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Einsatz bei Reiserückkehrern: Was taugen Schnelltests?

Einsatz auch bei Reiserückkehrern  

Wie zuverlässig sind die Schnelltests?

Von Christiane Braunsdorf

04.07.2021, 17:01 Uhr
Einsatz bei Reiserückkehrern: Was taugen Schnelltests?. Corona-Schnelltest: Kann man sich auf die Ergebnisse verlassen? (Quelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner)

Corona-Schnelltest: Kann man sich auf die Ergebnisse verlassen? (Quelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner)

Schnelltests werden derzeit vor allem vor dem Besuch von Kinos, in den Schulen, in den Büros und bei Reiserückkehrern eingesetzt. Doch was taugen sie wirklich?

An den Flughäfen dienen Schnelltests vor allem dazu, Menschen, die sich in ihrem Urlaub infiziert haben, zu isolieren. So soll die Ausbreitung des Coronavirus und besonders seiner Delta-Variante gestoppt werden. Nach dem Ende der Homeoffice-Pflicht am 30. Juni werden sie auch wieder verstärkt in Büros eingesetzt.

Die Hersteller bescheinigen ihren Produkten eine Sensitivität von mehr als 90 Prozent. Das heißt: Von 100 Infizierten sollen 90 mit den Tests erkannt werden können, erhalten also ein korrektes positives Testresultat.

Mangelnde Sensitivität

Eine Studie der Universität Würzburg kommt zu einem anderen Ergebnis: Demnach liegt die Sensitivität dieser Tests bei etwa 42 Prozent. Also: Von 100 Infizierten erhalten 42 ein positives Ergebnis, werden also als infiziert erkannt.

Das ist sogar noch schlechter als das Ergebnis einer im März 2021 veröffentlichten Metastudie: Aus ihr ging hervor, dass symptomlos Infizierte zu 58 Prozent von den Tests erkannt wurden. Doch auch schon damals warnten die Forscher: Einige Tests erkennen sogar nur 29 Prozent. 

Die Würzburger untersuchten die Daten von 5.068 Probanden, die jeweils einen Schnelltest und einen PCR-Test absolviert hatten. Dabei fiel auf: Die Spezifität wiederum entspricht den Herstellerangaben. 99,68 Prozent der Gesunden erhielten ein korrekt negatives Testergebnis.

Superspreader werden erkannt

"Unsere Auswertung zeigt, dass SARS-CoV-2-Infizierte mit sehr hoher Viruslast – potenzielle 'Superspreader' – sehr zuverlässig mittels Antigen-Schnelltests als positiv erkannt werden. In SARS-CoV-2-Proben mit niedrigen Viruslasten hingegen werden Infektionen so gut wie nicht erkannt“, fasst Studienleiter Dr. Manuel Krone die zentralen Ergebnisse der Studie zusammen.

Schnelltests führen also teilweise erst später zu einem richtig positiven Ergebnis als PCR-Tests, die auch geringe Viruslasten zuverlässig nachweisen können. Problematisch ist dies, wenn die Infektion gerade erst erfolgt und die Viruslast noch gering ist. "Dann liefern Antigen-Schnelltests möglicherweise erst später als ein PCR-Test die richtige Diagnose und können so den Betroffenen eine falsche Sicherheit geben“, sagt Krone. Den Testanwendern sollte dies bewusst sein, so der Mediziner.

Schließlich sei die Gefahr groß, dass sich Infizierte aufgrund eines negativen Testergebnisses nicht mehr an die Abstands- und Hygieneregeln halten und somit das Virus in ihrem Umfeld verbreiten. 

Richtige Diagnose erst verzögert

Die Produktmängel sind der Bundesregierung nicht unbekannt. Im Mai teilte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums "tagesschau.de" mit, die Unterschiede bei den Ergebnissen ließen sich damit erklären, dass die Verlässlichkeit eines Antigen-Schnelltests stark von verschiedenen Faktoren abhänge – "nämlich 'vom Zeitpunkt der Probennahme, der Qualität der Probe, der sachgerechten Durchführung des Tests und von der lokalen Verbreitung der Infektion'. Daher schließe ein negatives Ergebnis eine Infektion nicht aus."

Wann und wie die Probe genommen wird, sind die entscheidenden Faktoren. Dr. Roland Ballier, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für nicht-aktive Medizinprodukte, erklärte bei t-online: "Das Problem ist auch immer der Zeitpunkt der Testung: Bei Corona treten im Schnitt etwa fünf bis sieben Tage nach der Infektion Symptome auf. Zuverlässig schlagen die meisten Antigen-Schnelltests erst bei ersten Symptomen an. Aber: Bereits zwei Tage vor deren Auftreten sind diese Menschen schon infektiös. Hier fallen die Tests aber meistens negativ aus. Damit fischen sie zum Beispiel auch asymptomatische Virusträger oft nicht heraus."

Besser Abstriche als Speicheltests

Und auch, auf welchem Weg die Proben entnommen wurden, spielt seiner Erfahrung nach eine Rolle: "Ich selbst habe Hunderte Abstriche gemacht und meine Erfahrung ist, dass Speicheltests oder zum Beispiel auch das Gurgeln mit einer Kochsalzlösung häufiger falsche Ergebnisse liefern", so Ballier.

Zu erklären ist das leicht: "Die Nase wird vom Essen und Trinken weniger beeinflusst. In unserer Region wurde ein Fall bekannt, bei dem fünf Kinder positiv schnellgetestet wurden. Die Nachprüfung über den PCR-Test brachte negative Ergebnisse. Vermutet wird, dass das Lutschen saurer Bonbons zu diesem Ergebnis führte." Nahrungsaufnahme kann also auch Ergebnisse verfälschen. 

Hygienemaßnahmen sollten beibehalten werden

Ganz abraten wollen die Würzburger Forscher von den Schnelltests aber nicht. Krone: "Großflächig und regelmäßig eingesetzt ermöglichen sie eine zusätzliche Erkennung von in vielen Fällen auch asymptomatischen SARS-CoV-2-Infizierten und damit eine Unterbrechung von Infektionsketten."

Isabell Wagenhäuser, Doktorandin und Erstautorin der Studie, ergänzt: "In Situationen, in denen eine momentan hohe Infektiosität ausgeschlossen werden soll, weil viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, können Antigen-Schnelltests eine sinnvolle Ergänzung weiterer Hygienemaßnahmen darstellen."

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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