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Kaiserschnitt riskant für Babylunge

Von pressetext
16.02.2012Lesedauer: 3 Min.
Kaiserschnitt-Babys kämpfen oft mit Atemnot.
Kaiserschnitt-Babys kämpfen oft mit Atemnot. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Kaiserschnitt wird oftmals als die problemlose Variante der Geburt dargestellt. Zu Unrecht, zeigt eine am Jahrestreffen der amerikanischen "Society for Maternal-Fetal-Medicine" präsentierte Untersuchung. Frauen, die sich ohne dringende medizinische Gründe für diese Entbindungsmethode entscheiden, nehmen damit unter anderem erhöhte Risiken für die Lunge des Babys in Kauf. Eine weitere Studie zeigt, dass Frauen mit einmal erlebten Kaiserschnitt in weiteren Geburten meist blind dem Rat des Gynäkologen folgen - und dieser lautet meist wiederum: Schnittentbindung.

2500 Babys wurden untersucht

Die Forscher analysierten Geburtsdaten von 2500 Babys, die zu klein für ihr Alter waren und zwischen der 25. und 34. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. 46 Prozent von ihnen wurden vaginal entbunden, 54 Prozent per Kaiserschnitt. "Bisher ging man davon aus, dass ein Kaiserschnitt in dieser speziellen Situation vielleicht die schonendere Option ist. Das dürfte jedoch falsch sein", so Studienautorin Erika Werner von der Johns Hopkins School of Medicine.

Atemnot häufiger

Gegenüber den auf natürliche Weise Entbundenen waren Kaiserschnitt-Babys um 30 Prozent öfter vom Neugeborenen-Atemnotsyndrom betroffen. Dabei handelt es sich um eine ernsthafte Atemstörung, die besonders bei Frühchen auftreten und zu Organschäden führen kann. Auch sonst zeigte die Schnittentbindung keine Vorteile etwa für Blutungen, Krämpfe, Apgar-Werte und Sepsis. "Man sollte in dieser Situation mit dem Arzt ernsthaft diskutieren, ob nicht die Vaginalgeburt vielleicht ebenbürtig oder sogar besser ist", so die Forscherin.

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Wasser verbleibt in Lunge

Der Kaiserschnitt bringt sowohl bei zu kleinen als auch bei reifen Kindern Nachteile für die Lunge, bestätigt Franz Kainer von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. "Von zwei Kindern, die in der 36. Woche mit 2700 Gramm zur Welt kommen, hat nur jenes mit Kaiserschnitt Anpassungsstörungen und muss oft tagelang intensiv betreut werden, jenes mit normaler Geburt jedoch nicht. Durch den Stress, der die Wehen der Spontangeburt auf das Kind ausübt, wird die Lungenflüssigkeit bestens resorbiert. Bei der Sectio bleibt sie hingegen in der Lunge", so der Münchner Frauenarzt.

Gynäkologen drängen zu zweitem Kaiserschnitt

Der Frauenarzt spielt für die Entscheidung über die Geburtsmethode eine entscheidende Rolle, zeigt eine weitere auf der Tagung präsentierte Studie. Untersucht wurden Schwangere, die bereits einmal per Kaiserschnitt entbunden hatten und bei denen es nun keine Kontraindikation für eine Vaginalgeburt gab. Bisherige Statistiken zeigen, dass der Versuch, beim zweiten Mal doch vaginal zu entbinden, in 60 bis 80 Prozent der Fälle gelingt. Dennoch entscheiden sich die meisten Frauen für eine Wiederholung des Kaiserschnitts.

Beratung fehlt

Die Erhebung machte deutlich: Der Großteil der Frauen entscheidet sich für die Methode, die laut ihrer Wahrnehmung der Frauenarzt bevorzugt. Zieht der Gynäkologe einen erneuten Kaiserschnitt vor, so versuchen es nur vier Prozent mit einer Vaginalgeburt. Auf 43 Prozent erhöht sich der Anteil der natürlichen Geburten, wenn der Arzt dazu ermuntert. Allgemein wissen besonders die per Kaiserschnitt entbindenden Frauen sehr wenig über Vor- und Nachteile, Risiken und die unterschiedliche Erholungsdauer der beiden Möglichkeiten.

Kainer stellt fest, dass Gynäkologen meist zu wenig Zeit haben, um Frauen ausreichend zu beraten. "Ein Kaiserschnitt ist für den Frauenarzt stets einfacher, da er besser terminisiert werden kann. Stellt er die Risiken der Vaginalgeburt drastisch dar, so folgt so gut wie jede Frau seinem Rat zum Kaiserschnitt. Doch selbst bei einem früheren Kaiserschnitt stellt eine Vaginalgeburt meist kein erhöhtes Risiko dar - vorausgesetzt, dass bei Komplikationen eine schnelle Sectio-Geburt möglich ist."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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