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Corona-Impfung: Dieser Impfstoff schützt offenbar am stärksten vor Delta

Neue Studien zu Corona-Impfstoffen  

Dieser Corona-Impfstoff schützt offenbar am stärksten vor Delta

Von Melanie Rannow und Sandra Simonsen

13.08.2021, 12:43 Uhr
Corona-Impfung: Dieser Impfstoff schützt offenbar am stärksten vor Delta. Corona-Impfung: Mittlerweile gibt es einige Studien dazu, wie gut die einzelnen Vakzine auch gegen die Mutanten wirken. (Quelle: imago images/Rainer Unkel)

Corona-Impfung: Mittlerweile gibt es einige Studien dazu, wie gut die einzelnen Vakzine auch gegen die Mutanten wirken. (Quelle: Rainer Unkel/imago images)

Mehr als 90 Prozent der Corona-Neuinfektionen in Deutschland sind auf die ansteckendere Delta-Variante zurückzuführen. Viele fragen sich daher, wie gut die Impfung überhaupt schützt.

Seit einigen Monaten grassiert nicht mehr nur das Coronavirus in Deutschland – wir haben es mittlerweile mit verschiedenen Mutanten des Virus zu tun. Als besonders besorgniserregend stuft das Robert Koch-Institut (RKI) dabei die Delta-Variante ein, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde. Doch wie wird eine Variante überhaupt identifiziert und wie gut wirken die zugelassenen Impfstoffe? Ein Überblick.

Biontech/Pfizer und Moderna: Bester Schutz vor Delta?

Biontech

Laut einer Studie der britischen Gesundheitsbehörde (PHE) sind Menschen mit vollständigem Biontech/Pfizer-Impfschutz zu 88 Prozent gegen eine Infektion geschützt, die durch die Delta-Variante des Virus ausgelöst wird. Schwere Verläufe werden laut dieser Studie aus dem Juni sogar zu 96 Prozent verhindert. Eine weitere Studie aus dem Juli bestätigt diese Werte.

Doch aktuelle Daten aus Israel lassen aufhorchen: Dem nationalen Gesundheitsministerium zufolge schütze die doppelte Biontech-Impfung nunmehr nur noch zu 64 Prozent gegen eine Infektion mit der Delta-Variante. Der Schutz vor einem schweren Verlauf sei aber nach wie vor sehr hoch – nämlich 93 Prozent. Das Ministerium wies aber darauf hin, dass die Datenlage noch begrenzt und die Studienergebnisse vorläufig seien.

Moderna

Bereits Anfang Juli berichtete der US-Pharmakonzern Moderna selbst von den Ergebnissen aus Studien, die zeigten, dass das Vakzin nach zwei Impfungen fast genauso gut vor der Delta-Variante schützt wie vor dem Ursprungsvirus. Untersuchungen mit dem Blut von Geimpften hätten den Schutz bestätigt.

Auch einer US-amerikanischen Studie zufolge soll der Impfstoff von Moderna gegen die Delta-Variante wirken. So sagte der Virologe Anthony Fauci der "Washington Post", dass bei dem Vakzin mit einer ähnlichen Effektivität wie bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer zu rechnen sei. Er gehe von einer Wirksamkeit von rund 88 Prozent aus.

Neue US-Studie: Moderna wirksamer gegen Delta als Biontech?

Wissenschaftler in den USA haben verglichen, wie gut die Impfstoffe von Biontech und Moderna vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Insbesondere bei der Delta-Variante stellten sie in einer vorläufigen Analyse Unterschiede fest, berichtet "Spiegel online".

Für die Studie wurden zwischen Januar und Juli 2021 bei Zehntausenden Menschen im US-Bundesstaat Minnesota PCR-Tests durchgeführt. Alle Teilnehmer ähnelten sich in Alter, Geschlecht und Herkunft. 25.000 Personen wurden entweder mit Biontech oder mit Moderna geimpft. Weitere 25.000 Menschen hatten keine Impfung gegen Covid-19 erhalten und dienten somit als Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse der Untersuchung:

  • Beide mRNA-Impfstoffe senkten das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus deutlich. Moderna schützte den Ergebnissen zufolge zu 86 Prozent, Biontech zu 76 Prozent vor einer Infektion.
  • Das Risiko, wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, sank im gesamten Studienzeitraum bei Moderna um 92 und bei Biontech um 85 Prozent.
  • Im Juli fiel der Infektionsschutz jedoch bei beiden Impfstoffen geringer aus als im Schnitt des Gesamtzeitraums. Insbesondere beim Mittel von Biontech zeigten die Daten einen deutlicheren Abfall im Vergleich zu Moderna. Moderna reduzierte das Infektionsrisiko demnach nur noch zu 76 Prozent. Biontech senkte das Infektionsrisiko der Geimpften offenbar nur noch um 42 Prozent – also um weniger als die Hälfte.

"Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Delta-Variante in Minnesota zwischen Mai und Juli von 0,7 Prozent auf über 70 Prozent angestiegen ist", schreibt das Forscherteam. Es erscheine naheliegend, dass die Virusvariante für den Abfall des Infektionsschutzes verantwortlich ist und das Mittel von Biontech/Pfizer gegen diese Form des Virus womöglich eine geringere Wirksamkeit hat.

Es könnten aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen, die in der Studie nicht berücksichtigt wurden. So sei etwa nicht einkalkuliert worden, wie lange die Immunisierung zurücklag.

Wichtig: Bisher handelt es sich bei dieser Studie um eine Preprint-Studie, die noch von Experten begutachtet werden muss. Damit das Resultat der Studie als sicheres Ergebnis gelten kann, muss es durch weitere Forschungsarbeiten bestätigt werden.

Wie gut schützt Astrazeneca vor der Delta-Variante?

Britische Forscher fanden in einer Untersuchung heraus, dass das Astrazeneca-Vakzin eine 60-prozentige Wirksamkeit gegen die Delta-Variante und eine 66-prozentige gegen die Alpha-Variante hat. Vorausgesetzt, der Mensch, der mit der Mutante in Berührung kommt, ist vollständig immunisiert. Eine einzelne Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs bietet demnach "wenig bis gar keine Wirksamkeit" gegen die Delta-Variante.

Schwere Krankheitsverläufe soll die Impfung mit dem Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns immerhin mit einer Quote von 92 Prozent verhindern. Dennoch empfiehlt das RKI, nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca, die Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna durchzuführen.

Wie ist die Schutzwirkung bei Johnson & Johnson?

Das Pharmaunternehmen Janssen gab bekannt, dass der Johnson & Johnson-Impfstoff eine "starke und langanhaltende Antikörper-Aktivität gegen die sich schnell verbreitende Delta-Variante" hervorrufe, eine Prozentzahl zur Schutzwirkung wurde aber nicht genannt. Jedoch würde das Vakzin schwere Verläufe zu 85 Prozent verhindern. 

Experten zweifeln allerdings daran, dass das Vakzin ausreichend wirksam gegen die Delta-Variante ist. Einige fordern eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff als Booster.

Wie gut wirken Kreuzimpfungen? 

Viele, die zunächst mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft wurden, haben bei der zweiten Impfung einen mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna erhalten. Diese Mischung aus zwei Impfstoffen nennt sich Kreuzimpfung.

Eine Studie zu Kreuzimpfungen zeigt, dass sie stärker gegen die Virusvarianten Alpha, Beta und Gamma schützt. Bei den ausschließlich mit Astrazeneca Geimpften blieb die Immunantwort hingegen eher schwach. "Wir prüfen nun die Immunantwort auf die Virusvariante Delta", kündigte einer der Wissenschaftler an.

Wie verbreitet ist die Delta-Variante in Deutschland?

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die Delta-Variante bereits seit Ende Juni 2021 die dominierende Mutante in Deutschland. Im letzten Bericht vom 5. August 2021 lag der Anteil bei 97 Prozent. Die restlichen drei Prozent gehen auf die Alpha-Variante zurück.

Um das zu zählen, werden in vielen Ländern wie auch in Deutschland die positiven PCR-Tests sequenziert. Das bedeutet, dass die Reihenfolge der Bausteine im genetischen Code des Coronavirus untersucht wird. So können Wissenschaftler sehen, ob sich der genetische Code verändert hat, also eine Mutation oder eine ganz neue Mutante entstanden ist. Dann können die Fälle der Delta-Variante ebenso wie die der anderen Varianten gezählt werden. Mittlerweile werden etwa zehn Prozent aller Proben auf Varianten hin untersucht.

Auf diese Impfstofflieferungen verzichtet Deutschland

Angesichts der sinkenden Impfbereitschaft verzichtet Deutschland auf die Lieferung von rund 2,65 Millionen Impfstoff-Dosen des Herstellers Moderna. Das geht aus einer Auflistung des Bundesgesundheitsministeriums hervor, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Zwei Chargen mit jeweils gut 1,3 Millionen Dosen, die für die ersten beiden August-Wochen zugesagt waren, werden demnach anderen EU-Staaten überlassen.

In der vergangenen Woche war bereits bekannt geworden, dass die Bundesrepublik im August zugunsten anderer Länder auf Dosen des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson verzichtet, die Deutschland nach EU-Verträgen eigentlich zustehen würden. Zudem werden derzeit alle Lieferungen des Herstellers Astrazeneca an die internationale Hilfsinitiative Covax gespendet.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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