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"Haltet euch an die Corona-Regeln!"

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 16.12.2021Lesedauer: 5 Min.
Unterwegs mit dem Blindenhund (Symbolfoto): Der Pudel von Hans-Joachim Baudach ist sein einziger Kontakt seit Beginn der Pandemie.
Unterwegs mit dem Blindenhund (Symbolfoto): Der Pudel von Hans-Joachim Baudach ist sein einziger Kontakt seit Beginn der Pandemie. (Quelle: Globallmagens/imago-images-bilder)
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Rund 22 Millionen Menschen in Deutschland sind noch nicht gegen das Coronavirus geimpft. Unter ihnen sind vier Millionen Kinder unter f√ľnf Jahren, aber auch Menschen wie Hans-Joachim Baudach, die gerne immunisiert w√§ren, sich aber nicht impfen lassen k√∂nnen. Er erz√§hlt, wie sich das anf√ľhlt.

Seit 2017 ist Hans-Joachim Baudach blind. Wegen der Gefahr eines allergischen Schocks kann sich der 58-J√§hrige nicht gegen Covid-19 impfen lassen. Im M√§rz 2020, ausgerechnet zum Start des ersten Lockdowns, starb sein Vater. Ungesch√ľtzt und ohne soziale Kontakte lebt er seit Beginn der Pandemie allein mit seinem Begleithund Cooper, einem K√∂nigspudel. Doch das Schlimmste ist nicht die Einsamkeit, erz√§hlt er im Interview, er hat auch Angst vor Anfeindungen von Corona-Leugnern. Und nat√ľrlich Angst, sich zu infizieren.


Corona-Impfstoffe im Vergleich: Wie wirksam sind sie?

In der EU zugelassen sind bislang vier Präparate: die Corona-Impfstoffe von Biontech /Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Doch wie wirksam sind die Mittel im Vergleich?
Astrazeneca: Nach Herstellerangaben sch√ľtzt der Impfstoff zu 76 Prozent vor einer Corona-Infektion mit Symptomen. Gegen schwere Covid-Erkrankungen sei der Impfstoff zu 100 Prozent wirksam, erkl√§rte das Unternehmen.
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t-online: Warum ist die Corona-Impfung bei Ihnen nicht möglich?

Hans-Joachim Baudach: Ich bin Anaphylaktiker. Das hei√üt, ich habe in der Vergangenheit schon zweimal anaphylaktische Schocks erlitten: einmal bei einer Diphtherie-Impfung und einmal bei einer Augenarzt-Behandlung. Bei der Diphtherie-Impfung bin ich erst wieder zu mir gekommen, als der Notarzt da war. Und meine √Ąrztin sagt, das Risiko eines dritten anaphylaktischen Schocks ist einfach zu gro√ü. Das hei√üt f√ľr mich leider, dass ich nicht geimpft werden darf.

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Anaphylaktischer Schock
Der anaphylaktische Schock ist eine seltene, aber gefährliche allergische Reaktion. Er tritt sehr plötzlich auf und kann durch das gleichzeitige Zusammenbrechen mehrerer Organsysteme Lebensgefahr bedeuten.

Wie sieht es bei einem Totimpfstoff aus, w√§re das eine Hoffnung f√ľr Sie?

Bei einem Totimpfstoff k√∂nnte es anders aussehen, das bleibt abzuwarten ‚Äď aber noch ist er eine kleine Hoffnung f√ľr mich, ja. Fr√ľher habe ich auch die Tetanus-, Pocken- oder Polio-Impfungen bekommen und alle gut vertragen. Da muss ich abwarten, wie sich die Wissenschaft entwickelt.

  • Was die Gr√ľnde gegen eine Corona-Impfung sind, lesen Sie hier.


Wie leben Sie nun in der Pandemie seit März 2020?

Tja, wie lebe ich? Mein Tag ist sehr eintönig. Ich habe keinerlei Kontakte mehr. Mein Vater ist am Freitag, dem 13. März 2020 gestorben. Ich war morgens der erste und abends der letzte Besucher, der vor dem Lockdown noch das Krankenhaus verlassen hat. Und seitdem habe ich auch keine Kontakte mehr. Freunde gibt es nicht, Verwandte gibt es auch keine mehr. Die Einsamkeit ist mein Geselle.

Haben Sie große Angst, sich zu infizieren und isolieren sich deshalb?

Ich geh√∂re nicht zu den Risikotypen, denen eine Infektion egal w√§re. Es geht mir aber vor allem darum, dass ‚Äď sobald ich mich infiziere ‚Äď ich dann erst einmal ein √úbertr√§ger des Virus bin. Da gilt dann meine R√ľcksichtnahme gegen√ľber anderen Menschen, selbst dann, wenn ich nur einen leichten Verlauf h√§tte. Denn ich wei√ü ja nicht, wie die Erkrankung bei jenen verl√§uft, die ich durch R√ľcksichtslosigkeit sonst infizieren k√∂nnte. Und ich habe auch eine gewisse Verantwortung meinem Hund gegen√ľber, f√ľr den ich auch weiterhin da sein m√∂chte. Das Tier hat auch eine Psyche und ist sehr auf mich fixiert. Wenn ich ins Krankenhaus m√ľsste, w√ľrde der Hund auch leiden.

