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Corona-Impfung für Kinder: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wichtige Fragen und Antworten  

So wirksam sind die Corona-Impfungen für Kinder

03.08.2021, 14:11 Uhr
Corona-Impfung für Kinder: Die wichtigsten Fragen und Antworten. Schülerin wird geimpft: In einigen Ländern sind bereits Impfaktionen etwa an Schulen geplant.  (Quelle: imago images/Sven Simon)

Schülerin wird geimpft: In einigen Ländern sind bereits Impfaktionen etwa an Schulen geplant. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollen künftig generell ein Impfangebot bekommen. Doch viele Eltern und auch die Kinder und Jugendlichen selbst sind verunsichert. Was sollten sie beachten?

Als Corona-Schutz zum Schulstart nach den Sommerferien sollen zusätzliche Impfgelegenheiten für Kinder und Jugendliche kommen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben dazu am Montag beschlossen, dass nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in Impfzentren oder auf andere niedrigschwellige Weise anbieten wollen. Doch wie sollen die Impfungen durchgeführt werden und was sollten Kinder, Jugendliche und Eltern dazu wissen? Ein Überblick.  

Wie soll das Impfangebot genau aussehen? 

Alle Länder wollen Impfangebote für Kinder und Jugendliche in ihren Impfzentren und über Hausärzte möglich machen. Voraussetzung ist eine entsprechende ärztliche Aufklärung sowie die Zustimmung auch der Eltern oder anderer Sorgeberechtigter. "Dies kann zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen", heißt es in dem Beschluss.

Zudem sollten Kinder und Jugendliche auch im Rahmen von Impfungen für Angehörige von Beschäftigten in Firmen geimpft werden können. Für Jugendliche und junge Erwachsene in Universitäten und Berufsschulen sind ebenfalls Impfangebote geplant.

Bislang sind in dieser Altersgruppe gut 20 Prozent geimpft, knapp zehn Prozent vollständig. "Wir haben genügend Impfstoff für alle Altersgruppen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag. "Deshalb ist es gut, dass die Länder auch dieser Altersgruppe möglichst niedrigschwellig ein Impfangebot machen wollen."

In einigen Ländern sind zudem bereits Impfaktionen etwa an Schulen geplant. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hat der Unterricht nach den Sommerferien an diesem Montag wieder begonnen, in Hamburg geht es am Donnerstag wieder los. Mecklenburg-Vorpommern kündigte allerdings bereits an, sich weiterhin an die Stiko-Empfehlung zu halten. 

Warum gibt es weiterhin keine Stiko-Empfehlung?

Mit der Entscheidung stellt sich die Bundesregierung klar gegen die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), die bisher eine Corona-Impfung nur für Erwachsene empfiehlt. Als Begründung führt die Stiko unter anderem an, dass sich die Impfstoffe bisher bei Erwachsenen als sehr wirksam und sicher erwiesen hätten, sich diese wissenschaftlichen Daten jedoch nicht einfach auf die Kinder übertragen ließen.

Die Daten zur Sicherheit der Covid-19-Impfung für Kinder und Jugendliche seien bisher noch begrenzt. Zum einen war die Zahl der in der kontrollierten Zulassungsstudie geimpften Kinder und Jugendlichen klein (ca. 1.000), zum anderen war die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit (ein bis zwei Monate) kurz. Dies habe zur Folge, dass Nebenwirkungen, die mit einer Häufigkeit von weniger als 1 pro 100 verabreichten Impfungen auftreten, kaum erkannt und verzögert nachgewiesene unerwünschte Ereignisse derzeit nicht ausgeschlossen werden können. 

Hinzu kommt, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren ohne Vorerkrankung sehr selten schwer an Covid-19 erkranken. Daher empfiehlt die Stiko vorerst nicht, Kinder und Jugendliche generell zu impfen, solange keine weiteren Daten zur Sicherheit vorliegen. Noch nicht geimpften, gefährdeten Personen sollte hingegen vorrangig ein Impfangebot gemacht werden. "Solange noch viele Personen mit deutlich höherem Risiko ungeimpft sind, ist eine Umverteilung der Impfstoffe an gesunde Kinder und Jugendliche epidemiologisch und individualmedizinisch nicht sinnvoll", heißt es. 

Wie schwer erkranken Kinder an Covid-19? 

Generell ist Covid-19 eine Krankheit, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Bei Kindern und Jugendlichen sind die Verläufe jedoch nur selten schwer. Sie infizieren sich Studien zufolge seltener als Erwachsene und scheinen auch weniger ansteckend zu sein. 

Nur etwa ein Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren muss mit Covid-19 ins Krankenhaus, Todesfälle traten bisher nur vereinzelt und vor allem bei schweren Vorerkrankungen auf. Dennoch ist auch das Risiko einer Long-Covid-Erkrankung nicht zu unterschätzen, die immer häufiger auch junge Menschen trifft. 

