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Coronavirus: So wirkt sich die Impfquote auf den Verlauf der Pandemie aus

Prognosen zu Covid-Intensivbetten  

So wirkt sich die Impfquote auf den Verlauf der Pandemie aus

17.09.2021, 13:22 Uhr
Coronavirus: So wirkt sich die Impfquote auf den Verlauf der Pandemie aus. Covid-Intensivstation: Auch im Herbst 2021 droht trotz der steigenden Impfquoten wieder eine starke Belastung des Gesundheitssystems. (Quelle: imago images/imagebroker)

Covid-Intensivstation: Auch im Herbst 2021 droht trotz der steigenden Impfquoten wieder eine starke Belastung des Gesundheitssystems. (Quelle: imagebroker/imago images)

Deutschland steckt mitten in der vierten Corona-Welle. Im Herbst dürften die Zahlen noch deutlich steigen. Experten haben berechnet, wie sich die Lage in der dunklen Jahreszeit entwickeln könnte.

Aktuell haben sich die Corona-Zahlen in Deutschland auf einem stabilen mittleren Niveau eingependelt. Doch die Tage werden bereits kürzer, das Wetter ungemütlicher und die Menschen halten sich vermehrt in Innenräumen auf. Mit dem Herbst und Winter werden voraussichtlich auch die Infektionszahlen wieder stärker ansteigen.

Sowohl das Robert Koch-Institut (RKI) als auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) haben daher Prognosen aufgestellt und Handlungsempfehlungen für die dunkle Jahreszeit gegeben. Was erwartet uns im Corona-Herbst und Winter?

Welche Rolle spielen Impfungen im Corona-Herbst? 

Andreas Schuppert und Christian Karagiannidis von der Divi haben bereits im August errechnet, wie der Pandemie-Herbst in Deutschland aussehen könnte. Sie haben dazu verschiedene Szenarien mithilfe mathematischer Modelle simuliert, die unter der Annahme bestimmter Voraussetzungen eine Einschätzung zur Auslastung der Intensivbettenkapazitäten im Herbst ermöglichen. 

Sie haben dazu Impfquoten von 15 Prozent für die Bevölkerung unter 18 Jahren, 70 Prozent für 15- bis 34-Jährige, und je 75, 80 oder 85 Prozent für die Bevölkerung zwischen 35 und 59 Jahren sowie 85/90/95 Prozent für die Ü60-Jährigen zugrunde gelegt. Die Simulationen berücksichtigen, dass eine Impfung zu 100 Prozent vor einem intensivpflichtigen Krankheitsverlauf schützt.

Die Experten stellten in ihren Modellen unter anderem fest, dass die Intensivbettenauslastung proportional zur Inzidenz verläuft. Allerdings hat sich das Verhältnis im Vergleich zu den anderen drei Wellen so verändert, dass durch die Impfungen jetzt eine höhere Inzidenz für ähnliche Intensivbelegungen wie beispielsweise vor einem Jahr erreicht werden muss. 

Impfquote muss deutlich gesteigert werden

So zeigen die Modelle, dass bereits bei Inzidenzen von 200 wieder eine hohe Belastung der Intensivstationen mit mehr als 3.000 gleichzeitig zu behandelnden Covid-Patienten zu erwarten ist, wenn die Impfquote nicht deutlich gesteigert wird.  

"Wenige Prozentpunkte in der Impfquote haben eine erhebliche Auswirkung auf die potenzielle Intensivbelegung im Herbst, sodass Bemühungen um die Steigerung der Impfakzeptanz in den kommenden
Wochen im Vordergrund stehen sollten", betonen die Autoren der Kalkulation. "Für die Intensivmedizin ist die Impfquote der über 35-Jährigen von entscheidender Bedeutung."

Was zeigen die Modelle für die Corona-Entwicklung im Herbst? 