Der Hund ist f√ľr Sie nat√ľrlich in dieser Situation besonders wichtig ...

Ja, mein Hund ist mein treuester Begleiter. Aber ich weiß auch, wenn man uns auf der Straße begegnet, geht man uns aus dem Weg. Man will ja auch den Hund nicht irritieren, obwohl der, sobald er im Geschirr ist, nur darauf konzentriert ist und weder andere Hunde noch Katzen kennt. Da kann ich mich wirklich auf ihn verlassen.

W√ľrden Sie sich denn eher w√ľnschen, dass die Menschen Kontakt aufnehmen?

Das ist eine schwierige Frage. Mittlerweile habe ich vor den Menschen eher Angst, weil die Aggressivit√§t sehr stark zunimmt. Ich merke das auch hier in meiner Hochhaussiedlung in Wuppertal. In meinem Wohnkomplex sind alle Nachbarn super ‚Äď aber in den anderen H√§usern gibt es auch sogenannte Querdenker, die ich "Quertreiber" nenne, Querdenker sind f√ľr mich etwas v√∂llig anderes. Die haben auch mich schon angesprochen, ich solle doch die Maske abnehmen und den Schmarrn nicht glauben. Das sei alles Betrug. Das sind Sachen, da gehe ich lieber aus dem Weg und bin froh, wenn ich keinen Kontakt habe.

Was denken Sie √ľber Impfgegner, die sich zwar impfen lassen k√∂nnten, es aber nicht wollen?

Dazu habe ich eine zweigeteilte Meinung. Ich bin demokratisch eingestellt: Ich w√ľrde es grunds√§tzlich akzeptieren ‚Äď auch, wenn ich kein Verst√§ndnis daf√ľr habe. Aber unter einer Pr√§misse: Wenn sie das Recht des Nicht-Impfens in Anspruch nehmen wollen, m√ľssen sie auch die Einschr√§nkungen in Kauf nehmen. Dann gibt es eben keine Teilhabe mehr am gesellschaftlichen Leben. Auch ich sage: Ich d√ľrfte zwar √ľberall hin, wo 2G gilt ‚Äď aber ich mache es nicht. Denn dort, wo 2G gilt, k√∂nnen die Geimpften oder Genesenen ansteckend sein. Wir sind eine Solidargemeinschaft und da muss man auch gegenseitig R√ľcksicht nehmen.

Was w√ľrden Sie sich von Impfgegnern w√ľnschen?

Haltet euch an die allgemeing√ľltigen Corona-Regeln: Abstand, Maske, Kontaktbeschr√§nkungen. Das ist die einfachste M√∂glichkeit, sich solidarisch zu verhalten ‚Äď auch, wenn ihr eine andere Meinung zur Pandemie habt.

Wie blicken Sie in die Zukunft?

Ganz ehrlich: Sehr skeptisch. Ich wei√ü nicht, wie die ganze Situation sich entwickelt. Wir haben ein extrem gro√ües Problem. Einmal durch die Politik, die sehr viel versiebt hat ‚Äď und zwar in den vergangenen 70 Jahren. Es gab keinen Pandemieplan ‚Äď und damit meine ich nicht zwei oder drei S√§tze als Erg√§nzung zu einem Gesetz. Ich meine ein richtiges Buch, das im Umfang dem Sozialgesetzbuch entspricht ‚Äď darin muss alles gekl√§rt sein, wirklich alles. Und das haben wir nicht ‚Äď und das ist ein Problem.

Ein Virus kennt weder Demokratie noch Freiheit ‚Äď ein Virus ist ein Diktator, dem man mit diktatorischen Mitteln begegnen muss. Und da machen viele Menschen nicht mehr mit. Das sieht man ja auch bei den Demonstrationen. Aber die Politik m√ľsste noch viel h√§rter durchgreifen. Aber wir haben auch nicht ausreichend Polizei- oder Ordnungskr√§fte. Und ich sehe auch ein gro√ües Problem in der Spaltung, in der sich Rechtsradikale, "Reichsb√ľrger" und Extremisten jetzt zusammenrotten k√∂nnen. Das wird hart.

Könnte die Impfpflicht eine Lösung sein?

Nein, muss ich leider sagen. Eine Impfpflicht bringt nicht den Erfolg, den sie bringen k√∂nnte. Denn die Impfungen sind ja nicht die klassischen Impfungen, wie wir sie von vielen anderen Krankheiten kennen: Man wird geimpft und ist kein √úbertr√§ger mehr. Bei Corona k√∂nnen Geimpfte die Viren dennoch weitergeben. Der gr√∂√üte Vorteil der Impfung ist, dass verhindert wird, dass das Gesundheitssystem √ľberlastet wird. Insofern w√§re eine Impfpflicht in Bezug auf ein Nicht-Zusammenbrechen des Gesundheitssystems gut ‚Äď aber ich sehe keine effektive Wirksamkeit gegen die Pandemie.

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Vielen Dank f√ľr das Gespr√§ch, Herr Baudach!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
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