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Das bringen Fruchtbarkeits-Tests zum Selbermachen

t-online, Maria M. Held

Aktualisiert am 13.11.2013Lesedauer: 5 Min.
Unfruchtbar oder nur ein dummer Zufall? Unerf├╝llter Kinderwunsch ist auch M├Ąnnersache.
Unfruchtbar oder nur ein dummer Zufall? Unerf├╝llter Kinderwunsch ist auch M├Ąnnersache. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Was taugt der Spermacheck aus dem Online-Handel? Die Produktbeschreibung liest sich verhei├čungsvoll: schnell, einfach, aufschlussreich. Aber liefern die Spermien-Tests wirklich eine belastbare Diagnose, ob ein Mann nicht nur kann, sondern auch zeugungsf├Ąhig ist? Ein Androloge spricht ├╝ber M├Ąnner, Fruchtbarkeit, Zeugungsf├Ąhigkeit, Sex-Irrt├╝mer und seinen Beruf.

M├Ąnner h├Âren keine biologische Uhr ticken wie die Frauen. Sie sind beinahe unbegrenzt zeugungsf├Ąhig, sogar ein bisschen ├╝ber den Tod hinaus, erw├Ąhnt Matthias Trottmann, Androloge oder umgangssprachlich "M├Ąnnerarzt". Demzufolge sind Trottmanns Patienten auch zwischen 20 und 70 Jahre alt, ein weites Spektrum. Doch nicht immer hei├čt "kommen" auch zeugen k├Ânnen. Unfruchtbarkeit hat nichts mit Impotenz zu tun. Nicht die Quantit├Ąt der Spermien ist entscheidend, sondern die Qualit├Ąt. Und deren Analyse bedarf einiger ├ťbung, sagt der Kinderwunsch-Experte.

Kinderwunsch: Verhei├čungsvolle Sperma-Tests f├╝r den Eigengebrauch

Trotzdem greifen immer h├Ąufiger M├Ąnner zu den verhei├čungsvollen Tests f├╝r Zuhause, um zu pr├╝fen, ob sie zeugungsf├Ąhig sind. Es hat sich herumgesprochen, dass Kinderwunsch nicht nur Frauensache ist, dass immerhin in einem Drittel der F├Ąlle von unerf├╝lltem Kinderwunsch die biologische Ursache beim Mann liegt. Es ist gl├╝cklicherweise inzwischen immer h├Ąufiger so, dass sich auch echte Kerle nicht gekr├Ąnkt f├╝hlen, wenn ihre Partnerin darauf hinweist, dass auch er sich mal untersuchen l├Ąsst.

"Es ist nicht so einfach, wie es sich anh├Ârt", warnt Trottmann, der am Klinikum der Universit├Ąt in M├╝nchen t├Ątig ist. Ein solcher Schnellcheck k├Ânne ein fachkundig durchgef├╝hrtes Spermiogramm nicht ersetzen. Dabei soll es so einfach wie ein Schwangerschaftstest sein, statt mit Urin mit Ejakulat, Streifen oder Verf├Ąrbungen zeigen das Ergebnis an: Ja oder nein, Spermien vorhanden oder nicht. Je nach Produkt in rund 20 Minuten, Kostenpunkt zwischen 20 und 50 Euro. Dabei unterscheiden die Selbst-Test allerdings nicht zwischen gesunden und ungesunden, langsamen oder schnellen Spermien.

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Fakten ├╝ber Spermien

Wer das Ergebnis einsch├Ątzen will, muss ein bisschen ├╝ber Sperma Bescheid wissen: Die Spermakonzentration wird pro Milliliter gerechnet. Bei einem Samenerguss werden zwischen zwei und sechs Milliliter Samenfl├╝ssigkeit ausgesto├čen, wobei ein Milliliter zwischen 20 und 150 Millionen Spermien enth├Ąlt. Nur etwa 0,5 Prozent des Ejakulats sind Spermien, der Rest ist Samenfl├╝ssigkeit. Das Ejakulat eines gesunden Mann um die 30 Jahre enth├Ąlt im Durchschnitt zwischen 30 und 50 Millionen Samenzellen pro Milliliter. In den sp├Ąten 80er-Jahren waren es noch um die 74 Millionen. Insgesamt sank die Spermiendichte von durchschnittlich 113 Millionen pro Milliliter im Jahr 1940 auf 66 Millionen im Jahr 1990.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert fruchtbares Sperma folgenderma├čen: Ein Mann ist dann zeugungsf├Ąhig, wenn pro Milliliter Ejakulat ├╝ber 20 Millionen Spermien vorhanden sind und mehr als 50 Prozent eine normale Form oder Bewegungsf├Ąhigkeit haben. Sch├Ątzungsweise sieben Prozent der M├Ąnner weltweit gelten nach dieser Definition als nicht zeugungsf├Ąhig.

Das beeinflusst die Samenqualit├Ąt

Die Qualit├Ąt der Spermien kann durch Faktoren wie Rauchen, Drogen, Alkohol, Stress, extreme Arbeitsbedingungen (K├Ąlte, Hitze), manche Sportarten, Medikamente, Fettleibigkeit eingeschr├Ąnkt sein, auch Kinderkrankheiten k├Ânnen Folgen haben, ebenso eine genetische Abweichung.