Für welche Kinder und Jugendliche empfiehlt auch die Stiko eine Impfung?

Während die Stiko die generelle Impfung junger Menschen nicht empfiehlt, gibt es eine klare Empfehlung für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren, die wegen einer Vorerkrankung ein erhöhtes Corona-Risiko haben. Zu den Risikofaktoren zählen: 

  • starkes Übergewicht
  • eine angeborene oder erworbene Schwäche des Immunsystems oder eine Unterdrückung des Immunsystems beispielsweise durch Medikamente 
  • angeborene Herzfehler oder schwere Herzschwäche
  • schwerer Lungenhochdruck oder chronische Lungenerkrankungen 
  • chronische Niereninsuffizienz 
  • chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen 
  • bösartige Tumorerkrankungen wie Krebs
  • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • seltene Erkrankungen, die häufig mit einer Intelligenzminderung, geistigen Behinderung und/oder angeborenen Fehlbildungen einhergehen
  • nicht ausreichend eingestellter Diabetes mellitus

Eltern und Jugendliche sollten vor allem bei Vorerkrankungen immer mit dem Kinder- oder Hausarzt Rücksprache halten, ob eine Impfung empfohlen wird. 

Darüber hinaus empfiehlt die Stiko die Impfung Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren, die Hochrisikopatienten in ihrem direkten Umfeld haben, die nicht selbst geimpft werden können oder keinen ausreichenden Schutz aufbauen können. Auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko über einen Beruf, beispielsweise in der Pflege, in Kitas oder Schulen oder dem Lebensmitteleinzelhandel führt zu einer Impfempfehlung auch für Jugendliche. 

Welche Impfstoffe bekommen die Kinder und Jugendlichen?

Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema hatte bereits im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, Ende Juli folgte auch die Freigabe für Moderna. Wie bei Erwachsenen auch sind bei Biontech zwei Impfungen im Abstand von drei bis sechs Wochen notwendig. 

Corona-Kinderimpfung: Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es in Deutschland noch keine Impfempfehlung.  (Quelle: imago images/Laci Perenyi)Corona-Kinderimpfung: Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es in Deutschland noch keine Impfempfehlung. (Quelle: Laci Perenyi/imago images)

Wie wirksam ist die Impfung für Ihr Kind?

Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mitteilt, hat der Impfstoff von Biontech/Pfizer bei Kindern und Jugendlichen bei zweimaliger Impfung einen 100-prozentigen Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung gezeigt. Zudem ist laut RKI davon auszugehen, dass die Impfung auch bei Kindern und Jugendlichen gut vor schweren Verläufen schützt.

Aktuellen Studien zufolge sollen die Impfstoffe auch gegen die aktuell vorherrschenden Virusvarianten wie auch die Delta-Variante wirken. Bei den Mutanten ist die zweite Impfung umso wichtiger. 

Welche Nebenwirkungen drohen den Kindern und Jugendlichen? 

Wie bei allen Impfungen können auch die Corona-Impfstoffe Nebenwirkungen hervorrufen. Das ist normal, da durch die Vakzine das Immunsystem angeregt wird. Da Kinder ein sehr aktives und lernfähiges Immunsystem haben, können auch die Impfreaktionen stärker ausfallen als bei Erwachsenen. Die Reaktionen klingen in der Regel aber nach ein bis drei Tagen wieder ab. Und auch, wenn keinerlei Nebenwirkungen auftreten, war die Impfung erfolgreich. 

Es zeigt sich, dass beim Impfstoff von Biontech/Pfizer folgende Impfreaktion am häufigsten angegeben wurden: 

Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden in der Zulassungsstudie hingegen nicht beobachtet. Zudem können in seltenen Fällen allergische Reaktionen auftreten. 

In den vergangenen Monaten wurden allerdings bei der Impfung mit mRNA-Impfstoffen (wie die von Biontech und Moderna) in sehr seltenen Fällen Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen beobachtet, die vor allem bei jüngeren Männern aufgetreten sind. 

Was sollten Eltern jetzt tun, wo können Sie sich informieren? 

Bevor Sie sich entscheiden, Ihr Kind impfen zu lassen, sollten Sie sich über die Corona-Impfung im Allgemeinen sowie über die Impfung für Kinder und Jugendliche ausführlich informieren und mit Ihrem Kind darüber sprechen. Wenn Ihr Kind einer Impfung selbst zustimmt, sollten Sie auch Rücksprache mit dem zuständigen Kinder- oder Hausarzt halten und etwaige Vorerkrankungen oder Allergien Ihres Kindes berücksichtigen. 

Informationen zur Impfung für Kinder gibt es beispielsweise bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, beim Robert Koch-Institut oder auf den Seiten der Bundesregierung.

Was empfehlen Experten für die Impfung von Kindern und Jugendlichen?