In der Divi-Kalkulation wurden Inzidenzen von null bis 750 Infektionen pro Woche und 100.000 Einwohner simuliert und folgende Kombinationen analysiert: 

  • Impfquoten eines pessimistischen und eines optimistischen Szenarios für die sechs Altersgruppen
  • Ein Infektionsschutz von 85 und 70 Prozent
  • Eine gleichmäßige Verteilung der Infektionen auf die nichtimmunisierte Bevölkerung mit höherer Gewichtung der jüngeren Bevölkerung 

Zum Vergleich mit der zweiten und dritten Welle haben die Experten zusätzlich die Intensivbettenbelegung jeweils ohne Impfung simuliert. Für jede der Kombinationen haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Intensivbettenbelegung proportional zu den Inzidenzen ansteigt. Der Anteil der Covid-Patienten auf der Intensivstation an der Zahl der gesamten Infizierten verändert sich jedoch je nach Szenario. 

Der Anteil der intensivpflichtigen Patienten an den Infizierten liegt zwischen 0,44 Prozent beim optimistischen Impfszenario und 1,1 Prozent beim pessimistischen Impfszenario. Zudem ist es so, dass bei einer Impfquote von 75 Prozent der über 35-Jährigen und 85 Prozent bei den über 60-Jährigen bereits ab einer Inzidenz von 200 mit mehr als 3.000 Covid-Intensivpatienten zu rechnen ist. 

Steigert man die Impfquoten jeweils von 75 auf 85 Prozent und von 85 auf 95 Prozent, kommt es hingegen zu erheblich weniger Covid-Intensivpatienten. 

Was wird für den Corona-Herbst geraten? 

Bereits im Juli haben sich Experten am RKI überlegt, welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, um die Infektionslage im Herbst und Winter möglichst entspannt zu halten. Dazu haben sie verschiedene Ideen in einem Konzept vorgestellt. Ein Überblick: 

  • Als einer der wichtigsten Faktoren gilt die Impfkampagne, die durch verschiedene Ideen wie bessere Kommunikation, "aufsuchende Impfangebote" oder auch Monitoring beschleunigt werden soll. 
  • Klassische Infektionsschutzmaßnahmen der Gesundheitsämter wie die Kontaktpersonen-Nachverfolgung, Isolation und Quarantäne sollen weiter verfolgt werden. 
  • Maßnahmen wie die allgemeinen AHA+A+L-Maßnahmen sollen beibehalten und "intensiv kommunikativ begleitet werden". 
  • Die ambulante und stationäre Versorgung sowie die Betreuung in Alten- und Pflegeheimen soll zusätzlich gestärkt werden.
  • Besonderes Augenmerk soll auf Kinder und Jugendliche in Schulen und Kitas gelegt werden, da viele von ihnen noch nicht geimpft sind oder bisher nicht geimpft werden können. 

Wie soll die Impfquote gesteigert werden? 

Der beste Schutz vor zu vielen Infektionen ist die Immunität der Bevölkerung, weshalb die Impfquote laut RKI gesteigert werden soll. Das gilt vor allem für die Älteren und vulnerable Gruppen. Dazu hat das RKI ebenfalls verschiedene Möglichkeiten ausgearbeitet.

  • Sozio-ökonomische Ungleichheiten sollten aktiv durch "aufsuchende Impfangebote“ in benachteiligten Gebieten aufgehoben werden. 
  • Für den Herbst und Winter sollte es für Regionen mit "zu erwartendem erhöhten Ausbruchsgeschehen" sogenannte "Schwerpunktimpfungen" geben. 
  • "Booster-Impfungen" (insbesondere) für Ältere und Risikogruppen sollten geplant und vorbereitet werden. 
  • Die bisherigen Impfquoten sollten weiterhin analysiert werden, gleichzeitig aber auch Impfgegner und Impfdurchbrüche. 
Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Divi-Prognosemodell: "Intensivbettenbedarf für Covid-19 im Herbst/Winter 2021", 9. August 2021.
  • Robert Koch-Institut: "Vorbereitung auf den Herbst/Winter 2021/22", 22. Juli 2021. 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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