Sie sind hier: Home > Gesundheit > Gesund leben >

Asexualität: Wenn Menschen keine Lust auf Sex haben

...

Sexualität  

Keine Lust auf Sex: Was hinter Asexualität steckt

15.05.2018, 13:38 Uhr | amau, t-online.de, az

Das steckt hinter Asexualität (Quelle: Getty Images)
Das steckt hinter Asexualität

Nicht für alle die schönste Nebensache der Welt: Das steckt hinter Asexualität. (Quelle: sixx)

Nicht für alle die schönste Nebensache der Welt: Das steckt hinter Asexualität. (Quelle: sixx)


Sex gehört für die meisten Menschen zum Leben wie Essen oder Schlafen. Doch was, wenn sich die Lust einfach nicht einstellen möchte? Schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung ist asexuell. Das heißt, diese Menschen verspüren kein Verlangen nach Sex. Was hinter Asexualität steckt, erfahren Sie hier. 

Der Begriff Asexualität bedeutet das fehlende Interesse an Sexualität. Ein asexueller Mensch verspürt kein sexuelles Verlangen und fühlt sich demnach nicht zu einem anderen Menschen sexuell hingezogen, egal welchen Geschlechts. Zudem unternehmen Asexuelle keine oder selten sexuelle Handlungen zur eigenen oder fremden Befriedigung. Dies schließt jedoch eine romantische Anziehung nicht aus.

Asexualität ist keine Störung

Asexualität ist strikt zu unterscheiden von sexuellen Funktionsstörungen wie etwa Impotenz oder Schwierigkeiten beim Orgasmus. Asexualität wird nicht als Krankheit angesehen, da sie bei Asexuellen kein Leiden auslöst. Dieser entsteht meist erst durch sozialen Druck. Die Definition dieser Ausrichtung ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig. Der Begriff ist vor allem für Menschen eine wichtige Selbstbeschreibung, die sich selbst asexuell sehen. Sie bezeichnen sich meist als ASS (Asexuelle Personen).

Info-Show: Was hinter Asexualität steckt, erfahren Sie hier.

"Sex ist für mich nicht reizvoll"

Therese S. ist eine ganz normale Frau in ihren Fünfzigern. Sie trägt einen modischen Kurzhaarschnitt, arbeitet als Sportlehrerin, trifft sich gern mit Freunden oder wandert. Was kaum jemand weiß: Die Schweizerin ist asexuell. "Ich habe kein Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr, auch nicht in einer Beziehung. Wohl aber nach Körperkontakt und Zärtlichkeiten", sagt sie.

Schülerin Julia B. fühlte sich bisher zu keinem Menschen körperlich hingezogen. Für die Mittzwanzigerin aus dem Saarland sind sexuelle Handlungen in etwa so reizvoll wie ein ungeliebtes Schulfach: "Man macht es halt, weil man muss. Aber wenn es vorbei ist, ist man froh", so die Abiturientin. Mehr als Petting hat sie bisher nicht zugelassen – und kann sich das auch künftig nicht vorstellen.

Ursachen für Asexualität sind unbekannt

Keine Lust auf Sex? Das mag in unserer übersexualisierten Welt seltsam anmuten. Dabei sind phasenweise Flauten im Bett auch für Menschen mit Sexualtrieb nicht selten oder ungewöhnlich: Ob Stress im Job oder Ärger in der Beziehung – da kann das erotische Interesse schon mal versiegen.

Doch Asexualität ist nicht dasselbe wie Abstinenz. Denn letztere bedeutet lediglich den Verzicht auf sexuelle Aktivitäten, obwohl eine Motivation und Fähigkeit prinzipiell vorhanden ist, während bei Asexuellen dies fehlt. Wer unter einer länger anhaltenden Unlust leidet, körperlich aber gesund ist, könnte eine sexuelle Appetenzstörung haben, also Lustlosigkeit.

Erklärungsversuche

Gründe können etwa in einem Hormonmangel oder der Einnahme bestimmter Medikamente liegen. Außerdem vermuten manche Sexualwissenschaftler hinter Asexualität eine andersartige Funktion in jenen Arealen des Gehirns, die das Verlangen steuern. Früher zog man psychische Ursachen als Erklärung heran: Negative sexuelle Erfahrungen, beispielsweise Missbrauch in der Kindheit oder Vergewaltigung, Depressionen oder eine nicht ausgelebte Homosexualität. Heute geht man jedoch davon aus, dass Asexualität angeboren ist und schlichtweg eine Ausprägung menschlicher Sexualität.

Ich bin asexuell – und das ist auch gut so!

