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Astrazeneca: Forscher warnen vor zu kurzem Impfabstand

Astrazeneca-Impfintervall  

Kann ein zu kurzer Impfabstand gefährlich werden?

28.05.2021, 17:23 Uhr
Astrazeneca: Forscher warnen vor zu kurzem Impfabstand. Corona-Impfung: Bereits nach der ersten Impfdosis besteht ein gewisser Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung. (Quelle: imago images/Eibner Europa)

Corona-Impfung: Bereits nach der ersten Impfdosis besteht ein gewisser Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung. (Quelle: Eibner Europa/imago images)

Die Corona-Schutzimpfungen in Deutschland schreiten voran – wie lange aber dauert es, bis der Impfstoff seine volle Wirkung erreicht? Und wann steigt das Risiko für Nebenwirkungen? 

Die Impfkampagne gegen das Coronavirus nimmt Fahrt auf. Insgesamt haben mehr als 42 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten. 16,4 Prozent sind bereits vollständig geimpft (Stand 28. Mai 2021). 

Seit Anfang April können auch Hausärzte ihre Patienten impfen, nach einigem Aufruhr um das Vakzin von Astrazeneca ist es nun für alle freigegeben, die sich impfen lassen möchten. Doch jetzt warnen Forscher, der Impfabstand dürfe nicht zu klein sein. Aber ab wann immunisieren Biontech oder Astrazeneca vollständig gegen das Coronavirus? 

Was ist über den Schutz nach der ersten Dosis bekannt?

Biontech/Pfizer

Eine neue Studie aus Schottland zeigt: Das Vakzin von Biontech und Pfizer reduziert das Risiko von schweren Verläufen und Klinikaufenthalten wegen Covid-19 mit der ersten Dosis um rund 85 Prozent.

Moderna

Ähnlich wie bei Biontech/Pfizer sank auch bei dem Moderna-Impfstoff die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, zwei Wochen nach der Erstimpfung um rund 80 Prozent.

Astrazeneca

Die erste der zwei Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca kann einer Datenauswertung schottischer Universitäten zufolge das Risiko eines Krankenhausaufenthalts wohl um bis zu 94 Prozent reduzieren.

Johnson & Johnson

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson braucht nur eine Dosis, um seine volle Wirksamkeit zu entfalten. Diese liegt nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur Ema bei bis zu 70 Prozent. Bei einer schweren Covid-19-Erkrankung lag der Schutz in den Studien sogar bei mehr als 85 Prozent – und das gilt auch für Ältere. Der Impfschutz besteht nach der Einzeldosis ab Tag 28.

Wichtig: Die Effektivität der Corona-Impfstoffe hängt immer von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel ist für den Aufbau der Immunität entscheidend, ob und in welchem zeitlichen Abstand die erste und die zweite Impfdosis verabreicht wurden. 

Warum braucht es überhaupt eine zweite Dosis?

Experten haben wiederholt betont: Bei den meisten der zugelassenen Impfstoffe sind zwei Impfungen nötig, um einen effektiven und lang anhaltenden Schutz gegen das Virus aufzubauen. Das Immunsystem müsse sich zunächst auf den neuen Erreger einstellen und benötige die zweite Impfdosis als Stimulus. Die Vakzine von Biontech, Moderna und Astrazeneca werden daher in zwei Impfstoffdosen verabreicht.

Die Daten zeigen zwar, dass die erste Impfung zumindest einen gewissen Schutz bietet – aber wie lange dieser anhält, ist noch unklar.

Wann sollte die zweite Dosis verabreicht werden?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt für die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna einen Abstand zwischen den beiden Impfstoffdosen von sechs Wochen. Dadurch sei sowohl eine "sehr gute individuelle Schutzwirkung als auch ein größerer Effekt der Impfung auf Bevölkerungsebene" zu erzielen.

Kurzum: Weitet man den Abstand zwischen den Impfungen aus, können mit den zur Verfügung stehenden Dosen kurzfristig mehr Menschen geimpft und schon mit der ersten Spritze effektiv vor Ansteckung sowie vor schweren Corona-Verläufen geschützt werden.

Astrazeneca für alle freigegeben – Impfabstand flexibel

Hieß es anfangs noch, dass die zweite Impfung mit Astrazeneca erst zwölf Wochen nach der ersten erfolgen solle, kann diese nun schon nach vier Wochen verabreicht werden. Der Einsatz des Impfstoffs solle flexibel gehandhabt werden, erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn am 6. Mai. Künftig ist es demnach dem Arzt in Absprache mit dem Impfling freigestellt, den Abstand für die Astrazeneca-Zweitimpfung auf bis zu vier Wochen zu verkürzen.