Medienberichten zufolge drängen sowohl Ärzteverbände als auch Politiker die Stiko jetzt zu einer schnellen Empfehlung zur Impfung der Kinder und Jugendlichen. So erklärte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Deutschlandfunk, wesentliche Studien hätten ergeben, dass eine Durchseuchung mit der Delta-Variante viel gefährlicher sei als die Impfung von Kindern.

Die Stiko sei in einer "Außenseiterposition". Auch auf Twitter erklärte der Politiker: "Falls wir die Kinder nicht impfen, droht ihnen ein Jahr von vielen Quarantänen und zum Schluss die Infektion mit der Delta-Variante." Auch für Kinder sei Covid-19 gefährlich.

Mehrere Ärztevertreter protestierten allerdings gegen die Beschlüsse, solange die Ständige Impfkommission (Stiko) nicht allgemein zu Impfungen von Kindern rät. Der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, warnte vor Verunsicherung. "Warum eine Empfehlung der Stiko dazu zunächst nicht abgewartet werden kann, die sich auf Basis von fundierten Studien zeitnah äußern will, ist mir schleierhaft", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag). Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, sagte bei RTL/ntv: "Was die Politik jetzt macht, ist Wahlkampfgetöse." So sei eine unabhängige, herausragend arbeitende Kommission in Nöte gebracht worden.

Spahn verteidigt Entscheidung der Regierung

Gesundheitsminister Jens Spahn hingegen verteidigte die geplanten zusätzlichen Impfgelegenheiten. "Es geht ausdrücklich nicht darum, Druck zu machen, den machen wir auch nicht." Wenn Eltern und Kinder sagten, dass sie noch auf mehr Daten warten wollten, sei das auch okay und kein Problem. Der Beschluss von Bund und Ländern sei "durchaus im Einklang mit der Stiko". 

Auch der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission (Siko), Thomas Grünewald, hat die Empfehlung für eine Corona-Schutzimpfung für alle Kinder ab zwölf Jahren verteidigt. "Der individuelle Nutzen für ein Kind ist deutlich größer als der Schaden oder die Probleme, die eine Impfung anrichten kann", sagte der Experte der Leipziger Volkszeitung (LVZ) am Dienstag. Grundlage seien neue Daten aus Ländern wie den USA oder Israel, wo seit Langem auch ab 12 Jahren geimpft wird.

"Wir können die Impfung nun guten Gewissens empfehlen", so Grünewald. Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) prüfe die Daten gründlich und werde noch Ergebnisse aus Deutschland und Europa hinzuziehen. "Doch in Sachsen sind wir vielleicht etwas elastischer als auf Bundesebene."

Die Impfung sollte aber nur erfolgen, "wenn alle – sowohl Impfling als auch Sorgeberechtigte und natürlich der Impfende – zustimmen", betonte Grünewald. Mit der neuen Empfehlung werde auch keine Impfpflicht eingeführt. Sachsen, das mit der Siko als einziges Bundesland über eine eigene Impfkommission verfügt, empfiehlt seit dieser Woche eine Corona-Schutzimpfung auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahre.

Kann mit der Impfung von Kindern und Jugendlichen die vierte Welle aufgehalten werden?

Die Stiko betont dazu, dass man "alles tun sollte, um die Pandemie zu bekämpfen". Doch dazu könnte auch ohne die Impfung von Kindern einiges getan werden: Noch immer sei ein Großteil der Erwachsenen nicht geimpft und auch unter älteren Menschen gebe es noch Impflücken. "Und natürlich können und sollten sich erst einmal möglichst alle Personen um das Kind – die Eltern, Großeltern, Betreuer, Lehrer und Erzieher – impfen lassen."

Dem SWR zufolge ist gerade bei Kindern im Herbst und Winter ein Anstieg der Corona-Infektionen zu erwarten. Modellierungen zufolge könne die Welle dennoch eingebremst werden, selbst dann, wenn es weiterhin viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche gebe. 

Was ist mit Kindern unter zwölf Jahren?

Für unter zwölfjährige Kinder liegt bisher laut Robert Koch-Institut noch keine Empfehlung vor. Sollte ein Impfstoff für jüngere Kinder zugelassen werden, werde die Stiko auch diese Daten bewerten und eine weitere Empfehlung aussprechen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • infektionsschutz.de: "Corona-Schutzimpfung ab 12 Jahren"
  • zusammengegencorona.de: "Corona-Schutzimpfung ab 12 Jahren: Welche Kinder sich impfen lassen sollten", 29. Juli 2021. 
  • SWR: "Corona-Impfung für Kinder: Das sollten Sie wissen", 2. August 2021. 
  • Deutsches Gesundheitsportal: "Was Sie über die Corona-Schutzimpfung für Ihr Kind wissen sollten", 3. August 2021. 
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "Was Sie zur Corona-Schutzimpfung für Ihr Kind wissen sollten", 3. August 2021.
  • Robert Koch-Institut: "Covid-19-Impfung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren, Infoblatt für Kinder- und Jugendärzt:innen und Eltern", 24. Juni 2021. 
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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