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Corona-Impfung: Ist eine stärkere Impfreaktion ein Zeichen für besseren Schutz?

Corona-Impfung  

Ist eine stärkere Impfreaktion ein Zeichen für besseren Schutz?

Von Christiane Braunsdorf

28.06.2021, 16:57 Uhr
Corona-Impfung: Ist eine stärkere Impfreaktion ein Zeichen für besseren Schutz?. Fieber und Kopfschmerzen: Einige Menschen zeigen nach ihrer Corona-Impfung Krankheitssymptome. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/LuffKun/ iStock / Getty Images Plus)

Fieber und Kopfschmerzen: Einige Menschen zeigen nach ihrer Corona-Impfung Krankheitssymptome. (Quelle: LuffKun/ iStock / Getty Images Plus/Thinkstock by Getty-Images)

Bei einigen Menschen treten nach der Corona-Impfung Nebenwirkungen auf. Ist das ein gutes Zeichen, weil der Körper dann vielleicht besseren Immunschutz aufbaut? Was dahintersteckt. 

Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder Fieber sind typische Impfreaktionen bei allen vier in Deutschland zugelassenen Anti-Corona-Vakzinen. Sie klingen in der Regel nach einigen Stunden bis Tagen ab. Dennoch reagieren einige Menschen stärker auf den Impfstoff als andere. Oft wird dies als Zeichen gewertet, dass eine Immunreaktion abläuft und Antikörper gegen das Coronavirus gebildet werden. Doch das ist ein Irrtum.

Auf der Plattform "The Conversation" erklärt  Dr. Veenu Manoharan, Dozentin für Immunologie an der Cardiff Metropolitan University, warum Immunschutz und Impfreaktion nicht zusammenhängen.

Impfreaktion ist Abwehrverhalten

Der Schlüssel dafür liegt im individuellen Immunsystem eines jeden Menschen. Es besteht aus einer angeborenen und einer erworbenen Immunabwehr. Für die typischen Entzündungszeichen wie Schmerzen oder Fieber nach dem Piks ist das angeborene oder auch natürliche Immunsystem verantwortlich.

Es reagiert auf das durch die Impfung verabreichte Fremdeiweiß, das Spike-Protein des Covid-19-Erregers, wie auf einen Krankheitserreger. So kommt es zum Beispiel zu Fieber, einer Reaktion des Körpers, die den Heilungsprozess beschleunigen soll. Die erhöhte Temperatur hemmt die Virenvermehrung, bestimmte Abwehrzellen werden in Gang gesetzt. Das heißt: Die klassischen Impfreaktionen sind Ausdruck eines Abwehrverhaltens des Körpers und abhängig vom individuell ausgeprägten Immunsystem. Mit dem Aufbau eines Immunschutzes haben leichte Krankheitssymptome kurz nach der Impfung aber nichts zu tun.

Immunschutz auch ohne Impfreaktion

Für den dauerhaften Immunschutz ist der andere Teil des Immunsystems verantwortlich – der erworbene oder auch adaptive (lernfähige). Er wird vom ersten Part aktiviert und bildet Antikörper gegen das Coronavirus, was ja das Ziel der Impfung ist.

Auch in diesem Prozess kann der Körper mit leichten Krankheitssymptomen reagieren, also mit den klassischen Impfnebenwirkungen. Bei vielen Menschen läuft dieser Abwehrmechanismus jedoch gänzlich unterschwellig ab, sie zeigen keinerlei Krankheitsanzeichen. Aber auch sie bilden schützende Antikörper.

Schutz zwei Wochen nach der ersten Impfung

Impfreaktion und Immunschutz hängen also nur teilweise zusammen. Für sie sind unterschiedliche Bereiche des Immunsystems verantwortlich. Wie stark ein Mensch auf die Corona-Impfung reagiert, hat also nichts damit zu tun, wie gut er gegen das Virus gerüstet ist. Auch wer nach der Spritze keinerlei Reaktion zeigt, baut schützende Antikörper auf.

Das bestätigen auch die Zulassungsstudien der Vakzine: Bei Biontech zum Beispiel gab die Hälfte der Probanden an, keine Nebenwirkungen zu haben, 90 Prozent der Studienteilnehmer entwickelten jedoch einen Schutz gegen das SARS-CoV-2-Virus. 

Der vollständige Immunschutz setzt etwa zwei Wochen nach der zweiten Impfung mit Biontech, Astrazeneca und Moderna ein, bei Johnson & Johnson etwa 28 Tage nach der hier nur einmalig nötigen Impfung. Bei den mRNA-Vakzinen wurden Impfnebenwirkungen häufiger und stärker nach der zweiten Impfung beobachtet, bei Astrazeneca eher nach der ersten.

Wer kaum Schutz aufbaut

Ein Problem stellen die Menschen dar, die aufgrund einer Erkrankung Immunsuppressiva einnehmen müssen, zum Beispiel nach einer Transplantation oder auch Patienten, die an Rheuma oder Multipler Sklerose leiden.

Der Hamburger Pharmakologe Dr. Thomas Meinertz erklärt dazu: "Bei diesen Medikamenten deuten erste Daten darauf hin, dass die Impfantwort ‒ also die Immunantwort auf die Covid-19-Impfung ‒ deutlich schwächer ausfallen kann. Man arbeitet an einer Lösung des Problems für immunsupprimierte Patienten." Möglicherweise werden für diese Menschen Auffrischungsimpfungen nötig. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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