Zwar sei die Wirksamkeit des Impfstoffs höher, je länger der Abstand zwischen den beiden Impfungen sei, doch gleichzeitig geben Erst- und Zweitimpfung gemeinsam einen guten Schutz, sagte Spahn. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt jedoch weiterhin, bei einem Abstand von zwölf Wochen zu bleiben. Studien hatten gezeigt, dass die Schutzwirkung bei zwölf und mehr Wochen deutlich höher ausfällt als nach vier bis acht Wochen.

Doch jetzt warnen Forscher sogar vor einem höheren Risiko für Nebenwirkungen bei einem zu kleinen Impfabstand. Es mache ihm Sorgen, sagt der Experte für Blutgerinnung, Andreas Greinacher in einem Interview mit Zeit Online, wenn der Impfabstand bei dem AstraZeneca-Impfstoff verkürzt werde. Davon gehe möglicherweise eine Gefahr aus. Wer den Impfabstand zwischen den beiden Impfdosen von zwölf auf vier Wochen verkürze, habe eventuell ein höheres Risiko, eine Hirnvenenthrombose zu erleiden. "Ich kann jedem nur empfehlen, drei Monate bei der Astrazeneca-Impfung zu warten", sagt er Zeit Online. Bisher gibt es zwar keine Belege für die Erklärung Greinachers, Experten halten sie jedoch für plausibel. 

Auf die Frage, ob mit einer Verkürzung des Intervalls die Urlaubsplanung von Impfwilligen zulasten der Wirksamkeit unterstützt werden soll, verteidigte Spahn den Schritt: Viele wollten sich augenscheinlich derzeit nicht mit Astrazeneca impfen lassen, weil sie dann erst im August den vollen Impfschutz bekommen. Da auch die Erstimpfung schon gegen das Virus schütze, sei so eine geringere Akzeptanz aber für die Pandemiebekämpfung insgesamt nicht gut.

Ampullen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech, Astrazeneca und Moderna: Sie werden derzeit in Deutschland verimpft. (Quelle: dpa/Matthias Bein)Ampullen mit den Corona-Impfstoffen von Biontech, Astrazeneca und Moderna: Sie werden derzeit in Deutschland verimpft. (Quelle: Matthias Bein/dpa)

Wie gut und ab wann bin ich nach der zweiten Impfung geschützt?

"Der Schutz setzt nicht sofort nach der Impfung ein", teilt das RKI auf seiner Homepage mit. Das bedeutet, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis der Impfschutz aufgebaut werden kann.

Je nach Impfstoff sinkt dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zufolge die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, deutlich im Vergleich zu Ungeimpften. Die Wirksamkeit der einzelnen Impfstoffe wird mit folgenden Werten angegeben:

Biontech/Pfizer

Die Impfung mit dem Präparat von Biontech/Pfizer zeigt eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Das bedeutet, dass unter den Probanden der geimpften Gruppe 95 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als unter denen einer Kontrollgruppe. Vollständig immunisiert gilt man ab dem siebten Tag nach der zweiten Impfung.

Moderna

Der mRNA-Impfstoff von Moderna schützt zu 90 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung und zu 95 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf. Der angegebene Impfschutz besteht bei Moderna ab Tag 14 nach der zweiten Impfung.

Astrazeneca

Laut Studiendaten schützt der Impfstoff zu 76 Prozent vor einer Corona-Infektion mit Symptomen. Gegen schwere Covid-Erkrankungen ist der Astrazeneca-Impfstoff nach Herstellerangaben zu 100 Prozent wirksam. Der Impfschutz besteht ab Tag 15 nach der zweiten Impfung.

Alle Geimpften sollten weiterhin die AHA+L+A-Regeln einhalten: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltag mit Maske, Lüften und Corona-Warn-App nutzen. Das Risiko, das Coronavirus trotz Impfung zu übertragen, ist zwar gering, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Verwendete Quellen:
  • Robert Koch-Institut (RKI)
  • Paul-Ehrlich-Institut (PEI)
  • Pharmazeutische Zeitung
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Zeit Online: "Forscher warnen vor vier Wochen Impfabstand bei AstraZeneca", 28. Mai 2021. 
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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