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Valneva: Neuer Totimpfstoff gegen Corona soll besser wirken als Astrazeneca

Abgetötete Coronaviren  

Neuer Totimpfstoff gegen Corona soll besser wirken als Astrazeneca

22.10.2021, 10:52 Uhr
Valneva: Neuer Totimpfstoff gegen Corona soll besser wirken als Astrazeneca. Valneva: Der Corona-Impfstoff des französisch-österreichischen Impfstoffherstellers soll mehr Antikörper und weniger Nebenwirkungen hervorrufen. (Quelle: imago images/ZUMA Wire)

Valneva: Der Corona-Impfstoff des französisch-österreichischen Impfstoffherstellers soll mehr Antikörper und weniger Nebenwirkungen hervorrufen. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Er wäre der erste seiner Art in Europa: ein Impfstoff gegen Covid-19, der auf abgetöteten Viren basiert. Der französisch-österreichische Hersteller Valneva hat nun erste Studiendaten veröffentlicht.

Weltweit gibt es bereits mehrere hochwirksame Corona-Impfstoffe. Dennoch wird immer weiter an verschiedenen Technologien geforscht. Zu den vielversprechendsten Kandidaten gehört ein Mittel des Herstellers Valneva. Dieser könnte mit VLA2001 schon bald den ersten Corona-Totimpfstoff Europas auf den Markt bringen.

VLA2001 nutzt abgetötete Coronaviren

Der Impfstoff VLA2001 wird mithilfe von sogenannten Verozellen hergestellt, die von Valneva bereits für den Impfstoff Ixiaro gegen die Japanische Enzephalitis entwickelt wurden. Hinzu kommen inaktivierte Coronavirus-Partikel, die so behandelt wurden, dass sie keine Krankheit verursachen können. Außerdem sind Impfstoffverstärker enthalten – Substanzen, die zur Stärkung der Immunreaktion beitragen.

Wie funktioniert ein Totimpfstoff?
Totimpfstoffe – oder inaktivierte Impfstoffe – enthalten entsprechend ihrer Bezeichnung nur abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können, oder auch nur Bestandteile der Erreger. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem zur Antikörperbildung an, ohne dass die jeweilige Krankheit ausbricht.

Die Technologie ist schon lange etabliert und wird im Kampf gegen Corona beispielsweise in China eingesetzt. Andere Totimpfstoffe bekämpfen etwa die saisonale Grippe, Diphtherie, Hepatitis B, Kinderlähmung oder auch Tetanus. Der Impfstoff von Valneva ist ähnlich strukturiert wie klassische Grippe-Vakzine und soll bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden können. 

Valneva meldet "positive" Studienergebnisse für Corona-Totimpfstoff

Das Vakzin von Valneva ist derzeit der einzige inaktivierte Impfstoffkandidat, der in Europa in klinischen Studien gegen Covid-19 getestet wird. Kürzlich wurden "positive erste" Ergebnisse aus der Phase-3-Studie bekannt gegeben.

Im Vergleich zum Astrazeneca-Impfstoff sei bei den Probanden ein höherer mittlerer Wert an neutralisierenden Antikörpern festgestellt worden, teilte das Unternehmen mit. Auch bei den Nebenwirkungen habe sich der Impfstoff besser als der Vergleichsimpfstoff gezeigt. Die Teilnehmer meldeten demnach bis zu sieben Tage nach der Impfung sowohl weniger Reaktionen an der Injektionsstelle (73,2 Prozent der Probanden gegenüber 91,1 Prozent bei Astrazeneca) als auch weniger systemische Reaktionen (70,2 Prozent gegenüber 91,1 Prozent ).

Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden gar nicht verzeichnet. An der Studie hatten den Angaben zufolge 4.012 Menschen ab 18 Jahren in Großbritannien teilgenommen.

"Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Impfstoffkandidat auf dem besten Weg ist, eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Pandemie zu spielen", erklärte der Studienleiter und Professor für Pädiatrie an der Universität in Bristol, Adam Finn.

Valnevas primäres Ziel für seinen Impfstoff sei die Immunisierung von Risikopopulationen zur Verhinderung von Corona-Infektionen. Allerdings solle er später auch für "Routineimpfungen einschließlich neuer Varianten" verwendet werden. Auch bei den Auffrischungsimpfungen soll VLA2001 eine wichtige Rolle spielen.

Zulassung soll "so schnell wie möglich" kommen

Valneva-Geschäftsführer Thomas Lingelbach teilte mit, dass das Unternehmen seinen Impfstoffkandidaten "so schnell wie möglich" zur Zulassung bringen wolle, um "den Menschen, die noch nicht geimpft sind, eine alternative Impfstofflösung anzubieten". Erste Schritte zu einem Antrag zur Zulassung bei der britischen Gesundheitsbehörde MHRA seien bereits erfolgt. 

Auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur Ema soll noch im Herbst 2021 ein Antrag auf Erstzulassung eingereicht werden. Erfolgt dort die Zulassung, könnte Valneva auch hierzulande ab nächstem Jahr verimpft werden.

Impfstoffdosen: Wird der Corona-Impfstoff von Valneva zugelassen, soll er auch in Deutschland verimpft werden. (Quelle: imago images/TT)Impfstoffdosen: Wird der Corona-Impfstoff von Valneva zugelassen, soll er auch in Deutschland verimpft werden. (Quelle: TT/imago images)

Ist Valneva das passende Mittel für Impfskeptiker?

Einige Menschen sind skeptisch gegenüber den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna, weil diese sehr schnell entwickelt wurden und auf einer neuartigen Methode basieren. Auch der Vektorimpfstoff von Astrazeneca wird von vielen aufgrund von mangelndem Vertrauen abgelehnt.

Im Gegensatz zu diesen bisher in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffen handelt es sich bei Valneva jedoch um einen klassischen Totimpfstoff. Beobachter glauben, dass die lang etablierte Technologie auch Impfskeptiker überzeugen könnte. Schließlich gilt die Methode als gut erforscht und wird beispielsweise bei Grippeimpfungen seit Jahrzehnten angewandt. Totimpfstoffe gegen Covid-19 sind bereits in China (Sinopharm), Russland (Covivac) und Indien (Covaxin) im Einsatz.

Verwendete Quellen:
  • vfa – Die forschenden Pharmaunternehmen
  • Nachrichtenagentur AFP
  • mdr: "Europäischer Impfstoffhersteller Valneva: Corona-Vakzin mit abgetöteten Viren", 13. August 2021
  • Eigene Recherche 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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