Asexuelle Menschen haben keinen Leidensdruck. Sie betrachten ihre Unlust als Teil ihrer Persönlichkeit. Durch das weltweite Netzwerk "Aven" (Asexual Visibility and Education Network) haben die beiden Frauen eine Möglichkeit zum Austausch mit anderen Asexuellen gefunden. Im deutschen Sprachraum gibt es Aven seit dem Jahr 2005. Ziel der Internetplattform ist es, den Austausch asexueller Menschen zu erleichtern und ihre Akzeptanz zu erhöhen. "Viele Betroffene sind durch ihre andauernde Lustlosigkeit sehr verunsichert", sagt Therese S. "Durch das Forum erfährt man, dass man damit nicht allein ist, fühlt sich extrem erleichtert und verstanden."

Der renommierte Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch schreibt in seinem Buch "Sexualitäten: Eine kritische Theorie in 99 Fragmenten": "Es ist ein Akt der Emanzipation, wenn sich heute Männer wie Frauen, die kein sexuelles Verlangen haben, zu dieser nur scheinbar aus dem Rahmen fallenden Eigenheit offen bekennen. Denn die Lustlosigkeit [...] hat sehr viel mehr mit der kulturellen Transformation und insbesondere geschlechtlichen Differenzierung der alten, angeblich natürlich und stets endogen-trieblich gesteuerten sprudelnden Sexualität zu tun als mit der fachlich haltbaren Diagnose einer sexuellen Störung."

"Sex ist für mich erniedrigend"

Asexuelle Menschen sind keine gefühlskalten Wesen. "Ich bin nicht sexfeindlich, kann mich verlieben und mag ausgiebiges Streicheln und Zärtlichkeiten", sagt etwa Therese S. Die Schweizerin hatte auch schon Geschlechtsverkehr. Da war sie 31 und sehr verliebt in einen Mann aus ihrem Sportverein. Mit ihm erlebte sie nach ein paar Monaten Beziehung ihr allererstes Mal.

"Es war nicht schlimm oder eklig", so Therese S. "Aber es war auch nicht gut, sondern eher schade um die Zeit." Glücksgefühle oder gar ein Orgasmus? Fehlanzeige. Ihrem Partner zuliebe hatten sie regelmäßig Sex. Dies erschien ihr jedoch nicht als geeignete Form, um Liebe auszudrücken. "Auf Dauer fand ich den Geschlechtsverkehr lieblos, animalisch und erniedrigend", so die 51-Jährige. Das spürte ihr Partner – und verletzte ihn. Erst als er Therese S. bat, ihm einen Orgasmus vorzutäuschen, verstand sie, wie sehr er unter ihrer Art zu lieben litt. Deshalb trennte sie sich von ihrem Freund. Seit damals lebt sie, wie sie selbst sagt, als glücklicher Single.

Asexualität in Beziehungen

Asexuelle stoßen durch ihr nicht vorhandenes Interesse an Sex in Beziehungen mit Mitmenschen mitunter auf Widerstände. Es bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht beziehungswillig oder -fähig sind. Manche Asexuelle haben in einer Partnerschaft – ähnlich wie Therese S. – einvernehmlich Sex, um ihre Beziehung zu pflegen oder zumindest nicht zu gefährden. Auch ein Kinderwunsch kann ein Grund sein, trotz Abwesenheit sexueller Empfindungen, einem Geschlechtsverkehr zuzustimmen. Manche Asexuelle wünschen sich platonische Beziehungen.

Wenig Akzeptanz vom Umfeld

Und was sagt ihr Umfeld zu ihrer Asexualität? "Ich rede sehr selten darüber und wenn, dann nur mit ausgewählten Freunden. Aber eigentlich möchte ich mehr darüber sprechen", gibt Therese S. zu. Auch Julia B. lebt ihre Asexualität nicht offen. "Meine Freunde würden mich nur schief angucken und meine Familie würde das überhaupt nicht gutheißen", vermutet sie. Beide Frauen wünschen sich, als Asexuelle in der Gesellschaft akzeptiert und nicht als Außenseiter, verklemmte oder gar kranke Menschen angesehen zu werden.

Verwendete Quellen:
  • asexuell.info
  • asexuality.org
  • "Sexualitäten: Eine kritische Theorie in 99 Fragmenten" (Volkmar Sigusch)
  • eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben unsere Community grundlegend erneuert und viele Veränderungen vorgenommen. Es gibt neue Funktionen und auch die Redaktion wird verstärkt in den Kommentarbereichen mit Ihnen in Kontakt treten. Mehr zu unserer neuen Community erfahren Sie in unseren FAQ.

Leider können wir Ihnen nicht unter allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen.
Wir wollen alle Debatten auf t-online.de schnell und sorgfältig moderieren und können deswegen aus der Vielzahl unserer Artikel nur einzelne Themen für Leserdebatten gezielt auswählen. Dabei ist uns wichtig, dass sich das Thema für eine konstruktive Debatte eignet. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Wir freuen uns auf angeregte und kontroverse Diskussionen. Eine Liste der aktuellen Leserdebatten finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Duftkerze mit der bekannten NIVEA Creme-Note
jetzt bestellen auf NIVEA.de
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Gesundheit > Gesund leben

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018