infektion über Oberflächen, dies sei jedoch nicht wahrscheinlich.

Desinfektion nicht immer nötig

Das Blatt zitiert die Viren-Expertin Linsey Marr mit den Worten: "Es gibt tatsächlich keine Beweise dafür, dass sich jemals jemand durch Berührung einer kontaminierten Oberfläche mit Covid-19 angesteckt hat."

Eine Desinfektion von Innenräumen – ob zu Hause oder in öffentlichen Gebäuden – ist nach den Richtlinien der C.D.C. nur noch dann nötig, wenn dort in den letzten 24 Stunden ein Verdachts- oder ein bestätigter Fall auftrat.

Was sagen die deutschen Experten?

Auch der Virologe Dr. Alexander Kekulé von der Universität Halle hält eine Infektion mit dem Coronavirus über den Kontakt zu Flächen für unwahrscheinlich. Sein Argument: Die Verwandtschaft des aktuellen SARS-CoV-2-Virus zu dem 2003 grassierenden SARS-Virus.

Dr. Alexander Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Halle  (Quelle: picture alliance / Eventpress | Eventpress Stauffenberg)Dr. Alexander Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Halle (Quelle: picture alliance / Eventpress | Eventpress Stauffenberg)

"Damals hatte sich bereits herausgestellt, dass der Erreger fast ausschließlich durch die Luft übertragen wird. Um sich über eine Oberfläche anzustecken, müsste ein anderer schon darauf gehustet oder seinen Speichel hinterlassen haben. Und selbst dann hält sich das Virus dort nicht lange, denn es wird durch Licht zerstört und braucht Feuchtigkeit zum Überleben. Trocknet das Sekret, stirbt das Virus ab", erklärt Kekulé im Gespräch mit t-online. Das Risiko einer Schmier- oder Kontaktinfektion sei außerhalb von Krankenhäusern sehr gering.


Maske bleibt bester Schutz

Er betont: "Der Hauptübertragungsweg bleibt der direkte Kontakt von Menschen drinnen und ohne Maske, etwa in privaten Räumen oder am Arbeitsplatz. Folglich ist der beste Schutz nach wie vor das Tragen von Masken. Und wenn diese abgenommen werden, sollte man sich möglichst selten ins Gesicht fassen."

Auch draußen hält Kekulé das Übertragungsrisiko für gering: "Meines Erachtens ist das Tragen von Masken im Freien höchstens in einem dichten Gedränge notwendig, und das sollte man derzeit ja sowieso meiden. An der frischen Luft verbreiten sich die Aerosole schnell in alle Himmelsrichtungen und können keinen Schaden anrichten", so der Virologe. "In der staatlichen Pandemiebekämpfung sollte man sich besser auf die Vermeidung von Superspreading-Ereignissen konzentrieren. Wenn das gelingt, kann der R-Wert nicht mehr über die kritische Marke von 1 steigen, das heißt die Pandemie ist insgesamt unter Kontrolle." Der R-Wert gibt an, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter im Durchschnitt ansteckt.

Das sagen BfR und RKI

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, dass bis jetzt kein Fall bekannt geworden ist, bei dem Coronaviren "über das Berühren von Oberflächen, beispielsweise von Bargeld, Kartenterminals, Türklinken, Smartphones, Griffen von Einkaufswagen, Verpackungen Tüten oder (Sport-) Bällen" übertragen wurden.  

Und weiter heißt es auf der Seite des BfR: "Das BfR sieht auch in der aktuellen Situation keine Notwendigkeit bei Gesunden, im Privathaushalt zu desinfizieren." Normale Hygienemaßnahmen wie häufiges und richtiges Händewaschen mit Seife und die regelmäßige Reinigung von Oberflächen und Türklinken mit haushaltsüblichen tensidhaltigen Wasch- und Reinigungsmitteln schützten ausreichend vor einer Schmierinfektion mit SARS-CoV-2.

Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt ein: "Eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist insbesondere in der unmittelbaren Umgebung der infektiösen Person nicht auszuschließen." Weitere Angaben finden sich hier nicht.

Händewaschen bleibt wichtig

Trotz der verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit einer Infektion beim Kontakt mit Flächen, rät Alexander Kekulé weiterhin zum Händewaschen nach dem Nachhausekommen. "Das ist aber ganz unabhängig von Corona. Wir sind überall Viren oder Bakterien ausgesetzt, die teilweise schwere Erkrankungen hervorrufen können. Meinen Kindern habe ich von Anfang an beigebracht: Wer nach Hause kommt, wäscht sich als Erstes die Hände. Dann kann man sich auch wieder entspannt ins Gesicht fassen."

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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