Von Unfruchtbarkeit spricht man, wenn ein Paar ein Jahr trotz regelm├Ą├čigem Geschlechtsverkehr ohne Verh├╝tung kein Kind bekommt. Davon ist jedes sechste bis siebte Paar in Mitteleuropa betroffen - eine hohe Zahl. Dabei stellen einige Paare ihr Problem nie einem Arzt vor.

Spermatest f├╝r Zuhause contra Spermiogramm

Ein Test im Do-it-youself-Verfahren kann nur eine grobe Einsch├Ątzung geben. Medizinische Tests im Labor dagegen ├╝berpr├╝fen das Ejakulat auf die Anzahl der Spermien, auf deren Beweglichkeit und deren Form. Daraus lassen sich Schl├╝sse ziehen, ob ein Mann f├Ąhig ist, mit seinem Samen eine Frau zu befruchten.

Denn nicht die Menge der Spermien, sondern deren Beschaffenheit ist wichtig. In manchen F├Ąllen wiegt also ein Ergebnis aus dem Selbsttest Paare sogar in falscher Sicherheit.

Die Kosten von etwa 300 Euro ├╝bernehmen bei ungewollter Kinderlosigkeit oft die Krankenkassen, bei einem Test im Eigenverfahren nicht.

Der Weg vom Test zum Wunschkind

"Ein Spermiogramm braucht ein paar Tricks und Zeit, das kann auch noch kein Medizinstudent im ersten Semester, das braucht viel ├ťbung", darauf weist Matthias Trottmann hin. "Nur die Konzentration der Spermien im Ejakulat zu kennen, bringt uns nicht weiter."

Ist ein Spermiogramm auff├Ąllig, wird immer ein zweiter Test gemacht, denn die Spermien sind sensibel und reagieren zeitversetzt. Schon ein Tag Fieber sechs Wochen vor dem Test verf├Ąlschten die Labor-Probe.

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Viele Paare nicht richtig aufgekl├Ąrt

Ein Fruchtbarkeitsproblem allerdings stellt auch Trottmann und seine Kollegen vor R├Ątsel: Viele Paare sind nicht richtig ├╝ber Verh├╝tung und Empf├Ąngnis aufgekl├Ąrt. Nicht wenige M├Ąnner denken, eine Frau kann uneingeschr├Ąnkt an jedem Tag des Zyklus schwanger werden.

Dabei beobachtet Trottmann, dass immer h├Ąufiger M├Ąnner von selbst kommen. "Obwohl den Andrologen kaum jemand kennt." Andrologen sind spezialisierte Urologen. Dabei, so glaubt der Infertilit├Ątsfachmann, spielt das Internet als Informationsquelle mit den zahlreichen Foren betroffener Paare, eine gro├če Rolle. Der ├╝bliche Weg f├╝hrt Paare erst zum Frauenarzt, da man die Ursache zuerst bei der Frau sucht. Wird hier keine Auff├Ąlligkeit festgestellt, sucht der Mann Rat beim Hausarzt, der ihn zum Urologen schickt und der wiederum zum Andrologen. Nach der ├╝blichen Anamnese mit ├Ąu├čerem Befund, Ultraschall und Spermiogramm, dem "kleinen Labor", steht der Befund. Bei einem Normalbefund, konzentriert sich die Ursachensuche auf die Frau, ist er auff├Ąllig, schlie├čt sich ein zweites Spermiogramm an.

Hoffnung auf Vaterfreuden schon bei einem einzigen Spermium

Hormonbehandlungen sind ein Teil des Behandlungsspektrums, doch vor allem die k├╝nstliche Befruchtung in Kinderwunschzentren verspricht gute Prognosen f├╝r den Kinderwunsch. Theoretisch kann ein Mann mit einem einzigen Spermium Vater werden. Vorausgesetzt dieses eine wird auch gefunden. "Wir suchen", versichert Trottmann.

Bei einer so stark eingeschr├Ąnkten Zeugungsf├Ąhigkeit durch zu wenige oder unbewegliche Spermien schenkt die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) M├Ąnnern Hoffnung auf Vaterfreuden. Bei ICSI - im Medizinerjargon "Befruchtung auf der Werkbank" genannt - werden Eizelle und Samenzelle im Labor direkt und unterst├╝tzt zusammengef├╝hrt.

Baby-Take-Home-Rate - was f├╝r M├Ąnner wirklich z├Ąhlt

Schon heute wird jedes 50. Kind in Deutschland nach einer k├╝nstlichen Befruchtung mit In-vitro-Fertilisation (IVF) oder ICSI geboren, etwa jedes 13. Kind wurde nach medizinischer Hilfe in irgendwelcher Form empfangen, das kann eine hormonelle Behandlung, eine operative sein.

Die Schwangerschaftsrate liegt nach assistierten Befruchtungen in Deutschland inzwischen bei 29,3 Prozent, die nat├╝rliche Fruchtbarkeitsrate bei 27 und 30 Prozent pro Zyklus.

Was etwas flapsig "Baby-Take-Home"-Rate pro Embryo-Transfer genannt wird, ist f├╝r M├Ąnner mit Kinderwunsch das einzige, was z├Ąhlt: Vater werden. Und diese Rate - der tats├Ąchlichen Geburten nach einer k├╝nstlichen Befruchtung, nicht nur eine Schwangerschaft - steigt immer weiter, denn die Verfahren werden immer besser. Heute liegt laut Deutschem IVF-Register die Baby-Take-Home-Rate der deutschen Kinderwunschzentren pro Embryotransfer zwischen 17 und 21 Prozent.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Melanie Rannow
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